Science Fiction und Fantasy im August 2026

Trainjourney morning

Kurz hat­te ich mit dem Gedan­ken gespielt, um 5 Uhr wach genug zu sein, um mir die dies­jäh­ri­ge Ver­lei­hung der Hugo-Awards anzu­schau­en – die World­con fin­det in Los Ange­les statt, dort ist es das Abend­pro­gramm. Ganz gelun­gen ist es mir nicht, aber immer­hin habe ich dann doch zuge­schaut, wie T. King­fi­sher mit wech­seln­den Hüten und bio­lo­gi­schen Fak­to­iden die letz­ten paar Awards anmoderierte. 

Die kom­plet­te Über­sicht dar­über, wer was gewon­nen hat (und die sehr in die Tie­fe gehen­den admi­nis­tra­ti­ven Berich­te über die Wahl) fin­den sich auf der Sei­te der LACon V. In den meis­ten Kate­go­rien lan­de­ten mei­ne per­sön­li­chen Favo­ri­ten auf dem zwei­ten oder drit­ten Platz. Cool fin­de ich, dass Ada Pal­mers Inven­ting the Renais­sance als best rela­ted work gewon­nen hat. 

Und wie jedes Jahr hat der Hugo-Award auch die Funk­ti­on – für mich jeden­falls – mich auf Bücher, Seri­en, Com­pu­ter­spie­le, Kurz­ge­schich­ten usw. hin­zu­wei­sen, die ich bis­her nicht kann­te. Die aus­führ­li­che Lis­te der Nomi­nie­run­gen ist da hilf­reich. Neben­ef­fekt: mein (vir­tu­el­ler) Sta­pel der zu lesen­den Bücher wird nicht klei­ner, selbst nach die­sem August nicht, in dem ich recht viel Zeit zum Lesen (und zum Anschau­en von Fil­men) gefun­den habe.

Auf­grund der gro­ßen Zahl schrei­be ich hier jetzt nichts über die (für mich eher durch­wach­se­ne) 4. Staf­fel von Star Trek: Stran­ge New Worlds, son­dern packe das bei Gele­gen­heit – und wenn das Staf­fel­fi­na­le durch ist – in einen eige­nen Blog­bei­trag. Ansons­ten ange­schaut habe ich die ers­ten fünf Fol­gen der drit­ten Staf­fel von Silo (Apple TV), die ich trotz eini­ger Plot­ho­les wei­ter packend fand. Auch wenn wei­ter offen ist, wie der inzwi­schen mehr Raum ein­neh­men­de gegen­warts­na­he Strang über ame­ri­ka­ni­sche Poli­tik und Medi­zin dann am Schluss wirk­lich mit der zukünf­ti­gen Time­line einer seit hun­dert Jah­ren in unter­ir­di­schen Silos leben­den Gesell­schaft zusammenpasst. 

Gemein­sam mit Z. und R. ange­schaut habe ich die zwei­te Staf­fel von Ava­tar – The Last Air­ben­der (Net­flix). Da ich die gezeich­ne­te Vor­la­ge nicht ken­ne, weiß ich nicht, wie gut das umge­setzt wur­de – für sich genom­men gutes Kino, auch weil am Schluss der Staf­fel eben nicht der gro­ße Sieg von Gut gegen Böse steht, und weil alle Haupt­per­so­nen eben auch Schwä­chen und trau­ma­ti­sche Sei­ten haben. Neben­bei wird eini­ges über found fami­lies und fami­liä­re Erwar­tun­gen, poli­ti­sche Intri­gen, fol­low your heart und (ent­täusch­tes) Ver­trau­en kommuniziert. 

