Schlagwort-Archive: science fiction

Altes aus Xanga, Teil X

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Saturday, May 03, 2003

Dr. Who?

Eines der unbekannteren Werke von Douglas N. Adams ist ein Skript für die BBC-Fernsehserie Dr. Who mit dem Titel »Shada«. Die BBC bringt nun dieses Skript dankenswerterweise als »Webcast« zum Leben – ein mit Flash-Animationen unterstütztes Hörspiel, als eine Hommage an den vor einem Jahr verstorbenen Douglas Adams.

> BBC – Cult Television – Doctor Who Homepage


Friday, April 25, 2003

Diaspora-Wahlkampf im Kino

… die Grünen am Sympathischten, wenn sie denn mal auf Plakaten, Podiumsdiskussionen oder im Gespräch mit Jugendlichen vorkamen – und nicht nur als Standardstandortnachteil in Wichmanns Standardspruch. Herr Wichmann von der CDU ist ein Dokumentarfilm, der hart an Realsatire grenzt, oder manchmal auch ganz klar Realsatire ist. Da gibt es den Wahlkämpfer Wichmann, 25 Jahre jung, CDU, Junge Union, Jura-Student in Berlin, Kreistagsabgeordneter in der Uckermark, der sich Hoffnungen macht, als Direktkandidat den letzten Außenminister der DDR, Meckel (SPD) zu besiegen. Am Schluss sind all seine Anstrengungen inkl. A0-Plakaten dann doch grade mal einen Prozentpunkt wert. Bis dahin verfolgt die Kamera den Wahlkämpfer und seine Freundin (Reality-TV? Aber nicht doch …) und vor allem die vielen Passantinnen und Passanten, die an Wahlkampfmaterial und hohlen Versprechen (Wichmann hat eine wunderbare Gabe, niemand ausreden zu lassen, jedem nach dem Wort zu reden und nur ganz selten mal schlagfertig zu sein) nicht wirklich interessiert sind. Im Altersheim (so holt die CDU also ihre Stimmen) weiss Wichmann nicht, was er sagen soll, und bei Jugendveranstaltungen macht er sich selbst zum völlig indiskutablen Kandidaten, indem er gegen »Kuschelpädagogigk« argumentiert statt sich auf eine Diskussion einzulassen.

Eher schrecklich als lustig sind dann die Szenen, wo stolz mit der Ablehnung des Zuwanderungsgesetzes und ziemlich viel Nationalstolz argumentiert wird. Hilft aber alles nichts, Wichmann kämpft gegen Windmühlen, da hilft auch ein Lob von Frau Merkel für den »jungen Mann« nichts.

Herr Wichmann von der CDU ist ziemlich viel ostdeutscher Alltag 2002, ziemlich viel Wahlkampfalltag, ziemlich viel Politikverdrossenheit – und erregte im kleinen Wohnzimmerkino des Friedrichsbaus in der »grünen« Stadt Freiburg vor allem Lacher und ab und zu ungläubige Ausrufe. Es bleibt die Hoffnung, dass politikverdrossene Menschen vielleicht irgendwann Leute wählen, die sich tatsächlich dafür interessieren, was die WählerInnen bedrückt, statt sich mit hohen Sprüchen frischen Wind vorgaukeln zu lassen.

> Film bei BR-online: Denk ich an Deutschland: Herr Wichmann von der CDU


Tuesday, April 15, 2003

Lieblingsonlinecomic

Irgendwie schon seltsam. Wie an jedem Wochentag noch kurz der Blick auf den Unicorn Jelly Onlinecomic (Genre: philosophische Science Fiction) – aber irgendwas ist anders als sonst. Ach so, ja. Der Mausklick wäre unnötig gewesen – Unicorn Jelly ist endgültig vorbei. Die Rätsel sind gelöst, der Jahrhundertausende umspannende Handlungsbogen hat sein Ende und seinen Anfang gefunden.

Schade. Unicorn Jelly war immer anders als erwartet, die Charaktere waren lebendiger als sonst irgendwo im Web und gleichzeitig seltsamer. Die Wendungen der Geschichte unvorhersehbarer, die poetischen Momente poetischer, die Trauer um die Toten trauriger und die Scherze witziger.

