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Kurz: Der Katalog als Zeitgeistmarker

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IKEA ist so ein globaler Konzern, der Möbel verkauft. Naja, eigentlich verkauft der Konzern eher ein Image als Möbel. Und das Image hat nicht unbedingt viel mit der Realität zu tun, befürchte ich.

Was für ein Image? So eine hübsche skandinavisch-aufgeräumte Kuscheligkeit, in der kleine Wohnungen kein Problem, sondern eine mit Bravour meisterbare Stilherausforderung sind, in der multikulturell zusammengesetzte Patchwork-Familien-WG-Freundeskreise an hübsch dekorierten/improvisierten Tischen sitzen, mit Kindern irgendwo zwischen niedlich und frech, gerne auch mal kopfüber. Bisschen Grünzeug, bisschen Altbau, bisschen Post-Hippie-Bürgertum, bisschen Literatur im Regal, bisschen künstlerisch wertvolles Provisorium. Noch ein Hauch Nachhaltigkeitsgefühl und eine Prise globale Fairness dazu, fertig, trifft und passt. Werbung halt.

Dass die jährlichen, weltweit ähnlichen IKEA-Kataloge genau dieses Image verkaufen – genau das macht sie ja überhaupt erst ersehnenswert, jedenfalls interessanter als all das, was irgendwelche andere Möbelhäuser sich ausdenken, um ihren Kruscht zu bepreisen. Weswegen ich es etwas schade finde, dass der diesjährige Katalog sich wohl von dem neuen »Keine Werbung«-Schild am Briefkasten hat abschrecken lassen hat. Und wenig Verständnis für irgendwelche in der ZEIT erschienenen Verrisse habe.

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Photo of the week: Negative/on white

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Negative/on white

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Innenraumverschönerung

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Ornamental symmetryDie letzten Tage habe ich dazu genutzt, IKEA zu überfallen besuchen und dort ein bißchen Weihnachtsgeld da zu lassen. Ziel der Aktion: Innenraumverschönerung.

U.a. habe ich ein Exemplar des IKEA-Klassikers »PÖANG« erstanden, die rechts abgebildete Original-Kitsch-Lampe durch »RIMFROST« ersetzt (interessant dabei: wer die schönere Lampenfassung haben will, muss eine andere fast vollständige Lampe, nämlich »JANUARI«, kanibalisieren) und ein neues Bücherbrett angeschraubt. Das brauchte ich, um mein überquellende SF-Regal so weit leerräumen zu können, dass ich dort einen kleinen Schrank einbauen konnte.

Dabei habe ich festgestellt, dass die kleinen »BILLY BYOM«-Vitrinentüren eigentlich nur für Aufsatzregale gedacht sind. Was mich nicht daran gehindert hat, in einem ganz normalen »BILLY«-Regal ein Vitrinentürpaar einzubauen, um so das Problem zu lösen, diverse Elektronikprodukte einigermaßen weit oben, d.h. kindersicher, und nicht ganz direkt im Staubeinfall, d.h. hinter Türen, unterzubringen.

Nicht zuletzt habe ich ein »DIGNITET«-Stahlseil aufgespannt, um daran a. Krimskrams aufzuhängen und b. eines meiner Ordnerregale hinter Vorhängen zu verstecken. Das Anbringen von »DIGNITET« war allerdings nicht ganz unproblematisch. Wie oft bei IKEA-Produkten steckt der Teufel im Detail: die Endstücke werden jeweils an der Wand angeschraubt, dann wird das Stahlseil selbst mit Hilfe von zwei winzigkleinen Schrauben (kleinster Inbus-Schlüssel, den ich je gesehen habe), in dem Endstück festgeschraubt. Danach kann es mit Hilfe des einen Endstücks, das so verschraubt ist, dass es durch Drehen verkürzt werden kann, gespannt werden. Der Haken bei der Sache: das Stahlseil muss vorher auf die genaue Länge + max. 3,4 cm abgeschnitten werden, damit es straff gespannt werden kann. Bei mir war es erst zu lang, danach habe ich es dann so abgeklemmt, dass es genau gepasst hat, habe es allerdings zu straff gespannt, so dass es aus der Halterung raus sauste – und ausfranste. Mit ziemlich viel Frickelei ließ es sich dann doch noch irgendwie dort befestigen, wie haltbar dieses Provisorium ist, muss sich allerdings erst zeigen.

Nebenbei bemerkt ist so ein IKEA-Besuch auch aus anderen Gründen interessant. So gibt es ewig lange Schlangen, weil alle Welt wohl zwischen den Jahren dorthin eilt. Hier in Freiburg wohl auch aus Frankreich und der Schweiz, wenn ich die entsprechenden Sprachen und Akzente richtig eingeordnet habe. Auffällig fand ich die mehrfach zu beobachtende typische IKEA-Familie (Mama, Papa, zwei bis maximal drei kleinere Kinder). Sie legt Wert auf Design und sieht auch so aus, er ist gepflegt, großgewachsen und grauhaarig (Beamter, leitender Angestellter, Selbstständiger o.ä.), und auch die beiden Kinder entsprechen den Vorstellungen, wie sie ebenso im Textilkatalog von HESS oder in der JAKO-O-Werbung reproduziert werden, sind also aufgeweckt, eigenständig und ordentlich gekleidet.

