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Party till it’s over

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Haben Parteien eine Zukunft? Letztes Wochenende fand in den Berliner Sophiensälen die Tagung „Zukunft der Parteiendemokratie“ der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Diese Tagung ist Teil eines umfangreicher angelegten Diskussionsprozesses, zu dem auch die Studie Partei 2025 gehört, die von Hanno Burmester et al. für das SPD-nahe Progressive Zentrum, die Konrad-Adenauer-Stiftung und eben die Böll-Stiftung erstellt wurde. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.

Sind Parteien denn nun in einem schlechten Zustand, gar in der Krise? Oder handelt es sich, wie es etwa Jasmin Siri betonte, bei der Krisenrhetorik um etwas, das – zumindest in Deutschland – schon immer mit unserem Bild von Parteien verbunden ist?

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Kurz: Studienwerk wird 25

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Das Studienwerk der Heinrich-Böll-Stiftung, also die Einrichtung in der grün-nahen Parteienstiftung, die für die Vergabe von Stipendien zuständig ist, wird 25 Jahre, und feiert das heute abend in Berlin. Das ist mir dann doch zu weit weg, auch weil ich mit meinen Wochenenden (Kinder!) eher sparsamer umgehen will und muss. Aus Anlass des Jubiläums ist zudem eine Verbleibstudie erschienen, in der geschaut wird, was aus den von der Stiftung geförderten Studierenden und Promovierenden geworden ist. Gut 40 Prozent der rund 3000 Alumni der Böll-Stiftung haben sich an der Befragung beteiligt, und auch wenn’s eher statistisch als biographisch ist, ist das Ergebnis durchaus interessant.

Ich selbst war 1999 bis 2001 Stipendiat der Stiftung, also eher in der Endphase meines Studiums – es dauerte etwas, bis mir die Möglichkeit eines Stipendiums überhaupt bewusst wurde. Neben dem durchaus willkommenen »Büchergeld« habe ich aus der Förderung durch die Böll-Stiftung vor allem diverse Seminare und längere Sommertreffen in Erinnerung, also die sogenannte »ideele Förderung«. Dabei habe ich nicht nur inhaltlich einiges gelernt (über Wasser als ökologisches Thema, aber auch über Antirassismus, Geschlechterbilder und Kunst), sondern erinnere mich auch an spannende Gespräche mit MitstipendiatInnen. Denn wo sind schon dutzende neugierige, offene und engagierte Menschen anzutreffen, wenn nicht auf einem Campus der Böll-Stiftung? (Dazu beigetragen haben dürfte auch die Förderpolitik, die bewusst auf einen Frauenanteil von 2/3 der Geförderten und auf einen hohen Anteil an StipendiatInnen »mit Migrationshintergrund« abzielte). Und, um mit Mythen aufzuräumen: zumindest zu meiner Zeit waren die Geförderten definitiv nicht identisch mit dem Kadernachwuchs der Partei. Klar, eine Nähe zu grünen Werten sollte da sein – aber das Parteibuch war kein Förderkriterium. Auch hier gibt es, nach allem, was so zu hören ist – ebenso wie bei der Auswahl – durchaus Unterschiede zwischen »Böll« und den anderen parteinahen Stiftungen.

Mir hat das Stipendium also auf jeden Fall was gebracht: eine Horizontöffnung. Ich kenne einige andere StipendiatInnen, und vermute, dass ich mit dieser Einschätzung nicht der einzige bin. Und nicht nur deswegen gratuliere ich dem Studienwerk herzlich zum 25. und hoffe, dass noch viele weitere Menschen von dieser Förderung profitieren dürfen.

P.S.: Grußwort Ralf Fücks zur Eröffnung der Feier

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Politik im Netz – was geht?

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Letzten Samstag fand die Jahrestagung der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg statt, die diese freundlicherweise dem Thema »Politik im Netz – Wie das Internet politische Kommunikation und Kultur verändert« gewidmet hatte. Im Folgenden also ein paar Streiflichter aus der Konferenz. Das Publikum wirkte übrigens sehr viel weniger nerdig, als das Thema es hätte vermuten lassen.

