Archiv der Kategorie: Digitales Leben

Kurz: Digitalisierung grün gestalten

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Die Flüchtlingspolitik überstrahlt derzeit alle anderen Politikfelder, und das ist auch gut so. Trotzdem gibt es noch andere wichtige Themen – beispielsweise die Frage, wie wir als Gesellschaft den laufenden Digitalisierungstrend gestalten wollen. »Digitalisierung« ist mehr als »Netzpolitik«. Es geht um Arbeit 4.0 und Industrie 4.0, um die Veränderung der Bildung, um Globalisierung von Kommunikation und Warenströmen – und nicht zuletzt auch um die Frage, wie sich Ökologie, Nachhaltigkeit und möglicherweise sogar sowas wie Postkapitalismus mit intelligenten, vernetzten und verteilten System verbinden lassen können.

Deswegen war ich sofort begeistert, als Malte Spitz im Kreis der grünen Bundesarbeitsgemeinschaften vor einem guten Jahr vorschlug, einen gemeinsamen grünen Digitalisierungskongress zu veranstalten. Der findet – unter dem schönen Titel Wie programmieren wir Zukunft? heute und morgen in Bielefeld statt. Das Programm kann sich sehen lassen, und auch die eingeladenen Referentinnen und Referenten versprechen Impulse für interessante und wichtige Debatten. Deswegen bin ich froh, dass die BAG Wissenschaft, Hochschule, Technologiepolitik sich dafür entschieden hat, bei diesem Kongress mitzumachen (unser Workshop schaut sich an, wie Lernen und Lehre an Hochschulen sich in Zeiten der Digitalisierung verändern), und dass – nach diversen Besprechungen, Mailwechseln und Telefonkonferenzen, nach Themen- und Referentinnensuche – der #dk15 heute nachmittag beginnt. Ich bin selbstverständlich dabei!

Wer nicht in Bielefeld sein kann: Es gibt zwar keinen Livestream, aber einen Hashtag. Zudem soll in den Foren und Workshops der Debattenverlauf per Etherpad dokumentiert werden. Und auch mein Twitterstream wird heute sicherlich den einen oder anderen #dk15-Tweet enthalten ;-)

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Kurz: Ferienzeit – Zeit, Umzug der Datenhalden zu planen

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Nachdem der Support für Windows XP endgültig ausgelaufen ist, Linux aus Gründen für mich keine Option darstellt, aber auch, nachdem der Umgang mit aktuellen Websites in den letzten Jahren immer qualvoller geworden ist und die 150 GB Festplatte periodisch voll laufen, ist es Zeit für einen neuen PC. Der alte war jetzt fast zehn Jahre im Dienst, den neuen habe ich heute bestellt. Dabei hatte ich mit einem Intel NUC geliebäugelt, der war mir dann allerdings letztlich in der Ausstattungsvariante, die ich gerne haben wollte, zu teuer, so dass es ein etwas größerer, langweiliger und nicht ganz so energiesparsamer anderer Mini-PC geworden ist. Immerhin kenne ich mich jetzt halbwegs mit Intels aktuellen Prozessorfamilien aus. Wie der neue PC sich macht, werde ich berichten, wenn er da ist.

Aktuell mache ich mir Gedanken, wie ich den neuen PC einrichten soll. Neben Grundsatzfragen (Erstmal Windows 7 oder doch gleich Windows 10 installieren, wo ich schon dabei bin? Microsoft Office oder doch LibreOffice trotz aller Unzufriedenheiten eine Chance geben?) stellt sich mir insbesondere die Frage, was ich mit den Datenhalden tun möchte, die sich so angesammelt haben. Datenhalden meint hier zum einen jede Menge Software, die ich irgendwann mal installiert und dann vergessen habe, zum anderen Daten, die bis 1995 zurückreichen – zwanzig Jahre alte Dokumente. Das kann manchmal ganz praktisch sein.

Bei der Software gibt es rund zwei Dutzend Programme, die ich weiterhin brauchen werde, und viel, was ich vorsichtshalber mal in Form von Installationsdateien aufbewahren werde. Das ist relativ einfach. Komplizierter sieht es bei den Dokumenten aus. Bisher habe ich bei Rechnerumzügen einfach alles auf den neuen Rechner kopiert (ganz besonders schlimm: Mailarchive! Fotos!). Den Anlass »neuer PC« könnte ich jetzt aber auch dazu nutzen, mir Gedanken darüber zu machen, welche Äste meiner Ordnerstruktur ich weiterhin regelmäßig brauche und nutze, und welche maximal noch in einem »Archiv«-Pfad fortgeführt werden sollten. (Und dann sind dann noch die Kinder, die meinen Rechnern inzwischen nicht nur für Spiele nutzen – da fängt’s dann mit Accounts etc. an …). Ich weiß, was ich in diesen Sommerferien machen werde.