Vielleicht war es grade die Form Fortsetzungsroman, die Unicorn Jelly zu etwas besonderem gemacht hat, die die plötzlichen Handlungsstrangwechsel der mit DelxuePaint von Jennifer Reitz handgezeichneten Folgen erträglich gemacht hat. Ich bin nicht von Anfang an dabei gewesen, sondern habe irgendwo in der Mitte angefangen, dann ersteinmal den ersten Teil gelesen und mich dann jeden Montag wieder gefreut, dass eine neue Unicorn Jelly-Folge nach dem comiclosen Wochenende da war. Zuverlässig, jeden Tag (anders als z.B. die taz heute). Unicorn Jelly jetzt von Anfang bis Ende lesen zu können, dürfte doch einen ganz anderen Leseeffekt haben. Am Stück? Naja, es sind über 600 Folgen – das würde dann doch ganz schön lange dauern.

Ich bin jedenfalls gespannt, ob es ein Nachfolgeprojekt geben wird. Schön wär’s jedenfalls!

> UNICORN JELLY anime manga comic strip by Jennifer Diane Reitz


Monday, March 24, 2003

Internet statt Propaganda

Bis jetzt scheint sich das Internet als wirkungsvolles Gegenmittel gegen die Medienpropaganda der Kriegsparteien durchzusetzen. Dies gilt nicht nur für Seiten wie Indymedia oder auch Wikipedia, auf denen Freiwillige Berichte einstellen, und in einem erstaunlich hohen Maß auch für die etablierten Medien (vom Tagesschau-Ticker bis Spiegel-online) sondern auch für speziell zur (kritischen) Beobachtung des Irak-Kriegs etablierte Webprojekte.

Iraq Body Count versucht mit einem Netzwerk von Freiwilligen ausgehend von Presseberichten eine ständig aktualisierte Minimal- und Maximalabschätzung der zivilen Kriegstoten durchzuführen; die Datengrundlage wird dabei genau bekanntgegeben, Banner stehen zum Einbinden in Websites bereit.

Electronic Iraq versammelt Berichte direkt aus dem Irak und kombiniert diese mit einer Übersicht über die weltweite Presse.

> Iraq Body Count
> Electronic Iraq


Sunday, March 23, 2003

Nachtrag: 22032003

Inzwischen sind auf Indymedia auch einige Bilder von der Demo am 22.03. zu finden: indymedia germany | Bilder von der Freiburger Anti-Kriegsdemo | 22.03.2003 23:33; allerdings mehr aus dem antikapitalistischen Block heraus …

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Altes aus Xanga, Teil IX

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Saturday, March 22, 2003

20032003: Demobilder und Deutschland


20.03.03 – Kundgebung vor dem Stadttheater Freiburg


20.03.03 – Transparente und Schilder des u-asta

Am Tag X (20.03.2003) gab es in Freiburg eine große SchülerInnendemo mittags und eine Demo am nachmittag/abend, von der die Bilder hier sind. Fotos von beiden Demos gibt es unter indymedia germany | Tag X in Freiburg – Tausende auf der Straße [Bilder] | 20.03.2003 22:24 im Netz.

Auch am 22.03. fand wieder eine große Demonstration statt (ca. 5.000) Leute. Leider habe ich davon noch keine Bilder im Netz gesehen; wenn ich welche finde, linke ich hier vielleicht auch drauf.

Bemerkenswert bei der heutigen Demo: eine kurze Unterbrechung am Siegesdenkmal und eine – ich würde sagen – Kommunikationsguerilla-Aktion, die in der Forderung endete, das Denkmal (für den deutschen Sieg über Frankreich irgendwann) innerhalb der nächsten 48 Stunden abzureißen. Da und auch an vielen anderen Stellen der Demo war eine antikapitalistische, antistaatliche Stimmung deutlich spürbare. Und auch: Rot/grün wird nicht abgenommen, dass die Friedenspolitik der letzten Wochen ernst gemeint war. Es wird nicht genug getan, eigentlich müsste jetzt der NATO-Austritt folgen.

Insbesondere aus dem Umfeld von KTS und Attac Freiburg kommt immer wieder die Forderung, die Kritik am Irak-Krieg mit einer allgemeinen Kritik an kapitalistischen Demokratien zu verbinden – die würden eben immer Kriege führen, und das sei auch ganz klar, und gar nicht innerhalb des Systems zu verhindern.

Ich weiss noch nicht so genau, was ich davon halten soll – dass kapitalistische Demokratien jedweder Art mit einem riesigen Geflecht tatsächlicher oder eingebildeter Sachzwänge einhergehen, ist mir auch klar. Auf der anderen Seite glaube ich, dass eine kapitalistische Demokratie doch irgendwie einigermaßen global verträglich, sozial, ökologisch und dauerhaft friedlich sein können müsste. Reformistischer Irrglaube, Blindheit oder eine pragmatisch überformte Hoffnung?


