Schlagwort-Archive: sf

Flucht vom Planeten Erde

Veröffentlicht unter Nachhaltiges Leben, Politik und Gesellschaft, Zukunftsvisionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , ,  

On a search for the falling star XII

Anatol Stefanowitsch regte sich heute über, sagen wir mal, die technikbezogene Oberflächlichkeit der Menschheit auf. Also, dass z.B. sehr viel mehr Geld in Smartphoneschnickschnack fließt als in z.B. die bemannte Raumfahrt. Ich fasse seine Tweets mal zusammen:

Wir könnten längst auf dem Mars sein. Stattdessen lesen wir atemlose Nachrichten von einer Firmenzentrale namens „Spaceship Campus“. Und zwar der Firmenzentrale eines Konzerns für Unterhaltungselektronik, nicht etwa für Raumfahrt.

Dumm nur, dass diese Firmenzentrale längst Stahl-, Glas- und Betonschrott sein wird, wenn uns klar wird, dass wir auf der Erde festsitzen. (Bzw., unsere Nachkommen, die dann zum Trost mit Bergen unseres Elektronikmülls spielen können.)

Aber viel wichtiger: Das neue iPhone, es wird vielleicht ein gekrümmte Display haben! Gekrümmt! Ist Wissenschaft nicht wundervoll?

Ich konnte dann nicht anders, als ihm zu widersprechen. Nicht, weil ich die Frage der Displaykrümmung des neuen iPhones besonders wichtig fände, sondern weil ich die Besiedlung anderer Planeten für ein ziemlich utopisches Vorhaben halte. Also für eines, das sich gut für – literarische – Utopien eignet (und natürlich noch viel besser für (New) Space Opera), das mir aber als Rettungskonzept für das Überleben der Menschheit doch höchst ungeeignet erscheint.

Weiterlesen

2 Personen gefällt dieser Eintrag.


Kurz gelesen: Pat Murphy, There and Back again

Veröffentlicht unter Lesenswert | Verschlagwortet mit , , , , , , , ,  

Pat Murphy: There and Back againIch sage es ja ungern, aber manchmal ist Amazon wirklich Gold wert – zum Beispiel dann, wenn es darum geht, obskure englischsprache SF-Taschenbücher günstig zu erwerben. Im Dezember las ich bei BoingBoing in einem Nebensatz, dass die SF-Schriftstellerin Pat Murphy (die mir bisher nichts sagte), den Hobbit ins Weltall verlegt habe. Gesehen, bestellt, und inzwischen angekommen und gelesen.

Und: hat mir gut gefallen. In There and Back again, by Max Merriwell (1999) verschiebt Murphy Tolkiens Hobbit in den Weltraum: Der Norbit Bailey Beldon, im gemütlichen Astroidengürtel zuhause und dort mit einer Teekessel-Rakete unterwegs, eine Nachricht. Die mystische Gitana schaut vorbei, und weniger später dann auch die Klone. Das Abenteuer beginnt. Sehr erkennbar, und doch sehr anders. Jede Station in Tolkiens Hobbit findet ihr Äquivalent in der Bailey Beldons Reise durch Raum und Zeit. Das Buch unterhält auf zwei Ebenen: Da ist der Wiedererkennungseffekt (ach, das ist hier die Seestadt, und das ist Gollum!), der allen Spaß machen könnte, die den Hobbit – also das Buch – kennen. Aber There and Back again ist auch für sich genommen eine gelungene Queste mit eigener Tiefe, die deutlich über eine oberflächliche Parodie hinausweist. Auch ohne Mittelerde-Hintergrund ist Murphys Buch ein spannendes Weltraumabenteuer, das manchmal ins Surreale abdriftet.

Ach ja: Der Grund, warum There and Back again bei BoingBoing erwähnt wurde, ist vielleicht auch noch nennenswert. Das auffällig ungleiche Geschlechterverhältnis im Hobbit verkehrt sich hier ins Gegenteil. Funktioniert auch.

Einer Person gefällt dieser Eintrag.


