Nebensache?! Selektionseffekte des Wahlsystems

"Danger - Men at work"Das baden-würt­tem­ber­gi­sche Wahl­sys­tem macht nicht nur Wahl­aben­de span­nend, son­dern trägt, da es kei­ne Lis­ten gibt, auch dazu bei, dass übli­che (for­ma­le wie infor­mel­le) Quo­tie­rungs­in­stru­men­te nicht grei­fen. Das wirkt sich u.a. auch auf die Geschlech­ter­quo­te aus – und redu­ziert auch gene­rell die Chan­cen für alle, die nicht dem Typus des popu­lis­ti­schen Direkt­man­da­tärs ent­spre­chen, in den Land­tag einzuziehen.

Schau­en wir dazu mal die Abge­ord­ne­ten im neu­en Land­tag an, getrennt nach den vier Fraktionen. 

  • Die CDU ent­sen­det 60 Abge­ord­ne­te in den Land­tag. Dar­un­ter sind gera­de mal acht Frau­en (wenn ich mich jetzt nicht ver­zählt habe). Das sind 13% die­ser Fraktion.
  • Ein biss­chen bes­ser – aber auch nicht wirk­lich gut – sieht es bei uns Grü­nen aus. In der neu­en gro­ßen Frak­ti­on mit 36 Abge­ord­ne­ten beträgt der Frau­en­an­teil 31% (d.h. 11 Abgeordnete).
  • Bei der SPD sind es 6 weib­li­che Abge­ord­ne­te bei einer Frak­ti­ons­stär­ke von 35 Sit­zen, also 17%.
  • Und die FDP hat es tat­säch­lich geschafft, eine rein männ­li­che 7er-Frak­ti­on in den Land­tag zu bringen.

Im Land­tag ins­ge­samt kom­men wir damit auf einen – auch im Ver­gleich zu ande­ren Land­ta­gen in Deutsch­land – vor­sint­flut­li­chen Frau­en­an­teil von 18%. 

Ich gehe davon aus, dass das bei der Ver­tei­lung der Regie­rungs­pos­ten ein biss­chen anders aus­se­hen wird. Wenn mit Kret­sch­mann und Schmid schon ein Män­ner­duo an der Spit­ze steht, wird es in bei­den Par­tei­en mei­ner Mei­nung nach schwer durch­setz­bar sein, beim wei­te­ren Regie­rungs­per­so­nal weni­ger als eine Quo­tie­rung umzusetzen. 

Mir geht es in die­sem Arti­kel aller­dings gar nicht nur dar­um, Frau­en und Män­ner zu zäh­len und Quo­ten aus­zu­rech­nen. Ich sehe den gerin­gen Frau­en­an­teil – der ja selbst in der grü­nen Frak­ti­on deut­lich hin­ter den übli­cher­wei­se in grü­nen Gre­mi­en erwar­te­ten 50% liegt – im Land­tag als einen sehr deut­li­chen Hin­weis dar­auf, dass das baden-würt­tem­ber­gi­sche Wahl­recht, des­sen Grund­la­ge ja Wahl­kreis­kan­di­da­tu­ren sind, Struk­tur­ef­fek­te hat und dazu bei­trägt, einen bestimm­ten Per­so­nen­typ – der hono­ri­ge, ört­lich ver­an­ker­te Poli­ti­ker (m, d.) – zu bevor­zu­gen. Ich habe dazu jetzt kei­ne Daten, aber ich gehe davon aus, dass das auch bei der Alters­ver­tei­lung, bei Beru­fen und defi­ni­tiv beim Anteil von Abge­ord­ne­ten mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund eine Rol­le spielt.

Zum Ver­gleich viel­leicht noch – hier mal nur die Grü­nen – die Situa­ti­on bei der Kan­di­da­tur. In den lan­des­weit 70 Wahl­krei­sen sind bei uns 24 Frau­en ange­tre­ten (34%), also ein etwas höhe­rer Anteil als in der Frak­ti­on. Anders gesagt: die kri­ti­sche Schwel­le scheint gar nicht so sehr die Wahl zu sein, son­dern der Schritt davor – das Errin­gen eines (aus­sichts­rei­chen) Wahlkreises. 

Die drei Spit­zen­er­geb­nis­se (und Direkt­man­da­te) bei den Grü­nen haben übri­gens alle­samt Frau­en erzielt – Muthe­rem Aras mit 42,5% in Stutt­gart I, Edith Sitz­mann mit 39,9% in Frei­burg II und The­re­sia Bau­er mit 36,7% in Heidelberg.

Ob die Zusam­men­set­zung des Land­tags, die in den letz­ten Jah­ren ähn­lich war, Aus­wir­kun­gen auf die dort ent­ste­hen­de Poli­tik hat­te oder haben wird, dar­über lässt sich strei­ten. Ich bin nicht der Ansicht, dass Poli­tik sich auto­ma­tisch ändert, weil sie von Men­schen mit weib­li­chen Geschlechts­tei­len gemacht wird. Mir geht es eher dar­um, dass der Frau­en­an­teil ein Hin­weis dar­auf ist, wie wenig reprä­sen­ta­tiv der Land­tag für die ganz unter­schied­li­chen Lebens­ent­wür­fe und All­tags­si­tua­tio­nen der baden-würt­tem­ber­gi­schen Bevöl­ke­rung ist. Und in die­ser man­gel­haf­ten Abbil­dung der rea­len Viel­falt – dar­in sehe ich auch ein Pro­blem für die dort ent­ste­hen­de Politik. 

War­um blog­ge ich das? Als klei­nen Hin­weis dar­auf, dass das Wahl­recht in Baden-Würt­tem­berg auch in ande­rer Wei­se ver­zer­rend wirkt.

P.S.: Jan weist im Kom­men­tar auf eine Über­sicht des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts hin, in der für alle Par­tei­en auf­ge­führt ist, wie vie­le Bewer­be­rin­nen über­haupt ange­tre­ten sind (bei uns dem­nach 37% = 26 Frau­en statt der von mir oben genann­ten 34%/24 Frau­en; CDU: 15%, SPD: 20%, FDP: 25% unter den BewerberInnen).

70 Antworten auf „Nebensache?! Selektionseffekte des Wahlsystems“

  1. Ich habe auch in unse­rem Wahl­kreis schon merk­wür­di­ge grü­ne Män­ner-State­ments gehört: »Ich kan­di­die­re aber nur, wenn ich auf Platz 1 kom­me.« – Wur­de dann vom gro­ßen Vor­sit­zen­den abge­nickt. Das BaWü-Sys­tem ist mir zwar schlei­er­haf­ter, aber es ist und bleibt ein Kern­pro­blem der Quo­tie­rung überhaupt.

    Wür­de es per Gesetz vor­ge­schrie­ben sein, dass 50 % Frau­en sein müss­ten, wür­den die Par­tei­en sich wie auf­ge­scheuch­te Amei­sen­hau­fen gebär­den. Ich fänd’s gut.

  2. Viel­leicht noch­mal kurz das BaWü-Sys­tem: ein Sat­zungs­gre­mi­um aller im Wahl­kreis leben­den wahl­be­rech­tig­ten Mit­glie­der einer Par­tei (Wahl­ver­samm­lung – bei uns eine Mit­glie­der­ver­samm­lung, bei ande­ren Par­tei­en wohl teil­wei­se eine Dele­gier­ten­kon­fe­renz) ent­schei­det, wer in die­sem Wahl­kreis als Erst­be­wer­be­rIn und wer als Ersatz­be­wer­be­rIn für die Par­tei antritt. Eine Lan­des­lis­te gibt es nicht, ins Par­la­ment zie­hen die ein, die a. ihre Wahl­krei­se direkt gewin­nen (also die rela­ti­ve Mehr­heit im Wahl­kreis erhal­ten) (70 Per­so­nen lan­des­weit) oder b. in der Zweit­aus­zäh­lung + evlt. Über­hangs­aus­gleich (50+ Per­so­nen lan­des­weit) die pro­zen­tu­al bes­ten Ergeb­nis­se in ihrer Par­tei in ihrem Regie­rungs­be­zirk haben.

  3. Ich habe auch bei unse­rem Wahl­kreis argu­men­tiert dass es, um eine amtie­ren­de Frau durch einen neu­en Mann zu erset­zen, mehr als einen guten Grund bräuch­te, auch ange­sichts des Über­hangs an Män­nern in der Frak­ti­on. Wir haben uns dann, auch nach dem Rück­zug der bis­he­ri­gen Abge­ord­ne­ten, doch für einen wei­te­ren Mann ent­schie­den der dann, mit unse­rer gesam­mel­ten Unter­stüt­zung (und vor allem der der Frau­en im Grü­nen Büro) ganz knapp das Direkt­man­dat errun­gen hat.
    Ich freue mich sehr dar­über – aber nicht über die nur 31%.

  4. Die künf­ti­ge Lan­des­re­gie­rung hat ja die Mög­lich­keit, eine umfas­sen­de Wahl­rechts­re­form anzu­ge­hen. Die in der Lan­des­ver­fas­sung gefor­der­te »Per­sön­lich­keits­wahl« bedeu­tet ja zum Bei­spiel nicht, dass es Einer­wahl­krei­se geben muss. Die­se sind nun ein­mal auch die größ­ten Quotenfeinde.
    Der Phan­ta­sie sind jeden­falls kaum Gren­zen gesetzt, mensch soll­te nur bald damit los­le­gen, da die Dis­kus­sio­nen bei die­sem The­ma erfah­rungs­ge­mäß recht lang­wie­rig werden.
    Aber selbst eine klei­ne Lösung, wie eine Neu­ver­tei­lung der Wahl­krei­se auf die Regie­rungs­be­zir­ke, die Schaf­fung eines lan­des­wei­ten Ver­hält­nis- und Über­hang­aus­gleichs und die Ein­füh­rung von Par­tei­lis­ten wür­de schon eine Ver­bes­se­rung bedeu­ten. Übri­gens ist dafür kein Zwei­stim­men­wahl­recht nötig.

  5. @Kay: Für mehr Diver­si­tät scheint mir ein Zwei­stim­men­wahl­recht dage­gen hilf­reich zu sein. Sehe noch nicht so ganz, wie das anders klap­pen könn­te, wenn »Per­sön­lich­keits­wahl« bei­be­hal­ten wird.

  6. @Till und Kay: Vie­len Dank für die­se inter­es­san­ten Hin­wei­se! Ich bin auch der Mei­nung, dass das Wahl­recht in BaWü so schnell wie mög­lich geän­dert wer­den soll­te, v.a. wegen der struk­tu­rel­len Benach­tei­li­gung von allen Par­tei­en außer der CDU (die trotz des jet­zi­gen Wahl­er­geb­nis­ses bis auf Wei­te­res ja die größ­te Frak­ti­on blei­ben dürf­te). Dass das Wahl­recht offen­sicht­lich nicht nur die CDU, son­dern auch die männ­li­chen Kan­di­da­ten bevor­teilt, ist ja noch ein wei­te­rer wich­ti­ger Grund, es schleu­nigst mal zu ändern. Was ich mich aller­dings fra­ge und bis­her lei­der nicht her­aus­fin­den konn­te: Wel­che Mehr­hei­ten braucht man, um das Wahl­recht zu ändern? Eine ein­fa­che oder eine Zwei­drit­tel-Mehr­heit? Falls Letz­te­res zutref­fen wür­de, könn­te die CDU ja sonst alles blockieren…

  7. Wo bringt die Quo­te denn wirk­lich was, von Dis­kri­mi­nie­run­gen mal abgesehen?

    Quo­te ist so vorgestern.