An die auf ein Fina­le gekürz­te drit­te Staf­fel von Good Omens (Prime) bin ich mit gemisch­ten Gefüh­len her­an­ge­gan­gen – einer­seits wegen der Cau­sa Gai­man, ande­rer­seits auch, weil ich dach­te, dass die Geschich­te weit­ge­hend aus­er­zählt ist. Inso­fern pass­te es dann, dass die drit­te Staf­fel nur aus einem Film besteht, der sich zwei Fra­gen wid­met: der Bezie­hung zwi­schen dem (in himm­li­sche Spit­zen­äm­ter beför­der­ten und damit kalt­ge­stell­ten) Engel Azi­ra­pha­le und dem Dämo­nen Crow­ley (Spoi­ler: ein gutes Ende), und, hm, einer ziem­lich kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit Grund­an­nah­men der christ­li­chen Reli­gi­on vom Zulas­sen von Leid durch eine all­wis­sen­de Gott­heit bis zur Fra­ge des frei­en Wil­lens (Spoi­ler: so rich­tig gut schnei­den da weder Him­mel noch Höl­le ab, und auch hier: ein gutes Ende). Den einen oder ande­ren Neben­plot hät­te man da sogar noch kür­zen kön­nen, und auch so: optisch her­vor­ra­gend, die bei­den Haupt­per­so­nen sind mir ans Herz gewach­sen, aber ins­ge­samt hat sich Good Omens doch etwas ver­lau­fen, also aus­ge­wa­schen und verirrt. 

Unter­halt­sam, aber nicht beson­ders tief­grün­dig fand ich Mil­ky Sub­way: The Galac­tic Limi­t­ed Express (Net­flix), auf die ich beim Zap­pen zwi­schen Platt­for­men zufäl­lig gesto­ßen bin: Klein­kri­mi­nel­le Jugend­li­che müs­sen einen wild gewor­de­nen Welt­raum­ex­press­zug stop­pen. Mit Rück­blen­den und der einen oder ande­ren Über­ra­schung und humor­vol­len Sei­ten­be­mer­kung gut erzählt. 

Nicht zuletzt habe ich die Ver­fil­mung von Andi Weirs Pro­ject Hail Mary („Der Astro­naut“) ange­schaut – in Mar­burg im rie­si­gen Frei­luft­ki­no, am Ende der Vor­füh­rung mit stern­kla­rem Him­mel. Und ja: das Buch ist gut umge­setzt, genü­gend gro­ße Tei­le der dahin­ter ste­hen­den Wis­sen­schaft* sind sau­ber recher­chiert und dar­ge­stellt, und am Schluss ist es – trotz eini­ger mehr oder weni­ger puber­tä­rer Scher­ze – deut­lich weni­ger Bro Movie gewor­den, als ich das beim Lesen befürch­tet habe. Also: durch­aus anguck­bar! (* Die Grund­an­nah­me des Films, sprich: im All leben­de ster­nen­fres­sen­de Bak­te­ri­en, ist aller­dings Quatsch und noch dazu wirkt die Lösung des Pro­blems bei nähe­rer Betrach­tung unlo­gisch; und die Licht­ge­schwin­dig­keit scheint mir eben­falls nur teil­wei­se beach­tet wor­den zu sein …). 

Damit zu den Büchern. Inzwi­schen ist der zwei­te Band von Metro­po­lia (2026) von Fred Duval und Ingo Röm­ling her­aus­ge­kom­men. Metro­po­lia – Die Außen­be­zir­ke ist eine Gra­phic Novel in einem apo­ka­lyp­ti­schen Ber­lin, in dem der Pri­va­termitt­ler Sascha Jäger im Auf­trag des titel­ge­ben­den Kon­zerns Metro­po­lia unter­wegs ist, um Fäl­le zu lösen – hier einen Brand(anschlag) auf eini­ge gigan­ti­sche Bau­ma­schi­ne in den „Außen­be­zir­ken“. Zugleich ist das Buch eine Geschich­te über Flucht und eine Zeit nach der glo­ba­len Bewe­gungs­frei­heit, die wir heu­te für selbst­ver­ständ­lich neh­men. Wäre durch­aus verfilmbar.