Ein paar Notizen zu David Brin, Existence

Veröffentlicht unter Lesenswert, Nachhaltiges Leben, Zukunftsvisionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , ,  

Existence - David Brin

Gute Vorsätze, da war doch was. Genau: Ich habe mir vorgenommen, häufiger über das, was ich lese, zu schreiben. Das betrifft vor allem Science Fiction. Nicht mit dem Anspruch einer hochwertigen Kritik von vorne bis hinten, und auch nicht immer, aber dafür öfter. Zu dem, was mir so aufgefallen ist beim Lesen, und was nach dem Lesen hängengeblieben ist.

Ich fange mal mit David Brins 2012 erschienenem Roman Existence an, der mich mehrere Nächte dazu verleitete, viel zu lange wach zu bleiben. Brin ist einer der esoterischeren Hard-SF-Autoren; seine Bücher sind – wie es sich für einen akademisch tätigen Astrophysiker gehört – zunächst wissenschaftsnah und sehr realistisch, fangen aber irgendwann an, extrem spekulativ zu werden (wenn auch nicht in dem Ausmaß wie bei Greg Egan). Trotzdem gefällt mir die erste Hälfte des um die 650 Seiten umfassenden Werkes Existence deutlich besser als die zweite Hälfte. Gleich mehr dazu, warum, aber zunächst ein Blick aus der Vogelperspektive.

Weiterlesen

Be the first to like.


Was ich so lese, oder: gesellschaftskritische Science Fiction

Veröffentlicht unter Lesenswert, Politik und Gesellschaft, Zukunftsvisionen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,  

Pacified science fiction

Eigentlich wollte ich dazu nichts sagen, aber ich muss jetzt doch mal ein paar Worte über den Text »Magische Klassenkämpfer« von Florian Schmidt (am 22.8. im Freitag erschienen) loswerden. Schmidt breitet dort die These aus, dass – platt gesagt – früher Science Fiction ein emanzipatorisches Genre war und heute im Dienst der Reaktion steht. Das ist falsch.

Äpfel und Birnen, Bücher und Filme

Das ist zum einen falsch, weil er Äpfel mit Birnen vergleicht. »Früher« sind für ihn die – in der Tat spannenden, lesenswerten, hochgradig interessanten – Bücher von Ursula K. Le Guin (The Dispossessed), Joanna Russ (z.B. The Female Man) und Marge Piercy (Woman at the edge of time und He, she, and it). Das sind drei liberal-feministische AutorInnen, die sich auf hohem literarischen Niveau in den 1970er und 1980er Jahren mit den Möglichkeiten und Grenzen einer besseren Gesellschaft auseinandergesetzt haben. Ich habe sie sehr gerne gelesen.

Weiterlesen

3 Personen gefällt dieser Eintrag.


Notlandung

Veröffentlicht unter Fiktional | Verschlagwortet mit , , , , ,  

Alien planet MühlackreDen letzten Signalen war zu entnehmen, dass die Expedition den Planeten erreicht hatte. Im Anflug noch konnte bestätigt werden, dass der Planet mit seinem einen Trabanten – wie vermutet – Flora und Fauna aufwies. Allerdings verhinderte die dichte Wolkendecke zunächst genauere Beschreibungen. Später mehr.

Als die Signale das Kontrollzentrum im Mutterschiff mit mehreren Minuten Verspätung erreichten, brach dort Jubel aus. Was niemand ahnte: Zu diesem Zeitpunkt war der Kontakt schon abgebrochen. Wenige Minuten später wich aus den Gesichtern des Teams im Kontrollzentrum die Farbe. »Bitte melden, bitte melden« – banges Warten, das sich zur Gewissheit eines ernsthaften Problems verdichtete, als auch nach Stunden kein Signal mehr kam. Der Lander war auf sich selbst gestellt – bis seine Schwester, die noch in der Bucht des interstellaren Mutterschiffs träumte, den Planeten erreichen konnte, würden Wochen vergehen. Vorausgesetzt, dass der Rat sich dazu entscheiden sollte, überhaupt einen zweiten Lander loszuschicken. Ohne zu zögern, der Tageszyklus war noch nicht beendet, begann im Kontrollzentrum die Risikoanalyse.

* * *

Weiterlesen

4 Personen gefällt dieser Eintrag.


Seite 4/9    1  …  3 4 5  …  9