    Wenn wir eine Frau­en­quo­te haben, müs­sen wir zwangs­wei­se auch eine Männer‑, eine Schwulen‑, eine Lesben‑, eine Transgender‑, eine Bigender‑, eine Dicken‑, eine Dün­nen­quo­te einführen.

    Wir sind alle Minderheiten.

    War­um kön­nen wir das nicht ein­fach akzep­tie­ren, die Quo­ten abschaf­fen und die Fähig­kei­ten ent­schei­den lassen?

  8. Ich habe gleich noch­mal recher­chiert und fol­gen­de sehr inter­es­san­te Sei­te des sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes in Baden-Würt­tem­berg gefunden:
    http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Pressemitt/2011045.asp

    Dort kann man die Antei­le der weib­li­chen Kan­di­da­ten bei allen ange­tre­te­nen Par­tei­en sehen. Wie man hier sieht, liegt der Frau­en­an­teil auch bei CDU und SPD bei den ange­tre­te­nen Kan­di­da­ten nicht wirk­lich viel höher als jetzt im Land­tag (15,7% bzw. 20%). Nur bei der FDP ist die Dis­kre­panz zwi­schen 25,7 Pro­zent und null Pro­zent natür­lich ziem­lich krass. 

    Auch inter­es­sant: Offen­sicht­lich wer­den die Ersatz­be­wer­ber bei fast allen Par­tei­en als eine Art »Fei­gen­blatt« ver­wen­det, hier liegt der Frau­en­an­teil näm­lich bei fast jeder Par­tei deut­lich höher (nur bei der FDP nicht). Das eigent­li­che Pro­blem scheint also wirk­lich die Hür­de der Nomi­nie­rung zu sein, mit Aus­nah­me der FDP, bei der die Wäh­ler offen­sicht­lich sehr stark männ­li­che Bewer­ber bevorzugen. 

    Vie­le Grüße
    Jan

  9. … und die FDP hat tra­di­tio­nell eher Pro­ble­me, ihre Wahl­krei­se über­haupt besetzt zu krie­gen (gab auch schon eine Lex FDP, damit ein Bewerber/​eine Bewer­be­rin in zwei WK zugleich antre­ten kann).

  10. @Donnerbeutel: Das meinst du jetzt nicht wirk­lich ernst mit »Fähig­kei­ten ent­schei­den las­sen«, oder? ;-( Denn wenn du das ernst mei­nen wür­dest, dann wärst du näm­lich der Mei­nung, dass es nur 18 Pro­zent fähi­ge Poli­ti­ke­rin­nen in Baden-Würt­tem­berg gibt und nur etwa 6,5 Pro­zent Frau­en, die in der Lage sind, im Vor­stand oder Auf­sichts­rat eines bör­sen­ori­en­tier­ten deut­schen Unter­neh­mens zu sein (sie­he: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,746095,00.html). So viel zu »Fähig­kei­ten ent­schei­den lassen«…

    Vie­le Grüße
    Jan

  11. Es ist jetzt wohl an euch über das Baden-Würt­tem­ber­gi­sche Wahl­recht mit sei­nen Stär­ken und Schwä­chen nach­zu­den­ken und even­tu­ell eine Reform einzuleiten. 

    Ich bedaue­re, dass es die FDP doch über die 5% Hür­de geschafft hat. Hät­ten sie es nicht geschafft, wäre eine Reform ver­mut­lich wahr­schein­li­cher gewe­sen. Wenn nicht, hät­ten wir immer noch die Genug­tu­ung erfah­ren, ihnen in 5 Jah­ren beim Unter­schrif­ten­sam­meln zu begeg­nen. Es hat nicht sein sol­len. Schade.

  12. @Mela: Auch ich hät­te mich über ein Aus­schei­den der FDP aus dem Land­tag gefreut, ver­ste­he aber nicht ganz, war­um du meinst, dass es mit der FDP schwie­ri­ger wird, das Wahl­recht zu ändern. Denn eigent­lich soll­te es sehr im Inter­es­se der FDP sein, die­ses Wahl­recht zu ändern, das sie bestimmt jedes Mal vie­le poten­zi­el­le Zweit­stim­men kos­tet. Und soweit ich weiß, hat sie das in Ver­gan­gen­heit ja auch schon ver­sucht, sich aber nicht gegen die CDU durch­set­zen kön­nen, oder?

  13. @Jan

    doch, das mei­ne ich so, aber es heißt nicht, dass nur 18% fähi­ge Poli­ti­ke­rin­nen existieren. ;-)

    Die Aus­sa­ge »lasst die Fähig­kei­ten ent­schei­den« besagt näm­lich nicht, dass alle Frau­en, die kei­ne Füh­rungs­po­si­ti­on etc. haben nicht fähig seien.

    Die­se Aus­sa­ge ent­hält auch einen Vor­wurf an die Vet­tern­wirt­schaft und Postenschacherei.

    Wür­den wir wirk­lich nur die Fähig­kei­ten ent­schei­den las­sen, sähe unse­re Welt gänz­lich anders aus.

  14. @Donnerbeutel: OK, das beru­higt mich ein wenig, aber dann mach doch mal bit­te einen kon­struk­ti­ven Vor­schlag, wie man die »Fähig­kei­ten ent­schei­den las­sen« kann, ohne eine Quo­te ein­zu­füh­ren. Das wür­de mich wirk­lich mal inter­es­sie­ren. Ich ken­ne näm­lich kei­nen wirk­lich erfolg­ver­spre­chen­den Ansatz außer der Quo­te, mit dem man die zumeist stark männ­der­do­mi­nier­te »Vet­tern­wirt­schaft und Pos­ten­scha­che­rei« in den poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Füh­rungs­eta­gen auf­bre­chen könn­te. Über posi­ti­ve Anrei­ze allein funk­tio­niert es jeden­falls nicht, wie man z.B. auch bei der Eltern­zeit sieht, die nach wie vor nur von einem Bruch­teil der Väter genutzt wird und hier auch zum über­wie­gen­den Groß­teil nur mit der Min­dest­zeit von zwei Mona­ten. Und das liegt ja wohl kaum dar­an, dass die Väter nicht fähig genug sind, ihre Kin­der zu ver­sor­gen. ;-) Son­dern viel­mehr dar­an, dass man es sich in vie­len Unter­neh­men ein­fach als Mann nicht leis­ten kann, mehr als zwei Mona­te Eltern­zeit zu neh­men, weil mehr ja nicht unbe­dingt nötig bzw. finan­zi­ell sinn­voll ist. Das sähe aber anders aus, wenn man die Rege­lung ändern wür­de und man als Mann min­des­tens sechs Mona­te Eltern­zeit neh­men müss­te, damit man als Eltern die vol­le Eltern­zeit bekommt. Genau­so, wie es anders aus­sä­he, wenn es (wie in ande­ren Län­dern) eine Vor­schrift gäbe, dass min­des­tens 40 Pro­zent der Vor­stän­de Frau­en sein müss­ten. Dann gäbe es näm­lich ganz schnell genug fähi­ge Frau­en bzw. bestimmt auch sehr viel mehr fähi­ge Väter.

    Und noch eine Anmer­kung zum Schluss: Wir sind sicher­lich alle Teil irgend­ei­ner Min­der­heit, da hast du recht. Aber bestimmt nicht auf­grund unse­res Geschlechts. Frau­en sind näm­lich kei­ne gesell­schaft­li­che Min­der­heit, son­dern sogar eine rela­ti­ve Mehr­heit (sie­he: http://www.news-de.com/news‑2/statistik-51-prozent-der-deutschen-bevolkerung-ist-weiblich). ;-) Eine Frau­en-Quo­te ist also kei­ne Min­der­hei­ten­quo­te, wes­halb man bei der Ein­füh­rung einer Frau­en­quo­te auch nicht »zwangs­wei­se« gleich noch alle mög­li­chen ande­ren Quo­ten ein­füh­ren müss­te. Und: Es geht auch gar nicht dar­um, dass in jedem Lebens- oder Berufs­be­reich Frau­en und Män­ner gleich stark ver­tre­ten sind. Aber in Berei­chen wie der Poli­tik und den Füh­rungs­eta­gen gro­ßer Unter­neh­men, die die Regeln des Zusam­men­le­bens von tau­sen­den bzw. sogar von Mil­lio­nen von Men­schen bestim­men, da wäre es aus mei­ner Sicht schon sehr sinn­voll, wenn die eine Hälf­te der Bevö­ke­rung nicht der­ma­ßen sys­te­ma­tisch unter­re­prä­sen­tiert ist wie das bis­her (gera­de in Baden-Würt­tem­berg) der Fall ist.

  15. @Mariom: Vie­len Dank für den Lese-Tipp, das ist wirk­lich sehr hilf­reich! Eine Vor­ab-Ver­si­on der Stu­die gibt es hier als PDF: http://www.boell.de/downloads/demokratie/Studie_Frauen-Unterrepraesentanz_in_Kommunen.pdf

    Ich zitie­re mal aus den abschlie­ßen­den Empfehlungen:
    »Als Reform­vor­schlag bie­tet es sich zunächst ange­sichts der kom­mu­na­len Untersuchungsergebnisse
    an, auch für eine Abschaf­fung des per­so­na­li­sier­ten Ver­hält­nis­wahl­rechts durch die Ein­füh­rung von Kumu­lie­ren und Pana­schie­ren für alle Kom­mu­nen und zumin­dest die Lan­des­ebe­ne zu plä­die­ren. […] Die­ses Wahl­recht wür­de durch­schnitt­lich eine höhe­re Frau­en­re­prä­sen­tanz forcieren. […]
    Ist aller­dings die geschlech­ter­pa­ri­tä­ti­sche Reprä­sen­tanz mit­tel­fris­tig das Ziel, werden
    die­se Wahl­rechts­re­for­men wohl nicht aus­rei­chend sein. Hier­für ist wahr­schein­lich eine Kom­bi­na­ti­on die­ses stark per­so­nen­be­zo­ge­nen Wahl­rechts mit gesetz­lich fest­ge­schrie­be­nen Kan­di­da­tin­nen­quo­ten nach Vor­bild der fran­zö­si­schen Kom­mu­nen erforderlich. […]
    Bei sozi­al aus­ge­wo­ge­nen pari­tä­ti­schen Kan­di­da­tu­ren kann sich die Wäh­ler­schaft ihr eige­nes Menü zusam­men­stel­len. Schließ­lich ist bei Kumu­lie­ren und Pana­schie­ren als Ver­hält­nis­wahl­recht mit losen Lis­ten die Pari­täts­lö­sung gleich gut umsetz­bar wie in den fran­zö­si­schen Kom­mu­nen bei Ver­hält­nis­wahl­recht mit star­ren Lis­ten. In bei­den Fäl­len gibt es keine
    Direkt­man­da­te in klei­ne­ren Wahl­be­zir­ken, so dass die Quo­te voll anwend­bar ist.