Ebenso interessant wie die leibhaftige Zielgruppe (na gut, ich gehöre da wohl auch irgendwie dazu) fand ich die Vermarktungsstrategien, z.B. für massenhaft produzierte handbestickte florale Kissen, die (ebenso wie einige andere Waren) den Touch des Flohmartkfundstücks oder des ruralen Urlaubsmitbringsels, also das Gefühl individueller Alltagsstilisierung wunderbar mit den Produktionsbedingungen eines globalen Multis (überhaupt: die oben genannten IKEA-Produkte, die ich gekauft habe, sind maximal globalisiert: China, Italien, Bulgarien, schwedisch-deutsche Vermarktung. Das System IKEA (samt der »Inter-IKEA-Systems«) wäre glatt mal eine Fallstudie wert) zu vereinbaren. Oder die interne Diversifizierung: fast jede der großen Produktlinien gibt es in zwei, wenn nicht sogar drei Qualitätsabstufungen.

Warum blogge ich das? Als kleines Resultat meines Offline-Seins.

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Ikonographie der IKEA-Toilette (Update)

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Einige wissen es schon: wir ziehen endlich um! In diesem Zusammenhang war ich dann vor ein paar Tagen auch bei IKEA, und habe dort u.a. auch die Toilette besucht. Die Männertoilette war wie folgt beschriftet:

Männertoilette bei IKEA

Was mir prinzipiell sehr gut gefallen hat, im Detail aber noch nachbesserungswürdig wäre. Gut ist: IKEA bietet nicht nur erstens generell eine kostenlose Toilette an, und zweitens (sowohl in der für Männer wie in der für Frauen) auch eine kleinere für Kinder, sondern drittens in beiden Räumen auch einen Wickeltisch.

Das Signal, dass auch Väter wickeln können sollen, wird allerdings durch die Ikonographie teilweise wieder in Frage gestellt. Auf dem Bild (s.o.) ist ja nun eindeutig zu erkennen, dass nur Menschen mit Rock Babys wickeln. Standarddeutung: Frau. Es mag eine Kleinigkeit sein und an die Forderung nach Radwegbeschriftungen mit und ohne Stange (im Radbild) erinnern: aber noch besser fände ich es, wenn auf dem Schild ganz selbstverständlich auch ein Mann beim Wickeln zu sehen wäre. Alternativdeutung: gerade die Beibehaltung des Stereotyps macht klar, dass hier nicht nur Männer Kindern wickeln können sollen, sondern dass sie dadurch ein bißchen wie stereotype Frauen sind, was aber durchaus – aus Sicht der IKEA-Türbeschriftung – erwünscht wäre.

Noch etwas radikaler gedacht stellt die funktionale Aufwertung von Toiletten die Gender-Trennung in Frage: wie könnte eine intimsphärenwahrende Toilettenanlage aussehen, die auf der selben Grundfläche die selbe Funktionalität anbietet (und den Wickelraum dann geschlechtsambig beschriftet?).

Warum blogge ich das? Vor allem aus Freude über die relativ große Selbstverständlichkeit eines zweigeschlechtlich zugänglichen Wickeltisches bei IKEA.

Update: Es gibt noch einen zweiten Fehler im Bild, auf den mich »riechtlaut« bei Flickr hingewiesen hat. Wer findet ihn, ohne nachzuschauen?

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Altes aus Xanga, Teil VIII

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Saturday, February 15, 2003

Globale Demonstration

Heute scheint es die erste globale Demonstration gegeben zu haben – zeitversetzt fanden und finden heute weltweit Demonstrationen gegen den drohenden Irak-Krieg statt. Allein in Europa haben insgesamt etwa vier Millionen daran teilgenommen. Demonstrationen fanden aber auch in Australien, Russland, Afrika, Arabien, Indien und nicht zuletzt in Amerika statt. Ganz unabhängig davon, ob dieser massive Protest Erfolg haben wird oder nicht – was wir hier erleben, dürfte später – zusammen mit den auf einen Ort hin konzentrierten, aber global organisierten – Protesten von Seattle und Genua und mit den Solidaritätskundgebungen nach dem 11. September 2001 – als eine der ersten globalen Protestkundgebungen in die Geschichtsbücher eingehen. Die globale mediale Vernetzung über Massenmedien und Internet, die Verbundenheit und Abhängigkeit aller Dinge im politischen und wirtschaftlichen Bereich fangen an, Wirkung zu zeigen. Der drohende Irak-Krieg – Ironie der Geschichte – als Auswuchs des neuen us-amerikanischen Unilateralismus kann sich so als Katalysator auf dem Weg hin zu einer weltweiten politischen Tagesordnung, einer globalen Zivilgesellschaft und einer Stärkung der internationalen politischen Institutionen erweisen.

