Kurz: Herze, Sterne, Brezeln

Cookie time IVEigent­lich hat­te ich mir ja vor­ge­nom­men, nichts dazu zu sagen, dass Twit­ter nach eini­gen Beta­tests etc. jetzt tat­säch­lich für Web­site (und wohl auch Apps) aus dem »Fav«-Sternchen ein »Fav«-Herzchen gemacht hat. Aber weil’s so hübsch ani­miert ist, wenn ich auf der Web­site das Herz ankli­cke, doch ein paar Wor­te dazu. 

Ich weiß nicht, wie es euch geht – ich ertapp­te mich manch­mal dabei, beim Kli­cken auf das (bis­he­ri­ge) Stern­chen, ein »drü­cke die Dau­men« oder »fin­de ich auch, genau mei­ne Mei­nung« oder »ok, Argu­ment passt, Dis­kus­si­on zu Ende« zu sub­vo­ka­li­sie­ren. Soll hei­ßen: je nach Kon­text – mit wem habe ich es zu tun, was ist der bis­he­ri­ge Debat­ten­ver­lauf, um was für ein The­ma geht es – habe ich das Stern­chen unter­schied­lich ver­wen­det. Das Spek­trum reicht dabei von inhalt­li­cher Zustim­mung über emo­tio­na­le Unter­stüt­zung bis hin zu einem Mar­ker für Inter­es­se oder dafür, dass ich etwas gele­sen habe, und jetzt nicht noch ein­mal dar­auf ein­ge­hen muss, son­dern fin­de, dass die Debat­te jetzt zu Ende sein darf. Das alles nur das, was ich mir so beim Kli­cken dach­te – wie die­je­ni­gen, die »gefavt« wur­den, das inter­pre­tiert haben, weiß ich nicht. Und zumin­dest dem Hören­sa­gen soll das Stern­chen bei ande­ren durch­aus auch nur »muss ich noch mal anschau­en, Book­mark gesetzt« hei­ßen (das wäre die Seman­tik, in der Chro­me Stern­chen ver­wen­det – anders als die Stern­chen bei Ama­zon, die ja »gefällt mir« aus­drü­cken). Ein »Fav« kann also ganz unter­schied­li­ches bedeu­ten und ganz unter­schied­lich ein­ge­setzt wer­den. Damit ist es (oder war es) fle­xi­bler als »gefällt mir« von Facebook.

Jetzt also Her­zen. Die sind viel mehr als Stern­chen mit Bedeu­tung auf­ge­la­den. Für einen Teil der oben skiz­zier­ten Nut­zens­prak­ti­ken passt auch ein Herz – alles von »ich mag dich« bis »ich mag das« bis »fühl dich gedrückt«. Für »gutes Argu­ment« oder »sehe ich auch so« oder »hmm, inter­es­san­ter Hin­weis« – eher weni­ger. Und das fiel mir auf, als ich gera­de die »Natu­re« dafür herz­te, dass sie dar­über berich­te­te, dass der neue kana­di­sche Pre­mier­mi­nis­ter einen Pos­ten »Wis­sen­schaft« im Kabi­nett vor­sieht. War lus­tig ani­miert, der Druck aufs Herz­chen – aber eigent­lich gar nicht so emo­tio­nal auf­ge­la­den, wie es aus­sah. Inso­fern: Span­nend wird jetzt sein, wie wir Twit­ter-Nut­ze­rIn­nen mit den Her­zen umge­hen wer­den. Die Funk­tio­na­li­tät ist die glei­che, die Seman­tik ist flu­ide – auch ein Herz kann eine Bre­zel ein Stern­chen sein. Wenn alle das so lesen und sehen. Oder es kommt zu Boy­kot­ten, Pro­test­ak­tio­nen usw. – das Droh­po­ten­zi­al gegen­über der Fir­ma Twit­ter ist aller­dings ver­dammt nied­rig. Ich tip­pe drauf, dass das Herz bleibt, und Twit­ter – das Medi­um – sich dadurch letzt­lich nicht wesent­lich ändert. Anders wäre es bei Maß­nah­men wie einer nicht mehr chro­no­lo­gi­schen oder gar gefil­ter­ten Time­li­ne. Das wür­de den ganz beson­de­ren Cha­rak­ter Twit­ters maß­geb­lich ver­än­dern. Und nicht zum Besseren.

