Altes aus Xanga, Teil VII

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Monday, December 23, 2002

Google Doodle

Google ist nicht nur der (un)umstrittene Suchmaschinenmarktführer, sondern hat auch einen Sinn für Humor. Unter bewusster Mißachtung der eigenen Corporate Identity ändert sich das Google-Logo regelmässig zu Festtagen und besonderen Anlässen. Einige Beispiele sind hier verlinkt …

> Google Holiday Logos (Weihnachten 2001)

> Google Holiday Logos (Weihnachten 2002)

Kino: Son de Mar

Was passiert, wenn antike Mythologie modernisiert und verfilmt wird? Dann kommt ein Film wie Son de Mar heraus – eigentlich eine einfache Dreiecksgeschichte, aber symbolhaft aufgeladen. Als Film-an-sich fand ich Son de Mar packend, aber fast zu sehr mit Kitsch und Nervenkitzel vollgeladen. Als verfilmte Mythologie – ich musste an Christoph Ransmayrs Letzte Welt denken –, als eine große Anspielung auf die Odyssee, als Antwort auf die Frage danach, wie die Liebesgeschichte eines Ulises heute aussehen kann, hatte der Film durchaus etwas. Dazu gehört gewißermaßen auch das tragischen Ende, das mir ebenfalls besser in der griechischen Klassik als im Film aufgehoben schien, und das ich vielleicht lieber gelesen als betrachtet hätte.

> ~~~~~son de mar~~~~~


Tuesday, December 10, 2002

Das Ergebnis stimmt

Als Delegierter für den grünen Bundesparteitag in Hannover gehöre ich zu denen, die mit ihrer Stimme dazu beigetragen haben, dass die Zweidrittelmehrheit für die Aussetzung der Trennung von Amt und Mandat nicht erreicht wurde. Ich bin nicht ganz glücklich mit dem Weg (d.h. mit einer knappen Sperrminorität bei einer sehr kontroversen Frage statt mit Einsicht bei Fritz Kuhn und Claudia Roth), wohl aber mit dem Ergebnis: Im Frühjahr 2003 kann jetzt über die Fortführung oder Aufhebung der Trennung von Amt und Mandat urabgestimmt werden, ohne dass diese Frage der innerparteilichen Demokratie mit einer bestimmten Personalentscheidung verquickt wäre. Im Gegensatz zu einigen anderen Mitgliedern der Grünen glaube ich nämlich nicht, dass jegliche Satzungsregelungen vollkommen sinnlos ist und es am besten wäre, alles der freien Entscheidung der jeweiligen Delegierten zu überlassen. Demokratie tut manchmal weh, gerade, wenn es darum geht, die Etablierung von Machtzirklen einzuschränken. Und Entscheidungen, die wehtun, werden im Rausch des Augenblicks häufig nicht gerne gefällt. Da ist es also sinnvoll, wenn eine Satzung – die dann aber auch akzeptiert werden muss – Dinge erzwingt.

Natürlich gibt es auch mit Satzungsregelungen Machtzusammenballungen usw. – etwas anderes anzunehmen, wäre höchst naiv und würde viel zu viel von dem demokratischen Tool Satzung verlangen. Aber das Stück, das eine Satzung zu geregelten Machtstrukturen beitragen kann, das soll eine Satzung auch dazu beitragen, finde ich.

Zurück zum Parteitag: Das Ergebnis finde ich gut, und hoffe, dass der neue Vorstand jetzt eben nicht als geunkerufter Ãœbergangsvorstand behandelt wird, sondern sich in die Reihe erfolgreicher grüner Bundesvorstände einreiht. Und dazu hoffe ich, werden nicht nur Bütikofer und Beer, sondern auch Menschen wie die BeisitzerInnen Katja Husen und Omid Nouripour beitragen – die übrigens beide für den von Joschka Fischer angemahnten Generationswechsel in der Partei stehen.

Und noch ein letztes Wort zum Parteitag: Schade war es, dass über die Satzungsfragen – und auch wolkig und mehr als Schaulaufen über die politische Lage – sehr lange diskutiert wurde, und darüber viele viele Anträge aus den Kreisverbänden schlicht und einfach vertagt wurden, was oft gleichbedeutend mit ignoriert werden ist. Dazu gehört auch ein Antrag aus Freiburg, in dem die Beibehaltung einer 50%-BahnCard von der Bahn AG gefordert wird. Hier wäre ein grünes Signal schön gewesen.


Sunday, November 10, 2002

Was wäre, wenn …?

Hammerschmitt, Marcus (2002): PolyPlay. Hamburg / Berlin: Argument. 187 Seiten, 12 Euro.

Ein Buch, zu dem sich leider nicht allzuviel sagen lässt. Nicht, weil es nicht von Interesse wäre, sondern weil es zuviel vorwegnehmen würde. Auf den ersten Blick ist das Buch harmlos – so harmlos, dass die Frage aufkommt, ob es nicht etwas unter dem Niveau von Hammerschmitt angesiedelt ist. Eine Alternativweltgeschichte, in der im Setting »DDR hat die BRD nach der Wende übernommen« Kommissar – nein, Oberleutnant – Kramer in einem Mordfall ermittelt, bei dem Jugendszenen und Automatenspielgeräte plötzlich in Verbindung mit einer Stasi-Verschwörung geraten.