  16. @ Till: Frau­en­quo­ten kann man in der Poli­tik ganz gut mit Pro­porz ver­glei­chen, des­sen Besei­ti­gung ja auch nie­mand ernst­haft anstrebt. Es wird über­all drauf geach­tet, dass lin­ker und rech­ter Flü­gel sowie diver­se Regio­nen ange­mes­sen in den Gre­mi­en ver­tre­ten sind, bei man­chen Par­tei­en zählt auch die Kon­fes­si­on oder die Zuge­hö­rig­keit zur Gewerkschaft. 

    Und der Frau­en­an­teil ist alle­mal so rele­vant wie die Katho­li­ken­quo­te. Oder die Badener-Quote ;-)

  17. Hey, du hast das Direkt­man­dat von Bri­git­te Lösch ver­ges­sen mit 32,3 Pro­zent aber immer­hin in Stutt­gart IV!

    Ansons­ten stim­me ich dir voll zu – es ist ein Pro­blem des Wahl­rechts, aber auch eines der Par­tei. Und eine grö­ße­re Abbil­dung der Wirk­lich­keit und Viel­falt der Gesell­schaft in der Poli­tik und im Land­tag wäre auf jeden Fall ein Gewinn – und gehört zum grü­nen Grundkonsens …

  18. »Eine Frau­en-Quo­te ist also kei­ne Minderheitenquote«

    Es kommt dar­auf an von wel­cher Grund­ge­samt­heit man aus­geht. Die Gesamt­heit aller in D. leben­der Frau­en ist in der Quo­ten­dis­kus­si­on aber voll­kom­men irrele­vant! Inter­es­sant ist bes­ten­falls die Gesamt­heit aller Frau­en, wel­che ein poli­ti­sches Man­dat anstre­ben. Und dies ist eine extrem klei­ne Minderheit!

    Wür­den sich so vie­le Frau­en aktiv in der Poli­tik enga­gie­ren wie dies Män­ner tun, dann wür­de nie­mand über eine Quo­te reden müs­sen. So ist aber die Quo­te nichts ande­res als Männerdiskriminierung!

    Und wenn wir uns gera­de die Quo­ten­frau­en bei uns Grü­nen anschau­en, da bekommt man doch das blan­ke Grauen!
    Und erzähl mir nichts über angeb­lich so qua­li­fi­zier­te enga­gier­te grü­ne Frau­en! Ich mach seit über 20 Jah­ren grü­ne Poli­tik und habe damit allein mehr ech­te Erfah­rung mit der Frau­en­quo­te gesam­melt, als du wahr­schein­lich an Lebens­jah­ren zählst.

  19. »Genau­so, wie es anders aus­sä­he, wenn es (wie in ande­ren Län­dern) eine Vor­schrift gäbe, dass min­des­tens 40 Pro­zent der Vor­stän­de Frau­en sein müss­ten. Dann gäbe es näm­lich ganz schnell genug fähi­ge Frau­en bzw. bestimmt auch sehr viel mehr fähi­ge Väter.«

    Dies ist der fun­da­men­ta­le Irr­tum des Feminismus!
    Gera­de dem ist näm­lich nicht so!
    Es gibt bis­her 1 Land mit Frau­en­quo­te für den Vor­stand bör­sen­no­tier­ter Akti­en­ge­sell­schaf­ten: Norwegen.
    Ergeb­nis: die Hälf­te aller Unter­neh­men hat sich nach Ein­füh­rung die­ses Geset­zes von der Bör­se abge­mel­det; die übri­gen 300 Pos­ten wer­den von exakt 70 »Gold­rö­cken« besetzt! Da muss man schon dank­bar sein, dass sich so vie­le Unter­neh­men abge­mel­det haben, weil sich die 70 Frau­en sonst auch noch Nachts um 3 Uhr zu Sit­zun­gen tref­fen müss­ten mit ihren männ­li­chen Kol­le­gen, da sonst kein Ter­min mehr frei ist.

    Es ist ein Mär­chen zu glau­ben es gäbe aus­rei­chend Frau­en mit einem Wil­len zu einer ech­ten Kar­rie­re, wel­che eben nicht nur viel Geld und Sta­tus bringt, son­dern vor­al­lem extrem viel Ent­beh­run­gen und Lei­dens­fä­hig­keit erfordert.

    Genau­so ist es ein Mär­chen zu glau­ben, dass die bösen Män­ner nicht die Kin­der­er­zie­hung über­neh­men woll­ten. Es ist in der Rea­li­tät viel mehr so, dass die Frau­en nicht bereit sind die­ses Pri­vi­leg an die Väter abzu­tre­ten. In der Pra­xis geschieht es aus­schließ­lich, wenn es über­haupt nicht anders geht.

    Ich emp­feh­le das Buch »Why men earn more«, War­ren Farrell
    Video zum Vor­trag zum Buch kos­ten­los anschau­en: http://www.cato.org/event.php?eventid=1834

  20. @Till: Die Lex-FDP gibts immer noch.
    @Jan: Ja, hat sie. Stand in ver­schie­de­ner Form immer wie­der in Koali­ti­ons­ver­trä­gen, sehr weit­ge­hend im Ver­trag für die 13. WP

    Ich fin­de, dass das ver­än­dert Par­tei­en­sys­tem gera­de­zu nach Mehr­man­dats­wahl­krei­sen schreit.

  21. Sor­ry, habe nach­ge­schaut, bist ja auch nicht mehr sooo jung. ;-) Streich das also mit den Lebens­jah­ren. Hat­te nur das klei­ne Bild­chen gesehen.

  22. @Tobias: Das, und mir sind durch­aus enga­gier­te grü­ne Frau­en bekannt. Ziem­lich vie­le sogar – ich sehe da jeden­falls kei­nen qua­li­ta­ti­ven Unter­schied nach Geschlecht, und wür­de des­we­gen schon sagen, dass die Quo­te in der Par­tei den gewünsch­ten Effekt hat.

    @Claudia: zwi­schen Bri­git­te und den drei genann­ten Frau­en lie­gen aber noch ein paar ande­re Frau­en und Män­ner, wenn ich mich rich­tig erin­ne­re. Oder?

  23. Eine Grund­kon­zep­ti­on eines Wahl­rechts mit Mehr­man­dats­wahl­krei­sen und anschlie­ßen­dem Ver­hält­nis­aus­gleich kann ich in den nächs­ten Tagen mal aus­führ­lich dar­stel­len und in unser Blog stel­len. Auch Bei­spiel­rech­nun­gen für Baden-Würt­tem­berg sind mög­lich, damit sich mög­lichst vie­le vor­stel­len kön­nen, wie das lau­fen kann.

  24. @Kay: Das fän­de ich super, mich wür­de auch nach wie vor sehr inter­es­sie­ren, wel­che Mehr­hei­ten genau nötig wären, um das Wahl­recht in BaWü ändern zu können.

    @Tobias: Wow, das sol­che State­ments von einem Grü­nen kom­men, scho­ckiert mich ehr­lich gesagt ein wenig. Umso mehr, als die Sach­la­ge in Nor­we­gen kei­nes­wegs so ein­deu­tig ist, wie du das hier dar­stellst. Ich zitie­re hier mal aus einem sehr auf­schluss­rei­chen Arti­kel der FAZ (http://www.faz.net/-01opa1), die ja kaum im Ver­dacht steht, ein femi­nis­ti­sches Kampf­blatt zu sein:
    »Bis 2008 hat­ten die rund 450 betrof­fe­nen Unter­neh­men danach Zeit, den Frau­en­an­teil in den Ver­wal­tungs­rä­ten von zuvor 7 auf 40 Pro­zent zu heben. Allen gelang dies. Nach anfäng­li­chem Pro­test hal­fen ihnen die Bran­chen­ver­bän­de bei der Rekru­tie­rung und Fort­bil­dung geeig­ne­ter Kan­di­da­tin­nen. Die vor­ge­se­he­nen Sank­tio­nen, die von Geld­stra­fen bis zur Unter­neh­mens­auf­lö­sung rei­chen kön­nen, wur­den bis­her nicht aus­ge­spro­chen. Nach Aus­kunft des Unter­neh­mens­re­gis­ters gab es 2007 und 2008 zwar mehr Umwand­lun­gen von Akti­en­ge­sell­schaf­ten in die nicht von der Regel betrof­fe­nen GmbHs als sonst. Eine Befra­gung ergab jedoch, dass eine kurz zuvor erfolg­te Ände­rung des Wert­pa­pier­ge­set­zes dafür genau­so oft der Grund war wie die Frauenquote.

    Hat das Gesetz die Arbeit in den Ver­wal­tungs­rä­ten ver­än­dert? Das nor­we­gi­sche Insti­tut für Gesell­schafts­for­schung lie­fert zunächst sta­tis­ti­sche Ant­wor­ten: Die Frau­en in den Gre­mi­en sind dem­nach im Durch­schnitt deut­lich jün­ger als die Män­ner. Außer­dem ver­fü­gen sie öfter über einen Hoch­schul­ab­schluss, sind aber sel­te­ner selbst als Unter­neh­mer oder Inha­ber aktiv. Und vom Extrem der „Gold­rö­cke“ mit vier oder noch mehr Pos­ten abge­se­hen, nei­gen eher Män­ner als Frau­en zur Annah­me meh­re­rer Man­da­te; das gilt noch stär­ker, wenn auch Pos­ten in GmbHs mit­ge­zählt wer­den. Auch eine qua­li­ta­ti­ve Fra­ge haben die For­scher den Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­dern gestellt: Unter den Män­nern stel­len 12 Pro­zent der Befrag­ten eine Ver­bes­se­rung und 11 Pro­zent eine Ver­schlech­te­rung fest, unter den Frau­en liegt das Ver­hält­nis bei 20 zu 1.«

  25. @Tobias noch­mal, dies­mal zum The­ma rich­ti­ge Grund­ge­samt­heit: Aus mei­ner Sicht ist die deut­sche Bevöl­ke­rung hier die ein­zig rich­ti­ge bzw. die ein­zig mög­li­che Grund­ge­samt­heit. Denn: Die von dir vor­ge­schla­ge­ne Grund­ge­samt­heit »aller Frau­en, wel­che ein poli­ti­sches Man­dat anstre­ben« ist ja bereits stark beein­flusst von den heu­ti­gen Bedin­gun­gen, d.h. der sys­te­ma­ti­schen Benach­tei­li­gung und Unter­re­prä­sen­tie­rung der Frau­en in der Poli­tik. Wenn man das zum Maß­stab machen wür­de, dann wür­de sich tat­säch­lich nie etwas ändern am Frau­en­an­teil in der Poli­tik, genau­so wie sich nie etwas am Anteil der Väter ändern wür­de, die Eltern­zeit neh­men. Man bezeich­net ein­fach den heu­ti­gen Zustand und die heu­ti­gen Bedin­gun­gen als »Nor­mal­zu­stand« und damit gleich­zei­tig als Beweis, dass es nun­mal nicht mehr an poli­ti­schen Ämtern inter­es­sier­te Frau­en gibt bzw. nicht mehr an Eltern­zeit inter­es­sier­te Väter. Das kann es ja wohl nicht sein…

    Mit der sel­ben Argu­men­ta­ti­on könn­test du übri­gens auch die Unter­re­prä­sen­ta­ti­on von Kin­dern aus bil­dungs­fer­nen Fami­li­en an Gym­na­si­en und Hoch­schu­len recht­fer­ti­gen: Das könn­te man dann näm­lich auch als Beweis dafür anse­hen, dass die Unter­schich­ten-Kin­der nun­mal ein­fach »düm­mer« sind und des­halb weni­ger schu­li­schen Erfolg haben und unser Bil­dungs­sys­tem des­halb doch ein­wand­frei funk­tio­niert. Super. Dann kön­nen wir Poli­tik eigent­lich auch gleich blei­ben las­sen und uns mit dem Sta­tus Quo zufrie­den geben.

