Kurz: Seminomadische Digitalität

Geht euch das auch so, dass »der PC« inzwi­schen nicht viel mehr als ein schlan­kes Ter­mi­nal ist, um auf Daten zuzu­grei­fen, die anders­wo liegen?

Es sind die klei­nen Din­ge. Wenn ich Mails che­cken will, stel­le ich fest, dass ich das inzwi­schen auf zwei Wegen tue: über die App auf einem der ver­schie­de­nen Hand­held-Gerä­te, oder über die Web-Ober­flä­che mei­nes Mail­pro­vi­ders. Ich fin­de es span­nend, dass ich mei­ne beruf­li­chen Datei­en inzwi­schen nicht nur per Note­book abru­fen kann, son­dern auch mobil dar­auf zugrei­fen kann. Musik und Bücher im Spei­cher­platz eines Netz­rie­sen sind zwar mora­lisch ver­werf­lich, aber enorm prak­tisch. Die Fotos lie­gen bei Flickr, mein Kalen­der bei einem ande­ren Netz­rie­sen … und all das hilft, wenn ich im Zug, im Büro in Stutt­gart, auf dem Bal­kon oder am Bag­ger­see irgend­wie dar­auf zugrei­fen möchte.

Ich weiß über die dadurch erzeug­ten Abhän­gig­kei­ten samt infra­struk­tu­rel­ler Ener­gie­be­dar­fe Bescheid. Die opti­ma­le Lösung wäre, das Haus nicht zu ver­las­sen, oder all das auf einem phy­si­schen Daten­trä­ger mit her­um­zu­schlep­pen. Die zweit­bes­te Lösung wäre, alles auf den eige­nen Webs­pace zu packen, statt sich auf die Cloud-Lösun­gen diver­ser Anbie­ter zu ver­las­sen – ach, Bequem­lich­keit, ach Smart­pho­ne, du magi­sches Fenster. 

Kurz: Ferienzeit – Zeit, Umzug der Datenhalden zu planen

Nach­dem der Sup­port für Win­dows XP end­gül­tig aus­ge­lau­fen ist, Linux aus Grün­den für mich kei­ne Opti­on dar­stellt, aber auch, nach­dem der Umgang mit aktu­el­len Web­sites in den letz­ten Jah­ren immer qual­vol­ler gewor­den ist und die 150 GB Fest­plat­te peri­odisch voll lau­fen, ist es Zeit für einen neu­en PC. Der alte war jetzt fast zehn Jah­re im Dienst, den neu­en habe ich heu­te bestellt. Dabei hat­te ich mit einem Intel NUC gelieb­äu­gelt, der war mir dann aller­dings letzt­lich in der Aus­stat­tungs­va­ri­an­te, die ich ger­ne haben woll­te, zu teu­er, so dass es ein etwas grö­ße­rer, lang­wei­li­ger und nicht ganz so ener­gie­spar­sa­mer ande­rer Mini-PC gewor­den ist. Immer­hin ken­ne ich mich jetzt halb­wegs mit Intels aktu­el­len Pro­zes­sor­fa­mi­li­en aus. Wie der neue PC sich macht, wer­de ich berich­ten, wenn er da ist.

Aktu­ell mache ich mir Gedan­ken, wie ich den neu­en PC ein­rich­ten soll. Neben Grund­satz­fra­gen (Erst­mal Win­dows 7 oder doch gleich Win­dows 10 instal­lie­ren, wo ich schon dabei bin? Micro­soft Office oder doch Libre­Of­fice trotz aller Unzu­frie­den­hei­ten eine Chan­ce geben?) stellt sich mir ins­be­son­de­re die Fra­ge, was ich mit den Daten­hal­den tun möch­te, die sich so ange­sam­melt haben. Daten­hal­den meint hier zum einen jede Men­ge Soft­ware, die ich irgend­wann mal instal­liert und dann ver­ges­sen habe, zum ande­ren Daten, die bis 1995 zurück­rei­chen – zwan­zig Jah­re alte Doku­men­te. Das kann manch­mal ganz prak­tisch sein. 

Bei der Soft­ware gibt es rund zwei Dut­zend Pro­gram­me, die ich wei­ter­hin brau­chen wer­de, und viel, was ich vor­sichts­hal­ber mal in Form von Instal­la­ti­ons­da­tei­en auf­be­wah­ren wer­de. Das ist rela­tiv ein­fach. Kom­pli­zier­ter sieht es bei den Doku­men­ten aus. Bis­her habe ich bei Rech­ner­um­zü­gen ein­fach alles auf den neu­en Rech­ner kopiert (ganz beson­ders schlimm: Mail­ar­chi­ve! Fotos!). Den Anlass »neu­er PC« könn­te ich jetzt aber auch dazu nut­zen, mir Gedan­ken dar­über zu machen, wel­che Äste mei­ner Ord­ner­struk­tur ich wei­ter­hin regel­mä­ßig brau­che und nut­ze, und wel­che maxi­mal noch in einem »Archiv«-Pfad fort­ge­führt wer­den soll­ten. (Und dann sind dann noch die Kin­der, die mei­nen Rech­nern inzwi­schen nicht nur für Spie­le nut­zen – da fängt’s dann mit Accounts etc. an …). Ich weiß, was ich in die­sen Som­mer­fe­ri­en machen werde.