Friday, March 21, 2003

Theater on the news

Meine Lieblingsnewsgruppe (»newsfroup«) alt.fan.douglas-adams ist zur Zeit dabei, etwas ziemlich neuartiges zu tun: anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der ersten Ausstrahlung der Radiofassung des Hitchhiker guides to the galaxy wird das Radioscript aufgeführt – und zwar im Internet-Diskussionsforum. Der Link unten verweist auf den Beginn des Threads – afda proudly presents The Hitchhikers’s Guide to the Galaxy (the newsfroup)

> Google-Suche:

P.S.: Ein gänzlich damit unzusammenhängendes Thema ist natürlich der inzwischen offen ausgebrochen dritte Golfkrieg – auf den Friedensdemos gestern in Freiburg waren unglaublich viele Leute (10.000 SchülerInnen blockierten mittags die Straße, ca. 6.000 bis 8.000 Leute standen gestern abend auf dem Rotteckring und hörten sich eine etwas langwierige Kundgebung an), und ich hoffe, die vielen Proteste weltweit und auch im Netz machen den Kriegsführenden zumindest deutlich, dass weder das Völkerrecht noch die Bevölkerung dieses Planeten auf ihrer Seite sind.


Friday, March 07, 2003

Der Staat, der nie war

Eigentliches ist es eine abgrundtief traurige Geschichte, die hinter Good Bye, Lenin! steckt. Alex‹ Mutter wacht nach einem Herzinfarkt und vier Monaten aus dem Koma auf, jede Aufregung soll vermieden werden, das könnte ihrer Gesundheit schaden. Dummerweise wacht sie in aufregende Zeiten hinein auf: die letzten Monate der DDR als eigenständigem Staat, kurz vor der Wiedervereinigung. Sohn Alex beschließt, alles zu tun, um jede Aufregung zu vermeiden und holt sie aus dem Krankenhaus in ihr Schlafzimmer in der Plattenbauwohnung. Dort ist noch alles so, wie es früher mal war. »Hier hat sich ja gar nichts verändert.«

Dass das auch so bleibt, ist eine immer umfangreicher werdende Aufgabe für Alex. Krach mit seiner Schwester (liiert mit einem Burger-King-Brater) und seiner Freundin, der Krankenschwester Lara, die er am Krankenbett seiner Mutter kennengelernt hat, ist vorprogrammiert. Alex jagt nach Gurkengläsern und inszeniert FDJ-Geburtstagsständchen und Besuche der Parteileitung mit Orignal-Präsentkorb. Als seiner Mutter langweilig wird, und sie fernsehen will (den aus ihr Zimmer zu verlassen, ist ihr streng verboten) greift er auf die Unterstützung seines neuen Kollegen Dennis zurück, der sich als Filmmacher profilieren möchte. Die Aktuelle Kamera erklärt, wieso ein Coca-Cola-Transparent am Hochhaus neben an zu sehen ist.

Aber es passiert in dieser freundlichen, niemals bösartigen Komödie noch mehr. Der Westen dringt unaufhaltsam in den Alltag ein. Immer abstruser werden die Erklärungen. Aber immer mehr wird damit das durch das Fernsehen und die von Alex erfundenen Kartenhäuser vermittelte Bild der DDR zu dem eines Staates, der nie existiert hat, den sich Alex‹ Mutter aber immer gewünscht hat. Eine DDR, die auf die Eingaben ihrer BürgerInnen reagiert. Die so attraktiv ist, dass sie die Grenzen für Westler öffnet. In der Leistungsdruck und Konkurrenz draußen bleiben.

Good Bye, Lenin! überzeugt auf beiden Ebenen. Als Komödie, die nie nur auf die Lacher aus ist, und die mit ihrem Personal mitfühlt, die auch Weinen zulässt. Aber auch als leise Utopie einer DDR, wie sie vielleicht 1989 hätte entstehen können: Sozialismus mit freundlichem Antlitz. Auch im Film kommt der 3. Oktober 1990 vor. Aber zumindest für Alex‹ Mutter hat das Feuerwerk eine ganz andere Bedeutung, ein wiedervereinigtes Deutschland jenseits der kapitalistischen Zwänge. Was wäre, wenn? Auch hier sind Tränen vielleicht angebracht, wer weiß.

Nicht zuletzt sollte vielleicht erwähnt werden, dass die Bilder teilweise ziemlich grandios sind und die Stimmung der Wendezeit gut einfangen. Fasziniert – das muss ich unbedingt noch sagen – hat mich auch der Vorspann, der die schönste Animation häßlicher realsozialistischer Postkarten enthält, die ich je gesehen habe.