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Warum Click-Aktivismus etwas ändern kann

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2015rainbowFacebook-Avatare in Regenbogenfarben – und schon bricht eine Debatte darüber aus, ob das a. nur eine konformistische Modewelle, b. politisches Engagement oder c. ein fieser Trick Facebooks ist, um an noch mehr Daten zu kommen. (Lesenwerter Hintergrund auch zu c. und dazu, wieso Facebook plötzlich ein Tool anbietet, um das eigene Profilbild für »celebrate pride« in einen Regenbogen zu tauchen, findet sich hier). Und dann gibt es noch die Debatte d. darum, ob die Ehe für alle in den USA überhaupt – auch aus progressiver Sicht – das richtige Ziel ist, und ob ein damit verbundenes Färben der Profilbilder nicht letztlich das falsche feiert.

Natürlich ist es »Clicktivism«, wenn jede/r durch ein paar Mausklicks das Profilbild einfärben kann, um damit eine Haltung auszudrücken. Ich bin trotzdem überzeugt davon, dass diese Form des Aktivismus nicht unterschätzt werden sollte. Auch das Demonstrieren auf der Straße, die Teilnahme an einem CSD oder das Tragen eines Anti-AKW-Aufklebers auf der Aktentasche sind nicht mehr – und nicht weniger – als symbolische Handlungen. Und wer eine Unterschriftenliste unterzeichnet, möglicherweise sogar noch anonym, tut ebenfalls etwas, ohne viel zu tun. So scheint es zumindest.

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Kurz: Mobiles Netz ausstellen

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Ffm 46

Noch bis zum 5. Juli ist im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main die Ausstellung »Hamster Hipster Handy« zu sehen. Nachdem ich die Techniksoziologie des Mobiltelefons nach wie vor spannend finde (was ändert sich in einer allgegenwärtig vernetzten Gesellschaft, die so ihr ganz eigenes Connectom entwickelt?), musste ich mir das unbedingt ansehen (Fotos). Gelesen hatte ich davon in der taz.

Das Museum Angewandte Kunst ist eines der vielen Ausstellungshäuser am Frankfurter Museumsufer (fast wäre ich schwach geworden und hätte mir statt dessen doch eines der anderen Museen angeschaut – Probleme der Multioptionsgesellschaft). Die Handys teilten sich den architektonisch sehr eindrucksvollen Richard-Meier-Bau mit der Daueraustellung des Museums (Design und Kunsthandwerk von ganz früher bis heute, auch sehr schön, inklusiv eines Raums zum Frankfurter Design von Braun bis Suhrkamp) und einer Buddhismus-Ausstellung. Gezeigt werden vier verschiedene Arten von Objekten: (1) Mobiltelefone und Zubehör unter alltagsästhetischen Aspekten, beispielsweise ein Selbstbau-Mobiltelefon, auch das Fairphone fand sich als musealer Gegenstand wieder, aber auch japanische Design-Unikate. (2) Künstlerische Installationen, die Mobiltelefone und Tabletes einbeziehen, um darauf z.B. Filme wiederzugeben oder Daten zu visualisieren, auch die »Handy-Biographien« (sehr schöne Idee) würde ich in diese Kategorie packen. (3) Kunstobjekte, die sich mit mobiler Ästhetik auseinandersetzen, z.B. stark vergrößerte Selfies. (4) Netzkunst und Netzfundstücke.

Gerade die vierte Kategorie ist interessant: Wie lassen sich z.B. Meme ausstellen? Vieles lief in Dauerschleife oder mit kleinen Auswahloptionen auf an der Wand befestigen Tablets und Smartphones, oder auch auf größeren Bildschirmen. Vieles, was hier an Fundstücken gezeigt wurde, habe ich im Netz schon einmal gesehen – hier tauchte der eine oder andere Youtube-Film dann als museales Artefakt auf. Noch einen Schritt weiter (und tatsächlich neu) war der vielleicht ambitionierteste Teil dieser Ausstellung: zu sehen war zunächst nur eine ganze Reihe von WLAN-Routern. Erst mit dem eigenen Smartphone und der Auswahl des richtigen WLAN-Netzes wurden diese Kunstwerke sichbar: diverse im Browser ablaufende Werke, die nicht im Internet, sondern eben nur vor Ort, im flüchtigen WLAN der Ausstellung zu finden sind. Sehr schön!