  26. @Jan 14
    Es gibt ein wesent­lich geeig­ne­te­res Mit­tel als Quo­ten: Bes­se­re und freie Bil­dung gepaart mit Trans­pa­renz. Letzt­end­lich wird man nicht sovie­le Quo­ten ein­set­zen kön­nen, als dass sich eine Gesamt­quo­te gegen Seil­schaf­ten und Aso­zia­le bil­den ließe.

    Nur, dass das mit der Bil­dung und der Trans­pa­renz etwas län­ger dau­ert. Man kann mei­net­we­gen bis dahin quo­tie­ren, aber man darf nicht den­ken, dass eine Quo­te auf Dau­er etwas Gutes ist. Sie ist ein Behelf, aber kei­ne Lösung.

  27. @VonFernSeher: Ich bin der Letz­te, der gegen eine Ver­bes­se­rung unse­re Bil­dungs­sys­tems wäre, aber ich glau­be kaum, dass sie uns bei der Pro­ble­ma­tik der Unter­re­prä­sen­ta­ti­on von Frau­en in den gesell­schaft­li­chen Füh­rungs­ebe­nen weiterhilft. 

    Ich sage dir auch, warum:

    1. Unser Bil­dungs­sys­tem mag opti­mie­rungs­be­dürf­tig sein, v.a. was die Abhän­gig­keit des Schul­erfolgs von der sozia­len Her­kunft betrifft, aber mir ist nicht bekannt, dass es Frau­en bzw. Mäd­chen auf­grund ihres Geschlechts benach­tei­ligt. Im Gegen­teil: In den letz­ten Jah­ren liest man ja immer wie­der davon, dass Mäd­chen heu­te in der Schu­le sehr viel bes­ser abschnei­den als Jungs.

    2. Ich arbei­te und pro­mo­vie­re an der Uni und kann hier live beob­ach­ten, dass höhe­re Bil­dung nicht auto­ma­tisch zu einem höhe­ren Frau­en­an­teil in den Füh­rungs­po­si­tio­nen führt: Bei den Dok­to­ran­den in mei­nem Fach­ge­biet (Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft) über­wie­gen deut­lich die Frau­en, aber bei den Pro­fes­so­ren über­wie­gen dann wie­der die Män­ner. Das ist auch wie­der ein gutes Bei­spiel dafür, dass der gerin­ge Frau­en­an­teil in Füh­rungs­po­si­tio­nen nicht durch einen angeb­li­chen Man­gel an kom­pe­ten­ten Frau­en erklärt wer­den kann. Ein aus mei­ner Sicht sehr viel nahe­lie­gen­de­rer Grund ist, dass wir es in Deutsch­land bis­lang nach wie vor nicht geschafft haben, Frau­en ein Betreu­ungs­sys­tem zu bie­ten, mit dem man Kin­der und Kar­rie­re unter einen Hut brin­gen kann. Und dass sich des­halb vie­le Frau­en nach wie vor für Kin­der und gegen Kar­rie­re ent­schei­den. DAS ist aus mei­ner Sicht die wich­tigs­te Erklä­rung für die­se Pro­ble­ma­tik und nicht, dass Frau­en nicht zu »Ent­beh­run­gen und Lei­dens­fä­hig­keit« in der Lage sind, wie Tobi­as das wei­ter oben behauptet.

    Fazit: Eine Quo­te ist sicher­lich nicht das allei­ni­ge All­heil­mit­tel, son­dern sie muss auf jeden Fall ergänzt wer­den um Ange­bo­te, die es Frau­en auch ermög­li­chen, die­se (quo­tier­ten) Jobs anzu­neh­men, ohne dadurch auto­ma­tisch ihren Kin­der­wunsch auf­ge­ben zu müs­sen (denn das muss­ten und müs­sen die Män­ner in die­sen Posi­tio­nen ja auch nicht). Und: Wenn es ohne Quo­te gin­ge, wäre ich auch glück­lich, aber ich glau­be kaum, dass man bestimm­te gesell­schaft­li­che und seit Jahr­hun­der­ten ein­ge­spiel­te Mecha­nis­men anders auf­bre­chen kann als mit einer Quo­te. Das ist ärger­lich, aber mei­ner Mei­nung nach lei­der nicht zu ändern. Und genau das zu erken­nen und anzu­ge­hen, ist die Auf­ga­be von Poli­tik. Sobald sich die­se Mecha­nis­men dann erle­digt haben (was sicher nicht all­zu bald der Fall sein wird), kann man die Quo­te von mir aus auch ger­ne wie­der abschaffen.

  28. @Jan
    Das ist aber eine selt­sa­me Erklärung.

    ad 1.
    Ist es Ihnen schon ein­mal in den Sinn gekom­men, die Ungleich­ver­tei­lung könn­te nicht vor­ran­gig am Attri­but Geschlecht, son­dern am Attri­but Her­kunft hän­gen? Dass nicht nur Frau­en, son­dern alle, die sich Seil­schaf­ten, deren Mecha­nis­men und Denk­wei­sen ver­wei­gern, in Füh­rungs­po­si­tio­nen und damit auch in der Poli­tik unter­re­prä­sen­tiert sind?

    Es geht wohl mehr um eine ande­re Her­an­ge­hens­wei­se an den Beruf, die mit einer ande­ren Bewer­tung sei­nes Umfel­des ein­her­geht. In Spit­zen­po­si­tio­nen liegt es doch z.B. nicht dar­an, dass sich die­se Leu­te kei­ne zufrie­den­stel­len­de Kin­der­be­treu­ung leis­ten kön­nen, son­dern vor allem dar­an, dass es zum Berufs­bild gehört, dass die Fami­lie hin­ter dem Job anste­hen muss. Das trifft doch fami­li­en­ori­en­tier­te Män­ner genau­so wie die Frauen.

    Und wer ohne bes­se­re Resul­ta­te (und als sol­ches wird in sol­chen Posi­tio­nen auch Erschöp­fung ange­se­hen) dahin will, braucht halt die rich­ti­gen Freun­de, die schon dort sind. Bei einer Quo­te, die ja nichts an den Grund­vor­aus­set­zun­gen ändert, wer­den sich lang­fris­tig genau die glei­chen Mecha­nis­men bei Frau­en aus­bil­den, wie sie es bei den Män­nern getan haben. Frau­en sind kei­ne bes­se­ren Menschen.

    Mit frei­er Bil­dung und Trans­pa­renz kann man gegen die­se Mecha­nis­men ansteu­ern und das wirk­li­che Pro­blem lösen: die Aso­zia­len­quo­te senken.

    ad 2.
    Ich habe an den Hoch­schu­len, die ich näher ken­ne, bis­her eigent­lich fest­stel­len kön­nen, dass die Pro­ble­me aus den Füh­rungs­eta­gen der frei­en Wirt­schaft nur wesent­lich ver­schwächt auf­tre­ten. Die Kin­der­be­treu­ung ist ganz klar an den meis­ten Unis ein Rie­sen­pro­blem, das trifft stu­die­ren­de oder dort arbei­ten­de Väter aber genau­so wie die Mütter.

    zum Fazit:
    Natür­lich muss­ten die Män­ner in den Spit­zen­po­si­tio­nen auch bis­her ihr Fami­li­en­le­ben auf­ge­ben (das mit dem Kin­der­krie­gen halt nicht). Der Unter­schied ist doch, dass es denen, die jetzt da sit­zen, wohl nicht so schwer gefal­len ist. Die Quo­te ist eben kein Heil­mit­tel, son­dern eine zwi­schen­zeit­li­che Lin­de­rung der Sym­pto­me. Aber auch das kann ja für den Pati­en­ten gut sein; ich möch­te die Sym­pto­me nicht zurück.

  29. @VomFernSeher: OK, noch­mal ein Versuch…

    ad 1: Natür­lich wird es gut ver­netz­ten Per­so­nen (um das mal ein wenig neu­tra­ler aus­zu­drü­cken) immer leich­ter fal­len, Kar­rie­re zu machen, egal ob sie männ­lich oder weib­lich sind. Aber: Frau­en sind ja nicht per se schlech­ter ver­netzt als Män­ner oder unfä­hi­ger in der Netz­werk­bil­dung, ganz im Gegen­teil, Frau­en wird im all­ge­mei­nen ja sogar eine grö­ße­re sozia­le Kom­pe­tenz zuge­schrie­ben. Nur: Es gibt eben bis­her lei­der nur sehr weni­ge Frau­en in den Füh­rungs­eta­gen, die sich mit ande­ren Frau­en ver­net­zen kön­nen, da haben die Män­ner ganz ein­fach einen gro­ßen Vor­sprung. Und genau die­sen Vor­sprung muss man nun eben auf­bre­chen und da hilft aus mei­ner Sicht (lei­der) nur eine Quo­te und nicht Bil­dung, Trans­pa­renz oder gutes Zure­den. Das bestä­ti­gen Sie mit fol­gen­dem Satz ja eigent­lich auch selbst: »Und wer ohne bes­se­re Resul­ta­te (und als sol­ches wird in sol­chen Posi­tio­nen auch Erschöp­fung ange­se­hen) dahin will, braucht halt die rich­ti­gen Freun­de, die schon dort sind.« Genau, und des­halb müs­sen erst­mal genug Frau­en dort hin, damit man als Frau auch ande­re Frau­en hat, mit denen man sich ver­net­zen kann.

    Und: Ich wider­spre­che Ihnen voll und ganz, dass Kar­rie­re­ma­chen fami­li­en­ori­en­tier­te Män­ner genau­so trifft wie Frau­en. Der über­wie­gen­de Teil der Män­ner in Füh­rungs­eta­gen hat Frau und Kin­der, die­se müs­sen also ganz offen­sicht­lich nicht auf Fami­lie und Kin­der ver­zich­ten. Natür­lich müs­sen sie auf­grund ihrer Kar­rie­re auf Zeit mit Frau und Kin­dern ver­zich­ten, aber das wird bei Män­nern ganz ein­fach als selbst­ver­ständ­lich ange­se­hen. Bei Frau­en ist das lei­der nach wie vor nicht so selbst­ver­ständ­lich, denn von ihnen wird noch immer erwar­tet, dass sie für ihre Kin­der beruf­lich zurück­ste­cken, um genug Zeit in die Kin­der­be­treu­ung und ‑erzie­hung inves­tie­ren zu kön­nen. Deut­lich mehr jeden­falls als das von Män­nern erwar­tet wird, denen es sehr viel leich­ter »ver­zie­hen« wird, wenn sie auf­grund ihrer Kar­rie­re nur noch wenig Zeit für die Kin­der haben. Bei Frau­en kommt da schnell der Vor­wurf der »Raben­mut­ter« oder »eis­kal­ten Kar­rie­re­frau« auf, bei Män­nern selt­sa­mer­wei­se nicht, denen klopft man eher noch aner­ken­nend auf die Schulter.