Die Alternativwelt-DDR sieht plausibel aus, fast schon putzig, und auch die ab und zu hineinschneienden Lehrstunden über die Geschichte (im Schulunterricht, beim Zappen durchs Fernsehprogramm) wirken erst einmal so, als würde es hier darum gehen, sich vorzustellen, wie es denn hätte gewesen sein können, wenn im Jahr 2000 in einer größeren und für die Welt wirtschaftlich und politisch extrem wichtigen DDR stattgefunden hätte. Ob da Reklame hängt, wie die Wessis sich aufführen, etc. Warum sollte es so gewesen sein? Hammerschmitts Erklärung erweckt den Anschein, plausibel zu sein: wirtschaftliche Probleme im Westen, eine Abschottungspolitik in Ostasien, interne Streitigkeiten in den USA, und die – handgewedelte – Entdeckung einer ominösen neuen Technologie (der »Müller-Lohmann-Prozess«), die die DDR bald führend auf dem Gebiet der Mikroelektronik macht: Flachbildschirme, Mobilfunktelefone (»Mobis«), und wirtschaftlicher Erfolg. Das Leben im pluralistischen Sozialismus sieht gar nicht mal so übel aus – und auch die kleinen Fiesheiten (Joschka Fischer als Außenminister der DDR und Kronprinz des Staatsratsvorsitzenden, auch die Tageszeitung gibt’s weiterhin) tragen eigentlich nur dazu bei, dass Bild abzurunden. Daneben dann noch ein zweiter Handlungsstrang auf einer Seefestung, hat auch irgendwas mit Daten und Computerkriminalität zu tun.

Soweit, so gut. Aber irgendwann wird dann deutlich, dass Hammerschmitt den Leser oder die Leserin über etwas ganz anderes belehren möchte: über die Unmöglichkeit, in Science Fiction nicht nur plausible, sondern tatsächlich funktionsfähige Alternativwelten durchzuspielen, über die Fähigkeit des Menschen, überall Muster und Gestalten zu erkennen, und Widersprüche hinzunehmen. Das Ende ist überraschend, und wer zu lange mitspielt, mag es auch schockierend empfinden. Denn das Ziel des Experiments stellt sich als ein ganz anderes heraus – über das mehr zu sagen das Lesen des Romans doch beeinträchtigen würde. Und damit ist schon fast zuviel verraten.


Saturday, November 02, 2002

Internet ist keine Einbahnstraße

Jedenfalls fände ich Kommentare zu meinen Kommentaren ganz nett. Direkte Reaktionen zu den Texten funktionieren leider nur, wenn mensch sich selbst bei XANGA anmeldet, was ja nun nicht unbedingt sein muss – aber wer möchte, kann sich auch in meinen »guest book« verewigen. (Und irgendwann in ferner Zukunft ist das ganze hier vielleicht auch mal ein Wiki statt ein Blog, dann wär’s noch eine ganze Spur interaktiver …).

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Altes aus Xanga, Teil VI

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Saturday, November 02, 2002

Zusammen bahnfahren

Ich glaube zwar immer noch daran, dass sich auch politisch noch etwas am neuen Bahnpreissystem ändern lassen könnte – beispielsweise die Beibehaltung der »alten« 50%-BahnCard, entweder als Angebot speziell für Menschen in Ausbildung (und damit in der ›formativen‹ Phase des Bahnfahrens), oder aber als allgemeines Angebot, das dann eben in der Anschaffung teurer ist und sich nicht mit den neuen Rabatten kombinieren lässt. Deswegen stehe ich auch unter einem entsprechenden Antrag für den nächsten Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen.

Sollte die Bahn sich aber tatsächlich nicht erweichen lassen und kompromisslos bei ihrem System bleiben, gibt’s immerhin einen Lichtblick (und zwar schon in mindestens drei Inkarnationen) – nämlich internetbasierte Mitreisezentralen für Bahnreisende. Neben kommerziellen Angeboten bietet auch der alternative Verkehrsclub Deutschland unter der URL www.ticket-teilen.de inzwischen ein Bahn-Sharing-Portal. Gute Idee, und vielleicht lässt sich so – über den Umweg, ähm, zivilgesellschaftlichen Engagements – doch einiges an neuen Instrumenten in das ganz schnell unbewegliche neue Bahnpreissystem einbauen. Innovation nennt sich sowas, oder?

P.S.: Auf meinen Brief hat die Bahn bisher noch nicht geantwortet. Und wer sein bisheriges eigenes Bahnpreissystem für so kompliziert erklärt, dass noch nicht mal Einstein es versteht (wie aktuell in der Werbung zu sehen, und wie heute zu recht in der taz kritisiert), der muss irgendwie ein ziemlich komisches Bild seiner MitarbeiterInnen und KundInnen haben. Aber was soll mensch auch von einem Bahnchef Mehdorn erwarten, der öffentlich zugibt, es nicht länger als vier Stunden in seinen eigenen Zügen auszuhalten? Und der – klar – erstmal von sich auf andere schließt?


Thursday, October 24, 2002

Ein USA-Deutschland-Vergleich

Nicht nur angesichts der mehr oder weniger aktuellen Klimaabkühlungen zwischen den beiden Regierungen (inkl. angeblich dann doch nicht existierenden Forderungen) finde ich folgenden Text ziemlich spannend – ein seit einigen Jahren in den USA lebender Deutscher beschreibt seine Sicht der Unterschiede zwischen beiden Kulturen.

