Archiv der Kategorie: Nachhaltiges Leben

Photo of the week: Freiburg: Fridays for Future 20

Freiburg: Fridays for Future 20

 
Gestern war ich bei der Fridays-for-Future-Demo in Freiburg. Bestes Wetter, ungefähr 10.000 Leute (deutschlandweit 320.000), der weitaus größte Teil davon Schüler*innen (so mein Eindruck, passt zur Empirie). Ich finde das auch richtig so – so wichtig »Parents for Future«, »Scientists for Future« und »Omas für die Zukunft« sind, ihr Momentum gewinnt diese Bewegung erst durch die Wut, mit der eine Generation sagt: »Ihr raubt uns die Zukunft!«.

Ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind: das ganze ist hervorragend organisiert – von zu Beginn der Demo verteilten Zetteln mit Parolen, Demoroute, wichtigsten Forderungen und Tipps über die Aufforderung, auf jüngere Schüler*innen zu achten und den Müll wieder einzusammeln bis hin zum durchdachten (und wohl bei den bisherigen Demos eben so gestalteten) Auftakt: aufrüttelnde Musik, ein paar Worte, worum es geht, Choreo (»runter mit der Kohle, rauf mit dem Klimaschutz«), ein Rapper, ein Lied zum Mitsingen, Hinweis auf die Wahlen (»und redet mit euren Eltern und Großeltern«), genaue Erklärung des weiteren Ablaufs … und keine Promis. Gut gemacht. Und ich glaube nicht, dass irgendwer das für sich instrumentalisieren kann.

(Dann müssten wir jetzt nur noch die richtige Politik als Antwort liefern – wird nicht einfach, aber vielleicht kriegen wir das ja hin … jede Stimme morgen hilft.)

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Kurz: Die Erde brennt

Wir hatten am Dienstag Besuch von Fridays for Future in der Fraktion – mit weitreichenden Forderungen. Seit ein paar Tagen diskutiert das Netz über ein Video von rezo. Fast die Hälfte seines Videos dreht sich um das Versagen der CDU im Klimaschutz. Morgen ist globaler Streiktag der Fridays for Future, und ich bin mir sicher, dass der Zulauf groß sein wird, und dass wir viele Jugendliche sehen werden, die ernsthaft sauer sind.

Etwas zu tun reicht nicht. Es geht unseren Kindern nicht um Kompromisse. Luisa Neubauer bringt es auf den Punkt, wenn sie schreibt, dass die Erde brennt. Die Klimakrise ist jetzt da, sie ist akut, und sie ist global – und die Erwartungshaltung ist einfach: wer im Angesicht dieser Krise nicht an der Lösung mitarbeitet – über alle politischen Lager und Haltungen hinweg – ist Teil des Problems. Der Marshallplan für das Klima fehlt, es gibt keine konzertierte Aktion in der Größenordnung des Manhattanprojekts – und das wird massiv als unverzeihliches Politikversagen wahrgenommen.

Diese Erwartungshaltung clasht mit den vielen Schräubchen, Brettern und Bohrgewinden des Politikbetriebs. Da hilft es auch nichts, die Europawahl zur Klimawahl zu machen. Solange Maßnahme für Maßnahme die CO2-Emissionen doch nicht sinken, wächst die Ungeduld. Die Faktenlage ist klar. Warum dann Lagerstreit und die übliche zynische Besserwisserei, Interessenabwägung und Sachzwänge? Wo bleibt das gemeinsame Anpacken, um die Transformation in letzter Minute zu schaffen? Das wird die Frage sein, an der viele, die heute noch nicht wahlberechtigt sind, spätestens bei der nächsten Bundestagswahl die Parteien messen werden. Und da hilft dann kein noch so schönes Sharepic. Weil es um etwas Existenzielles geht – jenseits des üblichen Horizonts von Politik.

(Oder, zugespitzt: Fridays for Future definiert gerade den Ausnahmezustand.)

