Gerade ist das bei meinen beiden Kindern eine extrem spannende Zeit. Die Ältere kann jetzt lesen – noch etwas stockend, aber allmählich in einer Geschwindigkeit, in der Bücher Spaß machen. Eine ganz neue Welt. Und der Jüngere hat Buchstaben und Zahlen entdeckt – nicht nur, um damit Fische auf seiner Magnettafel zu basteln, sondern auch, um zu zählen. Und „Ist das ein Rrr? Und das ein Sss?“ zu fragen. Spannend.
Merkels Mobiltelefon, menschliche Bedürfnisse und die Allgegenwart der Risiken
Angela Merkel, das ist doch die Kanzlerin, die gerne SMS von der Regierungsbank verschickt. Das fällt mir jetzt wieder ein, wo das #merkelphone zum Hashtag von Rang aufgestiegen ist.
Jetzt, nach der Bundestagswahl, nach Beginn der Koalitionsverhandlungen und nach der Entlassung (und kommissarischen Fortführung des Amtes) taucht im Licht der Öffentlichkeit auf, dass Merkel eine der Staatschefinnen und Regierungschefs ist, die vom US-Geheimdienst NSA abgehört wird (wie die FAZ weiß, auf dem für Regierungsdinge genutztem Parteihandy). Eine weitere Spätfolge der Snowden-Enthüllungen. Vielleicht – ich bin mir da noch nicht sicher – der Auslöser dafür, dass das Thema Überwachung neu entflammt und zu tatsächlichen politischen Veränderungen führt. Schließlich ist Merkel ja auch die Kanzlerin der spontanen Wende. Wir werden es sehen; aktuell würde ich allerdings gleich große Chancen dafür sehen, dass das Thema in wenigen Tagen wieder in der Versenkung verschwunden ist, Schwamm drüber.
Photo of the week: Pink/orange series VII
Am Wochenende – von Freitag bis Sonntag – fand die grüne Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) in Berlin statt. Das ist so eine Veranstaltung, nach der eine Woche Urlaub gut tun würde. Am Montag und Dienstag tagte der AK Wissenschaft, Forschung und Kunst der Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg in Ulm. Für mich hieß das volles Programm seit Freitag früh, deswegen kommt das Foto der Woche mit ein bisschen Verspätung erst heute.
Ach ja – ich fand die BDK übrigens sehr konstruktiv. In den Presseberichten spiegelt sich das nicht wirklich wieder, aber nach innen war es ein Parteitag, des sich sehr ernsthaft der Aufarbeitung der Wahlschlappe gewidmet hat, der dann – in der Verabschiedung von Claudia Roth und den übrigen jetzt abtretenden Bundesvorstandsmitgliedern und Fraktionsvorsitzenden – extrem emotional war und dazu beitrug, die Partei zusammenzubringen, und bei allen unterschiedlichen Auffassungen über den besten zukünftigen Kurs, zu einen. Und in der Neuwahl des Vorstands und des Parteirats hat sich insgesamt eine Neubesetzung ergeben, mit der ich sehr zufrieden bin, und die mich zuversichtlich macht, dass es wieder aufwärts geht. Insofern war der Parteitag für mich ein Aufbruchsignal. Blümchen dazu!
Kurz: Koalitionsspiele, taktische
Eigentlich ist die Koalitionssituation nach dieser Wahl so offen wie noch lange nicht. Aber die Welt spielt verrückt: Konservative Sozialdemokraten fordern zu Schwarz-Grün auf. Führende Realos und Realas sagen, dafür sei die Zeit noch nicht reif. Die dominierenden Figuren des linken Lagers bei uns halten dagegen die LINKE nicht für regierungsfähig – es sei deswegen nicht sinnvoll, die rechnerische Option Rot-Rot-Grün zu sondieren. Die LINKE wiederum scheint nicht ernsthaft an Koalitionsgesprächen Interesse zu haben. Neuwahlen wären auch eine Option – wenn jemand aus der Stimmenmehrheit von CDU/CSU, AFD und FDP auch eine Sitzmehrheit machen will. Aber alle zusammen gehen sie davon aus, dass es am Schluss selbstverständlich eine 80%-Koalition aus CDU/CSU und SPD geben wird, SPD-Basisvotum hin oder her. Wenn überhaupt, ist 2017 im Blick. Was insgesamt schade ist – weil fast alles andere, inklusive eine Minderheitsregierung Merkel, mehr bewegen würde als eine Große Koalition.
Photo of the week: Vineyard IX
Quasi das Gegenstück zum letzten Foto der Woche: Das ist von der Stadtbahnbrücke aus Richtung Schönberg aufgenommen worden, dieses hier ist auf dem Schönberg entstanden, mit Blick in die Stadt (und auf die Roßkopf-Windräder). Etwa im ersten Drittel des Bildes sind die Bahnhofshochhäuser Freiburgs zu sehen.
Kleine Anekdote hierzu noch: Ich hatte schon seit einigen Wochen vor, mal einen Ausflug zum Schönberg zu machen, und habe das dann immer wieder vor mir hergeschoben. Letzten Samstag – kinderfrei und ohne Parteitermin – ist es mir dann endlich gelungen, eigentlich liegt er vom Rieselfeld aus ja auch ganz nah mit dem Rad. Kaum war ich beim Schönberg angelangt, fing’s dann recht heftig an zu regnen. Umdrehen oder weitergehen? Ich bin den Berg hoch spaziert – und wurde von einem fantastischen Regenbogen belohnt. Wer ganz genau hinschaut, sieht auf einem der Bilder sogar einen hoffnungsfrohen Doppelregenbogen. (Dass die Temperaturen in den letzten Tagen dann auf 3–6 °C gesunken sind, ist eine andere Geschichte).