> Comparison USA-Germany


Saturday, October 19, 2002

Kick it like Beckham

»Football vs. Indian cooking.« (The four word film review: Phoebe, Australia)

Vorneweg sollte ich vielleicht sagen, dass ich eher unsportlich bin. Dass ich Fußball mehr oder weniger für etwas schreckliches halte, bestensfalls für ein sozialwissenschaftlich analysierbares Massenphänomen. Dass meine Freundin da anderer Meinung ist. Und dass mir »Kick it like Beckham« (Bend it like Beckham) trotzdem wirklich gut gefallen hat.

Der Film ist ein Märchenfilm, soviel ist schon mal klar. Es ist ganz offensichtlich, dass einiges an der Story mit dem Happy-End unrealistisch ist. Oder stimmt es wirklich, dass FußballspielerInnen ganz ohne Training in den Wochen davor und hastig ohne Aufwärmen eingewechselt sofort von Talentscouts entdeckt werden? Aber das macht nichts; der Film ist trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) toll. Und für eine Komödie erstaunlich ernsthaft.

Kurz zur Story: Jess, eigentlich Jesminder, so aber nur von ihrer Mutter genannt, ist eine typische indische Britin, macht gerade ihr Abitur und hat eine große Leidenschaft: Fußball. Sie spielt fantastisch und träumt davon, Fußballerin zu werden – bisher spielt sie nur im Park mit ein paar Jungs aus der Gegend. Dort beobachtet Jules sie, und nimmt sie mit zum Training der Frauenfußballmannschaft. Cool – nur leider wissen Jess‹ Eltern nichts davon, und wenn sie was wüssten, wäre das gar nicht gut. Und natürlich kommt es, wie’s kommen muss: alle Tarnung hilft nichts, Jess spielt einfach zu gut, als dass es ihre Eltern nicht mitkriegen würden. Und das Unglück mit Happy-End nimmt seinen Lauf.

Nebenbei spielen dann noch die Hochzeit ihrer Schwester Pinky, die große Bedeutung des Zubereitenkönnens eines echten indischen Mahls für ihre Mutter und das Cricket-Team, in der Jess‹ Vater nicht spielen durfte, wichtige Rollen. Mehr zu sagen wäre wahrscheinlich zuviel verraten. Nur soviel: Tony steht auf Beckham, Jess auf Joe, und Jules ist nicht lesbisch, auch wenn das in manchen Zeitungsberichten anders klang und ihre Mutter davon überzeugt ist.

Abgesehen von den märchenhaften Zufällen ist Kick it like Beckham glaube ich ein Film, der ziemlich gut das Leben in einer hybriden Gesellschaft mit all seinen Chancen, Doppeldeutigkeiten und Problemen deutlich macht. Und dabei gleichzeitig ziemlich unterhaltsam ist.

> Offizielle Website des Films

> Rezension auf Programmkino.de


Friday, October 11, 2002

Koalitionsverhandlungen

Nur ein kleiner Hinweis auf einen Stimmungsbericht über die Koaltionsverhandlungen in Spiegel Online:

> Tage der bitteren Wahrheit: Warte nur ein Weilchen… – Politik – SPIEGEL ONLINE


Wednesday, October 09, 2002

Koalitions… ja, was eigentlich?

Zur Zeit wird darüber entschieden, was im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen stehen wird. Neuen Presseberichten ist zu entnehmen, dass die SPD inzwischen wieder zu ihrem alten Dogma zurückgefunden hat: Das, was wir wollen, ist richtig, alles andere ein großes Zugeständnis. Aber auch kleinere Indizien weisen darauf hin, dass die laufenden Auseinandersetzungen von den beiden Parteien ganz unterschiedlich gewertet werden. So ist auf der Website von Bündnis 90/Die Grünen die Rede davon, dass hier die Verhandlungen für die Koalition ›02-‹06 stattfinden:

Grüne: Die Verhandlungen

Bei der SPD dagegen ist von Koalitionsverhandlungen nichts zu sehen. Hier sind es schlicht (ganz in rot gehaltene) Koalitionsgespräche:

Gespräche

Das lässt als Indiz für das Verhandlungsklima und die Bewertung und Umsetzung der Ergebnisse nichts gutes ahnen. Sind doch Gespräche eher etwas unverbindliches, die SPD hört sich mal an, was denn die Grünen zu ihren Plänen sagen. Verhandlungen signalisieren dagegen: wir haben die gleiche Augenhöhe, wir handeln gemeinsam etwas aus, zu dem wir dann beide stehen.

Nicht jedes unglückliche Omen muss sich letztlich als solches erweisen. Die letzten Tage helfem einem aber nicht gerade, daran zu glauben, dass das SPD-Team (übrigens: sechs Männer und eine Frau; bei den Grünen steht’s 4:3) irgendeinen Zweifel daran lässt, dass das veränderte Größenverhältnis am besten komplett ignoriert werden sollte. Hoffen wir, dass es nicht dabei bleibt.

> BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bundespartei

> SPD

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Altes aus Xanga, Teil V

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Monday, October 07, 2002

Bahn nicht nett

In der taz von heute (07.10.2002) war ein halbseitige Farbanzeige der Deutschen Bahn AG geschaltet, in der für das neue Preissystem geworben wird. Die hat mich zu folgendem Brief an die Bahn animiert …

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der taz (die tageszeitung) von heute haben Sie auf S. 9 eine Anzeige mit dem Slogan »Seit Jahren kritisieren Sie unsere Preise. Warum machen Sie Ihre Preise nicht selbst?« geschaltet. Nette Idee – allerdings finde ich die Anzeige dann doch ziemlich frech und möchte Ihnen auch gerne erklären, warum. Kurz gesagt: Ich mache mir schon jetzt meine Preise selbst und bin mit dem alten Preissystem samt seiner Flexibilität ziemlich zufrieden. Wie das geht? Als Besitzer einer BahnCard senke ich mir die Preise gleich mal um 50%. Und wenn ich eine längere Reise plane (meistens bin ich nur für ein oder zwei Tage weg, leider genau die Zielgruppe, die Ihr neues System nicht vorsieht), dann nutze ich z.B. den Supersparpreis.