Apro­pos Ber­lin: von der Metro­pol­con hat­te ich mir die von Han­nes Rif­fel her­aus­ge­ge­be­ne Antho­lo­gie (oder, wie sich das Buch selbst nennt, den Ver­lags­al­ma­nach) Das Flir­ren der Hoff­nung (2026) mit­ge­bracht. Neben Kurz­ge­schich­ten (u.a. von Becky Cham­bers und Aiki Mira) ent­hält das Buch v.a. Tex­te über das Schrei­ben und Über­set­zen von spe­cu­la­ti­ve fic­tion. Das eröff­net noch ein­mal ein ande­res Fens­ter auf Sci­ence Fic­tion und Fan­ta­sy und erin­nert dar­an, dass beim nicht-mut­ter­sprach­li­chen Lesen in eng­li­scher Spra­che – der übli­chen Kon­sum­form, in der ich die­se Medi­en zu mir neh­me – doch die eine oder ande­re Nuan­ce, das nur ange­deu­te­te Bild oder der hin­ter­grün­di­ge Bezug ver­lo­ren gehen mag. Gekauft hat­te ich mir das Buch auch, weil ich das Pro­jekt des Car­co­sa-Ver­lags – Werk­aus­ga­ben wich­ti­ger Autor*innen in neu­er Über­set­zung – span­nend und unter­stüt­zens­wert fin­de, und die Buch­ge­stal­tung her­vor­ra­gend gelun­gen ist.

Sehr zu emp­feh­len: John Chus kur­zer Roman The Subt­le Art of Fol­ding Space (2026). Auf einer Ebe­ne geht es um das Ver­hält­nis von Ellie zu ihrer Schwes­ter Chris; Ellie ist unser Fokus­punkt, und das Buch beginnt damit, dass sie es ganz nor­mal fin­det, dass Chris jede Woche neue Anschlä­ge auf sie plant. Die aus Tai­wan stam­men­de Mut­ter der bei­den liegt im Ster­ben – und selbst das wird von Chris gegen Ellie genutzt. Inter­es­sant wird die­se Geschich­te nun durch einen inno­va­ti­ven World­buil­ding-Kniff: Ellie folgt der Beru­fung ihrer Mut­ter, die eine Meis­te­rin dar­in war, Repa­ra­tu­ren im Skunk­work vor­zu­neh­men, und so unse­re Welt vor dem Unter­gang zu bewah­ren. Das Skunk­work ist der Mecha­nis­mus, der unser Uni­ver­sum am Lau­fen hält, und der selbst in einem ande­ren Uni­ver­sum liegt. Dass es die­ses Skunk­work gibt, scheint in der Welt des Romans bekannt zu sein, aber ihm wird von den meis­ten Men­schen kei­ne beson­de­re Auf­merk­sam­keit gewid­met. Und auch das Uni­ver­sum, in dem „unser“ Skunk­work liegt, hat Zugriff auf Maschi­nen im Uni­ver­sum eins außer­halb. Wäh­rend der Mecha­nis­mus für Ellie aus Roh­ren und Ven­ti­len, Puf­fern und Lauf­zei­ten besteht, visua­li­siert ihr Cou­sin Dani­el die Kor­rekt­heit von Bestand­tei­len des Skunk­works am liebs­ten in Form chi­ne­si­schen Essens, das er schein­bar aus dem Nichts erschei­nen lässt. Anders­wo tau­chen in mehr als drei Dimen­sio­nen gefal­te­te Plat­ten aus Luft auf, die als Blau­pau­se die­nen. Ellie muss mit Dani­els Hil­fe nun tie­fer in das Skunk­work ein­tau­chen, als ihr lieb ist, um her­aus­zu­fin­den, wer unau­to­ri­sier­te Ände­run­gen vor­ge­nom­men hat – und was dahin­ter steckt. 

