Kurz: Infrastrukturabhängigkeit

Ich fin­de es immer wie­der erstaun­lich, fest­zu­stel­len, wie abhän­gig ich vom rei­bungs­lo­sen Funk­tio­nie­ren von Infra­struk­tu­ren (oder »Gro­ßen Tech­ni­schen Sys­te­men«) bin, Ten­denz zuneh­mend. Sicht­bar wird das immer dann, wenn ein Sys­tem aus­fällt. Das pas­sier­te in den letz­ten Tagen gleich zweimal.

Bei­spiel 1: Als ich von der Frak­ti­ons­klau­sur nach Hau­se kam, leuch­te­ten am DSL-Rou­ter nur zwei statt fünf LEDs. Kein Inter­net, damit – IP-Tele­fo­nie – auch kein Tele­fon, und an Strea­ming von Unter­hal­tungs­me­di­en war erst recht nicht zu den­ken. Rück­zu­g­li­nie: das Han­dy. Am nächs­ten Mor­gen dann Anruf bei der Tele­kom; der ers­te Ter­min für einen Tech­ni­ker, an dem ich auch konn­te: eine Woche spä­ter. Ges­tern wur­de der Defekt, ein Feh­ler im Schalt­kas­ten, dann repa­riert. Eine Sache von weni­gen Minu­ten. Seit­dem läuft’s wie­der, aber bis dahin ging vie­les nicht.

Bei­spiel 2: Der Sturm Frie­de­ri­ke brach­te die Bahn dazu, den Fern­ver­kehr abzu­schal­ten. Ob das in jedem Fall gerecht­fer­tigt war, weiß ich nicht – für mich kon­kret hieß es erst­mal: sit­ze ich jetzt in Stutt­gart fest? Dank der wei­ter fah­ren­den Regio­nal­zü­ge, die dann ent­spre­chend über­füllt waren, kam ich doch noch nach Frei­burg. Dau­er­te aller­dings vier Stun­den statt zwei, was kon­kret bedeu­te­te, dass mei­ne Kin­der abends nicht zu mir konn­ten, son­dern län­ger als geplant von ihrer Mut­ter betreut wer­den muss­ten, die dan­kens­wer­ter­wei­se gelas­sen dar­auf reagier­te. Auch wenn’s bei mir halb­wegs klapp­te mit der Rück­fall­op­ti­on RE: ein paar mehr Red­un­dan­zen im Bahn­ver­kehr wären nicht schlecht.

Kurz: Magenta goes Meshnet?

Mein Tele­kom-Tele­fon­an­schluss wur­de heu­te auf VoIP umge­stellt. Wie irgend jemand schrieb: frü­her gab es Inter­net über die Tele­fon­lei­tung, heu­te Tele­fon über die Inter­net­lei­tung. Kein Fest­netz mehr; letzt­lich will die Tele­kom davon ganz weg. Das gan­ze hat diver­se Vor- und Nach­tei­le – statt einer habe ich jetzt drei Tele­fon­num­mern; wel­che wo klin­gelt, ist kon­fi­gu­rier­bar. Soll­te der Rou­ter aller­dings mal aus­fal­len oder ohne Strom daste­hen, ist damit jetzt auch das Tele­fon weg. Aber es gibt ja noch Handys …

Wie dem auch sei – das gan­ze war für mich Anlass, auch noch mal in die Tari­fe zu schau­en, auch weil ich für »Fest­netz« und Mobil­te­le­fo­nie rela­tiv hohe Prei­se zah­le. Ein Vor­teil davon, Kun­de der Tele­kom zu sein, ist es, denn Hot­spot pau­schal nut­zen zu kön­nen, etwa im ICE. Zumin­dest dann, wenn er denn tut. Bis­her war der Hot­spot, wenn ich das rich­tig sehe, sowohl im Fest­netz­ta­rif als auch im Mobil­funk­ta­rif inklu­si­ve. Beim Fest­netz (Call & Surf) bin ich mir nicht ganz sicher, weil ich als Zugangs­ken­nung immer den mobi­len Zugang ver­wen­det habe. Ich mei­ne jeden­falls, dass das so war. Jetzt ent­fällt er zumeist.