Sie nehmen mir also die Freiheit, mir meine Preise »selbst zu machen«. Indem Sie die für mich besonders wichtige Flexibilität aus dem Bahnpreissystem nehmen, und indem Sie die BahnCard auf 25% Ermässigung reduzieren. Finde ich nicht nett, und so zu tun, als seien die Kunden bisher dumm gewesen, finde ich auch nicht nett.

Schöne Grüsse,

Till Westermayer

P.S.: Übrigens bin ich mir ganz sicher, dass die Bahnpreise auch in 2003 noch heftig in der Kritik stehen werden. Denn grade auf kürzeren Strecken und im flexiblen Nutzungsbereich sind sie konkurrenzlos hoch. Ich werde weiterhin Bahn fahren – wäre aber sehr dankbar für eine andere Preispolitik (die nicht auf Frühfrühbucher und Großgruppen setzt), und für eine Strategie, die erstmal darauf setzt, die jetzigen Kunden zu halten statt neue dazuzugewinnen.

> Presse-Information Personenverkehr


Thursday, October 03, 2002

Na sowas …

Ab und zu überkommt mich das Verlangen, mich dem Ego-Surfen (2) hinzugeben. Was ich dann meist auch tue. Dabei stößt mensch auf allerhand erstaunliches: Doppelgänger! Zitate meiner Hausarbeiten in anderen Hausarbeiten, samt ordentlicher Literaturangabe! Unterschriftensammlungen!

Oder aber auch die Tatsache, dass im letztes Jahr im November einen Beitrag in de.rec.sf.misc geschrieben habe, in dem ich mich über die Unmöglichkeit eines Universaltranslators ausgelassen habe (so wie in StarTrek) – und dass dieser Beitrag dann im »Netdigest« aufgenommen wurde: (Best of Netdigest – Monatlich die humorvollsten Beiträge des Usenet). Und weil’s so nett ist, wird der Beitrag hiermit von mir wiederveröffentlicht

From: till@tillwe.de (Till Westermayer)
Newsgroups: de.rec.sf.misc
Subject: Re: [Andromeda] Wer ist Trance Gemini
Date: 23 Oct 2001 18:15:00 +0200
Message-ID: <8BRS9iXdbzB@westermayer-74391.user.cis.dfn.de>

[23.10.01: Ochsensepp@t-online.de]

>Man braucht z.B. nur daran denken, daß der Text, den
>ich gerade hier tippe, nicht in dieser Form zum Server
>übertragen, sondern vorher in eine computergerechte
>Sprache digitalisiert wird. Auch eine Art von
>«Translator«. Allerdings mit der Einschränkung, daß hier
>kein bewußtes Verstehen des Textes notwendig ist.

Argl. Nein. Du verwechselst verschiedene semantische Ebenen (oder, um’s informationstechnisch auszudrücken: Protokollschichten). Natürlich hast Du recht, dass es keinen Unterschied macht, ob Information jetzt per Laser an/aus oder per Schall oder per Infraschall oder wie auch immer übertragen wird. Aber mal abgesehen davon, dass unser hypothetischer Universaltranslator dann auch noch ein gigantisches Feld an möglichen bedeutungstragenden Frequenzbereichen im elektromagnetischen Spektrum abdecken müsste, gibt’s folgendes Problem:

Ebene A Inhalte, Bedeutungen

Ebene B Grammatik, Syntax und Morpheme, Wörter

Ebene C Laute, Phoneme, Töne

Ebene D Schall / Frequenzbereich
(›bedeutungslose Information‹)

So mal irgendwie adhoc. Ein Universaltranslator zwischen einer bekannten und einer unbekannten Sprache muss nun folgendes leisten:

Auf Ebene D erkennen, was Information und was ›Rauschen‹ ist; welcher Frequenzbereich zur Informationsübertragung verwendet wird, welche Konfigurationen davon überhaupt Sinn ergeben. ((Als Beispiel, um’s deutlicher zu machen: Eine Textseite, auf der verschiedenenfarbige Schnörkel abgedruckt sind. Spielen die Farben der Schnörkel eine Rolle oder nicht? Oder geht es nur um die Form? Oder anderes Beispiel: im Chinesischen ist auch die Tonhöhe relevant, bei uns eher nicht …))

Wenn Ebene D geklärt ist, kommt Ebene C dran: Von wo bis wo geht ein Phonem (»ein Buchstabe«), wo fangen neue Wörter an? ((Das ist für die maschinelle Erkennung menschlicher gesprochener Sprache bis heute ein nicht ganz einfach zu lösendes Problem, weswegen z.B. bei Diktierprogramm relativ große Pausen zwischen Wörtern notwendig sind.
Plastischesbeispielwasgehörthierzuwelchemwortdazuundwoherweisstdu, dass der Anfang dieses Satzes richtig »Plastisches Beispiel: was gehört hier …« lautet und nicht »Plas Tisch Es bei Spielwasg! E Hörthier! …« ist?))