    Im Übri­gen: Ich habe nie behaup­tet, dass Frau­en bes­se­re Men­schen sind als Män­ner und weiß des­halb auch nicht, wie Sie dar­auf kom­men. Frau­en sind aber auch kei­ne schlech­te­ren Men­schen und ver­die­nen des­halb die sel­ben Chan­cen. Und die haben sie bis­lang ganz ein­deu­tig nicht, wenn man sich mal die nack­ten Zah­len anschaut. Und: Mir ist nach wie vor nicht klar, wie allein »Bil­dung und Trans­pa­renz« dar­an etwas ändern sol­len, viel­leicht könn­ten Sie das noch­mal genau­er erläu­tern, denn ich habe ja auch dar­ge­stellt, war­um das aus mei­ner Sicht nicht funk­tio­niert und dass das aus mei­ner Sicht auch jetzt schon empi­risch wider­legt ist. Selbst die Ein­füh­rung eines Schul­fachs »Fai­res Kar­rie­re­ma­chen« wür­de dar­an ganz sicher nichts änern. Mir hilft kei­ne Bil­dung und kei­ne Trans­pa­renz, wenn es gesell­schaft­lich ein­fach nicht akzep­tiert ist, dass ich als Frau trotz Kin­dern Kar­rie­re mache und des­halb ver­mut­lich weni­ger Zeit in die Kin­der inves­tie­re als ich das ohne mei­ne Kar­rie­re tun wür­de. Bei Män­nern ist das kein Pro­blem, bei Frau­en lei­der schon. Und dar­an muss sich etwas ändern und das geht lei­der nicht von allei­ne oder durch gutes Zure­den, wie alle bis­he­ri­gen und erfolg­lo­sen Ver­su­che ja gezeigt haben.

    ad 2: Haben Sie jemals an einer Uni gear­bei­tet? Klingt nicht so. Dann wüss­ten Sie näm­lich, dass hier ganz ähn­li­che Mecha­nis­men grei­fen wie in der Wirt­schaft. Einem männ­li­chen Bewer­ber für eine Pro­fes­sur wird Aner­ken­nung ent­ge­gen gebracht, wenn er hart ver­han­delt, einer Frau mit dem sel­ben Ver­hal­ten wird aber vor­ge­wor­fen, sie füh­re sich auf wie die »Köni­gin von Saba« (das ist nicht erfun­den, son­dern so bei uns an der Uni pas­siert). Das sagt eigent­lich alles: Bei Män­nern wird Kar­rie­restre­ben aner­kannt, bei Frau­en gilt es als anmaßend.

    Zum Fazit: Stimmt, auch Kar­rie­re­män­ner müs­sen einen Teil ihres Fami­li­en­le­bens für die Kar­rie­re opfern. Der zen­tra­le Unter­schied ist nur (s.o.), dass ihnen das von der Gesell­schaft ver­zie­hen oder sogar posi­tiv ange­rech­net wird, wäh­rend Frau­en dafür in vie­len Fäl­len nach wie vor ver­ur­teilt werden.

  30. @Jan

    Sie möch­ten also das Sys­tem, wie man heu­te in Poli­tik und Wirt­schaft auf­steigt, so bei­be­hal­ten und nur mehr Män­ner durch Frau­en erset­zen. Genau das hal­te ich für das Seltsame.

    Ich habe übri­gens bewusst von Seil­schaf­ten und nicht von Netz­wer­ken gespro­chen. Seil­schaf­ten zeich­nen sich eben gera­de nicht dadurch aus, dass die Per­son mit der bes­ten Befä­hi­gung einen Pos­ten besetzt, son­dern jene, wel­che durch die Eta­blier­ten bevor­zugt wird. Gegen ande­re Netz­wer­ke, die jeman­dem auf­grund der Befä­hi­gung emp­feh­len, habe ich nichts.

    Sie möch­ten nun mehr Frau­en in Füh­rungs­ebe­nen brin­gen, damit sie die glei­chen Chan­cen haben sol­che Seil­schaf­ten zu bil­den. Dabei hilft Ihnen die Quote.

    Ich möch­te mehr Trans­pa­renz in den Füh­rungs­eta­gen und bei der Aus­wahl ihrer Mit­glie­der. Dabei hilft mir die Quo­te nicht. Das ist der Unterschied.

    Das Argu­ment mit der Fami­lie zieht nicht wirk­lich nur des­halb, weil es in der Gesell­schaft eine höhe­re Akzep­tanz für Män­ner gibt, die ihre Fami­lie hint­an­stel­len. Frau­en brau­chen doch nicht die glei­chen Mög­lich­kei­ten ihre Fami­lie hin­ter den Job zu stel­len, son­dern die Füh­rungs­eta­gen brau­chen mehr Familienfreundlichkeit.

  31. Bei nähe­rer Betrach­tung weiß ich gar nicht, wo das Pro­blem sein soll. Der Anteil der Frau­en an den Kan­di­da­ten ent­spricht rela­tiv genau dem Frau­en­an­teil in der grü­nen Par­tei insgesamt.

    Das legt nahe, dass zumin­dest bei den Grü­nen nicht dis­kri­mi­niert wird. Ich wür­de das als Erfolg werten.

  32. @Björn: Dan­ke für die­sen sinn­vol­len Hin­weis! :-) Du hast recht, wenn man es so betrach­tet, dann ist der Anteil der Kan­di­da­tin­nen bei den Grü­nen eigent­lich ange­mes­sen. Laut LpB stel­len sich die Frau­en­an­tei­le bei den vier Land­tags­par­tei­en fol­gen­der­ma­ßen dar:
    CDU: ca. 20 Prozent
    SPD: ca. 31 Prozent
    – Grü­ne: ca. 38 Prozent
    FDP: ca. 23 Prozent

    Wenn man das mal mit den Antei­len weib­li­cher Kan­di­da­ten zur LTW ver­gleicht, dann stellt man fest, dass die Dis­kre­panz bei der SPD am größ­ten aus­fällt, denn die hat­te nur 20 Pro­zent weib­li­che Kan­di­da­ten und im Land­tag sind es nun sogar nur 17 Pro­zent. Auch bei der CDU haben die Frau­en in der Par­tei aber ein gewis­ses Pro­blem, sich durch­zu­set­zen, v.a. wenn man die 13 Pro­zent weib­li­cher Abge­ord­ne­ter im neu­en Land­tag betrach­tet. Bei FDP und Grü­nen ent­spricht der Anteil der Kan­di­da­tin­nen in etwa dem Frau­en­an­teil in der Par­tei, aller­dings liegt der Anteil im Land­tag bei den Grü­nen (31 Pro­zent) und v.a. bei der FDP (0 Pro­zent) dann wie­der deut­lich niedriger.

    Offen­sicht­lich muss man also dif­fe­ren­zie­ren: Ob die par­tei­in­ter­ne Kan­di­da­ten­aus­wahl oder die Kan­di­da­ten­aus­wahl durch die Wäh­ler die grö­ße­re Hür­de für weib­li­che Kan­di­da­ten ist, hängt offen­sicht­lich stark von der jewei­li­gen Par­tei ab. Ändern kann man aber kurz­fris­tig natür­lich nur etwas an der par­tei­in­ter­nen Aus­wahl. Das Wäh­ler­ver­hal­ten hin­ge­gen wird sich nur im Rah­men eines eher trä­gen gesell­schaft­li­chen Wer­te­wan­dels ändern, der aller­dings durch­aus durch poli­ti­sche Maß­nah­men unter­stützt wer­den kann, wie z.B. Quo­ten­re­ge­lun­gen und bes­se­re Betreu­ungs­an­ge­bo­te für berufs­tä­ti­ge Mütter.

    Letz­te Anmer­kung: In Frank­reich wur­de der Vor­schlag auf­ge­bracht, dass sowohl Müt­ter als auch Väter nach der Geburt eines Kin­des zwei Mona­te (bezahl­te) Eltern­zeit neh­men MÜSSEN. Ich weiß, das wird jetzt bei eini­gen hier wie­der für Empö­rung sor­gen, aber ich fin­de, dass die­ser Vor­schlag durch­aus mal ernst­haft dis­ku­tiert wer­den könn­te. Denn auf die­se Wei­se wür­de man die Nach­tei­le aus­glei­chen, die Frau­en nun ein­mal dadurch haben, dass nur sie Kin­der zur Welt brin­gen kön­nen (und dadurch im Beruf zeit­wei­lig aus­fal­len) und gleich­zei­tig müss­ten Män­ner sich nicht mehr recht­fer­ti­gen, wenn sie Eltern­zeit neh­men wol­len und wür­den sich dadurch kei­ne Kar­rie­re-Nach­tei­le mehr ein­han­deln gegen­über Män­nern, die kei­ne Eltern­zeit neh­men. Bei einem ange­mes­se­nen Gehalts­aus­gleich fän­de ich das des­halb eine durch­aus dis­ku­ta­ble Rege­lung, die gleich­zei­tig auch noch dazu füh­ren wür­de, dass vie­le Väter ver­mut­lich eine deut­lich enge­re Bin­dung zu ihren Kin­dern ent­wi­ckeln als das heu­te bei vie­len der Fall ist und sich auch bes­ser vor­stel­len könn­ten, was Kin­der­be­treu­ung genau bedeu­tet. Auf die­se Wei­se wür­de ein gesell­schaft­li­ches Umden­ken sicher­lich deut­lich schnel­ler von­stat­ten gehen als wenn man ein­fach war­tet und nichts tut.

    Der Haken an der Sache: So eine Rege­lung könn­te natür­lich dazu füh­ren, dass ins­ge­samt weni­ger Kin­der zur Welt kom­men, weil Eltern mit Spit­zen­po­si­tio­nen dann lie­ber ganz drauf ver­zich­ten, um nicht aus­set­zen zu müs­sen. Das wäre zwar ein sehr trau­ri­ger Befund (zwei Mona­te beruf­li­ches Aus­set­zen ist wich­ti­ger als ein Leben mit Kin­dern), aber natür­lich trotz­dem nicht ganz auszuschließen.

  33. Es fin­den sich in der Füh­rungs­eta­ge auch aus­schließ­lich Män­ner, wel­che über 1,80 m groß sind. Also auch eine Quo­te für klei­ne Männer?

    Das die Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen durch­schnitt­lich 15 Jah­re jün­ger sind zeigt doch am deut­lichs­ten, dass schon ohne offi­zi­el­le Quo­te die Frau­en über­all geför­dert wer­den! Anders­her­um kann man es auch Män­ner­dis­kri­mi­nie­rung nen­nen, wenn Män­ner kei­ner­lei Unter­stüt­zung erfah­ren im Gegen­satz zu einer klei­nen weib­li­chen Minderheit.
    Es zeigt eben auch, dass hier kei­ner­lei Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en exis­tiert. Der Punkt ist ein­fach, dass Frau­en ein­fach es nicht nötig haben, sich sel­ber bis zum Herz­in­farkt aus­zu­beu­ten. Sie haben immer die Gewiss­heit, dass es einen Mann gibt der ihre mate­ri­el­len Bedürf­nis­se befrie­di­gen wird. Und zwar von einem Mann der dafür 6 Jah­re frü­her stirbt.