In mei­nem alten Mobil­funk­ta­rif ist der Hot­spot nach wie vor ent­hal­ten. In den neu­en »Magenta«-Tarifen ist er dage­gen nur noch eine zubuch­ba­re Opti­on (4,95 €). Ich habe mal geschaut – wenn ich es rich­tig sehe, käme ich, wenn ich Daten­vo­lu­men (das schrumpf­te auch) und Hot­spot haben woll­te, im Ende wie­der bei etwa dem sel­ben Preis her­aus. Ein Wech­sel scheint sich für mich nicht zu loh­nen, wobei das Tarif­ge­fü­ge etwas unüber­sicht­lich ist. Inter­es­sant – der eigent­li­che Anlass die­ses Tex­tes ist jedoch die neue »Festnetz«-Tarifoption »Wlan to go & Hot­spot«. Die wäre, wenn ich den Speed­port V724 als Rou­ter hät­te, kos­ten­frei zubuch­bar (habe ich aber nicht). In Koope­ra­ti­on mit Fon gibt es hier die alte Hot­spot-Flat­rate – mit der Neue­rung, dass auch der eige­ne Rou­ter »unge­nutz­te Band­brei­te« als Tele­kom-Hot­spot anbie­tet. Anders gesagt: Die Ände­run­gen in der Tarif­struk­tur bie­ten einen Anreiz dafür, die eige­ne Kabel-Band­brei­te für ein eng­ma­schi­ge­res, öffent­lich (gegen Gebühr) nutz­ba­res WLAN-Netz­werk zur Ver­fü­gung zu stel­len. Das wür­de das Mobil­funk­netz der Tele­kom ent­las­ten. Ob es tat­säch­lich dazu kommt, dass dem­nächst »über­all« WLAN der Tele­kom zur Ver­fü­gung steht, bleibt abzu­war­ten. Ein inter­es­san­ter Schach­zug – auch mit Blick auf »Share Eco­no­my« – wäre es jeden­falls allemal.

Im Eisenbahnamt (nach einer wahren Begebenheit)

Journey of waiting VIII: train flection

* * *

Dramatis personae

Der BITTSTELLER mit zuviel Zeit, eine ganz und gar durch­schnitt­li­che Person.

BAN-NI, ein Bon­ze im kai­ser­li­chen Eisenbahnamt.

Der CHOR der Geis­ter ver­bli­che­ner Bitt­stel­ler und Bittstellerinnen.

* * *

Im Eisenbahnamt (nach einer wahren Begebenheit)

Ein klei­ne Kam­mer, in deren Halb­dun­kel gera­de der wuch­ti­ge Schreib­tisch hin­ein­passt, hin­ter dem BAN-NI Platz genom­men hat. Vor BAN-NI liegt eine abge­grif­fe­ne Leder­klad­de. Außer­dem steht auf dem Schreib­tisch ein reich ver­zier­tes, alt­mo­di­sches Tele­fon. Auf einem Tisch­chen in der Ecke brennt ein Räucherstäbchen.

Ein Gong ertönt.

„Im Eisen­bahn­amt (nach einer wah­ren Bege­ben­heit)“ weiterlesen

Unsere tägliche Misstrauenskultur gib uns heute

Street pattern

Zwei auf den ers­ten Blick unzu­sam­men­hän­gen­de Beobachtungen:

1. Anfang der Woche hat­ten wir im Land­tag ein Gespräch mit Ver­tre­te­rIn­nen ver­schie­de­ner baden-würt­tem­ber­gi­scher ASten und Ana­log­mo­del­le über die Ein­füh­rung der Ver­fass­ten Stu­die­ren­den­schaft. Inhalt­lich war das durch­aus span­nend, aber dar­um geht es mir jetzt nicht – son­dern dar­um, dass zumin­dest zu Beginn der Ver­an­stal­tung ein sehr star­kes Miss­trau­en der Stu­die­ren­den­ver­tre­te­rIn­nen zu spü­ren war. Betei­li­gung, Teil­ha­be, Mit­wir­kung, eine Ein­la­dung zum Gespräch – schö­ne Wor­te, aber in Wirk­lich­keit inter­es­siert »die« (also in dem Fall die grü­nen MdLs Salo­mon, Schmidt-Eisenlohr und Lede Abal, pro­ji­ziert: die Regie­rung) doch über­haupt nicht, was wir wol­len. »Die« machen doch eh, was sie wol­len. Das war so die Grund­stim­mung, die sich im Lauf des Gesprächs glück­li­cher­wei­se etwas ver­än­dert hat. Mal schau­en, wie die wei­te­re Zusam­men­ar­beit läuft.