Wenn auch C erfolgreich entschlüsselt ist (es geht natürlich hierbei nicht wirklich immer nur in eine Richtung: schon bekanntes Wissen auf den höheren Ebenen kann umgekehrt auch helfen, die weiter unten liegenden Ebenen zu entschlüsseln – wenn Du z.B. schon weisst, dass ›Tisch‹ und ›Es‹ korrekte Wörter (Ebene B!) sind, dann liegt die Interpretation »Plas Tisch Es bei Spielwasg!« natürlich nahe …), wenn also C erfolgreich entschlüsselt ist, geht es um B – einerseits um die Frage, welche Wörter und Wortbruchteile existieren, und andererseits um die Frage, nach welchen Regeln diese in welchen Formen wie aneinandergefügt werden dürfen. Wo hören Sätze auf, was sind Verben und Nomen (oder äquivalente Konzepte in anderen Denkschemata), etc. Auch dies ist ein relativ komplexes Gebiet, vor allem dann, wenn die Vermutung stimmt, dass Menschen eine genetisch verankerte Universalgrammatik verwenden, in der verankert ist, dass Dinge wie Suffixe, Präfixe, … möglich sind, und kulturelle Prägung nur noch darüber entscheidet, welcher Teil der Universalgrammatik aktiviert und welcher zurückgedrängt wird. Also, kurz gesagt, auch hier gibt es eine ganze Menge notwendiges Wissen und sehr viel Rätselraten.

Und nach D, C und B bleibt immer noch Ebene A. Du hast also als Universaltranslator erfolgreich erkannt, dass die Tonhöhe irrelevant ist, die Lautstärke aber sehr wichtig und dass auch die Geschwindigkeit, mit der etwas gesprochen wird (Frequenzbereich bis 140 KHz …) informationshaltig ist. Die in vage Symbole übersetzte Lautfolge »Plastischesbeispielwasgehörthier …« hast Du ebenfalls erfolgreich in die richtigen Wortbestandteile zerlegt und auch erkannt, was grammatikalisch was für eine Funktion hat. Als Ergebnis des DCB- Analyseprozess stehst Du jetzt als vor folgender Information:

»Plas (Verb, Vergangenheitsform weiblich) Tisch (Verweis auf) Es (Höflichkeitspartikel, weiblich) Bei (Namensbestandteil) Spielwasg (Amtsbezeichnung, weiblich)! E (Verb, Vergangenheitsform, plural) Hörthier (Amtsbezeichnung, männlich)!«

Jetzt musst Du nur erraten, dass »Plas« die Vergangenheit eines Verbs »plutschig« ist, was soviel wie »grüssen, küssen, umarmen, Sex haben mit, aufs innigste hassen« bedeutet, dass »Tisch« immer auf eine untergeordnete Person bezogen ist, die aber trotzdem (»Es«!) höflich behandelt wird, dass »Bei« ein häufiger Vorname ist und das »Spielwasg« ein Amt in der Religionsregierungsform dieser Wesen ist, dass ungefähr mit »Mätresse der zöibatär lebenden Hohenpriester/in« übersetzbar wäre, was natürlich nichts über die immense Bedeutung dieses Amtes aussagt.

Außerdem musst Du erraten, dass ›Ich‹ immer weggelassen werden kann beziehungsweise schon in der Vergangenheitsform »Plas« von »Plutschig« enthalten ist. Wenn Du dann noch errätst, dass »E« soviel wie »Bedauern, Sympathie haben mit, Verachten« bedeutet (eine Form des Verbs ›etschig‹), und dass »Hörthier« wörtlich zwar »Wasserträger der Mätresse« übersetzt wäre, aber seit zweihundert Jahren die Bezeichnung für einen Kreis von hohen Würdenträgern ist, die über den Umweg von platonischen oder auch andere Beziehungen mit der Mätresse der jeweils herrschenden Hohenpriester/in großen Einfluss auf die Regierungspolitik haben. Außerdem musst Du noch wissen, dass Gegenüberstellungen wie »so dass«, »aber«, … meistens einfach weggelassen werden – »das Gute und das Böse spricht für sich«

Sobald als die DCB-Anaylse vorliegt und die einfachen Ratespiele auf A gelöst worden sind (was dummerweise z.T. tiefreichende ethnographische und sozialwissenschaftliche Studien erfordert ), kann der Universaltranslator sich dranmachen, und folgenden Output generieren:

»(Ich) hatte (den auf Haßliebe aufbauenden selbstzerstörerischen) Sex, (der für die Arbeiterkaste unserer Spezies typisch ist,) mit der eigentlich verachtenswerten, aber natürlich sehr zu ehrenden Mätresse Bei, (aber) (ich) (bin jetzt in der Lage, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass) mein (mitleidig-verachtende) Mitgefühl dem Rat der Wasserträger zu gelten gehabt hätte.«

((Und jetzt musst Du natürlich noch wissen, dass die Dir gegenüberstehende Person eigentlich nur damit prahlen will, dass sie in einem relativ nahen, aber in der politischen Struktur diese Leute eher unwichtigen Verwandtschaftsverhältnis mit einem der Wasserträger steht, und dass sie das tut, weil damit traditionell Verkaufsgespräche begonnen werden. Und dass die richtige Antwort wäre: »(Ich) bedauere (aber bin eigentlich neidisch) zutiefst das schreckliche Schicksal des eigentlich verachtenswerten, aber natürlich sehr zu ehrenden Mitgeschöpfes, dessen Namen zu erfahren ich nicht würdig bin (obwohl) mein eigener Onkel einen der Wasserträger aufgefressen gehabt hätte (wenn er den jemals in der Hauptstadt Kramsnbdta gewesen wäre)«))

