Archiv der Kategorie: Fiktional

Im Rosengarten

Pastel Cabbages
Foto: Sister72, Lizenz: CC-BY

Dr. Wrolem summte die Parteihymne. Er ließ seinen Blick über die Beete der Anlage schweifen. Er versuchte, tief einzuatmen, und den Duft der Rosen wahrzunehmen. Es war trocken und heiß. Bei Wetter wie diesem spürte er seinen Körper, und das war ihm nicht angenehm. Noch vor einigen Jahren waren es Stangenbohnen gewesen, und Kohl, immer wieder Kohl, auf den Beeten, auf denen jetzt die Rosenstöcke standen. Erst allmählich sind die letzten Spuren der weltweiten Depression verschwunden. In den Jahren direkt nach der Jahrtausendwende, in der Zeit der Großen Koalition, da hatte man Angst gehabt. Die Risikogesellschaft hatten sie es genannt. Er war damals noch jung und fit gewesen, aber auch an diese Angst konnte er sich noch genau erinnern.

Schon vor einem Jahr habe ich eine Kurzgeschichte zur Aktualität von Zensur- und Überwachungsdystopien geschrieben. Leider hat sie an Aktualität nichts eingebüsst. Deswegen gibt es sie jetzt online:

Im Rosengarten (pdf)

Viel Vergnügen! Die Geschichte steht unter der Lizenz CC-BY-SA-NC, d.h. sie darf für unter ähnlichen Lizenzen stehende nichtkommerzielle Werke bei Namensnennung frei kopiert und weitergegeben werden (den »Quelltext« gebe ich bei Bedarf gerne weiter – bitte einfach bei mir melden).

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Eine kurze und frei erfundene Geschichte des InterNet

Antique Software in Action

Wie wahrscheinlich einige wissen, ist es so, dass ich, wenn ich mich nicht gerade um meine Diss., um mein Kind, um meine Partei oder um meinen Job kümmere, mich ab und zu auch gerne an Kurzgeschichten und anderen literarischen Texten versuche, Science Fiction und so. In der letzten Zeit ist das etwas kurz gekommen. Beim Aufräumen ist mir jetzt aber ein Text aus dem Jahr 2006 wieder in die Hände gefallen, den ich damals geschrieben hatte, um ihn beim Wettbewerb »what if« der Telepolis einzureichen (»what if – visionen der informationsgesellschaft«).

Da war der Text nicht sonderlich erfolgreich, was auch damit zu tun haben mag, dass er weniger eine Geschichte als vielmehr einen (mehr oder weniger plausiblen) alternativen Geschichtsstrang präsentiert. Auch wenn’s am Plot mangelt, mag’s für die eine oder den anderen trotzdem amüsant zu lesen sein, deswegen habe ich den Text »Eine kurze und frei erfundende Geschichte des InterNet« inzwischen auf meine Website gestellt. Worum geht es? Kurz gesagt um eine Historie, in der folgendes plausibel ist:

1997: Die ersten echten Mobiltelefone erscheinen im Frühjahr auf dem Markt, ein europäisches Kooperationsprojekt, an dem unter anderem Telefunken-Siemens, die Bundespost i.A. und die British Telecom beteiligt sind. Die Mobiltelefon-Spitzenmodelle sind sogar in der Lage, dBriefe zu empfangen. Die Gespräche zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der EC/CE machen Fortschritte. Innenminister Otto Schily (SPD) bringt nach einem intensiven Gedankenaustausch mit dem Staatsratsvorsitzenden der DDR, Egon Krenz, eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten noch innerhalb des Jahrtausends ins Gespräch. Im Herbst kommt es zu zwei wichtigen technischen Entwicklungen: die erste interkontinentale Versand- und Verrechnungsstelle für dBriefe nimmt ihren Betrieb auf. […]

Wie es dazu kommen konnte und wie es weitergeht, steht hier.

Warum blogge ich das? Noch ist verständlich, was der Text eigentlich aussagen wollte … und weil ich es interessant finde, darüber nachzudenken, wieweit das Internet, so wie wir es kennen, technisch bedingt ist, und wie weit es an sozialen und politischen Zufällen hängt.

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