Eben­falls ein unglei­ches Paar ermit­telt in den bei­den Fol­ge­bän­den zu A Tain­ted Cup von Robert Jack­son Ben­nett (Shadow of the Levia­than). Dass die auf Bio­lo­gie auf­bau­en­de Welt mit ihren Beson­der­hei­ten schon aus dem ers­ten Band bekannt ist, macht es ein­fa­cher, der durch­aus viel­schich­ti­gen Geschich­te zu fol­gen. Die exzen­tri­sche Detek­ti­vin Ana – die mög­li­cher­wei­se mehr oder ande­res ist, als es scheint – und ihr Assis­tent Din, der bio­lo­gisch so ver­än­dert wur­de, dass er ein per­fek­tes Gedächt­nis auf­weist, bege­ben sich in A Drop of Cor­rup­ti­on (2025) in ein Grenz­ge­biet, das noch nicht zum Reich Kha­num gehört. Der Weg dort­hin führt durch den Dschun­gel, so rich­tig will­kom­men wer­den sie nicht gehei­ßen – und doch sol­len sie den zunächst uner­klär­ba­ren Mord an einem Finanz­be­am­ten auf­klä­ren. Je mehr sie an ein­zel­nen Fäden zie­hen, des­to tie­fer geht es in ein Geflecht von Intri­gen und Ver­schwö­run­gen. Gut erzählt, mit dem einen oder ande­ren Punkt, der zum Nach­den­ken anregt (ja, auch über Köni­ge) und weit­ge­hend glaub­wür­dig in einer kom­plett fremd­ar­ti­gen Welt. In A Trade of Blood (2026) ver­schlägt es Ana und Din in eine Art dünn über­tünch­ten Wil­den Wes­ten mit einem Streit zwi­schen zwei Fami­li­en­clans (Super­kuh­her­den vs. Fut­ter­an­bau mit Hil­fe von Kat­zen, und ein biss­chen Romeo und Julia spielt auch hin­ein). Auch A Trade of Blood ist gut geschrie­ben und span­nend zu lesen, ich fand dann aber doch eini­ges vor­her­seh­ba­rer und ande­res unglaub­wür­di­ger als in den bei­den vor­aus­ge­hen­den Romanen. 

Nach Slow Gods im Juli habe ich jetzt Clai­re Norths älte­ren Roman The First Fif­teen Lives of Har­ry August (2014) gele­sen und kann ihn emp­feh­len. North geht von der Prä­mis­se aus, dass unter uns Men­schen leben, die wie­der­ge­bo­ren wer­den – und zwar nicht in einen neu­en Kör­per. Viel­mehr beginnt für die­se ihr Leben erneut, zum sel­ben Zeit­punkt und in den sel­ben Umstän­den, aber mit dem Wis­sen der vor­he­ri­gen „Durch­läu­fe“. Damit lässt sich, wenn man nicht ver­rückt wird, natür­lich eini­ges anfan­gen – Reich­tum und Mäze­na­ten­tum, der eine oder ande­re Stups, um die Welt zu ver­bes­sern – oder auch der Ver­such, mit dem Wis­sen um die Zukunft die­se ganz neu zu gestal­ten (was ande­re ver­hin­dern wol­len). Der titel­ge­ben­de Har­ry August ist einer die­ser Men­schen, gebo­ren 1919 in einem Wasch­raum, dann von der Gärt­ner­fa­mi­lie eines Land­guts adop­tiert, mal Medi­zi­ner, mal spi­ri­tu­el­ler oder welt­li­cher Ent­de­ckungs­rei­sen­der, mal Pro­fes­sor der Mathe­ma­tik. North gibt Har­ry August einen Erzähl­ton distan­ziert zu sei­nem eige­nen Leben (kein Wun­der, beim vier­zehn­ten oder fünf­zehn­ten Durch­lauf), und trotz­dem bleibt genü­gend Huma­nis­mus und frei­er Wil­le übrig in die­sem ganz ande­ren Ansatz, Zeit­rei­sen zu erzäh­len. (Und wenn ich auf die Roma­ne von North gucke, die ich bis­her gele­sen habe, dann wech­seln zwar wild die Gen­res, die­ser Grund­ton bleibt jedoch.) 