(((Also viel Spaß dabei, diesen Leuten zu erklären, warum sie sich in der nächsten halben Stunde der Förderation anschliessen müssen, wenn sie nicht ihren Planeten verlieren wollen und zu elendig behandelten Sklaven der Keineahnungwer werden)))

Fazit: Bisher ist es der KI nicht gelungen, einen wirklich funktionsfähigen Simultanübersetzer zwischen zwei bekannten gesprochenen Sprachen, die letztlich auf identischen biologischen Grundlagen beruhen, zu konstruieren. Durch fremde und unbekannte biologische und soziokulturelle Grundlagen ohne jede Vorarbeit wird dieses Problem nicht wirklich einfacher. Es wird also noch etwas dauern …

Gruss, Till


Wednesday, October 02, 2002

Drama im Kino: Nackt

Wer bei Namen wie Doris Dörrie oder Heike Makatsch eine Komödie erwartet, dürfte von Nackt enttäuscht sein. Statt dessen gibt es klassisches Drama, theaterlike. Wunderbar einprägsame Monologe und toll gedrechselte Wortspiele inklusive (habe mir leider keins gemerkt). Die Zahl der Darsteller ist relativ begrenzt, bis auf gelegentliche Wackelvideoerinnerungsrückblenden ist die Handlung ordentlich chronologisch und findet an – Bushaltestelle mitgezählt – drei Schauplätzen bzw. in drei Wohnungen (Hippieschick mit Zeltbett, IKEA-Brigitte-Buntheit a la junge Familie, nur ohne Kind, zurückhaltend-protziger Palast inkl. flächendeckendem Flachbildfernseher und toll in Szene zu setzenden Buntglastüren) statt. Sechs Freunde mit unterschiedlichen und unterschiedlich erfolgreichen Ideen, darunter zwei Paare und ein Ex-Paar, sechs Charaktereigenschaften von chaotisch-lieb bis kaltherzig und aufgedreht (und natürlich gilt: Geld verdirbt den Charakter), und eine Einladung zu einem Abendessen, zu dem eigentlich niemand will. Das Gespräch kommt auf Glück (nee, eigentlich nicht), Liebe und die Tatsache, dass angeblich Partner die Hände (und Körper) des anderen blind nicht erkennen können. Nach einigem Hin- und Her wird das ausprobiert, kriegt einen dramatischen Dreh und endet in menschlichen Abgründen. Und dann doch wieder beim Happy-End. Vordergründig jedenfalls.

> Nackt


Saturday, September 28, 2002

Wahlwerbung ist Wahlwerbung

Was lese ich heute in meiner Lieblingstageszeitung? Einen netten Kommentar zum Phänomen der Wahlwerbung – also der Werbung für was auch immer mit der Bundestagswahl –, der doch einige Gedanken aufnimmt, die ich mir da auch schon mal drüber gemacht habe. Neben den im Artikel zitierten Beispielen (klar, Lucky Strike lebt davon, auf aktuelle Ereignisse einzugehen) fand ich besonders die Lexus-Werbung auf Spiegel-Online faszinierend.

Wahlwerbung bei Spiegel online

Allerdings würde ich dem taz-Artikel nicht in allen Punkten zustimmen. Nicht in der eher genervten Grundstimmung, und nicht in der Analyse der Sinnlosigkeit einer solchen Werbung. Vielmehr scheint mir grade die Tatsache, dass Werbung Dinge wie Fußball-WMs, Bundestagswahlen etc. aufnimmt, dafür zu sprechen, dass Werbung selbst eben auch ein (etwas verkorkstes) Massenmedium ist, das nicht umhin kommt, neben längerfristigen gesellschaftlichen Trends und Grundstimmungen auch aktuelle Großereignisse als Rohmaterial für die eigene Aufmerksamkeitsmaximierung heranzuziehen. Und uns damit auch etwas über unsere Gesellschaft zu erzählen.

> taz 28.9.02 Schwarzkirsche Stoiber


Tuesday, September 24, 2002

Zur Bundestagswahl

Rot-grün hat in einer Zitterpartie gesiegt – und statt mit einer kleineren Fraktion wegen kleinerem Bundestag sind die Grünen sogar besser als beim letzten Mal vertreten. Jetzt hoffe ich nur, dass sich dieses neue grüne Gewicht auch in mehr grün in der Regierungspolitik äußert.

Was gibt’s noch zu sagen? Erstaunlich finde ich, dass unter den vielen Neulingen in der grünen Fraktion jetzt doch einige sind, die aus der Grünen Jugend (bzw. der Grün-Alternativen Jugend) kommen. Grietje Bettin und Matthias Berninger sind ja schon länger dabei – aber auch Kerstin Andreae (die hier in Freiburg 25% der Zweitstimmen geholt hat, das bundesweit beste Ergebnis, im Stadtgebiet sind’s sogar 28%), Alex Bonde (BaWü, Listenplatz 10) und natürlich Anna Lührmann (Hessen, Listenplatz 5, 19 Jahre) kommen aus der Grünen Jugend.

