Photo of the week: Spring forest XII

Spring forest XII

 
In weni­gen Tagen jährt sich Tscher­no­byl zum drei­ßigs­ten Mal. Ich erin­ne­re mich noch gut dar­an – elf Jah­re alt, war­mes schö­nes Wet­ter Ende April/Anfang Mai, sat­te grü­ne Wie­sen vol­ler Son­nen­strah­len, ein Besuch im All­gäu auf dem Bau­ern­hof mei­nes Onkels. Dann Nach­rich­ten über erhöh­ten Strah­len­wer­te in Schwe­den im Radio, spä­ter die Gewiss­heit, dass es in dem sowje­ti­sche Reak­tor in Tscher­no­byl einen Super-GAU gab. Bericht über die radio­ak­ti­ve Wol­ke und den Fall­out, „drau­ßen“ plötz­lich als gefähr­li­cher Ort, gesperr­te Spiel­plät­ze und Sand­käs­ten, kei­ne Frisch­milch und kein Pilzesammeln.

Auch das sind Asso­zia­tio­nen, die der kraft­voll grü­nen­de Früh­ling jedes Jahr wie­der in mir auslöst. 

Hier am Ober­rhein ist der Tscher­no­byl-Jah­res­tag Anlass für Demons­tra­tio­nen und Mahn­wa­chen auf den Rhein­brü­cken oder bei dem noch immer nicht abge­schal­te­ten fran­zö­si­schem AKW Fes­sen­heim. Die­ses Jahr bin ich – mit schlech­tem Gewis­sen, weil es sich ja eigent­lich gehört (selbst die loka­le Gra­tis­zei­tung hat’s als The­ma auf Sei­te eins) – nicht hin­ge­gan­gen; zu vie­le Poli­tik­ter­mi­ne und zu wenig Wochen­en­de in letz­ter Zeit.

Kurz: Ein wenig mehr Gelassenheit, bitte – auch bei Doppelspitzenfragen

In der Süd­deut­schen Zei­tung ist heu­te – lei­der hin­ter einer Pay­wall – ein lan­ges Inter­view mit Minis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann erschie­nen. In die­sem Inter­view wird er – neben vie­len ande­ren Din­gen – auch zum The­ma Dop­pel­spit­ze gefragt, und zwar in Bezug auf die anste­hen­de Nomi­nie­rung von Spitzenkandidat*innen auf Bun­des­ebe­ne. Er ant­wor­tet dar­auf, dass er seit 30 Jah­ren gegen Dop­pel­spit­zen gekämpft habe, und „[man] in man­chen Din­gen […] als Poli­ti­ker auch mal resi­gnie­ren [muss]“. Zudem macht er deut­lich, dass er durch­aus die femi­nis­ti­sche Begrün­dung für die Dop­pel­spit­ze nach­voll­zie­hen kann („inso­fern ein ver­nünf­tig­tes Prin­zip“), dass er aber den aus­ta­rier­ten Flü­gel­dua­lis­mus ablehnt. Da sei es bes­ser, „sich für den einen oder den ande­ren Weg zu entscheiden“.

Eigent­lich ist der Nach­rich­ten­wert die­ser Aus­sa­ge gering. Dass Kret­sch­mann wenig von Dop­pel­spit­zen hält, ist seit län­ge­rem bekannt, und dass er in Inter­views nicht unbe­dingt ein Blatt vor den Mund nimmt, auch. Auch dafür wird er übri­gens geschätzt. Ver­fah­rens­fra­gen zur Urwahl ste­hen akut nicht zu Dis­kus­si­on. Den­noch tobt seit heu­te mor­gen ein Sturm der Empö­rung durch die Online­me­di­en­welt. Die jour­na­lis­ti­schen Spür­na­sen wit­tern, dass sich hier ein Keil zwi­schen grü­ne Par­tei, ins­be­son­de­re grü­ne Bun­des­par­tei, und den baden-würt­tem­ber­gi­schen Wahl­sie­ger trei­ben las­sen könn­te. Und gehen voll drauf, nut­zen jeden Reflex aus, und die Reak­tio­nen sind die erwart­ba­ren. Pro­fes­sio­nell ist das nicht, und den Ein­druck einer sou­ve­rä­nen Par­tei erweckt das Gesamt­bild auch nicht gerade.