The Unma­gi­cal Life of Bri­ar Jones (2025) von Lex Crou­ch­er wird teil­wei­se als young adult ein­ge­ord­net, von Crou­ch­er selbst aller­dings nicht, auch wenn es um das Erwach­sen­wer­den von Bri­ar Jones geht. Unse­re non-binä­re Haupt­per­son wächst in einer eng­li­schen Klein­stadt auf dem Bio­bau­ern­hof des Stief­va­ters auf. Die Kind­heit ist durch die Freund­schaft zu Seb gekenn­zeich­net, des­sen ade­li­gen Eltern weit­ge­hend abwe­send sind – umso mehr Gele­gen­heit für Bri­ar und Seb, auf den Fel­dern des Gutes her­um­zu­strei­fen. Und bei­de wol­len selbst­ver­ständ­lich spä­ter auf die von Gerüch­ten umwo­be­ne nahe Temp­le School gehen. Dass sie mit vol­lem Namen Temp­le School of Thau­ma­tur­gy heißt, wis­sen nur Ein­ge­weih­te. Seb wird ange­nom­men, Bri­ar nicht. Erst über einen Som­mer­job eini­ge Jah­re spä­ter kommt Bri­ar auf das Schul­ge­län­de, und stellt nun fest, dass die­ser alte Wunschort zwar tat­säch­lich eine magi­sche Schu­le ist (und dass die Archi­tek­tur pit­to­resk ist). Magie hei­tß: die Schüler*innen ler­nen, ande­re gegen deren Wil­len zu beein­flus­sen. Von den grau­sa­men Auf­nah­me­ri­tua­len bis zur strik­ten Hier­ar­chie ist die Temp­le School alles ande­re als ein schö­ner Ort. Und Seb ist Teil einer Cli­que, die ganz oben in der Pyra­mi­de des Ter­rors steht. Bri­ar fin­det Anschluss an ein que­e­res Drei­er­ge­spann, das die Öffent­lich­keit dar­über auf­klä­ren möch­te, durch was für eine Schu­le Pre­mier­mi­nis­ter und Wirt­schafts­che­fin­nen hier gehen. Oder ist alles nur ein Plot der Haus­meis­te­rin? Dark Aca­de­mia, teil­wei­se sehr düs­ter – auch des­we­gen, weil ein Magie­sys­tem, zu dem gehört, dass die­je­ni­gen, die es beherr­schen, von ande­ren alles ver­lan­gen kön­nen, schnell zu Grau­sam­keit führt, die Crou­ch­er dann auch deut­lich beschreibt. Und ja, einen Enemies-to-Lovers-Plot gibt es natür­lich auch – zugleich stellt sich her­aus, dass es auch in Bri­ars Ver­gan­gen­heit dunk­le Fle­cken gibt. Die­se gut geschrie­be­ne Ambi­va­lenz und Kom­ple­xi­tät der Cha­rak­te­re hat mir gefallen. 