    Es ist ein­fach auch falsch, dass es an der feh­len­den Kin­der­be­treu­ung fehlt. 2/​3 aller ech­ten Füh­rungs­frau­en haben sogar meh­re­re Kin­der. Die Frau­en mit dem ent­spre­chen­den Poten­ti­al haben ein­fach auch genü­gend Geld, um Kin­der­be­treu­ung zu bezahlen.
    Aller­dings zei­gen z.B. die Unter­su­chun­gen von Prof. Son­ja Bisch­off, dass Frau­en mit Kin­dern zu 80% kei­ner­lei Inter­es­se an einer Kar­rie­re haben. Und dies sind die Frau­en, aus denen sich das weib­li­che Top­ma­nage­ment rekru­tie­ren soll. Die­se Frau­en wis­sen ein­fach, dass sie dann ihre Kin­der nur noch am Wochen­en­de sehen und das wol­len sie nicht. 

    Kar­rie­re macht man dann, wenn man mehr leis­tet als alle ande­ren. Die­se Gren­ze wird von der per­sön­li­chen Leis­tungs­gren­ze bestimmt. Hier sieht man ein­fach das Frau­en da nicht mit­hal­ten kön­nen… Und wer das Leis­tungs­prin­zip außer kraft set­zen will, der zer­stört schlicht die kom­plet­te Wirt­schaft und führt zu extre­mer Unzu­frie­den­heit in der Bevöl­ke­rung. Wer soll sich moti­viert füh­len, wenn das Geschlecht wich­ti­ger ist als Qua­li­fi­ka­ti­on und Einsatz???

    Übri­gens zei­gen die Unter­su­chun­gen von Prof. Son­ja Bisch­off, dass die Frau­en als Mana­ge­rin­nen sogar erheb­lich schlech­ter sind und dies ins­be­son­de­re sogar in der Ein­schät­zung der weib­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen. Beson­ders beklagt wird feh­len­de Sach­kom­pe­tenz, feh­len­de Durch­set­zungs­fä­hig­keit und man­gel­haf­tes sozia­les Ver­hal­ten. Wis­sen­schaft­lich wird dies mit dem Begriff »queen bee syn­drom« bezeich­net. Von wegen Frau­en wären bes­se­re Managerinnen…

    Es hat schließ­lich auch einen Grund war­um Män­ner erst eine Posi­ti­on mit Mit­te 40 erhal­ten, die Frau­en per Quo­te schon mit Ende 20 erhal­ten prak­tisch direkt von der Uni. Wer glaubt da ernst­haft, dass die auch nur annä­hernd so kom­pe­tent sein könn­ten, wie ihre männ­li­chen Kollegen???

  34. »Denn auf die­se Wei­se wür­de man die Nach­tei­le aus­glei­chen, die Frau­en nun ein­mal dadurch haben, dass nur sie Kin­der zur Welt brin­gen kön­nen (und dadurch im Beruf zeit­wei­lig ausfallen)«

    Es ist ein Mythos, dass Frau­en wegen dem Mut­ter­schutz Schwie­rig­kei­ten auf dem Arbeits­markt hät­ten. Es gibt kei­ner­lei hin­wei­se dar­auf, dass die 3 Mona­te Mut­ter­schutz irgend­wel­che Aus­wir­kun­gen hat. Was ande­res sind die 3 Jah­re Eltern­ur­laub. Aber Frau­en neh­men fast aus­schließ­lich die max. 3 Jah­re und timen das 2. Kind so, dass sie danach direkt die nächs­ten 3 Jah­re weg sind. Wer meint denn ernst­haft, dass die nach 3 oder 6 Jah­ren irgend­wie ihr Arbeits­fä­hig­keit erhal­ten haben???

    Zu dem ist es beson­ders fatal, dass Frau­en in Deutsch­land sich nicht direkt am Anfang fest­le­gen müs­sen, wie lan­ge sie weg blei­ben wol­len. Die Ver­län­gern heu­te Monats­wei­se, weil sie doch angeb­lich alle sofort wie­der zurück kom­men wol­len. Pro­blem ist, das es so über­haupt kei­ne Pla­nungs­mög­lich­keit für die Unter­neh­men gibt.

    Die gan­zen deut­schen Frau­en­schutz­ge­set­ze sind für die Frau­en ein ech­tes Mühl­rad am Hals.

    In ande­ren Län­dern ohne Schutz­ge­set­ze machen Frau­en viel öfter Karriere.

  35. »Bei den Dok­to­ran­den in mei­nem Fach­ge­biet (Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft) über­wie­gen deut­lich die Frau­en, aber bei den Pro­fes­so­ren über­wie­gen dann wie­der die Männer. «

    Das liegt ein­fach dar­an, dass die Frau­en nicht habi­li­tie­ren und sich erst ein­mal 12 Jah­re von einem Halb­jeah­res­ver­trag zum nächs­ten durch­han­geln, um dann in 90% der Fäl­le dann auf der Stra­ße zu lan­den statt auf einem Prof.-Posten.
    Das ist denen vor­al­lem zu Risi­ko­reich… Frau­en sind ein­fach Risi­ko­scheu­er. Oder sie haben einen Mann, der ihnen ihr Hob­by finanziert…

    In der Phy­sik stu­die­ren ledig­lich 2% Frau­en, habi­li­tie­ren tun Frau­en in einer Zahl, die man an einer Hand abzäh­len kann und trotz­dem erhal­ten sie nach der habi­li­ta­ti­on fast sofort eine Pro­fes­sur. Die Män­ner haben kei­ner­lei Chan­ce, wenn sich auch eine Frau bewirbt. Unab­hän­gig von der Qua­li­fi­ka­ti­on!!! Gerecht???

  36. @Tobias: Das ist schon ein star­kes Stück, wie ver­zerrt du hier die Ergeb­nis­se von Son­ja Bisch­off wie­der­gibst. Wie man durch ein­fa­ches Goo­geln ihres Namens ganz schnell erfährt, behaup­tet sie näm­lich kei­nes­wegs, dass Frau­en die schlech­te­ren Mana­ge­rin­nen sind. In einem sehr auf­schluss­rei­chen Inter­view mit der Deut­schen Gesell­schaft für Per­so­nal­füh­rung (http://www.dgfp.de/de/content/articles/frauen-im-management-weit-entfernt-von-gleichberechtigung-1776/) erklärt Frau Bisch­off näm­lich, dass es sich hier­bei nicht um ein objek­ti­ves Pro­blem, son­dern um ein (sub­jek­ti­ves) Wahr­neh­mungs­pro­blem han­delt: »Da ego­is­ti­sches Han­deln nicht ins Ste­reo­typ weib­li­chen Ver­hal­tens hin­ein­passt, wird Ego­is­mus oder – wie Sie es nen­nen – Ellen­bo­gen­ein­satz bei Frau­en wesent­lich kri­ti­scher bewer­tet. Ein Blick in die deut­schen Unter­neh­men, die ich in mei­nen Stu­di­en unter­sucht habe, beweist: Wir haben hier ganz klar ein Wahr­neh­mungs­pro­blem. Dafür kann man aber nicht nur den Män­nern die Schuld zu schie­ben: Kon­stant ist von 1998 bis heu­te fest­zu­stel­len, dass Frau­en weib­li­che Füh­rungs­kräf­te häu­fi­ger kri­ti­scher beur­tei­len, als männ­li­chen Mana­ger es tun.«

    Dass hier als Beweis für die man­geln­de Eig­nung weib­li­cher Mana­ger zu neh­men, ist schon des­halb sehr unsach­lich, muss ich sagen. Wenn du sowas behaup­test, dann bele­ge es doch bit­te auch mit ent­spre­chen­den (und v.a. pas­sen­den) Quel­len. Mich wür­de z.B. auch inter­es­sie­ren, woher du die Zahl nimmst, dass »2/​3 aller ech­ten Füh­rungs­frau­en meh­re­re Kin­der« haben. Woher kommt die­se Zahl? Und: Was sind »ech­te« Führungsfrauen?

    Frau Bisch­off kommt in dem sel­ben Inter­view übri­gens zu der Fest­stel­lung, dass sie der fes­ten Über­zeu­gung sei, »dass alle Unter­neh­men davon pro­fi­tie­ren, wenn es unter ihren Füh­rungs­kräf­ten mehr Frau­en gibt, als bis­her«. Ich den­ke, das zeigt ganz deut­lich, dass Frau Bisch­off wohl kaum als oppor­tu­ne Zeu­gin für die von dir hier ver­tre­te­nen Ansich­ten taugt.

    Zu State­ments wie »Es zeigt eben auch, dass hier kei­ner­lei Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en exis­tiert.« und »Sie haben immer die Gewiss­heit, dass es einen Mann gibt der ihre mate­ri­el­len Bedürf­nis­se befrie­di­gen wird.« kann ich nur fas­sungs­los den Kopf schüt­teln. Das zwei­te State­ment kann ange­sichts der heu­ti­gen Schei­dungs­ra­ten und der zuneh­men­den Zahl von Sin­gle-Haus­hal­ten ja wohl kaum wirk­lich ernst gemeint sein, das ers­te lässt sich ganz leicht z.B. anhand der Ein­kom­mens­un­ter­schie­de zwi­schen Män­nern und Frau­en wider­le­gen, die übri­gens eben­falls von Frau Bisch­off in einer aktu­el­len Stu­die (http://www.dgfp.de/de/content/articles/studie-zu-maennern-und-frauen-im-mittleren-management-wer-fuehrt-in-die-zukunft-1781) unter­sucht und wie­der­um bestä­tigt wurden:
    »Der bereits 1986 fest­ge­stell­te Ein­kom­mens­un­ter­schied zwi­schen männ­li­chen und weib­li­chen Füh­rungs­kräf­ten besteht auch fast 25 Jahr spä­ter noch. Frau­en ver­die­nen im Durch­schnitt deut­lich weni­ger als Män­ner in ver­gleich­ba­rer Posi­ti­on. 62 Pro­zent der befrag­ten männ­li­chen Mana­ger ver­die­nen mehr als 75.000 Euro im Jahr, bei den weib­li­chen Füh­rungs­kräf­ten kom­men nur 33 Pro­zent in die­sen Ein­kom­mens­be­reich. »Im Ver­gleich zu der Ein­kom­mens­ent­wick­lung der Män­ner ist das gera­de­zu ein Desas­ter, das wenig geeig­net ist, die Moti­va­ti­on der Frau­en zu wei­te­rem Auf­stieg anzu­sta­cheln – eher das Gegen­teil ist der Fall«, bemän­gelt Bisch­off in ihrer neu­es­ten Publikation.«

    Für die wei­te­re Dis­kus­si­on wür­de ich dar­um bit­ten, dass du dei­ne State­ments auch mit ent­spre­chen­den Quel­len belegst, sonst führt das hier nicht wirk­lich wei­ter. Behaup­ten kann man Vie­les, ent­schei­dend ist aber, ob man es auch bele­gen kann.