> Junge Abgeordnete bei Bündnis 90/Die Grünen im Überblick
> Zahlen zur Wahl
> Noch viel mehr Zahlen beim Bundeswahlleiter

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Altes aus Xanga, Teil IV

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Tuesday, September 17, 2002

15.000 BürgerInnen gegen 100 Nazis

Nur ein kurzer Hinweis auf einen schnell eingetippten Bericht inkl. Debatte zum Aktionstag am 14.9. auf Indymedia.

> indymedia germany | NPD-Demo in Freiburg: Zivilcourage hilft | 14.09.2002 20:38

(Ach ja: Berichte über den Aktionstag gab’s natürlich auch anderswo, z.B. bei Spiegel online (inzwischen ohne Foto von Jan) oder auch bei der Badischen Zeitung)


Thursday, September 12, 2002

Noch mehr Wahlspots

Schade, dass Bündnis 90/Die Grünen keine reiche Partei sind, die sich hunderte von Fernsehspots leisten kann. Was hier auf der Homepage an Material rumliegt, ist ziemlich cool!

> Grün wirkt (Spots, Teil 1).

> Grün wirkt (Spots, Teil 2, süss).


Sunday, September 08, 2002

Making of …

Dass auch anscheinend ziemlich spontane Einlagen in Politik-Werbefilmen geübt und choreographiert sind, lässt sich schön am Joschka-Werbefilm der Grünen nachvollziehen. Denn netterweise stellt die Partei nicht nur den 30- und den 90-Sekunden-Clip ins Netz, sondern auch das »Making of …«, das in sechs Minuten ein paar Ausschnitte aus den vier Stunden Clip-Herstellung zeigt. Und Joschka auch schon mal ratlos nach seinem Programm suchen lässt – »oder … oder … oder was?«. Tja, grün wirkt – und Authentizität ist in.

> BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Portal


Friday, August 30, 2002

Sciencefiction ist Philosophie. Oder Politik. Oder Soziologie.

Jedenfalls gibt es Texte, die das nahelegen. Und weil ich solche Texte mag, und es ziemlich schick und sinnhaft finde, wenn Popkultur, insbesondere Sciencefiction, dazu genutzt wird, über Dinge wie Wirklichkeit, politische Entfremdung oder ähnliches nachzudenken, hier nur zwei kurze Links:

> Science Fiction als Pop-Epistemologie (W. Neuhauss in Telepolis über VR-Filme)

> A New Mission For Emancipation. Notizen zur Social Science Fiction von Christoph Spehr (D. Kretschmer in com.une.farce über Christoph Spehrs Alien-Metapherologie)


Tuesday, August 27, 2002

Dokumentarfilme sind lustig

Naja, nicht nur das. Dokumentarfilme können auch ziemlich soziologisch sein. Jedenfalls war Die Blume der Hausfrau (unter bedecktem Himmel im Freiluftkino, aber glücklicherweise ohne Regen) – eine dramatische Dokumentation über Staubsaugervertreter in Stuttgart und Umland – nicht nur ein Film, bei dem das Publikum häufiger lachen musste (ob jetzt mit oder über die Staubsaugervertreter, sei hier mal dahingestellt), und der durchaus auch seine tragischen Momente hatte – sondern eben auch ein Film, der besser als einige Soziologiebücher deutlich macht, wie die Lebenswelt da draußen aussieht, und was passiert, wenn Ökonomie/Industrie (hier vertreten durch die Staubsaugervetreter von Vorwerk) ins Private eindringt, um »Beute« zu machen. Und manchmal nichts anderes vorfindet als Arbeit (»Saugen sie mal hier! Und hier noch!«) und kommunikationsbedürfige Menschen ohne Kontakte, ohne Geld, aber mit Kehrwoche.

> Die Blume der Hausfrau

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Altes aus Xanga, Teil III

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Saturday, August 24, 2002

Börse und Politik ist eh das gleiche …

So ungefähr seit der letzten Bundestagswahl gibt es den Versuch, das Wahlergebnis nicht politisch durch Meinungsumfragen, sondern ökonomisch durch eine Börse vorherzusagen. Die Idee dahinter ist, dass Menschen Entscheidungen, die für sie mit realen Geldgewinnen oder Verlusten verbunden sind, sehr viel ernsthafter und realistischer treffen als bloße Meinungsäußerungen. Auch wer die CDU und die FDP nicht leiden kann, aber glaubt, dass sie gewinnen werden, wird deren Aktien kaufen.

Die Wahlbörse (»Wahl$treet«) läuft diesmal in Kooperation mit diversen Zeitschriften-Websites, die aber untereinander ein und den selben Markt verwenden. Unten ist der Link auf das Angebot der ZEIT angegeben, weil die am schicksten aussehen (wer’s mehr börsianerisch haben will, kann sich ja mal das Handelsblatt ansehen; die sind auch beteiligt).

Egal, was mensch davon halten mag, getreu neoliberaler/rational-choice-Ideologie auch politische Wahlhandlungen ökonomisch zu simulieren – interessant ist es auf jeden Fall, und ein bißchen Wahrheit scheint auch hinter der dahinterstehenden Theorie zu stecken – jedenfalls war der Gesamtfehler bei der letzten Bundestagswahl kleiner als der Fehler der meisten Umfragen. Und meinen Einsatz habe ich in der letzten Woche auch schon um 25 Cent erhöhen können

Kleiner Nachtrag: Insgesamt habe ich – sage und schreibe! – einen Gewinn von 36 Cent oder so machen können. Und mich damit auf Platz 1400 oder so platziert …


Saturday, August 17, 2002

Mecklenburg

Auch wenn hier auch sonst nicht so viel los ist: die letzten Wochen war noch weniger los, weil ich Urlaub in Mecklenburg gemacht habe: Bei der Sommerschule des fzs und dann noch ein paar Tage an der Ostsee. Inkl. Regen, Erkältung, Sonnenschein und Sonnenbrand.