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Kurz: Wie Klima und Freiheit zusammenhängen

Vermeintlich witzig beendet Jasper von Altenbockum eine FAZ-Kolumne heute mit dem Poesiealbumsspruch, ihm seien zwei Grad höhere Temperaturen lieber als zwei Grad weniger Freiheit. Diese Haltung ist so ärgerlich wie aufschlussreich, liegen ihr doch zwei Irrtümer zu Grunde. Erstens scheint Herr von Altenbockum anzunehmen, zwei Grad höhere Durchschnittstemperaturen seien schon nicht so schlimm. Vielleicht fehlt ihm das Wissen oder das Vertrauen in die Wissenschaft. Vielleicht hat er sich nie mit Kipppunkten, Extremwetterereignissen, mit steigenden Meeresspiegeln oder mit den Auswirkungen »leicht« steigender Temperaturen auf menschliche Gesundheit oder auf die biologische Vielfalt befasst. Oder, noch schlimmer: vielleicht hat er schon einmal davon gehört, hält das aber für – neues konservatives Lieblingswort – »klimareligiöse« Spinnereien und nicht für den Stand der Wissenschaft.

Jedenfalls scheint mir das der erste Fehler zu sein: ein fehlendes Bewusstsein für due existenzielle Dringlichkeit der Klimakrise. Ein Temperaturanstieg um zwei Grad ist ein Problem – und selbst um diesen zu erreichen, sind heute dramatische Maßnahmen notwendig. Vor zehn oder zwanzig Jahren wäre es noch möglich gewesen, das ganze nicht im Krisenmodus anzugehen. Statt dessen ist viel zu wenig passiert, die CO2-Werte im der Atmosphäre sind auf Rekordstand, und das noch verbleibende Treibhausgasbudget pro Jahr reduziert sich rapide.

Damit sind wir beim zweiten Fehler des Herrn Altenbockum. Selbst für seine Generation dürfte ein Nichthandeln beim Klimaschutz sehr schnell zu massiven Einschränkungen seiner Freiheit führen. Nicht im Sinne eines Gefängnisses, aber in dem Sinne, dass unser Handeln ja immer eine materielle Grundlage hat. Irgendetwas aus – sagen wir einmal – unbewohnbar werdenden Urlaubsgebieten, landeirtschaftlichen Dürren mit erheblichen Ernteeinbußen, sinkenden Immobilienwerten an Küsten und im Sommer schmelzendem Asphalt auf Autobahnen dürfte selbst Herr von Altenbockum als Reduzierung an Freiheit wahrnehmen. Und ich meine das nicht apokalyptisch – das ist schlicht die Extrapolation dessen, was Treibhausgasemissionen und Klimakurven unterm Strich bedeuten. Entsprechend heftiger sieht das aus, wenn es um die Freiheit der Fridays-for-Future-Generation geht. Die wird, wenn nicht jetzt entschlossen gehandelt wird, deutlich kleiner sein als unsere Freiheitsgrade heute. Und deswegen ist es reichlich zynisch, zu glauben, die Abwägung läge zwischen Freiheit heute und Klimaschutz. Nein: es geht darum, unser Handeln und Wirtschaften – zum Beispiel mit Hilfe eines realistischen CO2-Preises – heute so zu gestalten, dass es morgen noch Freiheit geben kann!

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Nicht von der Klimakrise ablenken (lassen)!

Sun power

Nach der gestrigen Twitter-Debatte unter anderem mit dem Journalisten Nils Minkmar erscheint es mir doch notwendig, noch ein paar Worte zu Fridays for Future und der Methode des Schulstreiks aufzuschreiben. Aber das wichtigste zuerst: insgesamt ist die Debatte um die Schulpflicht aus meiner Sicht ein Ablenkmanöver, ein funktionales Äquivalent zur Frage »what about«, die vom Kern der Sache fortführt – bewusst oder als unintendierte Folge.

Kern der Sache ist und bleibt die Klimakrise. Der Alarmismus ist faktenbasiert und tief in der Wissenschaft verankert. Heute schon beobachten wir massive Folgen der steigenden CO2-Werte in der Atmosphäre – höhere Durchschnittstemperaturen, Hitzewellen, Unwetterereignisse, schmelzendes Eis in der Arktis, ein schneller als erwartet steigender Meeresspiegel. Gleichzeitig gibt es zwar das Pariser Abkommen – die tatsächliche Entwicklung der Emissionswerte gibt aber global wie national wenig Grund zur Zuversicht.

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Photo of the week: First bee I

First bee I

 
Schön, wenn die Kinder das mit der Ökologie auch gut finden. (Und erst recht großartig, wenn heute 300.000 bei Fridays for Future in Deutschland auf die Straße gegangen sind – in Freiburg 5000 trotz Regen und Sturm –, weltweit in über 100 Ländern wohl ein paar Millionen: »Respect existance, or expect resistance« …)

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