> GOOD BYE, LENIN! – Ein Film von Wolfgang Becker (leider etwas überfrachtet!)


Sunday, March 02, 2003

NO WAR

Wer wissen will, was ich am Samstag gemacht habe: mit vier- bis fünftausend anderen auf er Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg rumgestanden, Luftballons mit Friedenstauben zum Horizont geschickt und Leuten wie Konstantin Wecker, Franz Alt, einem Sänger aus San Francisco und einer Sängerin aus Brasilien zugehört.

Was war nett an der Demo? Doch ziemlich viele Leute, ab und zu auch mal Sonnenschein, eine bunte Mischung. Interessant: Merchandising-Stände am Rand …

Was war nicht so toll? Die geringe Präsenz von Grünen (Les Verts waren gut sichtbar mit vielen Fähnchen, aus Baden-Württemberg waren zwar auch eine ganze Menge Grüne auf der Demo, aber wer die nicht kannte, wusste das nicht. Die Tatsache, dass sich das Programm doch ziemlich in die Länge zog (ungefähr vier Schlussworte hintereinander, danach dann noch Terminhinweise). Und vielleicht auch das Missverhältnis zwischen dem eher jungen bis mittleren Durchschnittsalter der Demonstrierenden und der Demofolklore des offiziellen Programms.

> Yahoo! Nachrichten – Saddam Hussein und der Irak-Konflikt – Deutsch-französischer Protest gegen Irak-Krieg


Wednesday, February 19, 2003

Wie realistisch sind Science-Fiction-Filme?

Dem neuen Z-Punkt-Newsletter habe ich den Hinweis auf den untenstehenden Link zu Josh Calders Futurist Movies Website entnommen. Und die hat es in sich – ein eindrucksvolles, interaktives Essay, in dem sich Calder mehreren Dutzend neueren und älteren Science-Fiction-Filmen annimmt (u.a. Gattaca, Fifth Element, Star Trek und Star Wars, Minority Report, Independence Day, …) und diese aus Sicht eines Zukunftsforschers bewertet: Wie wahrscheinlich ist die dort dargestellte Zukunft, wann könnte sie erwartet werden, was lässt sich über einzelne Technologien sagen, wo macht der Film Kompromisse um der Story oder der Vermarktbarkeit Willen? Einige Themen (Außerirdische, künstliche Intelligenz, Klonen) werden darüber hinaus im Rahmen eigenständiger »Notes« diskutiert.

Wenn eine meiner Lieblingsthesen stimmt, dass Science Fiction nämlich ein Genre ist, das quasi literarische Technikfolgenabschätzung betreibt und in einer engen Wechselwirkung damit steht, was WissenschaftlerInnen für machbar halten – Wechselwirkung meint dabei: beide Richtungen! –, dann ist Calders Website eine nicht zu unterschätzende Ressource für Menschen, die privat oder beruflich Technikdiskurse untersuchen. Denn mehr noch als Science-Fiction-Romane sind Science-Fiction-Filme – mit all den daraus resultierenden Konsequenzen – in den letzten 30 Jahren im gesellschaftlichen Mainstream angekommen. FuturistMovies bietet eine mit scharfem Auge vorgenommene Analyse dieses gesellschaftlichen Diskurses.

> Projections: a futurist at the movies

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Altes aus Xanga, Teil VII

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Monday, December 23, 2002

Google Doodle

Google ist nicht nur der (un)umstrittene Suchmaschinenmarktführer, sondern hat auch einen Sinn für Humor. Unter bewusster Mißachtung der eigenen Corporate Identity ändert sich das Google-Logo regelmässig zu Festtagen und besonderen Anlässen. Einige Beispiele sind hier verlinkt …

> Google Holiday Logos (Weihnachten 2001)

> Google Holiday Logos (Weihnachten 2002)

Kino: Son de Mar

Was passiert, wenn antike Mythologie modernisiert und verfilmt wird? Dann kommt ein Film wie Son de Mar heraus – eigentlich eine einfache Dreiecksgeschichte, aber symbolhaft aufgeladen. Als Film-an-sich fand ich Son de Mar packend, aber fast zu sehr mit Kitsch und Nervenkitzel vollgeladen. Als verfilmte Mythologie – ich musste an Christoph Ransmayrs Letzte Welt denken –, als eine große Anspielung auf die Odyssee, als Antwort auf die Frage danach, wie die Liebesgeschichte eines Ulises heute aussehen kann, hatte der Film durchaus etwas. Dazu gehört gewißermaßen auch das tragischen Ende, das mir ebenfalls besser in der griechischen Klassik als im Film aufgehoben schien, und das ich vielleicht lieber gelesen als betrachtet hätte.