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Experimenteller Technikoptimismus

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Street art computer

Die Zukunft vorherzusagen, ist notorisch schwierig. Dennoch wird es – die Geschichte des Retrofuturismus ebenso wie der apokalyptischen Warnungen zeugt davon – immer wieder versucht. Judith Horchert, Matthias Kremp und Chris Stöcker versuchen es heute auf Spiegel Online mit einem Stück zu Fünf Technologien, die unseren Alltag verändern werden.

Mit etwas techniksoziologischem Bauchgefühl ausgestattet fühle ich mich hier zum Widerspruch angestachelt. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich die fünf von Spiegel Online beschriebenen digitalen Technologien in den nächsten sagen wir mal fünf Jahren weit in den gesellschaftlichen Alltag hinein verbreiten werden. Zu oft sind genau in diesen Bereichen schon Revolutionen ausgerufen worden. Und trotz der Verweise auf das Mooresche Gesetz, auf steigende Rechenpower, Durchbrüche in Robotik und neuronalen Netzwerken halte ich es für unwahrscheinlich, dass es bei all diesen fünf Technologien nicht nur zu technischen Durchbrüchen kommt (Prototypen gibt es), sondern auch gesellschaftlich durchsetzungsfähige Anwendungsmodelle gefunden werden. Das Videotelefon oder die Leuchtstoffröhre liefern hier interessante Beispiele.

Aber vielleicht ist das auch nur mein zunehmender Konservativismus – schließlich habe ich die für die Offenheit für neue Technologien magische Grenze von 30 Jahren schon länger überschritten. Kurzum: Wer recht hat, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Deswegen habe ich eine Reihe von leeren Erinnerungsartikeln angelegt, die WordPress im Abstand von jeweils einem Jahr automatisch posten wird – mit der Aufforderung, mal nachzuschauen, wie es um die Durchsetzung der jeweiligen Technologien bestellt ist.

Und weil nicht klar ist, ob es den SpOn-Artikel dann noch geben wird, liste ich die Prognosen von Horchert et al. hier noch einmal auf:

  1. Robotik: »Künftig aber dürften Maschinen, die scheinbar autonom einem oder gleich mehreren Zwecken dienen, sich zunehmend in unserem Alltag breitmachen. Als schweigende Helfer in Krankenhäusern, als Lagerarbeiter im Couchtisch-Format oder als Einparkhelfer. Vom Staubsauger, Fensterputzer, über Lieferdrohnen bis hin zu humanoiden Maschinen wie Baxter, die in Fabrikbetrieben diverse Aufgaben übernehmen.«
  2. Selbstfahrendes Auto: »Dass man sich in sechs bis acht Jahren per App ein Taxi ohne Fahrer wird bestellen können, darf als sicher gelten. Und auf Lkw-Rastplätzen an Autobahnen könnte es mittelfristig merklich leerer werden.«
  3. Virtuelle Realität: »Schon in wenigen Jahren wird man im Zug oder im Flugzeug Menschen mit VR-Gerät am Kopf statt mit Laptop oder Tablet als Filmabspieler antreffen. Und es werden Unterhaltungsformate entstehen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.«
  4. Automatische Übersetzung on the fly: »Schon bald dürfte es normal sein, dass Touristen in Japan, Spanien oder Kroatien einfach die Sätze in ihre Smartphones sprechen, die sie sagen möchten. Das Handy übersetzt die Antworten dann ebenfalls.«
  5. Künstliche Intelligenz: »Die digitale Lebenswelt der Zukunft braucht noch ein Betriebssystem. Diese Aufgabe wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Technologie übernehmen, die man heute Künstliche Intelligenz (KI) nennt. In einigen Jahren wird man vermutlich nur noch ›Computer‹ oder ›Telefon‹ zu ihr sagen.«

Soweit die Prognosen. Am 14. Februar 2016 werde ich dann zum ersten Mal nachschauen, was jeweils der Stand dieser Technologien ist. Ich bin gespannt.

Warum blogge ich das? Als kleines Experiment zum Thema Langzeitbloggen und Techniksoziologie.

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