  37. »Die von dir vor­ge­schla­ge­ne Grund­ge­samt­heit »aller Frau­en, wel­che ein poli­ti­sches Man­dat anstre­ben« ist ja bereits stark beein­flusst von den heu­ti­gen Bedin­gun­gen, d.h. der sys­te­ma­ti­schen Benach­tei­li­gung und Unter­re­prä­sen­tie­rung der Frau­en in der Poli­tik. Wenn man das zum Maß­stab machen wür­de, dann wür­de sich tat­säch­lich nie etwas ändern am Frau­en­an­teil in der Politik«

    Dann schau­en wir uns doch ein­fach an, was sich durch die Quo­te bei den Grü­nen ver­än­dert hat!

    Trotz extre­mer Män­ner­dis­kri­mi­nie­rung hat sich der Frau­en­an­teil bis Anfang 2000 auf extrem nied­ri­gen Niveau weit unter­halb der 30% Mar­ke gehal­ten und dies sogar zur abso­lu­ten hoch-zeit der Frau­en­be­we­gung! Geän­dert hat es sich dann auf leicht über 30% weil ver­mehrt Män­ner aus­ge­tre­ten sind. Nicht weil die Frau­en zu uns strö­men würden!!!
    Trotz extre­mer Män­ner­dis­kri­mi­nie­rung also ledig­lich 1/​3 Frauenanteil!!!
    Wie soll dann eine Frau­en­quo­te mit weit weni­ger weit­rei­chen­de­ren Maß­nah­men viel verändern???

    Und wenn wir uns den Anteil der Akti­ven anschau­en, dann sieht es doch noch viel extre­mer aus. Bei prak­tisch jeder Ver­an­stal­tung fol­gen­des Bild: 15–20 Män­ner 2–4 Frauen!!!
    Weil wir Grü­nen die armen Frau­en so schlecht behandeln???
    Wo liegt die »sys­te­ma­ti­sche Benach­tei­li­gung« der Frauen???
    Weil die Män­ner neben ihren Job von durch­schnitt­lich 9h + 2 h /​d Anfahrt es noch schaf­fen sich ehren­amt­lich zu engagieren?
    Übri­gens nicht nur bei den Par­tei­en, son­dern in allen ehren­amt­li­chen Bereichen!!!

  38. @Jan 33

    Bei den paar Abge­ord­ne­ten (138) und dem nied­ri­gen Anteil (25) wird die Dar­stel­lung aber jetzt sta­tis­tisch zumin­dest, sagen wir, schwierig.

    Par­tei | IST | Wäre | Plenum
    CDU | 8 | 12 | 74.669
    Grü­ne | 11 | 14 | ca. 7.800
    SPD | 6 | 11 | 39.275
    FDP | 0 | 2 | ca. 8000
    Gesamt | 25 | 39

    Dass das poli­tisch – gera­de bei CDU und FDP – aus­sa­ge­kräf­tig ist, stimmt. Aber sta­tis­tisch ist das wohl kaum belast­bar. Bei den Mit­glie­der­zah­len bleibt die Aus­wahl rela­tiv beliebig:

    Frau­en­an­teil im Parlament
    Par­tei | gefun­den | wahrscheinlich
    CDU | 13% | 10%-30%
    Grü­ne | 31% | 22%-54%
    SPD | 17% | 16%-46%
    FDP | 0% | 0%-54%

    (Den von Ihnen ange­ge­be­nen Frau­en­an­teil in den Par­tei­en habe ich übernommen.)

  39. lie­ber Jan,

    Frau Prof. Bisch­off ver­steht sich sel­ber expli­zit als Femi­nis­tin und inter­pre­tiert ihre Ergeb­nis­se also auch ideo­lo­gisch rein femi­nis­tisch. Ich habe sehr inten­siv ihr Buch »Wer führt in die Zukunft« 2005 mit ihrer vor­letz­ten Unter­su­chung durch­ge­ar­bei­tet. Die Anga­ben bezo­gen sich vor­al­lem auf die­se Unter­su­chung von Frau­en im mitt­le­ren Management.

    Wenn man die­se Erhe­bung als Daten­ba­sis nimmt, kann man in vie­len Punk­ten nach­wei­sen, dass die Behaup­tun­gen des Femi­nis­mus nicht stim­men und auch die Inter­pre­ta­ti­on von Frau Bisch­off teil­wei­se nicht schlüs­sig ist.
    Sie weißt dort z.b. nach, dass Frau­en wesent­lich stär­ker den fes­ten Gehalts­be­stand­teil ver­han­deln und die Män­ner den höhe­ren varia­blen. Des­halb waren zu die­sem Unter­su­chungs­zeit­punkt (2003) auch die Gehäl­ter der Män­ner um teil­wei­se 30% ein­ge­bro­chen, der der Frau­en aber kon­stant. Hier tau­schen die Frau­en also ein­deu­tig Sicher­heit gegen die »poten­ti­el­le Mög­lich­keit« Geld zu ver­die­nen. Nun zu behaup­ten Frau­en wür­den beim Lohn dis­kri­mi­niert ist mit Ver­laub abso­lu­ter Schwach­sinn. Und aus der Tat­sa­che, dass die weni­gen Frau­en, wel­che eben­falls auf den risi­ko­rei­chen varia­blen Anteil set­zen, Kar­rie­re-ori­en­tiert sind zu fol­gern, dass Frau­en wenn man ihnen höhe­res Ein­kom­men bezahlt Kar­rie­re öfter anstre­ben wür­den ist ein typisch femi­nis­ti­scher Trug­schluss. Denn die Kar­rie­re-ori­en­tier­ten Frau­en ent­schei­den sich für den höhe­ren varia­blen an, weil sie wis­sen dass sie damit gewin­nen. Die Frau­en, wel­che schon von Anfang an wis­sen, dass sie sich nicht voll ein­brin­gen wol­len, die ent­schei­den sich auch wei­ter­hin für den gerin­ge­ren fes­ten Gehalts­be­stand­teil. Die ein­zi­ge schlüs­si­ge Schluss­fol­ge­rung dar­aus ist, dass Kar­rie­re-ori­en­tier­te Frau­en genau­so hohes Gehalt haben wie ihre männ­li­chen Kol­le­gen und die nicht-kar­rie­re-ori­en­tier­ten eben gerin­ge­res Gehalt, dafür aber sicher.

    Genau­so ideo­lo­gisch moti­vier­te Umin­ter­pre­ta­ti­on ist es, wenn die Beur­tei­lung von Frau­en extrem nega­tiv ist zu behaup­ten, dass Frau­en ande­re Frau­en kri­ti­scher beur­tei­len wür­den. Natür­lich! Der Grund liegt aber nicht dar­an, dass Frau­en so furcht­bar kri­tisch wären, son­dern weil Män­ner sich nicht trau­en Kri­tik an weib­li­chen Kol­le­gen aus­zu­spre­chen oder auch nur anzu­deu­ten. Wer das tut wird in unse­rer Gesell­schaft sofort einen Kopf klei­ner gemacht. Die Frau­en sagen also ohne gesell­schaft­li­chen Zwang zur Lob­hud­dellei ein­fach die Wahr­heit über ande­re Frauen.
    Es deckt sich übri­gens auch mit einer gan­zen Men­ge wei­te­rer Unter­su­chun­gen. Wie schon gesagt hat die­ses Phä­no­men sogar einen wis­sen­schaft­li­chen Namen »queen bee syndrom«.

    Mal davon abge­se­hen, glaubst du ernst­haft, dass eine sehr jun­ge Frau direkt von der Uni genau­so qua­li­fi­ziert ist als ein Mann Mit­te 40 und 15 Jah­ren Berufs­er­fah­rung? Und auch dies zeigt Frau Bisch­off, die Frau­en wer­den alle viel frü­her beför­dert auf­grund der viel beschwo­re­nen Frau­en­för­de­rung. Von wegen Diskriminierung!!!

    Der Punkt ist aber, dass die Frau­en mit Mit­te bis Ende 30 ein­fach alle auf­hö­ren zu arbei­ten, obwohl die Fir­men alles dar­an set­zen sie zu hal­ten. Es sind tat­säch­lich fast 100% wel­che aufhören!!!
    Wieso?
    Weil sie bis dahin erlebt haben was es bedeu­tet Kar­rie­re zu machen. Das es eben kein zucker­schle­cken ist, son­dern man buch­stäb­lich prak­tisch jede wache Minu­te eines Tages für die Fir­ma arbei­tet. Mit­te Ende 30 stellt sich ihnen die Fra­ge, ob sie so wei­ter machen wol­len oder doch eine Fami­lie haben wol­len. Da geht es nicht um Kin­der­be­treu­ung! Die könn­ten sich 5 Kin­der­mäd­chen leis­ten! Son­dern es geht dar­um, ob sie bis 67 Jah­re ihre gesam­te Wache Zeit mit einem Unter­neh­men ver­brin­gen wol­len. Oder alter­na­tiv sich aus dem Beruf zurück­zie­hen, dass Geld­ver­die­nen ihrem eben­falls gut ver­die­nen­den Mann über­las­sen und lie­ber mit den Kin­dern die Zeit ver­brin­gen wol­len. Dies Frau­en haben mit Ende 30 schon fast alles erreicht! Die brau­chen sich und ande­ren nichts mehr bewei­sen und ent­schei­den sich fürs nicht-arbei­ten. Ganz einfach!
    Dar­aus den Fir­men einen Vor­wurf zu machen ist ver­lo­gen bis zum geht nicht mehr!
    Es wäre nur zu ändern, wenn man den Frau­en kei­ne Wahl mehr las­sen wür­de. Wenn sie gezwun­gen wären wei­ter zu arbeiten!
    http://www.zeit.de/2005/10/W_Topmanagement

    Die Män­ner haben sol­che Alter­na­ti­ven nicht! I.d.R. schon des­halb nicht weil ihre Frau erwar­tet, dass er Geld nach Hau­se bringt. Tut er es nicht sucht sie sich eben einen Mann der es macht. Frau­en hei­ra­ten aus­schließ­lich Sta­tus-höhe­re Män­ner, was gene­tisch bedingt ist.
    Ganz davon abge­se­hen muss irgend­wer schließ­lich die Rech­nun­gen bezah­len, wäh­rend sie mit den Kin­dern spielt. Und mit Kin­dern spie­len ist ver­dammt ent­spann­ter als das Geld ran zu schaf­fen und nie­mand weiß das bes­ser als die­se Frauen!

    Übri­gens spielt die Schei­dungs­ra­te hier kei­ner­lei Rol­le im Bewusst­sein der Frau­en. Sie gehen schließ­lich immer davon aus, dass es für immer und ewig ist. Außer­dem fin­den sie auch nach einer Schei­dung immer schnell einen neu­en Versorger.
    Zu den Aus­wir­kun­gen von Schei­dun­gen emp­feh­le ich den 1. Öster­rei­chi­schen Män­ner­be­richt des dor­ti­gen Frau­en- und Män­ner­mi­nis­te­ri­ums. Der zeigt wie extrem ungleich die Fol­gen für die Geschlech­ter sind.