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Einige Überlegungen anlässlich des Workshops »Nachhaltige Hochschulen«

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GesternVor einem Jahr fand in Berlin eine gemeinsame Tagung von Heinrich-Böll-Stiftung und CampusGrün zur Zukunft der Hochschulen statt. Dieser Frage wurde in unterschiedlichen Workshops nachgegangen; ich war damals gebeten worden, einen Workshop »Nachhaltige Hochschulen« vorzubereiten und zu leiten. Mit dem konkreten Workshopergebnis bin ich ganz zufrieden. Weil das Thema aber ja vielleicht auch Menschen außerhalb der grünen Hochschulgruppenszene interessiert, hier die Folien meines Inputs (bei Slideshare) sowie ein paar Worte dazu.
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Lesenswert: Klimawandel und Alltagshandeln

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Titel Klimawandel und AlltagshandelnDie hessische Landesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND und das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) haben mit dem jetzt erschienenen Band Klimawandel und Alltagshandeln nicht nur die Dokumentation einer im Herbst 2006 stattgefundenen Tagung herausgegeben, sondern bieten – an der Grenze zwischen Wissenschaft und Politik – einen guten Überblick über den aktuellen Stand zur Frage, was im Alltag klimapolitisch und klimaschützerisch getan werden kann.

Der Band gliedert sich, grob gesagt, in drei Themengebiete. Im ersten, »Klimawandel, Klimapolitik, Klimaschutz«, gibt Uwe Fritsche vom Öko-Institut einen konzisen Überblick über den Wissensstand zum Klimawandel und reißt Handlungsfelder an. Klaus Wortmann diskutiert das Thema Energiesparen im Haushalt historisch, d.h. er arbeitet sozusagen Geschichte der »Energiesparbewegung« seit den 1970er Jahren mit ihren Höhen und Tiefen, politischen Zuwendungen und alltäglichen Rückzügen auf. Anja Wirsing schließlich stellt eine Fotoaktion vor, mit der Frauen zum internationalen Frauentag Klimabotschaften positionieren (das Buch ist damit illustriert).

Im zweiten Abschnitt geht es dann um die Rahmenbedingungen. Werner Neumann diskutiert wirtschaftliche und strukturelle Probleme des Politikfeldes Energieeffizienz. Aus der Sicht des Verbraucherschutzes betrachtet Holger Krawinkel Glühbirnenverbote und ähnliche Aktionen und plädiert für ein Ministerium mit gebündelter Energiesparkompetenz. Hans Ackermann zeigt, wo tatsächlich Einsparpotenziale liegen und Hans-Peter Frank diskutiert das Stromsparförderprogramm der Stadtwerke Marburg.

Für mich am spannendsten der dritte Teil des Buchs: »Die alltägliche Praxis: Im Alltag klimaschonend handeln«. Immanuel Stieß vom ISOE geht ausführlich auf eine alltagsökologische Perspektive in der Klimadiskussion ein. Dabei geht es nicht nur um die energetischen Effekte verschiedener Bedürfnisfelder und die alltäglichen Handlungsmöglichkeiten; diese alltagsökologische Perspektive wird in den Rahmen des großen Wandlungsprozesses der Technisierung und Verwissenschaftlichung alltäglichen Handelns gestellt. Eindringlich macht Stieß klar, warum KonsumentInnen und Haushalte Schlüsselakteure für den Klimaschutz sind – und wie ein praktikabler Weg zu einem postfossilen Alltag aussehen kann. Er nennt hier insbesondere vier Punkte:

  • Energieeffiziente Angebote und Produkte müssen in die alltägliche Lebensführung integrierbar sein, sie müssen »alltagskompatibel, breit verfügbar und leicht zu handhaben sein« und sich in Alltagsroutinen integrieren lassen.
  • Information zum Klimaschutz muss eine einfache Orientierung erlauben, als Positivbeispiel nennt Stieß die EU-Energieverbrauchslaben von A++ bis G.
  • Die unterschiedliche Lebenswirklichkeit unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen muss berücksichtigt werden.
  • Die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten und -ressourcen unterschiedlicher Gruppen müssen berücksichtigt sein, bspw. sind die Anfangsinvestitionen in sparsame Geräte schwierig – es kann sich nicht jeder leisten, sparsam zu sein.

Als weitere Positivfaktoren nennt Stieß alltagsnahe und gut verständliche Öko-Ratgeber, die EcoTopTen-Initiative des Öko-Instituts und neue Kommunikationsformen wie Stromwechsel-Partys.