2. Gera­de eben klin­gel­te es an der Haus­tür. Ein Ver­tre­ter der Tele­kom woll­te von mir (Name jedoch falsch vom Klin­gel­schild abge­le­sen) wis­sen, was für einen Ver­trag ich den habe, wie­viel ich im Monat zah­le. Die klas­si­sche Haus­tür­ge­schäfts­si­tua­ti­on. Ich hat­te kei­ne Lust und kei­ne Zeit, trotz­dem dräng­te der Tele­kom-Mann drauf. Die Lei­tun­gen sei­en hier neu gelegt wor­den, des­we­gen sei es jetzt mög­lich, zum glei­chen Preis (ich habe doch sicher die­sen und jenen Ver­trag) eine viel bes­se­re DSL-Leis­tung zu erhal­ten. Irgend­was mit Glas­fa­sern, neu­er Tech­nik. Er müs­se nur kurz eine Mes­sung vornehmen. 

Ich habe ihn abge­wim­melt – aus einem grund­sätz­li­chen Miss­trau­en her­aus. Da will mir jemand was ver­kau­fen, da muss es doch einen Haken geben. War­um machen »die« das? Viel­leicht gibt es den Haken nicht, viel­leicht gibt es wirk­lich zum glei­chen Preis einen tech­nisch bes­se­ren Ver­trag – aber war­um muss ich das in ein paar Minu­ten an der Haus­tü­re ent­schei­den? (Call-Cen­ter – so die Ant­wort auf mei­ne Fra­ge, war­um die Tele­kom Haus­be­su­che macht und trotz­dem nicht weiß, mit wem sie es zu tun hat – wür­den nicht funtionieren).

=> Bei­de Begeg­nun­gen haben eines gemein­sam: Den Ver­dacht, dass »die« – wer auch immer das ist – eigent­lich nur ihr eige­nes Inter­es­se haben, und es, wenn sie dar­auf behar­ren, im Inter­es­se eines ande­ren zu han­deln, höchs­te Zeit ist, miss­trau­isch zu wer­den. Muss das so sein?

War­um blog­ge ich das? Weil ich das Miss­trau­en der Stu­den­ten­schaft erwar­tet habe (und unser Gespräch von Ange­sicht zu Ange­sicht aus mei­ner Sicht auch eine ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­me dar­stellt – hof­fe ich jeden­falls), und weil ich mich jetzt gera­de ein biss­chen über mein eige­nes Ver­hal­ten an der Haus­tür geär­gert habe. Dahin­ter steht letzt­lich der u.a. von Luh­mann unter­such­te Pro­zess, wie in der moder­nen Gesell­schaft das auf per­sön­li­che Bekannt­schaft beru­hen­de Sozi­al­ver­trau­en durch Sys­tem­ver­trau­en (Insti­tu­tio­nen, Zer­ti­fi­ka­te, Gut­ach­ten usw.) ersetzt wur­de. Sozia­le Medi­en sind ein Stück weit eine Wie­der­her­stel­lung von Mög­lich­kei­ten, in einer mas­sen­me­di­a­li­sier­ten Gesell­schaft, in der sozia­le Nähe nicht mehr mit räum­li­cher Nähe iden­tisch ist, Sozi­al­ver­trau­en her­zu­stel­len. So rich­tig funk­tio­niert das aber auch nicht immer. Miss­trau­en scheint in einer gro­ßen, anony­men, funk­tio­nal dif­fe­ren­zier­ten Gesell­schaft eine Grund­vor­aus­set­zung zu sein – die dann aber Ver­trau­ens­bil­dun­gen immer wie­der zunich­te macht. Wie damit umgehen?

Ergän­zung: Nach einem Anruf bei der Tele­kom deu­tet eini­ges dar­auf hin, dass mein Miss­trau­en an der Haus­tür berech­tigt war – dass Tele­kom-Mit­ar­bei­te­rIn­nen an der Haus­tür nach Ver­trags­da­ten fra­gen, sei eher unüb­lich (»wir haben die ja schon«); zudem mache die Tele­kom selbst kei­ne Haus­tür­ge­schäft, son­dern wenn, sei­en die­se freie Unter­neh­me­rIn­nen, die so Pro­vi­sio­nen bei Ver­trags­ver­mitt­lung abkas­sie­ren wol­len. Zudem erscheint mir nach eini­gem Nach­den­ken die Sto­ry des Ver­tre­ters noch unglaub­wür­di­ger als zuvor: Wenn die Tele­kom allen Flat­rate-DSL-Kun­den eine neue tech­ni­sche Mög­lich­keit zum glei­chen Preis ein­räu­men möch­te, kann sie das ein­fach tun – ohne Neu­ver­trä­ge und ohne »Mes­sun­gen«. Soviel also zur sozia­len Funk­ti­on von Miss­trau­en (was aber nicht an der grund­sätz­li­chen Fra­ge ändert, wie Ver­trau­en in einer sozi­al ver­netz­ten, funk­tio­nal dif­fe­ren­zier­ten Gesell­schaft eigent­lich funk­tio­nie­ren kann und soll).