> CNN.com – Millions in Europe peace protests – Feb. 15, 2003


Thursday, February 06, 2003

Repeat

Ich weiss nicht, ob das anderen Leuten auch so geht. CD-Player haben ja des öfteren eine Repeat-Funktion. Und CDs sind gut eine Stunde lang, vielleicht länger, vielleicht kürzer. Radiohören seit der Kindheit sorgt dafür, sich nach etwa einer Stunde nicht mehr daran zu erinnern, welche Top-of-the-pop-ultra-chart-hits grade eben schon einmal liefen. CDs sind gut eine Stunde lang. Und mir passiert es immer wieder, dass die Repeat-Funktion meines CD-Players mich stundenlang mit einer Klangwolke umgibt. Musik ist Hintergrund, jedenfalls für mich. Das kann dann ruhig dieselbe sein. Elektronische Musik eignet sich besonders gut dafür, egal, ob Portishead oder schnelleres Zeug. Denn CDs sind gut eine Stunde lang.

Nie mehr Kino?

Keine Angst … auch wenn hier grade nichts steht, gehe ich doch auch weiterhin ab und zu mal ins Kino. Vor einigen Wochen beispielsweise in 19, einen japanischen Film mit äußerst unklarer Botschaft: Junger Student wird von – ein passendes Wort wäre vielleicht: Taugenichtsen – gekidnappt, Hals über Kopf und auf offener Straße. Eine Road-Movie-Tour über Japans Straßen und Automobile schließt sich an. Das Meer ist das Ende. Ziemlich gewalttätig, relativ sinnlos – beeindruckend aber die Ästhetik. Ein bißchen kam mir das ganze vor wie die Verfilmung einer leicht trashig angehauchten Modestrecke in einem Hochglanzmagazin. Interessante Farbpalette.

Eine schöne Überleitung wäre jetzt, zu behaupten, dass der Dogma-Film Open Hearts das genaue Gegenteil von 19 ist. Stimmt aber nicht wirklich, es gibt nämlich kaum eine Vergleichsbasis. Was fand ich an Open Hearts nett? Auch hier: die Ästhetik, Skandinavienhippieikeastyle. Die dänischen Umgangsformen. Und das irgendwie doch offene Ende. Oder auch nicht. Eine Geschichte über Leid und Liebe, kein klares Happy-End und ziemlich vieles, was zwischendrin zerbrochen ist. Trotzdem ein ziemlich schwer verdaulicher Film. Nebenbei bemerkt: Schön die augenzwinkernde Fastnichtverletzung der Dogma-Regeln (Musik aus dem immer vorhandenen Walkman, Vor- und Nachspann mit der Wärmebildkamera gefilmt, …).

Noch mehr Filme? Nur auf Video gesehen, was schade war: Die Liebenden des Polarkreises. Den Roman dazu konnte ich mir lebhaft vorstellen, und das ingeniöse Aufeinandertürmen von Zufällen, die am Schluss konsistent werden, hatte was. Melancholisch – und so verdammt nah am Happy End, aber dann doch immer wieder haarscharf dran vorbei. Literarisches Kino, wenn es so was gibt.

> http://www.19-der-film.de/

> http://www.open-hearts.de/

> http://www.google.de/search?hl=de&ie=ISO-8859-1&q=die+liebenden+des+polarkreises&meta=


Friday, January 31, 2003 / (4. Januar 2003)

Wissenschaft braucht keine Religion!

In der Süddeutschen Zeitung erschien heute ein Essay, in dem Gesine Schwan dafür plädiert, Wissenschaft auf ein religiöses Fundament zu stellen. Weil mir das sehr seltsam erscheint – und eigentlich eher eines fundamentalistischen US-Präsidenten würdig, als einer ostdeutschen Hochschulrektorin – habe ich der SZ einen Leserbrief geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gesine Schwan macht zwei Fehler, wenn sie vorschlägt, die Wissenschaft müsse sich an der Religion orientieren. Zum einen übersieht sie, dass es »die Religion« nicht gibt, sagt uns aber leider nicht, warum sich ihrer Meinung nach Wissenschaft an einer wohl implizit mehr oder weniger christlichen Religion zu orientieren hat – und z.B. nicht an den ganz anderen Wertmustern des Hinduismus oder des Taoismus. Zum anderen begründet sie nicht, warum sie überhaupt Religion braucht, um einen außerwissenschaftlichen Ankerpunkt zu finden, an dem sich Wissenschaft orientieren soll. So löblich es sein mag, wenn dieser eben nicht im Geld (und sicherlich auch nicht in politischer Macht) zu finden ist, so wenig geht aus dem Essay hervor, warum nicht allgemeine ethische Grundlagen, Menschenrechte und dergleichen sich ebensogut oder nicht viel besser eignen als gerade Religion. Als Ungläubiger und Wissenschaftler scheinen mir hier private Erweckungsvorstellungen und gesellschaftliche Leitplanken verwechselt worden zu sein. Was schade ist.

Schöne Grüsse,
Till Westermayer, M.A.

> Süddeutsche Zeitung – Das zerstörte Tabu


P.S.: Nachtrag zum Eintrag vom 4. Januar: Die SZ hat meinen Leserbrief veröffentlicht …


Saturday, December 28, 2002

Something to keep watching …

(Ohne weitere Worte)

> DARPA Information Awareness Office programs

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