> ~~~~~son de mar~~~~~


Tuesday, December 10, 2002

Das Ergebnis stimmt

Als Delegierter für den grünen Bundesparteitag in Hannover gehöre ich zu denen, die mit ihrer Stimme dazu beigetragen haben, dass die Zweidrittelmehrheit für die Aussetzung der Trennung von Amt und Mandat nicht erreicht wurde. Ich bin nicht ganz glücklich mit dem Weg (d.h. mit einer knappen Sperrminorität bei einer sehr kontroversen Frage statt mit Einsicht bei Fritz Kuhn und Claudia Roth), wohl aber mit dem Ergebnis: Im Frühjahr 2003 kann jetzt über die Fortführung oder Aufhebung der Trennung von Amt und Mandat urabgestimmt werden, ohne dass diese Frage der innerparteilichen Demokratie mit einer bestimmten Personalentscheidung verquickt wäre. Im Gegensatz zu einigen anderen Mitgliedern der Grünen glaube ich nämlich nicht, dass jegliche Satzungsregelungen vollkommen sinnlos ist und es am besten wäre, alles der freien Entscheidung der jeweiligen Delegierten zu überlassen. Demokratie tut manchmal weh, gerade, wenn es darum geht, die Etablierung von Machtzirklen einzuschränken. Und Entscheidungen, die wehtun, werden im Rausch des Augenblicks häufig nicht gerne gefällt. Da ist es also sinnvoll, wenn eine Satzung – die dann aber auch akzeptiert werden muss – Dinge erzwingt.

Natürlich gibt es auch mit Satzungsregelungen Machtzusammenballungen usw. – etwas anderes anzunehmen, wäre höchst naiv und würde viel zu viel von dem demokratischen Tool Satzung verlangen. Aber das Stück, das eine Satzung zu geregelten Machtstrukturen beitragen kann, das soll eine Satzung auch dazu beitragen, finde ich.

Zurück zum Parteitag: Das Ergebnis finde ich gut, und hoffe, dass der neue Vorstand jetzt eben nicht als geunkerufter Ãœbergangsvorstand behandelt wird, sondern sich in die Reihe erfolgreicher grüner Bundesvorstände einreiht. Und dazu hoffe ich, werden nicht nur Bütikofer und Beer, sondern auch Menschen wie die BeisitzerInnen Katja Husen und Omid Nouripour beitragen – die übrigens beide für den von Joschka Fischer angemahnten Generationswechsel in der Partei stehen.

Und noch ein letztes Wort zum Parteitag: Schade war es, dass über die Satzungsfragen – und auch wolkig und mehr als Schaulaufen über die politische Lage – sehr lange diskutiert wurde, und darüber viele viele Anträge aus den Kreisverbänden schlicht und einfach vertagt wurden, was oft gleichbedeutend mit ignoriert werden ist. Dazu gehört auch ein Antrag aus Freiburg, in dem die Beibehaltung einer 50%-BahnCard von der Bahn AG gefordert wird. Hier wäre ein grünes Signal schön gewesen.


Sunday, November 10, 2002

Was wäre, wenn …?

Hammerschmitt, Marcus (2002): PolyPlay. Hamburg / Berlin: Argument. 187 Seiten, 12 Euro.

Ein Buch, zu dem sich leider nicht allzuviel sagen lässt. Nicht, weil es nicht von Interesse wäre, sondern weil es zuviel vorwegnehmen würde. Auf den ersten Blick ist das Buch harmlos – so harmlos, dass die Frage aufkommt, ob es nicht etwas unter dem Niveau von Hammerschmitt angesiedelt ist. Eine Alternativweltgeschichte, in der im Setting »DDR hat die BRD nach der Wende übernommen« Kommissar – nein, Oberleutnant – Kramer in einem Mordfall ermittelt, bei dem Jugendszenen und Automatenspielgeräte plötzlich in Verbindung mit einer Stasi-Verschwörung geraten.

