Definitiv weder Science Fiction noch Fantasy ist die ARTE-Doku, auf die ich aufmerksam gemacht wurde, nachdem ich auf Mastodon über mein Mai-Rabbithole berichtet hatte. Das bestand, wie im nebenstehenden Bild zu sehen, darin, in Bricklink Studio viel Zeit damit zu verbringen, die typische Architektur von Städten wie Kopenhagen oder eben Amsterdam in virtuellen Lego-Modellen nachzubauen. Das macht Spaß, weil anders als in realem Lego a. viel Platz da ist (die aktuelle Datei mit über 140.000 Legobausteinen bringt meinen PC dann allerdings an seine Grenzen), b. die Modelle nichts kosten und c. modularisiertes Bauen einfach möglich ist. Jedenfalls führte das zu Torstens Hinweis auf die leider nur noch bei Youtube und nicht mehr in der ARTE-Mediathek zu findende, dreieinhalbstündige Doku The Magnificient Three: Amsterdam – London – New York. Eigentlich gar nicht mein Genre, aber dann doch ein sehr gut gemachter Blick auf die eng mit einander verwobene Geschichte aus Kapitalismus, Religionskriege, Städtebau und Kolonialisierung, die auch erklärt, warum die drei Städte so aussehen, wie sie aussehen. Etwas diversere Expert*innen hätten der Serie gut getan, aber das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt. Danke also für die Empfehlung!
Gelesen habe ich natürlich auch – unter anderem einen der diesjährigen Locus-Gewinner, nämlich das sehr cute Comicbuch The Space Cat (2025) von Nnedi Okorafor und Tana Ford. Die etwas außerirdische Katze Periwinkle erzählt von ihren Abenteuern in den USA und in Nigeria, und rettet nebenbei die Welt – es passiert also gar nicht so viel, trotzdem eine sehr nette Sache.
Mit rund 300.000 Einwohner*innen ist Augsburg vermutlich eine der wenigen großen deutschen Städte, die ich bisher nicht besucht habe – ein Vorteil politischen Engagements besteht darin, zu Jugendkongressen, Parteitagen, Bundesarbeitsgemeinschaftssitzungen und dergleichen mehr doch ziemlich im Land herumzukommen. Warum allerdings der nächste Länderrat auf Rügen stattfinden soll – egal, ich schweife ab. Zurück zu Augsburg. Wenn ich jetzt nichts übersehe, dann war ich Mitte April tatsächlich zum ersten Mal in der Stadt. Eine spontane Entscheidung, von Stuttgart aus ist es mit dem ICE ein Katzensprung. Ein paar Stunden Mitte April bei Nieselregen waren jetzt nicht unbedingt die optimalen Bedingungen, um Augsburg kennen zu lernen, trotzdem halte ich für mich schon mal fest, dass ein weiterer Besuch mit mehr Zeit und bei besserem Wetter keinesfalls ausgeschlossen ist. Da scheint es einiges zu entdecken zu geben (Fotos hier).
Auslöser für den Besuch in der schwäbischen Reichsstadt war neben allgemeiner Neugierde der Wunsch, ein Gefühl dafür zu bekommen, was in dieser Stadt im 15. Jahrhundert passiert ist. Deswegen bin ich nicht auf Brechts Spuren gewandelt, sondern habe mir das Maximilianmuseum angeschaut und bin dann eher zufällig noch auf die Fuggerei gestoßen – eine seit 1521 bestehende katholische Sozialsiedlung in Stadtteilsgröße, und eine interessante Variante heutiger „intentional communities“ und Wohnprojekte. Verwaltet wird die Fuggerei von einer Stiftungsadministration; faktisch gehört sie den drei Adelslinien Fugger von Glött, Fugger-Babenhausen und Fugger-Kirchberg mit Schlössern, Landbesitz und 3200 ha „Stiftungswald“, aus dessen Erträgen die Fuggerei „in Ewigkeit“ finanziert wird.