Noch ein Film: Hundstage

Wer diesen Film gesehen hat, wird ihn nicht mehr vergessen, gleich, ob er ihn geliebt oder gehasst hat. Corriere della Sera (laut Website)

Erst hatten wir ja gedacht, dass Hundstage – viel mit Vorfeldlorbeeren bedacht etc., benannt nach dem Wetter im August – ein passendes Gegenstück zum realen Augustwetter (Regen) sein könnte. Weil aber nette kleine Programmkinos eben insbesondere auch klein ist, wurde das erstmal nichts. Ausverkauft. Am nächsten Tag war das Wetter dann besser, wir sind aber trotzdem in den Film reingegangen, übrigens wieder ausverkauft.

Kurz zusammengefasst: es ist heiß in Österreichs Vororten. Seltsame und wahrscheinlich doch leider ziemlich normale Menschen tun seltsame Dinge, sind gewalttätig, haben Sex, oder beides, oder keins von beidem, oder nerven einfach nur. Angeblich suchen sie nach Liebe. Und das ganze zieht sich ziemlich lange (zwei Stunden), beginnt mit einem ziemlich abrupten Anfang und endet ebenfalls sehr abrupt. Einen Plot im klassischen Sinne – gibt’s eher nicht, oder? Anna und der Alarmanlagenvertreter, das könnte vielleicht ein Plot sein. Trotzdem passiert viel: All das alltäglich-schlimme Verhalten, das eben auch im wirklichen Leben vor allem nervt. Mich jedenfalls.

Passend zum österreichischen O-Ton und zum Titel (der ist unstrittig gelungen) könnte der Film vielleicht noch knapper zusammengefasst werden: Er macht einen narrisch.

Soll heißen: Es ist qualvoll, ihn anzuschauen. An einigen Stellen war ich kurz davor, rauszugehen. Jedenfalls hoffte ich zumindest, dass diese Stellen bald vorbei sind, was sie meistens nicht waren.

Das alles muss nicht heißen, dass Hundstage schlecht ist. Nur sehr anstrengend eben, zu dokumentarisch, um Kunst zu sein, und zu schlimm, um nur dokumentarisch zu sein. Nah dran, und damit – und nicht so sehr durch die sichtbareren Tabubrüche – im echten Wortsinn schockierend. Jedenfalls keine Unterhaltung, auch wenn einige der unterhaltsameren Stellen in ihrer Lachen-im-Hals-Steckenbleiben-Komik an Deix erinnerten. Letztlich also ein etwas unschlüssiges: Was ist dieser Film dann?

Der Corriere della Sera hat wohl recht: Den Film vergisst niemand so leicht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn nicht lieber doch manchmal vergessen würde. Verdrängung? Therapie? Wenn der Alltag wirklich so ist, dann ist er jedenfalls schlimmer, als ich mir das bisher meistens vorgestellt habe.

> Website


Wednesday, July 17, 2002

Neulichs im Kino: Lilo & Stitch

Die Botschaft, dass Familien zusammenhalten müssen und für einander einstehen sollen, kann leicht als typisch Disney abgetan werden, auch in ihrer imaginär-hawaiianischen Verpackung, sponsored by the tourist authority of Hawai‹i.

Die Familie in diesem Fall besteht allerdings aus einem kleinen Mädchen, das von der Welt nicht verstanden wird, ihrer noch gar nicht so großen Schwester, die sich um sie kümmern muss, deren Freund und einem kleinen außerirdischen Monster. Nicht ganz so typisch, oder? Eine galaktische Präsidentin reiht sich nahtlos in die Ankunft im heute ein. Und wenn dann – ohne zuviel vorwegzunehmen – der Mafiatyp vom Jugendamt und zwei Aliens zu Wahlonkels (oder -tanten, das ist bei dieser strichförmigen Lebensform nicht so klar) werden, dann ist da zwar die süße Happy-End-Botschaft, dass es was bringt, zusammenzuhalten – von der WASP-Moralität Disneys ist aber wenig übrig geblieben. Insofern ist Lilo & Stitch ganz schön zeitgemäss.

Natürlich ist es auch möglich, die ganze Story als einen Zähmungs- und Domestizierungsprozess von Kindern und Monster(chen) zu lesen: aus Lilos Fotos dicker Menschen am Strand werden alle Stationen eines typisch amerikanischen Familienlebens, aus Stitchs Wunsch, Großstädte niederzureißen, wird Spaß im Haushalt. Aber trotzdem bleibt selbst in den letzten Minuten des Films der Eindruck, dass hier widerspenstige Potenziale übrig sind, und außerdem macht es einfach viel mehr Spaß, den Film als einen zu lesen, der davon erzählt, dass weder Monster noch kleine Mädchen immer brav sein müssen, dass die Welt der Arbeit eine der Zwänge ist und so weiter. Meine Empfehlung: Angucken!

> Website zum Film, Flash


Saturday, July 06, 2002

Was passiert hier eigentlich?

Nicht’s großartiges, nur ein Hinweis darauf, dass Marcus Hammerschmitt im weBLOGging die aktuelle Variante der Internet-Utopie ausgemacht hat. Und dazu was in Telepolis geschrieben hat.

> Jeder ist Chefredakteur

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