Die Alternativwelt-DDR sieht plausibel aus, fast schon putzig, und auch die ab und zu hineinschneienden Lehrstunden über die Geschichte (im Schulunterricht, beim Zappen durchs Fernsehprogramm) wirken erst einmal so, als würde es hier darum gehen, sich vorzustellen, wie es denn hätte gewesen sein können, wenn im Jahr 2000 in einer größeren und für die Welt wirtschaftlich und politisch extrem wichtigen DDR stattgefunden hätte. Ob da Reklame hängt, wie die Wessis sich aufführen, etc. Warum sollte es so gewesen sein? Hammerschmitts Erklärung erweckt den Anschein, plausibel zu sein: wirtschaftliche Probleme im Westen, eine Abschottungspolitik in Ostasien, interne Streitigkeiten in den USA, und die – handgewedelte – Entdeckung einer ominösen neuen Technologie (der »Müller-Lohmann-Prozess«), die die DDR bald führend auf dem Gebiet der Mikroelektronik macht: Flachbildschirme, Mobilfunktelefone (»Mobis«), und wirtschaftlicher Erfolg. Das Leben im pluralistischen Sozialismus sieht gar nicht mal so übel aus – und auch die kleinen Fiesheiten (Joschka Fischer als Außenminister der DDR und Kronprinz des Staatsratsvorsitzenden, auch die Tageszeitung gibt’s weiterhin) tragen eigentlich nur dazu bei, dass Bild abzurunden. Daneben dann noch ein zweiter Handlungsstrang auf einer Seefestung, hat auch irgendwas mit Daten und Computerkriminalität zu tun.

Soweit, so gut. Aber irgendwann wird dann deutlich, dass Hammerschmitt den Leser oder die Leserin über etwas ganz anderes belehren möchte: über die Unmöglichkeit, in Science Fiction nicht nur plausible, sondern tatsächlich funktionsfähige Alternativwelten durchzuspielen, über die Fähigkeit des Menschen, überall Muster und Gestalten zu erkennen, und Widersprüche hinzunehmen. Das Ende ist überraschend, und wer zu lange mitspielt, mag es auch schockierend empfinden. Denn das Ziel des Experiments stellt sich als ein ganz anderes heraus – über das mehr zu sagen das Lesen des Romans doch beeinträchtigen würde. Und damit ist schon fast zuviel verraten.


Saturday, November 02, 2002

Internet ist keine Einbahnstraße

Jedenfalls fände ich Kommentare zu meinen Kommentaren ganz nett. Direkte Reaktionen zu den Texten funktionieren leider nur, wenn mensch sich selbst bei XANGA anmeldet, was ja nun nicht unbedingt sein muss – aber wer möchte, kann sich auch in meinen »guest book« verewigen. (Und irgendwann in ferner Zukunft ist das ganze hier vielleicht auch mal ein Wiki statt ein Blog, dann wär’s noch eine ganze Spur interaktiver …).

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Altes aus Xanga, Teil IV

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Tuesday, September 17, 2002

15.000 BürgerInnen gegen 100 Nazis

Nur ein kurzer Hinweis auf einen schnell eingetippten Bericht inkl. Debatte zum Aktionstag am 14.9. auf Indymedia.

> indymedia germany | NPD-Demo in Freiburg: Zivilcourage hilft | 14.09.2002 20:38

(Ach ja: Berichte über den Aktionstag gab’s natürlich auch anderswo, z.B. bei Spiegel online (inzwischen ohne Foto von Jan) oder auch bei der Badischen Zeitung)


Thursday, September 12, 2002

Noch mehr Wahlspots

Schade, dass Bündnis 90/Die Grünen keine reiche Partei sind, die sich hunderte von Fernsehspots leisten kann. Was hier auf der Homepage an Material rumliegt, ist ziemlich cool!

> Grün wirkt (Spots, Teil 1).

> Grün wirkt (Spots, Teil 2, süss).


Sunday, September 08, 2002

Making of …

Dass auch anscheinend ziemlich spontane Einlagen in Politik-Werbefilmen geübt und choreographiert sind, lässt sich schön am Joschka-Werbefilm der Grünen nachvollziehen. Denn netterweise stellt die Partei nicht nur den 30- und den 90-Sekunden-Clip ins Netz, sondern auch das »Making of …«, das in sechs Minuten ein paar Ausschnitte aus den vier Stunden Clip-Herstellung zeigt. Und Joschka auch schon mal ratlos nach seinem Programm suchen lässt – »oder … oder … oder was?«. Tja, grün wirkt – und Authentizität ist in.

> BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Portal


Friday, August 30, 2002

Sciencefiction ist Philosophie. Oder Politik. Oder Soziologie.