Ich hal­te es, um das deut­lich zu sagen, und obwohl ich für eine Frak­ti­on mit nur einer Vor­sit­zen­den arbei­te, für falsch, das grü­ne Dop­pel­spit­zen­prin­zip abzu­schaf­fen. Aus geschlech­ter­po­li­ti­schen Über­le­gun­gen her­aus, weni­ger wegen der Flü­gel­pa­ri­tät. Bei­spiel lau­fen­de Urwahl: da kann durch­aus ein Rea­la-Rea­lo-Duo her­aus­kom­men. Ich sehe ein gewis­ses Pro­blem, wenn der grü­ne Anspruch der Min­dest­quo­tie­rung auf n=1‑Posten prallt, wenn es also dar­um geht, z.B. eine Ober­bür­ger­meis­te­rin oder einen Ober­bür­ger­meis­ter zu nomi­nie­ren. Oder eine Kanz­ler­in­kan­di­da­tin oder einen Kanz­ler­kan­di­da­ten. Oder Direktkandidat*innen im baden-würt­tem­ber­gi­schen Land­tags­wahl­recht. Anders als bei Gre­mi­en und Wahl­lis­ten greift hier das grü­ne Frau­en­sta­tut nicht, und dem­entspre­chend soll­ten wir uns viel­leicht doch noch­mal Gedan­ken dar­über machen, wie grü­ne Geschlech­ter­po­li­tik hier sinn­voll umsetz­bar ist. Denn bis­her, das zeigt der Blick auf grü­ne Bürgermeister*innen repu­blik­weit, haben wir da doch einen deut­li­chen Män­ner­über­hang. Für Par­tei­vor­sit­zen­de (und eigent­lich auch für Frak­ti­ons­vor­stän­de) spricht aus mei­ner Sicht jedoch nach wie vor viel für Dop­pel­spit­zen. Und das wird auch dadurch nicht in Fra­ge gestellt, dass ein Minis­ter­prä­si­dent dazu eine ande­re Mei­nung hat. Darf er, darf er mei­ner Mei­nung nach auch äußern, zum heim­li­chen Vor­sit­zen­den und Leit­wolf wird er dadurch nicht. Letzt­lich ent­schei­det hier aus guten Grün­den die Par­tei. Und die steht bis­her fest – und ganz unauf­ge­regt – zum Frauenstatut.

P.S.: Poli­tisch viel rele­van­ter ist aus mei­ner Sicht die Fra­ge, ob das mit der annä­hern­den Quo­tie­rung beim Kabi­nett Kret­sch­mann II klap­pen wird.

Photo of the week: Apple flower

Apple flower

 
Der April macht sei­nem Namen alle Ehre – nach Früh­lings­son­nen­schein gab’s in den letz­ten Tagen hef­ti­gen Regen. Und nach dem Regen trock­nen die Obst­baum­blü­ten wieder.

Kurz: Too much to blog

Dass es hier aktu­ell etwas ruhi­ger ist, hat den ein­fa­chen Grund, dass die letz­ten zehn Tage bei mir durch die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen gefüllt waren. Par­al­lel dazu hat­te es mein Kind geschafft, mit dem Fahr­rad gegen eine Wand zu sau­sen und mit Gehirn­er­schüt­te­rung und gebro­che­ner Nase im Kran­ken­haus zu lan­den. R. geht’s inzwi­schen wie­der deut­lich bes­ser, und auch die Stutt­gar­ter Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen sind nach Abschluss der Fach-AGs auf gutem Weg. Inso­fern besteht Hoff­nung, dass dem­nächst auch hier wie­der inhalt­li­ches zu lesen ist. Mor­gen gibt’s erst­mal ein Foto der Woche, und dann sehen wir weiter.

Photo of the week: Euphrasy meadow

Euphrasy meadow

 
Falls jemand Welt­ge­gen­den kennt, in denen immer ent­we­der Früh­ling (mit rund 20–25 Grad in der Son­ne) oder not­falls dann auch mal Herbst ist, wäre ich für einen Hin­weis dank­bar. Defi­ni­tiv mei­ne Lieb­lings­jah­res­zei­ten – viel hei­ßer muss es nicht wer­den, und Win­ter ist zwar auch mal hübsch, aber eben­falls nicht so ganz meines.

Froh bin ich auch, dass es heu­te rich­tig schö­nes Wet­ter hier in Frei­burg hat. Auch so als Abwechs­lung dazu, in Stutt­gart in irgend­wel­chen Bespre­chungs­räu­men zu sitzen.