Kurz: Warum ich mir kein iPad kaufen werde

Eigent­lich wäre der Hype um das Apple-iPad einen lan­gen Arti­kel wert. Die Zeit dafür habe ich aber gera­de nicht. Eine gute Aus­ein­an­der­set­zung damit, war­um das iPad nicht nur toll ist, fin­det sich bei netz­wer­tig. Das wich­tigs­te dar­an ist mir fol­gen­der Absatz:

Das iPad ist damit nicht weni­ger als der größ­te Angriff auf das, was Zit­train in »The Future Of The Inter­net And How To Stop It« als die Gene­ra­ti­vi­tät der End­ge­rä­te bezeich­ne­te. Gene­ra­ti­vi­tät bedeu­tet, die End­nut­zer und Dritt­an­bie­ter bestim­men, wofür ein Gerät, ein Dienst, eine Tech­no­lo­gie, ein Stan­dard benutzt wird. Lap­top-Her­stel­ler kön­nen genau­so wenig wie Micro­soft oder Apple beim Mac beein­flus­sen, wel­che Pro­gram­me für die Sys­te­me geschrie­ben und ver­trie­ben werden. 

Genau das scheint mir der Kern der Sache zu sein: das iPad (und das iPod, und das iPho, und so wei­ter) sind zwar »eigent­lich« voll­wer­ti­ge Com­pu­ter, aber sie sind auf ein (durch Apple) kon­trol­lier­tes Maß an »Apps« zuge­schnit­ten. Das hat den Vor­teil des naht­lo­sen Funk­tio­nie­rens – und den Nach­teil, dass ein iP*d nicht frei pro­gram­mier­bar ist (z.B. kei­ne Flash-basier­ten Web­sites – das bezieht sich nicht nur auf das Abspie­len von Fil­men, son­dern z.B. auch auf web­ba­sier­te Com­pu­ter­spie­le), ver­mut­lich sei­ne Medi­en größ­ten­teils aus Apple-kon­trol­lier­ten Biblio­the­ken bezie­hen wird, nicht mit dem USB-Stan­dard kom­pa­ti­bel ist (selbst um Digi­tal­fo­tos aus einer Kame­ra aus­zu­le­sen, braucht es Extra­hard­ware – das wird wohl erst recht für z.B. exter­ne Fest­plat­ten, exter­ne DVD-Play­er oder Tas­ta­tu­ren von Dritt­an­bie­tern gel­ten). Dazu kommt die Not­wen­dig­keit, für die Monats­da­ten­ra­te zu bezah­len, um die Funk­tio­na­li­tät des Geräts nut­zen zu kön­nen. Das alles heißt z.B. auch: es wird nie ein lega­les »Linux for iP*d« geben. 

So gut ich mir auch vor­stel­len kann, dass ein iP*d ein net­tes Ding ist – und so viel schö­ner es als mein Net­book aus­sieht: solan­ge ich nicht selbst bestim­men kann, wel­che Pro­gram­me dar­auf lau­fen, kau­fe ich mir sowas nicht.

Nach­trag: Wer das so ähn­lich sieht, kann bei die­ser »defec­ti­ve by design«-Petition (Ach­tung: Ser­ver lang­sam!) zum The­ma iPad und Digi­tal Rights Manage­ment (DRM) mit­ma­chen und mit sei­ner oder ihrer Unter­schrift sagen: »Mr. Jobs, The iPad’s unpre­ce­den­ted use of DRM to con­trol all capa­bi­li­ties of a gene­ral pur­po­se com­pu­ter is a dan­ge­rous step back­ward for com­pu­ting and for media dis­tri­bu­ti­on. We demand that Apple remo­ve all DRM from its devices.«