Ganz neu erschie­nen ist Everybody’s per­fect (2026) von Jo Walt­on. Die­ser Rei­gen mit­ein­an­der ver­wo­be­ner Geschich­ten spielt in einer Art spi­ri­tu­el­len Spie­gel­welt unse­rer Stadt Vene­dig – die im Nebel erschei­nen­de Sere­nis­si­ma, die von ver­schie­de­nen Wel­ten aus erreich­bar ist. Dem­entspre­chend leben hier neben Men­schen aus „unse­rem Vene­dig“ (wobei da nicht unter­schie­den wird, in der Sere­nis­si­ma ist auch jemand aus dem heu­ti­gen Nord­ame­ri­ka ein Vene­zia­ner oder eine Vene­zia­ne­rin) ganz unter­schied­li­che Wesen. Teils sind sie huma­no­id, nur dass sie ein Kat­zen- oder Hun­de­ge­sicht haben, das sich im Zwei­fel hin­ter einer Mas­ke ver­ste­cken lässt, teils kom­men sie aus ganz ande­ren Gesell­schaf­ten und erin­nern eher an Vögel oder pflan­zen­ver­zier­te Domi­nos. Die Erzähl­form als Rei­gen, die die Geschich­te von einer zur nächs­ten Per­son wei­ter­reicht, die in der vor­he­ri­gen Erzäh­lung jeweils am Ran­de vor­kommt, ermög­licht den Ein­blick in ganz unter­schied­li­che Lebens­wel­ten in die­ser magi­schen Stadt. Jen­seits der Form zieht sich eine Geschich­te über Krank­hei­ten und Kör­per, Akzep­tanz und Lebens­for­men, Reich­tum und Macht durch das Buch – im Vor­der­grund ste­hen jedoch die Cha­rak­te­re und das Worldbuilding. 

Über Walt­ons monat­li­che Lese­lis­te bin ich auf die zwei neue(re)n Bän­de von K.J. Par­ker gesto­ßen, die den Anfang der „Loy­al Opposition“-Trilogie bil­den: Sis­ter Svan­gerd and the Not Quite Dead (2026) und Sis­ter Svan­gerd and the Devil You Know (2026). Ein drit­ter Band ist für Dezem­ber ange­kün­digt. Die Bücher von Par­ker, die ich bis­her gele­sen habe, spiel­ten mehr oder weni­ger in einem Ana­lo­gum zum Römi­schen Reich; hier sind wir nun im Mit­tel­al­ter ange­langt. Erzählt wer­den die Bücher von einem eher bes­ser­wis­se­ri­schen Mönch und Kopis­ten, der sich als Athe­ist zu erken­nen gibt – und den Zei­ten nach­trau­ert, als nicht nur eini­ge weni­ge Bücher in drit­ter Kopie exis­tier­ten, son­dern Men­schen noch wuss­ten, wie … Zusam­men mit der titel­ge­ben­den Non­ne Svan­gerd bil­det er ein Duo für die beson­de­ren Fäl­le. In die­sem Set­ting neh­men bei­de (im ers­ten Band) mit einem Spe­zi­al­auf­trag an einem Kon­zil in einer ehe­mals glän­zen­den Stadt teil bzw. ver­su­chen (im zwei­ten Band) ein Buch mit dämo­ni­schen Kräf­ten von einer Pira­ten­in­sel zu steh­len. Der Ich-Erzäh­ler macht Plä­ne, die meist nicht auf­ge­hen, und beein­druckt ansons­ten vor allem durch sei­ne Kör­per­grö­ße; die from­me Svan­gerd scheut dage­gen nicht davor zurück, ein Mes­ser oder ein Schwert zu zücken und ist am Ende oft die­je­ni­ge, die bei­de aus üblen Situa­tio­nen raus­haut. Akti­on gibt es also genug. Und dann tau­chen noch aller­hand über­sinn­li­che Gestal­ten auf: im ers­ten Band bei­spiels­wei­se eine Art Zom­bies (aus Sicht des Ich-Erzäh­lers, der die­ses Phä­no­men aus sei­ner Jugend in der gott­ver­las­se­nen Gegend der Meso­ge kennt, ist das irgend­was natur­ge­schicht­lich erklär­ba­res) sowie eben diver­se Agent*innen der „loya­len Oppo­si­ti­on“, sprich: des Teu­fels. Die­se suchen immer wie­der das Gespräch mit dem Ich-Erzäh­ler, der jedoch auf sei­nem Athe­is­mus beharrt und sich nicht so recht vom gro­ßen Plan (und des­sen Ver­äs­te­lun­gen) über­zeu­gen lässt. 

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