Gegründet wurde das Projekt Fuggerei 1521 durch den Augsburger Kaufmann Jakob Fugger (1459–1525); der Sohn von Jakob Fugger dem Älteren war seinerzeit der bedeutendste Bankier Europas. Wirtschaftlich erfolgreich wurde er insbesondere durch den Abbau von Kupfer, Silber, Zinnober und Quecksilber in Minen vom heutigen Tschechien bis nach Spanien. Er finanzierte den Aufstieg des Habsburgers Maximilian I. zum Kaiser ebenso wie diverse Kriege und Militärzüge. Zudem gab es wohl Beteiligungen an See-Expeditionen nach Indien. 1511 wurde der Kaufmann in den Adelsstand erhoben, 1514 zum Reichsgrafen erhoben. Zum Zeitpunkt seines Todes war der kinderlose Fugger der reichste Unternehmer Europas.
Die damalige Fugger-Wirtschaftselite firmierte unter „Fugger von der Lilie“, begründet durch Jakobs Vater, Jakob der Ältere; ein zweiter, später weniger erfolgreiche Zweig der Familie wurde „Fugger zum Reh“ genannt, ausgehend von Andreas Fugger (dem Bruder von Jakob dem Älteren). Jakob der Reiche war demnach also ein Neffe von Andreas. [Und der, Andreas, ist wiederum, ein Ur-ur-ur-…-Großvater von mir (18 Generation, also 16 mal „ur“, wer’s genau wissen will). Daher rührt dann auch eine gewisse persönliche Neugierde, mir Augsburg mal anzusehen.] Allerdings starb Andreas, bevor sein Neffe geboren wurde – je nach Quelle ein paar Tage vorher, wenn die Wikipedia stimmt, zwei Jahre zuvor an der Pest, das wäre dann 1457. Während Andreas Fugger geschäftlich erfolgreich war, in die Patrizierschicht der Stadt Augsburg einheiratete (seine Frau war Barbara Stammler vom Ast) und ebenfalls als „der Reiche“ bekannt wurde, begann wohl schon in der folgenden Generation – mit Lukas I. Fugger vom Reh – der wirtschaftliche Niedergang seiner Unternehmungen. Genauer gesagt: ein Darlehen von 10.000 Gulden für Kaiser Maximilian (Garantie: die Stadt Leuwen) platzte und führte Lukas Fugger in die Insolvenz. Möglicherweise ist diese Geschichte von Aufstieg und Fall in der familiären Nachbarschaft Jakob Fuggers ein Anlass für die Gründung der Fuggerei.
Bis Mitte des 17. Jahrhunderts sind meiner Vorfahr*innen dieser Linie – über Andreas Tochter Ursula, die in die Familie Haug einheiratete – noch in Augsburg zu finden, danach geht es über Nördlingen nach Leutkirch. Interessant beim Besuch in der Stadt und im Maximilianmuseum war entsprechend nicht nur der Blick auf die allgegenwärtigen Fugger, sondern auch auf weitere Namen aus der Stadtgeschichte, die mir aus dem Stammbaum bekannt vorkamen.
Wer die Linie von meinem Großvater Otto Westermayer bis zu den Augsburger*innen nachvollziehen will, kann das hier tun:
Unsere Katze Nox bringt – wie wohl alle Katzen – einige Eigenheiten mit. Eine davon ist die, dass sie ihre höchstprivate Katzenklappe nur im Notfall verwenden mag, um das Haus zu verlassen, und eigentlich nie, um das Haus zu betreten. Statt dessen wartet sie mehr oder weniger geduldig (und zunehmend lauter miauend) vor Türen, bis ihr endlich jemand aufmacht. Oder sie klettert, wenn wir in der Küche am Esstisch sitzen, auf die Fensterbank des Küchenfensters – Pfotenabdrücke zeugen davon. Das kann durchaus mit einem Moment des Erschreckens verbunden sein. Wer würde gelassen bleiben, wenn plötzlich vor dem Fenster ein kleiner schwarzer Nachtdämon auftaucht?
Es soll ja wieder kälter werden, nachdem es in den letzten Tagen erst frühlingshaft und dann regnerisch war. Das Foto ist noch aus der Zeit vor diesem kurzen Frühlingseinbruch und zeigt das Neue Schloss in Stuttgart (in dem u.a. das Finanzministerium untergebracht ist) an einem der Schneetage.
Massig Schneeglöckchen im Vorgarten, als erster zarter Hinweis darauf, dass der Winter bald mal vorbei sein könnte. Wobei wir hier in der Freiburger Gegend schon einige Tage mit frühlingshaften Temperaturen in diesem Jahr hatten, und Eisschollen, Schnee und glatte Straßen nur etwas ist, was in den Social-Media-Feeds aus dem Norden der Republik zu sehen ist.
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