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Kurz: Süße Mogelpackung

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Ich bin ja mehr so der Bioladenkäufer. Heute überfiel mich allerdings auf dem Mannheimer Bahnhof (Teil der schnellsten Verbindung von Ravensburg nach Freiburg – lacht nicht!) der Wunsch nach Schokolade. Der Bahnsteigsautomat warf dann auch brav einen mit Sn… beginnenden Schokoriegel aus.

Beim Öffnen der Verpackung stutzte ich kurz. In der Mitte auseinandergebrochen? Folge des Automatensturzes? Nö – in der Schokoriegelverpackung fanden sich zwei halblange Schokoriegel.

Komisch, war das bei Sn… schon immer so? Erinnerte ich mich gar nicht dran, und ich glaube, dass das stimmt. Warum also zwei halbe statt ein ganzer Riegel? Ich vermute, der Grund steht im Kleingedruckten, nämlich bei den Ernährungshinweisen. Da heißt es, dass die Packung zwei Portionen a 40g enthält. Und die Tagesverbrauchswerte sind dann je Portion angegeben. Weil ja üblicherweise nur ein halber Riegel gegessen wird. Eine Portion deckt demnach beispielsweise 23 Prozent des täglichen Zuckerbedarfs. Schon viel. Stände da die Angabe für zwei »Portionen«, wären es schon 46 Prozent. Dass der Hersteller da lieber durch zwei teilt, liegt nahe – bleibt aber eine süße Mogelpackung.

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Kurz: Veggieday einschmuggeln!

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Die BILD hat festgestellt, dass Grüne einen Veggieday – also einmal pro Woche, wie der katholische Freitag – wollen, an dem fleischlos in öffentlichen Kantinen gegessen wird. Allein schon aus Klinaschutzgründen finde ich das gut. Und frage mich, ob es – wenn’s nicht groß angekündigt würde, wirklich jemand großartig auffallen würde, wenn es einmal pro Woche eben statt Schnitzel mit Pommes eines der folgenden Gerichte in der Kantine geben würde (nicht vegan, nicht unbedingt gesund, aber typische vegetarische Gerichte der deutschen Alltagsküche):

- Milchreis mit Kompott
- Spaghetti mit Tomatensoße
- Spätzle mit Pilzsauce
- Mit Spinat gefüllte, mit Käse überbackene Pfannkuchen
- Spiegelei, Salzkartoffeln, Spinat
- Salat mit Mozzarellabällchen
- Pizza mit Tomate, Mozzarella, Basilikum
- Gefüllte Zucchini mit Reis
- Risotto
- Tomatensuppe
- Kürbissuppe
- Erbseneintopf ohne Speck
- Pellkartoffeln mit Quark
- Bratkartoffeln mit Kräuterquark
- Dampfnudeln

Weltuntergang? Oder Essen, bei dem das »v« gar nicht auffallen würde?

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Kann Konsum nachhaltig sein?

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Hype drink mix

Ich war gestern und vorgestern auf einer kleinen, aber feinen Fachtagung in München, organisiert von Claus Tully vom Deutschen Jugendinstitut e.V. und von Matthias Groß als Sprecher der Sektion Umweltsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. In den Vorträgen ging’s um das Thema »Konsum und Nachhaltigkeit« – in etwa der Hälfte der Vorträge mit einem Bezug zu Schulprojekten. Ich selbst habe was praxistheoretisches zu den Möglichkeiten und Grenzen »grüneren Telefonierens« vorgetragen.

Nicht zuletzt aus Zeitgründen will ich aber gar keinen Tagungsbericht schreiben, sondern nur auf vier interessante Ideen hinweisen:

1. Praktiken ändern, indem vorgelagerte Ketten und Kontextbedingungen verändert werden. Praxistheorie scheint ja zunächst einmal einen Fokus auf individuelles Handeln zu legen. Bei genauerer Betrachtung rücken in einer praxistheoretischen Perspektive aber schnell die »systems of provision« (Shove) ins Blickfeld. Ich habe – vor allem auch nach einer schönen Zusammenfassung der praxistheoretischen Perspektive in der Umweltsoziologie durch Karl-Werner Brand – den Eindruck, dass Interventionen in Richtung »nachhaltiger Konsum« erfolgreicher sind, wenn sie gar nicht an den (Konsum-)Praktiken ansetzen, sondern vorher, also an den Ketten und Kontexten. Auch dazu müssen »windows of opportunity« da sein und genutzt werden. Ein Beispiel ist die BSE-Krise: die hat zwar auch dazu geführt, dass ein paar Monate lang weniger Rindfleisch verzehrt wurde – sie hat aber vor allem dazu geführt, dass das »system of provision« der Landwirtschaft so umgebaut wurde, dass eine über die vorherige kleine Nische hinausgehende Bioproduktion möglich wurde (also die Künast-Agrarwende-Politik). Konsumpraktiken haben sich dann an diese neue Situation angepasst (weil wir das mit unseren Praktiken immer machen) – und das in einer stabileren Form.

2. Lieber Konsum als Nachhaltigkeit? Kai-Uwe Hellmann war eingeladen, um eine provokante Keynote zu halten, und hat das im Sinn der »Verunsicherungswissenschaft« auch gut hingekriegt. Seine Argumentation war so etwa: »Nachhaltiger Konsum« schaut erstens immer nur auf die dunkle Seite des Konsums und geht zweitens von einem Verbraucher aus, der von Informationen etc. völlig überfordert wird. Statt dessen sei es notwendig, unvoreingenommene Konsumsoziologie zu betreiben und Konsum als aktive, mit Sinnstiftung etc. verbundene Leistung anzuerkennen – egal, ob jetzt nachhaltig oder nicht. Und »nachhaltiger Konsum« sei letztlich auch nur als über Marken (wie das Biosiegel) komplexitätsreduzierte Lebensstil-Entscheidung denkbar. Da ist einiges wahres dran, trotzdem habe ich mich darüber auch ein bisschen geärgt – mein Eindruck ist der, dass die deutsche Umweltsoziologie deutlich weiter ist (also längst nicht mehr das Programm hat, alle Welt zu moralischen VerbraucherInnen umzuerziehen). Trotzdem ein anregender Außenblick auf den Stand einer Disziplin. – Ebenfalls einen Außenblick auf »Nachhaltigen Konsum« lieferte Jens Hälterlein von der Uni Jena, der den Weg vom Wirtschaftswunder über moralische Verzichtsappelle (und eine antikapitalistisch-risikominimierungsorientierte Umweltbewegung) bis zum Ökokapitalismus und den LOHAS nachzeichnete. »Nachhaltiger Konsum« ist dabei ein Versuch, einen Kompromiss zu finden zwischen der Marktlogik und der Nachhaltigkeitslogik. Schön daran der externe Blick auf den Diskurs um Nachhaltigkeit, der – das kam auch bei Brand vor – noch einmal deutlich macht, dass die Frage, was »Nachhaltige Entwicklung« ist und was »Nachhaltiger Konsum« ist, immer wieder neu ausgehandelt wird und in einem heftig umstrittenen Diskursfeld positioniert ist.

3. Die Ökobilanz der Großküche: Die Wissenschaftsjournalistin Johanna Bayer stellte eine ganze Reihe von Thesen und wiss. Ergebnissen zum Thema Essverhalten und Ernährung vor. Letztlich ging es ihr vor allem darum, zu zeigen, dass die Ernährungsempfehlungen etwa der Deutschen Gesellschaft für Ernährungswissenschaft oft überholt und unsinnig sind. Zudem wollte sie darauf hinweisen, dass »gesunde Ernährung« und »Nachhaltigkeit« vielfach gegenläufig sind – so soll beispielsweise viel Fisch gegessen werden, gleichzeitig leiden die Meere jetzt schon an Überfischung. Über ein bisschen mehr (Ernährungs-)Soziologie hätte ich mich gefreut. Nichtsdestotrotz spannend fand ich einen Gedanken, den sie wohl von Ines Weller übernommen hat:* Dass nachhaltige Ernährung eigentlich idealerweise (weil die meisten Berufstätigen auswärts essen, weil die Ökobilanz von Selber-Kochen gar nicht so eindeutig ist, und vor allem, weil es sowas wie ökologische Skaleneffekte gibt) zu einem großen Teil in »Nachhaltigen Kantinen« (oder … Volksküchen?) stattfinden müsste. Eine Marktlücke?

