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Kurz: Together! – Vitra Design Museum

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Frank Gehry architecture I Together! Exhibition - II Together! Exhibition - V Together! Exhibition - X 
Ich habe heute die Ausstellung »Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft« im Vitra Design Museum in Weil besucht. Auch wenn der Wow!-Effekt fehlte, ist’s eine gut gemachte Ausstellung zu gemeinschaftlichem Wohnen und der dazugehörigen Architektur.

Das Vitra Design Museum ist halbwegs übersichtlich; die Ausstellung ist auf vier Räume aufgeteilt: Utopie – Architekturmodelle – Innensicht – Projekte. Die Utopie fängt im 18./19. Jahrhundert mit Arbeitersiedlungen und der Phalanstère Fouriers, aber auch mit US-amerikanischen Appartment-Hotels, an. Die aufgebauten Architekturmodelle erläutern (unter Rückgriff auf Farbcodes von Le Corbusier), wie sich Privatheit und (Halb-)Öffentlichkeit in verschiedenen Bauprojekten und Entwürfen begegnen. Das Zimmer zur Innensicht simuliert gemeinschaftliches Wohnen – so ein bisschen wirkt es wie ein begehbarer Ikea-Katalog. Nett sind hier die Details, etwa die Hartz-IV-Selbstbau-Möbel im Gemeinschaftsraum, die Literaturauswahl im Bücherregal oder das sorgsam arrangierte Chaos in Emils Kinderzimmer. Im vierten Raum schließlich werden einige Projekte an Schreibtischen im Detail vorgestellt – was waren die Ideen, wie wurden sie realisiert, wo gab’s Hürden. Auch das ist nett gemacht.

Das war’s dann auch schon. Für meinen Geschmack lag der Blick etwas zu sehr auf der Architektur, und zu wenig auf der sozialen Seite der Neuen Architektur der Gemeinschaft. Das Scheitern der Utopien beispielsweise fehlte, soweit ich das wahrgenommen habe, ebenso wie eine vertiefte Auseinandersetzung mit der mit solchen Wohnprojekten immer verbundenen Frage nach öffentlich/privat, aber auch nach Inklusion und Exklusion (kommt am Rand bei den Projektschreibtischen vor, aber eben auch nur am Rand). Eine weitere Leerstelle waren aus meiner Sicht »intentional communities«. Einige der dargestellten Utopien und Projekte gehen in die Richtung, aber richtig vor kamen weder Klöster noch Ökodörfer noch Landkommunen. Und Nachhaltigkeit und Commons spielte auch nur am Rand eine Rolle. Da wäre mehr möglich gewesen.

Die Ausstellung läuft noch bis 10.9., Eintritt 11 €. Website.

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Kurz: Die (Un-)Denkbarkeit eines commonistischen Smartphones

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Kleines Gedankenexperiment im Vorgriff auf die Degrowth-Konferenz im September: Unter welchen Voraussetzungen wäre ein »commonistisches« Smartphone denkbar? In der Nutzung fällt mir einiges dazu ein, wie ein Smartphone verwendet werden kann, um eine zivilgesellschaftliche, nicht marktförmige Ökonomie voranzubringen; die erhebliche Abhängigkeit der Nutzung von großtechnischen Systemen und kapitalistischen Infrastrukturen mal außen vor gelassen. Das ließe sich vielleicht auch anders organisieren. Aber wie sieht es mit der Herstellung aus?

Hier bin ich sehr viel skeptischer. Grob gesagt besteht ein Smartphone aus: 1. Gehäuse, 2. Chipset, 3. Akku, 4. Bildschirm und 5. Software. Das Gehäuse ließe sich sicherlich lokal und wenig voraussetzungsreich fertigen und wäre damit anschlussfähig an verschiedene Vorstellungen einer weniger arbeitsteiligen Gesellschaft. Die Software liegt zum Teil – dank Google! – in offener Form vor. Hierauf kann aufgebaut werden. Aber bei Chips, Akku und Bildschirm ist eine Komplexität gegeben, bei der ich nicht die Fantasie habe, mir vorzustellen, wie diese Komponenten ohne Economies of Scale, ohne tiefgehende Spezialisierung und ohne globale Arbeitsteilung hergestellt werden sollen. Und da stößt die Kompatibilität zwischen Commonismus und Smartphone an Grenzen.

Wenn das so stimmt, ließen sich daraus nun zwei Schlüsse ziehen: Entweder, bestimmte Technologien – alles, wo IT drinne steckt – sind inkompatibel mit Vorstellungen einer stärker regionalisierten, auf Teilen statt auf Wachstum setzenden, tief nachhaltigen Wirtschaft. Wer eine solche will, müsste dann Verzicht auf diese Produkte einplanen. Oder, andersherum: wenn es weiter Smartphones etc. geben soll, müsste geklärt werden, wie eine Schnittstelle zwischen einer neuen und einer alten Wirtschafts- und Gesellschaftsform aussehen könnte.

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