  40. Ich habe ja nichts gegen aus­schwei­fen­de (und vor mir aus auch kon­trä­re) Debat­ten – letzt­lich darf sich jede und jeder selbst so gut bla­mie­ren, wie er/​sie kann. Trotz­dem fra­ge ich mich, ob die all­ge­mei­ne Femi­nis­mus­de­bat­te (samt der hier von Tobi­as ver­tre­te­nen Posi­ti­on des, darf ich das so sagen, mas­ku­lis­ti­schen Anti­fe­mi­nis­mus*) hier wirk­lich sooo ziel­füh­rend ist – ich habe oben ja ganz bewusst drauf hin­ge­wie­sen, dass ich die sehr unglei­che Reprä­sen­ta­ti­on der Geschlech­ter nur als ein Indiz dafür sehe, dass das Wahl­sys­tem einen bestimm­ten Typus präferiert. 

    * Ich habe defi­ni­tiv kei­ne Lust, auf die Argu­men­te ein­zu­ge­hen, auch wenn ich dazu sei­ten­lang was schrei­ben könn­te. Allein schon die Annah­me, dass »Mit Kin­dern spie­len« ent­span­nen­der ist als »das Geld ran zu schaf­fen« … als Halb­zeit­pa­pa und Halb­zeit­er­werbs­tä­ti­ger wür­de ich das jeden­falls nicht unter­schrei­ben. Und die meis­ten ande­ren von Tobi­as hier ange­führ­ten Argu­men­te schei­nen mir eine ähn­lich kur­ze Halb­werts­zeit zu haben.

  41. @Till: Vie­len Dank für die­ses tref­fen­de Schluss­wort, Till! :-) Dem habe ich nichts hin­zu­zu­fü­gen. Nur viel­leicht, dass mir bis­her nicht bewusst war, dass es offen­sicht­lich auch bei den Grü­nen »mas­ku­lis­ti­sche Anti­fe­mi­nis­ten« gibt. :-)

  42. Queen Bee:

    »While the sex of their mana­ger makes no dif­fe­rence to men, women suf­fer more from depres­si­on, hea­da­ches and insom­nia if they take their orders from a mem­ber of the same sex.« Uni­ver­si­ty Toronto

    http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1061416/Beware-Queen-Bee-boss–shes-hell-work-I-know‑I–says-Carol-Sarler.html
    http://www.dailymail.co.uk/femail/article-1059997/Why-women-harder-working-Queen-Bee-male-boss.html

    http://mobar.typepad.com/legalpad/2009/01/the-queen-bee-syndrome.html

  43. lie­ber Till,

    das ist doch jetzt schwach. Ich bin übri­gens nicht nur Teil­zeit­pa­pa, son­dern sogar voll­zeit­pa­pa und weiß wovon ich rede!
    Kin­der­be­treu­ung ist den gan­zen Tag nicht so stres­sig wie auch nur 1 Stun­de im Job. Es sei denn du hast ein Schreikind.

    Die­se Dis­kus­si­ons­ver­wei­ge­rung ist doch typisch. Sobald jemand fun­dier­te Gegen­ar­gu­men­te bringt, dann ver­sucht man ihn tot zu schwei­gen, weil man schließ­lich die Dis­kurs­ober­heit in Deutsch­land hat als Feminist.
    Wenn du willst kön­nen wir auch ger­ne in einem ande­ren Rah­men diskutieren.

    Ich durf­te den Femi­nis­mus nun wirk­lich aus aller­nächs­ter Nähe bei den Grü­nen stu­die­ren. Die femi­nis­ti­sche Argu­men­ta­ti­on ist voll­kom­men absurd und ver­dreht die Rea­li­tät um 180° und dies aus­schließ­lich, um Pri­vi­le­gi­en für Frau­en zu rechtfertigen.

  44. Quatsch. Ich habe nur drauf hin­ge­wie­sen, dass ich kei­ne Lust dar­auf habe, mich hier und jetzt auf eine Debat­te ein­zu­las­sen, die nichts mit der Fra­ge »Führt das Wahl­recht in Baden-Würt­tem­berg zu einer ver­zerr­ten Reprä­sen­ta­ti­on?« zu tun hat.

    Im übri­gen weiß ich ja nicht, was du für ein Kind/​für Kin­der hast – mei­ne bei­den sind ganz lieb, haben aber ihren eige­nen Kopf, und sich um sie zu küm­mern (geht ja nicht nur um Spie­len) ist defi­ni­tiv min­des­tens ähn­lich anst­re­gend wie Erwerbs­tä­tig­keit. Ich habe da übri­gens bewusst »Halb­zeit­pa­pa« geschrie­ben, sprich: ich bin zu ziem­lich genau 50% für mei­ne Kin­der zustän­dig, auch zeit­lich gesehen.

    Je nach­dem, was für ein Job als Ver­gleich her­an­ge­zo­gen wird, was mensch per­sön­lich als stres­sig emp­fin­det, und wie alt die Kin­der sind, mag so ein Ver­gleich trotz­dem anders aus­fal­len. Aber ein­fach mal mit der n=1‑Erfahrung des eige­nen Bei­spiels zu behaup­ten, dass Kin­der­be­treu­ung leich­ter als Erwerbs­ar­beit ist, ist nun ein­fach kein fun­dier­tes Arg­ment (und zur Debat­te über das Wahl­recht trägt es erst recht nicht bei).

    Ähn­li­ches lie­ße sich über dei­ne Wahr­neh­mung der Grü­nen sagen – mei­ne sieht ganz anders aus, und ich bin seit Mit­te der 1990er Jah­re dabei.

    Kurz­um: auf wei­te­re Debat­ten hier­zu wer­de ich mich hier nicht einlassen.

  45. till,

    du musst aber einen extrem ent­spann­ten Job haben …

    Übri­gens ist das was ich schrei­be sogar im Frau­en­mi­nis­te­ri­um als Fakt unbe­strit­ten. Bloss bei den Schluss­fol­ge­run­gen ist man unter­schied­li­cher Mei­nung. Ich hat­te einen wun­der­ba­ren Rede­bei­trag von Rena­te Schmidt, aber der wur­de inzwi­schen von der HP des Minis­te­ri­ums gelöscht.

    Rena­te Schmidt sag­te »Frau­en wol­len nicht in männ­li­cher Ein­di­men­sio­na­li­tät leben«. Des­halb soll­te der Leis­tungs­ge­dan­ke in den Unter­neh­men eli­mi­niert wer­den, damit Frau­en an die Spit­ze »wol­len«.

    Übri­gens hat­test du zu einer Femi­nis­mus­de­bat­te hier ein­ge­la­den auf twitter.

    Außer­dem zeigt doch das Ergeb­nis der Wahl, dass die Men­schen, wenn sie denn tat­säch­lich wäh­len dür­fen, wer sie reprä­sen­tie­ren soll meist gera­de nicht die unfä­hi­gen Quo­ten­frau­en wol­len. Sich dann dar­über zu beschwe­ren, dass die blö­de Bevöl­ke­rung nicht talent­freie Quo­ten­frau­en wäh­len will ist schwach.

    Die belieb­ten Ver­eins­mei­er sind eben die Men­schen, wel­che extrem viel Zeit und Arbeit inves­tie­ren, damit die Leu­te sie ken­nen und mögen ler­nen. Das ist natür­lich ein bestimm­ter Schlag Mensch, aber genau den wün­schen sich die Men­schen. Damit muss ich genau­so klar kom­men wie es eine Frau muss.

    Übri­gens kann man bei uns in RLP auch Leu­te von den Wahl­lis­ten strei­chen bei der Kom­mu­nal­wahl. Die Fol­ge ist regel­mä­ßig das die Frau­en 2–6 Plät­ze nach unten rut­schen. Wes­halb wohl?

  46. „Im kon­kre­ten Fall ging es um einen Arti­kel des »New Eng­land Jour­nal of medicine<>Anlass der Stu­die war die Beob­ach­tung, dass die­se Pos­ten meist von Män­nern beklei­det wur­den, obwohl der Frau­en­an­teil in der Kin­der­heil­kun­de beson­ders groß ist. Um die Ursa­che aus­fin­dig zu machen, wur­de die Ver­tei­lung der Arbeits­zeit auf die drei Berei­che Kran­ken­ver­sor­gung, Leh­re und For­schung unter­sucht. Dabei zeig­te sich, dass Frau­en einen grö­ße­ren Anteil ihrer Arbeits­zeit auf Kran­ken­ver­sor­gung (46%) und Leh­re (31%) ver­wen­den als Män­ner (44 bzw. 30%), aber einen klei­ne­ren (23 gegen­über 26 %) mit For­schung zubrin­gen. Die­ser Unter­schied war sta­tis­tisch signi­fi­kant. Da wis­sen­schaft­li­che Pro­duk­ti­vi­tät für eine aka­de­mi­sche Kar­rie­re uner­läss­lich ist, schließt die Stu­die mit der Fest­stel­lung, dass Frau­en in ihrem beruf­li­chen Fort­kom­men benach­tei­ligt sind, weil sie mehr Zeit in die Kran­ken­ver­sor­gung und Leh­re inves­tie­ren als Män­ner.« Ein Ergeb­nis wie aus dem femi­nis­ti­schen Bil­der­buch: Die Frau­en opfern sich in sozia­len Tätig­kei­ten auf, wäh­rend die Män­ner nur an ihr Renom­mee in der Fach­welt den­ken und sie dadurch kalt­lä­chelnd überholen.

    Die­se Schluss­fol­ge­rung ist jedoch falsch. In der Unter­su­chung wird bei­läu­fig erwähnt, dass die Frau­en im Durch­schnitt 60,5, die Män­ner im Mit­tel 64,4 Stun­den wöchent­lich arbei­ten. Aus die­sen Anga­ben kann man die tat­säch­lich geleis­te­ten abso­lu­ten Arbeits­stun­den berech­nen und stellt fest, dass die Män­ner nicht nur mehr Zeit für For­schung, son­dern auch für Leh­re und Kran­ken­ver­sor­gung auf­wen­den… Die gerin­ge­ren Auf­stiegs­chan­cen der Kin­der­ärz­tin­nen in den USA sind daher nicht auf ihre stär­ke­re Belas­tung mit Rou­ti­ne­auf­ga­ben zurück­zu­füh­ren, son­dern dar­auf, dass die männ­li­chen Kol­le­gen im Beruf signi­fi­kant mehr arbei­ten. … Unse­ren Leser­brief, in dem wir auf die­sen Trug­schluss hin­wie­sen, hat die Zeit­schrift nicht abgedruckt.“

    Arne Hoff­mann, Sind Frau­en bes­se­re Menschen?

  47. Jan, ich glau­be die Zeit-Leser haben in ihren Kom­men­ta­ren schon alles zu die­ser Stu­die gesagt. Lei­der wird sol­cher Non­sens per­ma­nent auf Bestel­lung ans Minis­te­ri­um abgeliefert.

    Unglaub­lich! Man fragt 30 Män­ner wie sie es sich erklä­ren war­um so weni­ge Frau­en in Füh­rungs­eta­gen sind, die äußern ihre Ver­mu­tung!!!, und dar­aus bas­telt man dann eine glä­ser­ne Decke. Abso­lut unglaub­lich, dass sowas sich als Wis­sen­schaft bezeich­nen darf.

    Und die objek­ti­ve Beob­ach­tung, dass es ein­fach zu weni­ge Frau­en mit Qua­li­fi­ka­ti­on gibt, wird dann auch noch als Dis­kri­mi­nie­rung ausgelegt…
    Ein­fach unglaublich!

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