4. Alles nur eine Frage des Geldes? Roland Bogun schließlich hat versucht, Daten dazu zu kriegen, wie einkommens- und vermögensabhängig die tatsächliche Pro-Kopf-Umweltbelastung ist. Dazu gibt es wenig belastbares Material, sein Eindruck ist aber grob gesagt der, dass Einkommen und auch Vermögen sehr viel mehr Einfluss auf den Pro-Kopf-Umweltverbrauch haben als alle anderen Faktoren – wer reich ist, verbraucht durch größere ohnfläche, mehr Konsum, mehr Flüge und auch durch Geldanlagen deutlich mehr Umwelt als jemand, der arm ist. Bogun sprach von einer Spannbreite von 10 bis 100 Tonnen CO2-Äq./Jahr/Kopf. Besonders interessant ist dabei der Punkt Geldanlagen – die letztlich (etwa bei Aktien) ja massiv mit dem CO2-Ausstoss der industriellen Produktion zu tun haben. Nicht völlig klar ist, ob es auch Investmentformen mit negativem Umweltverbrauch gibt.

Warum blogge ich das? Demnächst wird’s wohl auch noch eine Seite mit den Vorträgen geben – aber diese Gedanken wollte ich doch auch so schon mal breiter zugänglich machen als nur der kleinen Gruppe, die in den letzten beiden Tagen in München war.

* Ich habe jetzt nochmal nachgefragt: Sie bezog sich dabei auf drei Quellen: Dagmar Vinz (2005), »Nachhaltiger Konsum und Ernährung«. PROKLA 138; auf Ines Weller (2002): Zusammenfassung BMBF-Sondierungsstudie »Geschlechterverhältnisse, nachhaltige Konsummuster und Umweltbelastungen« (dürfte diese Untersuchung sein) sowie auf einen Vortrag von Karl-Michael Brunner im November 2010 an der PH Wien.

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Elf Sätze zum Veggie-Day und zur FDP

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Kein Faden ist FDP und CDU derzeit zu dünn, um nicht doch zu versuchen, daran eine Sau durch den Landtagswahlkampf zu zerren. Das neuste Tierchen kommt aus dem Tierschutzkapitel des grünen Landtagswahlprogramms. Dort heißt es auf Seite 69 im Kontext, Tierschutz und Klimaschutz zu verknüpfen: »In Schulen, Mensen und öffentlichen Kantinen sollte über vegane und vegetarische Ernährung aufgeklärt und diese auch immer in guter Qualität angeboten werden.«

Daraus wird dann bei der FDP (mit Bezug auf ominöse Presseberichte und eine Statement von Ulrike Höfken MdB): »Jetzt gehen die Grünen in ihrer Verbotskultur so weit, dass sie den Bürgerinnen und Bürgern sogar vorschreiben wollen, was diese essen sollen.«

Suche den Unterschied! Wir fordern im Landtagswahlprogramm gar keinen Veggie-Day, sondern wollen in öffentlichen Kantinen a. über vegetarische Ernährung informieren und b. dafür sorgen, dass die Vielfalt an Auswahlmöglichkeiten durch gute vegetarische und vegane Angebote erhöht wird. Was die FDP dagegen haben könnte, ist mir schleierhaft. Entsprechend an den Haaren hergezogen ist der Versuch, Wahlkampf zu betreiben. Aber selbst wenn: Was wäre so schlimm daran, in Kantinen einmal in der Woche nur hochwertiges vegetarisches Essen anzubieten?

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Windup Girl und Peak oil, oder: Nach der Globalisierung

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Red tomatoes I

Ein interessanter Aspekt von Paolo Bacigalupis neuem Science-Fiction-Werk »The Windup Girl« – übrigens zurecht als zeitgenössisches Gegenstück zu William Gibsons Neuromancer-Trilogie gehandelt und in einem Atemzug mit Ian McDonald genannt – ist die Tatsache, dass Bacigalupi seine Erzählung in einer Zukunft stattfinden lässt, die nach der Globalisierung angesiedelt ist. Für »The Windup Girl« ist das mehr oder weniger nur der szenische Hintergrund einer Geschichte, in der sich die finsteren Prophezeiungen unkontrollierbarer Genmanipulation, agroindustrieller Nahrungsmittelmonopole und der Klimakatastrophe erfüllt haben. Trotzdem möchte ich »The Windup Girl« zum Anlass nehmen, diese Zukunft in den Blick zu nehmen.
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