Jedenfalls gibt es Texte, die das nahelegen. Und weil ich solche Texte mag, und es ziemlich schick und sinnhaft finde, wenn Popkultur, insbesondere Sciencefiction, dazu genutzt wird, über Dinge wie Wirklichkeit, politische Entfremdung oder ähnliches nachzudenken, hier nur zwei kurze Links:

> Science Fiction als Pop-Epistemologie (W. Neuhauss in Telepolis über VR-Filme)

> A New Mission For Emancipation. Notizen zur Social Science Fiction von Christoph Spehr (D. Kretschmer in com.une.farce über Christoph Spehrs Alien-Metapherologie)


Tuesday, August 27, 2002

Dokumentarfilme sind lustig

Naja, nicht nur das. Dokumentarfilme können auch ziemlich soziologisch sein. Jedenfalls war Die Blume der Hausfrau (unter bedecktem Himmel im Freiluftkino, aber glücklicherweise ohne Regen) – eine dramatische Dokumentation über Staubsaugervertreter in Stuttgart und Umland – nicht nur ein Film, bei dem das Publikum häufiger lachen musste (ob jetzt mit oder über die Staubsaugervertreter, sei hier mal dahingestellt), und der durchaus auch seine tragischen Momente hatte – sondern eben auch ein Film, der besser als einige Soziologiebücher deutlich macht, wie die Lebenswelt da draußen aussieht, und was passiert, wenn Ökonomie/Industrie (hier vertreten durch die Staubsaugervetreter von Vorwerk) ins Private eindringt, um »Beute« zu machen. Und manchmal nichts anderes vorfindet als Arbeit (»Saugen sie mal hier! Und hier noch!«) und kommunikationsbedürfige Menschen ohne Kontakte, ohne Geld, aber mit Kehrwoche.

> Die Blume der Hausfrau

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Altes aus Xanga, Teil II

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Tuesday, June 25, 2002

Fussball

Heute war alles das entscheidende Spiel. Südkorea / Deutschland, Deutschland hat gewonnen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ich mich eigentlich für Fussball nicht interessiere. Schön, es gehört irgendwie zum allgemeinen Hintergrundwissen, mitzukriegen, dass nur noch ein Finalspiel und ein paar Tage die Nation von der Weltmeisterschaft trennen. Oder so. Aber wichtig finde ich das nicht.

Warum ich trotzdem was dazu schreibe? Weil das Spielergebnis nicht zu überhören war. Die Freiburger Mensa ist auf die glorreiche Idee gekommen, die Spiele live zu übertragen. Die Mensa hat ein Foyer (das normalerweise leer steht) und einen Speiseraum ein Stockwerk oben drüber. Außerdem lässt es sich im Sommer draußen vor der Mensa sitzen und essen. Heute war das Foyer voller Stühle (und einer Großbildleinwand), der Speiseraum leer – zumindest gab’s hier keine Stühle mehr, für Leute, die was essen wollten, und auch draußen auf der Mensawiese war deutlich weniger los als sonst. Das Spiel selbst war aber gut zu hören, auch draußen. Verhaltener Jubel: Chance. Lauter Jubel: Tor. Verdächtige Stille: Chance für die Koreaner.

Während des Spiels war es aber eigentlich noch ganz okay, draußen auf der Mensawiese zu liegen und die Sonne zu genießen. Schwierig wurde es, als das Spiel anfing, zu enden. Da wurde es dann wirklich laut, und es war ganz klar, dass Deutschland gewonnen haben musste. Neugierig geworden, fiel der Blick von mir und meiner Freundin dann auf die an der Mensa vorbeiführende Straße. Erst gab’s nur vereinzelt hupende Wagen und Deutschlandfahnen. Inzwischen, so eine Stunde später, ist nur noch ein ununterbrochenes Hupkonzert zu hören (auch hier an meinem Arbeitsplatz, ein gutes Stück von der Straße weg). Ich weiss gar nicht, wo die ganzen Fahnen (Oder heißt das Flaggen? Ich verwechsel das immer) herkommen. Jedenfalls hat jetzt jedes zweite Auto eine dabei, um sie zu schwenken. Hupen tun alle. Und die Polizei regelt den Verkehr.

Soweit aktuelles zum Halbfinale aus Freiburg. Endspielsieg oder Generalstreik dürfte dann ungefähr die gleichen Folgen haben. Und lauschige Plätze weit entfernt von öffentlichen Straßen gesucht werden. Sonst bleibt einem keine Chance, den Fussball zu ignorieren.

P.S.: So etwa eine weitere Stunde später ist das Hupen leiser geworden, dafür gibt es jetzt rhythmisches Trommeln und ab und zu »Finale«-Gesänge. Freiburg, von der Badischen Zeitung grade noch der Maßvollheit bezichtigt, scheint sich mächtig zu freuen. Nur – worüber eigentlich?