Red light

Elke Dünnhoff vom Heidelberger ifeu geht im Detail auf Gründe ein, die das Energiesparen erschweren. Dazu gehört die zunehmende technische Ausstattung der Haushalte (von Kaffeemaschinen über Mobiltelefone bis zur Waschmaschine und zur Glühbirne), dabei zunehmend »intelligente« Geräte mit Standby-Modus. Handlungsansätze in privaten Haushalten gliedert sie nach den drei Maßnahmenarten »Nutzungsverhalten«, »Kleininvestitionen« und »Kaufentscheidungen«. Wichtig an ihrem Beitrag finde ich, dass sie ausführlich auf Hemmnisse zum Stromsparen eingeht, u.a. dass der Stromverbrauch der Geräte nicht sichtbar ist.

Zum Teil Alltagsökologie gehören weiterhin ein Bericht von Hans Ackermann aus dem Alltag eines Energiesparhaushalts und ein Überblick von Ramona Siefke über Erfahrungen aus der Energieberatung der Verbraucherzentralen.

Ein wichtiges Thema sprechen zwei weitere Beiträge an – einmal wissenschaftsnah (Stieß und Dünnhoff) und einmal praktisch (Bettina Sickenberger) geht es um das Zusammenbringen von Energiesparpolitik/Energiekostenanstieg und sozialen Konsequenzen, Sozialpolitik. Stieß und Dünnhoff berichten über eine mit der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführte Studie zu den Auswirkungen steigender Energiekosten auf Haushalte, die ALG II bzw. Sozialhilfe beziehen. Sickenberger stellt den »Einsparservice« der Caritas Frankfurt am Main vor, bei der »Arbeitslose« zur Vor-Ort-Energieberatung eingesetzt werden.

Doris Hayn (ISOE) schließlich macht in ihrem Beitrag zum Ernährungshandeln deutlich, dass Klimaeffekte alltäglichen Handelns nicht nur dort stattfinden, wo direkt Strom durch irgendwelche Geräte fließt. Zugleich geht es darum, wie schwierig es ist, die versteckten Klimaeffekte zu verringern und alltägliche Praktiken zu verändern. Die Darstellung der Komplexität des Alltags erscheint mir sehr hilfreich und macht sehr klar, warum einfache Rezepte nicht unbedingt funktionieren. Auch Hayn betont, dass klimapolitische Handlungsempfehlungen alltagskompatibel sein müssen, und es nicht zu ständigen Abwägungsprozessen kommen kann. Zugleich hält sie fest, dass das Handlungsfeld Ernährung deutlich zeigt, dass Klimaschutz letztlich »(einschneidende) Veränderungen von Verbrauchs- und Konsumgewohnheiten, von Lebensweisen und Lebensstilen« notwendig machen wird. Da braucht es zwar auch Umweltratgeber, die alltagskompatible Tipps geben, aber noch viel mehr Unterstützung der privaten Akteure durch politische Rahmen und wirtschaftliche Angebote.

Das Buch wird ergänzt durch eine Kurzvorstellung der beteiligten Einrichtungen und einen Überblick über Websites und Umweltratgeber für Klimaschutz.

Wie auch schon in der Gewichtung in dieser Kritik deutlich geworden ist, sind einige Teile des Buches für mich sehr viel interessanter als andere. Neben dem Überblick über den Stand der wissenschaftlich-politischen Klimadebatte sind dies vor allem die explizit alltagsökologischen Beiträge. Bei anderen schimmert dann doch zu sehr der Vortragsstil einer Tagung durch; statt weitergehenden Informationen findet sich dann das textuelle Äquivalent einer PowerPoint-Präsentation. Das und der relativ hohe Preis sind sicherlich Punkte, die gegen Klimawandel und Alltagshandeln sprechen. Für alle, die politisch oder wissenschaftlich mit dem Thema zu tun haben, ist die Anschaffung jedoch sinnvoll, insofern hier entscheidende Eckpfeiler für eine alltagsorientierte Herangehensweise an Klimapolitik gesetzt werden.

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Hayn, Doris / Zwengel, Ralf (Hrsg.) (2008): Klimawandel und Alltagshandeln. Essen: Klartext. 186 Seiten, 14,95 Euro. Verlagsinformation. Bei Amazon bestellen.

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