Archiv der Kategorie: Politik und Gesellschaft

Kurz: Genug auf die Bahn geschimpft

Inzwischen nehme ich es recht gleichgültig hin, dass der morgendliche Zug umgekehrt gereiht ist, dass die Reservierungsanzeigen ausgefallen sind (»uns fehlt leider der Master-Wagen, von dem aus diese gesteuert werden«) oder dass es ein paar Minuten Verspätung gibt. Das ist schlicht der aktuelle Normalzustand geworden.

Auf der anderen Seite: viele meiner letzten Fahrten, auch weiter weg, nach Berlin zum Beispiel, waren pünktlich. Das Zugpersonal ist meistens freundlich. Wenn nicht gerade draußen alles Funkloch ist, oder alle streamen, komme ich mit dem ICE-WLAN klar. Und ich nehme wahr, dass die Bahn versucht, attraktiver zu werden. Dazu gehören auch neue Sparangebote und zuletzt nur moderate Preissteigerungen. Eine Bahncard 100 ist teuer, aber Leute, die sich ein Auto halten, zahlen auch nicht so viel weniger.

Die Bahn könnte noch sehr viel besser sein. Das ist eine Frage auch der Politik. Strecken abzubauen, Infrastruktur verfallen zu lassen, das Trimmen auf Rendite – auch das hat viel kaputt gemacht, gerade wenn es um Puffer und Reserven geht. Aber die sind nötig, damit Systeme, bei denen Störungen in der Sache liegen, funktionieren. Hier würde ich mir klare Ansagen vom Bund als DB-Eigentümer wünschen. Kritik an zu billigen Fahrkarten ist dagegen bestenfalls weltfremd, wahrscheinlicher jedoch schlicht ein Ablenkmanöver.

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Einer wagt es, uns im Netz zu verlassen

Paukenschlag: Robert Habeck verabschiedet sich von Facebook und Twitter. Als Grund dafür nennt er zwei Dinge – zum einen den massiven Datenklau samt Veröffentlichung privater Chatverläufe vor ein paar Tage, er war einer von rund 50 der etwa 1000 betroffenen Politiker*innen, bei denen nicht »nur« eine private Mobilfunknummer veröffentlicht wurde, sondern auch weitere Daten. Zum anderen einen dummen Versprecher in einem Wahlvideo für Thüringen, der prompt heftigste böse Kommentare ausgelöst hat. Schuld daran sei auch der auf Twitter gepflegte Kommunikationsstil, der Drang zur Verkürzung, zur reduzierten Aufmerksamkeit.

Robert hat aus diesen beiden Ereignissen für sich den Schluss gezogen, Facebook, Twitter (und wohl auch Instagram) zu verlassen – zumindest im Format der direkten, persönlich-privaten Kommunikation. Ob es auch in Zukunft eine von der Partei gepflegte offizielle Seite geben wird, bleibt abzuwarten. Twitter- und Facebook-Account sind inzwischen gelöscht.

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Wenn es ruhiger wird

Blue November VI

Wintersonnenwende, draußen tobt der Herbstwind, oder sind’s schon die Winterstürme, und für mich fangen die Weihnachtsferien an. Irgendwie wurde das auch Zeit – die letzten Wochen waren ziemlich stressig. Dazu gehören auch die letzten Weihnachtsgeschenke, die ich heute eingekauft habe. Dazu, mich um dieses Blog zu kümmern, komme ich gerade nicht, auch das Foto der Woche fehlt schon wieder. In einer der Landtagsreden gestern oder vorgestern – wir hatten noch Plenartage – zitierte einer der Redner Karl Valentin: »Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger.«

Ich hoffe mal, dass das zutrifft. Dagegen spricht, dass ich den überwiegenden Teil der Weihnachtsferien kinderzuständig bin, auch das ein Ergebnis viel zu vieler Termine in Berlin und Stuttgart in den vorherigen Monaten. Ich weiß nicht, ob das in anderen Familien anders ist, aber exemplarisch ist vielleicht das Sonntagsfrühstück: ich denke jedesmal, dass das nett werden könnte, es gibt Rührei und vielleicht Mango und der Tisch ist schön gedeckt. Die Kinder am Frühstückstisch finden das für eine begrenzte Zeit – so ungefähr 7 1/2 Minuten – ganz ok, dann fangen sie entweder mit Streit und gegenseitigen Provokationen an oder müssen ganz dringend ein Buch weiterlesen, ein Computerspiel spielen oder auf dem Sofa liegen. Gemütlich ist jedenfalls was anderes.