Monday, June 03, 2002

Out of this world 2

Ein Versuch, verschiedene Galaxien miteinander telefonieren zu lassen

Nur ein ganz kurzer Hinweis drauf, dass ich dieses Wochenende in Bremen beim Out-of-this-world-Kongress war, ziemlich beeindruckt davon war, dort mit ziemlich vielen ziemlich interessanten Menschen über utopische Ökonomien, über den Platz von Utopie in der Science Fiction, über The Dispossessed und über Star Trek diskutiert habe, witzige politische Videocollagen gesehen habe und letztlich zum Schluss gekommen bin: Will ich auch haben!. In anderen Worten: Der oben zitierte Versuch, verschiedene Galaxien miteinander telefonieren zu lassen, der eines der Motti auf der Kongresshomepage ist, hat geklappt. Für mich jedenfalls.

> Out of this world 2


Sunday, May 12, 2002

Monsoon Wedding

Gestern »Monsoon Wedding« im Friedrichsbau angeschaut (und natürlich hat es passend zum Film danach geregnet). Der Film hat mir nicht nur deswegen gefallen, weil er wie erwartet farbenfroh und witzig-romantisch war, sondern auch deswegen, weil er ziemlich genau das Bild von Delhi rübergebracht hat, dass ich selbst hatte, als ich im Oktober 2000 dort eine Woche lang war: die Kontraste zwischen arm und reich, eine Gesellschaft, die von einer nicht-christlichen Religion (oder so) geprägt ist, unglaublich vollgestopfte Straßen mit allem vom Handkarren bis zum indischen SUV, Hektik und Gelassenheit, Gelassenheit und Hektik … naja, der Film hat jedenfalls eine ganze Menge Erinnerungen an Delhi im Herbst 2000 geweckt, und auch den Wunsch, mal wieder dort zu sein. Und ist auch deshalb empfehlenswert.

> www.monsoonwedding.de


Saturday, May 11, 2002

Nochmal Bürgermeisterwahl

Zeit ist eine knappe Ressource – und es ist jetzt schon wieder fast eine Woche her, dass in Freiburg der Grüne Dieter Salomon zum »ersten grünen OB einer deutschen Großstadt« gewählt wurde. (Und zwar mit einem Traumergebnis von 64,4% – herzlichen Glückwunsch auch von dieser Stelle).

Jetzt aber geht’s um die wunderbare Formulierung: »erster grüner OB einer deutschen Großstadt«. Die ist so umständlich und formelhaft, weil er nämlich erstens nicht der erste grüne Oberbürgermeister ist – da gibt’s auch schon welche in Konstanz und Mühlacker, um nur zwei zu nennen, weil er zweitens nicht der erste grüne Großstadt-OB ist (Rutelli regierte mal Rom), und weil drittens auch völlig unklar ist, wo eigentlich die Großstadtgrenze liegt (und warum Freiburg mit 200.000 EinwohnerInnen eine Großstadt ist, und irgendwelche Bezirksbürgermeister Berliner Bezirke mit genausoviel EinwohnerInnen nicht als Großstadt zählen).

So toll das Ergebnis für Dieter, für Freiburg und für die Grünen ist – zumindest, was die Superlative angeht, muss der nächste oder die nächste sich was anderes ausdenken. »Erste grüne Bürgermeisterin einer deutschen Großstadt nördlich der Mainlinie« zum Beispiel. Oder so. Und alle, die jetzt mit Dieter ein tolles Vorbild gefunden haben, müssen auch vorsichtig sein – der Wunsch, ebenfalls später mal erster grüner OB einer deutschen Großstadt zu werden, wird leider nicht in Erfüllung gehen …


Monday, April 22, 2002

Amt für Amt voran …

Wer wissen will, warum ich nicht in Freiburg war, sondern offensichtlich mal wieder quer durch die Republik gereist bin, kann schnell eine Antwort kriegen: Dieses Wochenende fand die Bundesversammlung des Bündnisses grün-alternativer Hochschulgruppen in Dresden statt. Und weil wir zwar wichtig, aber leider viel zu wenige sind, blieb von meinem guten Vorsatz, mein Engagement dort deutlich zu reduzieren, leider nur wenig übrig. Statt dessen kandidierte ich als Sprecher und wurde auch gewählt – und werde jetzt zumindest bis zur Mitgliederversammlung im Wintersemester zusammen mit Christine Scholz das Bündnis gegenüber der Partei Bündnis 90/Die Grünen und nach außen hin vertreten.

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