Die letzten Tage waren dagegen von Schreibtischstress gekennzeichnet: im Januar ist traditionell Fraktionsklausur, dafür mussten noch Dinge fertig werden, zudem habe ich gerade mehr zu tun als sonst, weil ich mich quasi selbst vertreten habe. Ab 1. Januar 2019 werde ich auch offiziell als Parlamentarischer Berater für Grundsatz und Strategie der grünen Landtagsfraktion Baden-Württemberg fungieren, und die Aufgabe der Parlamentarischen Beratung in den Feldern der Wissenschafts- und Kulturpolitik wird ein Nachfolger übernehmen.

Inoffiziell hatte ich diesen Hut allerdings auch in den letzten Wochen schon auf, was einerseits – weswegen mich dieser ganze Wechsel ja freut – mich neuen Herausforderungen verbunden ist, andererseits aber eben auch mehr Termine und mehr Arbeit bedeutet hat, wenn parallel zur weiterlaufenden Beratung des Wissenschafts-AKs zunehmend auch Grundsatz- und Strategiethemen bei mir aufgeschlagen sind.

(Daneben gab’s dann noch diverse Parteigremien, in denen ich mitarbeite, selbstgewählte Veranstaltungsbesuche und so Dinge wie den Adventskalender, den sich meine Tochter gewünscht hat: eine selbstgeschriebene Geschichte in 12 Kapiteln …)

Die Sorte Stress und auch das Pendeln zwischen Freiburg und Stuttgart zumindest fällt in den nächsten zwei Wochen weg. Ich habe auch schon hunderttausend Ideen, was ich in den nächsten zwei Wochen machen könnte (neben den Kindern und den Weihnachtsfeierlichkeiten und einem Besuch bei meiner Schwester und Silvester und …), und sehe jetzt schon, dass nur ein Bruchteil davon sich realisieren lassen wird. Hm. Vielleicht doch einfach entspannen, soweit das möglich ist, und keine Pläne machen?

In diesem Sinne: frohe Feiertage!

Warum blogge ich das? Quasi-Tagebuch, und als Erklärung dafür, warum hier gerade nicht so viel passiert …

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In eigener Sache: Wissenschaftspolitik im BasisPod

Jan und Paula fassen im BasisPod die wichtigsten grünen Themen als Podcast zusammen. In der aktuellen Ausgabe #13 bin ich (etwa ab Minuten 27) zugeschaltet, und beantworte ein paar Fragen zur Rolle der Wissenschaftspolitik im grünen Grundsatzprozess.

(Die Telefonschalte lief über ZenCastr, was mich erstmal vor einige technische Herausforderungen stellte – das Ergebnis klingt jetzt trotz Headset und Tontechnikkunst doch ziemlich nach gutem alten Analogtelefon … authentisch, würde ich sagen)

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Bits und Bäume und dazwischen Zwischenräume

»Nachhaltigkeit« und »Digitalisierung« sind zwei der großen Themen unserer Zeit. Insofern fand und finde ich es eine großartige Idee, die Schnittmenge zwischen diesen beiden Entwicklungen genauer zu beleuchten, wie dies mit der Konferenz »Bits und Bäume« an diesem Wochenende in Berlin umgesetzt wurde.

Ich will jetzt gar keinen Konferenzbericht im üblichen Sinne schreiben. Es gab ungefähr 130 verschiedene Veranstaltungen, rund 1300über 1700 Leute waren da, und die TU Berlin verwandelte sich für zwei Tage in ein wuseliges Öko-Tech-Camp. Wer einzelne der Vorträge nachgucken will, kann diese auf der Medienseite des CCC finden – es lohnt sich durchaus, vom 8-Minuten-«Sporangium« bis zu den großen Podien und Panels. Und wer ganz knapp wissen möchte, warum das mit der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit nicht so einfach ist, sollte sich die Eröffnungsvorträge von Tilman Santarius und von Lorenz Hilty anschauen. Ich verrate schon mal: Rebound-Effekte haben einiges damit zu tun.

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