Kurz: Kaffee im eigenen Becher

imageIch hat­te hier vor eini­ger Zeit mal geschrie­ben, dass ich statt Kaf­fee mor­gens Tee in der Ther­mos­kan­ne zum Pen­deln mit­neh­me, um der Ein­weg­be­cher­pro­ble­ma­tik zu ent­ge­hen (Tee, weil der im Halb­schlaf kurz vor Auf­bruch zuzu­be­rei­ten ist). Inzwi­schen bin ich doch wie­der beim Kaf­fee gelan­det – über­wie­gend im Mehr­weg­be­cher. Den hat­te ich mal von mei­nen Eltern zu Weih­nach­ten geschenkt bekom­men, im Schrank ver­staut, und jetzt nach län­ge­rer Zeit wie­der rausgekramt. 

Was hat sich geän­dert? Den Anstoß, das mit dem Mehr­weg­be­cher mal aus­zu­pro­bie­ren, hat für mich der Auf­kle­ber „Eige­nen Becher mit­brin­gen – ger­ne“ (sinn­ge­mäß) an der Schei­be des Back­wa­ren­im­biss am Bahn­hof gege­ben. Und der klebt da, weil sich das all­ge­mei­ne poli­ti­sche Kli­ma in die­ser Sache ver­scho­ben hat. Ein­mal aus­pro­biert, zeig­te sich: das geht ganz gut. Der Becher hat einen Deckel, der ver­hin­dert das Aus­lau­fen von Milch­kaf­fee­res­ten in die Tasche; mein Büro ver­fügt über ein Wasch­be­cken – das Aus­spü­len ist also auch kein Pro­blem, wenn ich’s nicht vergesse. 

Manch­mal habe ich den Mehr­weg­be­cher nicht dabei; manch­mal auch bewusst, weil es orga­ni­sa­to­risch nicht passt, oder ich das zumin­dest glau­be, oder den­ke, dass die Becher­mit­nah­me umständ­lich wäre. Aber im Regel­fall trin­ke ich den Mit­nah­me­kaf­fee fürs Son­nen­auf­gangs­früh­stück im Zug inzwi­schen aus mei­nem eige­nen Becher statt aus Papier.

Einmal Modul tauschen

Letz­te Woche ging mei­ne Wasch­ma­schi­ne kaputt. Ein pene­tran­tes Piep­sen, vol­ler Stopp mit­ten im Voll­wasch­pro­gramm. Feh­ler­mel­dung E63. Was das bedeu­tet? Das Inter­net meint „Ver­bin­dung zur Steue­rungs­ein­heit unter­bro­chen“. Klingt nicht gut – und mit ziem­lich genau fünf Jah­ren ist das Gerät so alt auch noch nicht.

Nach meh­re­ren Anläu­fen (Web­site auf dem PC unbe­dien­bar, Web­site auf dem Han­dy lie­fert kryp­ti­sche Feh­ler­mel­dung, Hot­line braucht eine auf der Innen­sei­te der Tür auf­ge­kleb­te Num­mer und infor­miert mich immer­hin dar­über, wie die Not­ent­rie­ge­lung funk­tio­niert) bekom­me ich einen Servicetermin.

Heu­te war dann der Tech­ni­ker mit zwei Kof­fern da. Einer mit Werk­zeug, einer mit Note­book, Mini­dru­cker und Kar­ten­le­se­ge­rät. Erst tat die Maschi­ne so, als sei sie völ­lig in Ord­nung. Erst als der Test­wasch­lauf schon durch war, tauch­te dann doch wie­der E63 auf. „Den Feh­ler kann­te ich bis­her nicht“, sagt der Tech­ni­ker, schaut in der Daten­bank auf dem Note­book nach: Lösungs­weg zur Pro­blem­be­he­bung ist der Aus­tausch des Steuerungsmoduls. 

Ich gebe zäh­ne­knir­schend mein Ein­ver­ständ­nis, der Tech­ni­ker öff­net die Wasch­ma­schi­nen­ab­de­ckung, baut – mit etwas Mühen – eine Pla­ti­ne aus und setzt eine neue ein. Hal­ber Neu­preis der Wasch­ma­schi­ne, zahl­bar direkt per EC-Kar­te, Rech­nung kommt heu­te abend, wenn er den Vor­gang vom Note­book über­spielt hat, per E‑Mail.

Kom­men­tar mei­nes Kin­des: Kann ja sein, dass Wasch­ma­schi­nen 20 Jah­re hal­ten – Com­pu­ter, auch in Wasch­ma­schi­nen ver­bau­te Mini­com­pu­ter, sind halt nach fünf Jah­ren Schrott …

(Und die Moral der Geschich­te: eine rich­tig smar­te Wasch­ma­schi­ne hät­te mir viel­leicht ein „unbe­kann­ter Feh­ler – Tech­ni­ker rufen“ in die App gebeamt, statt „E63“ im Dis­play anzu­zei­gen. Eigent­lich brau­chen wür­de ich aber kei­ne smar­te­re Maschi­ne, son­dern eine dum­me: drei bis vier Pro­gram­me zur Aus­wahl plus Start/Stop wür­de mir völ­lig reichen.)

Kurz: Klimaschutzkoalition

Iro­nie der Geschich­te: par­al­lel zu den Jamai­ka-Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen, äh, Son­die­run­gen fin­det in Bonn der Kli­ma­gip­fel statt und macht drei Din­ge überdeutlich:

1. Das Zeit­fens­ter, poli­tisch zu han­deln und noch etwas dage­gen zu unter­neh­men, dass der Kli­ma­wan­del kata­stro­pha­le Fol­gen zei­tigt, ist jetzt – und es schließt sich zuneh­mend. Auch wie gehan­delt wer­den müss­te, ist doch recht klar.

2. Es gibt eine gro­ße Koali­ti­on der Wil­li­gen – Staa­ten und Staa­ten­bünd­nis­se, Kom­mu­nen und Regio­nen, Wirt­schafts­ak­teu­re, die viel beschwo­re­ne Zivil­ge­sell­schaft, aber auch z.B. die Mehr­heit der Bürger*innen in Deutschland.

3. Die abge­wähl­te Regie­rung mit Koh­le­mi­nis­ter Gabri­el hat nur wenig bis nichts erreicht – und es sieht nicht so aus, als ob die Bun­des­kanz­le­rin hier vor­an­ge­hen möchte.

Für mich unter­streicht das, dass es eine ordent­li­che Kli­ma­po­li­tik auf Bun­des­ebe­ne – mit ent­spre­chen­der inter­na­tio­na­ler Strahl­kraft – nur mit star­ken Grü­nen an ent­schei­den­den Stel­len geben kann. Lei­der sieht es bis­her nicht danach aus, als ob Jamai­ka eine Koali­ti­on der inno­va­ti­ven Kli­ma­schutz-Maß­nah­men wer­den wür­de. Wenn das so bleibt, sehe ich wenig Sinn dar­in, die­ses lager­über­grei­fen­de Bünd­nis zu formen. 

Mor­gen Nacht soll das Son­die­rungs­er­geb­nis vor­lie­gen, am 25. Novem­ber ent­schei­det die grü­ne BDK, ob Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men wer­den sol­len. Nach der­zei­ti­gem Stand fän­de ich das schwie­rig – und wür­de mich als Ersatz­de­le­gier­ter auch ent­spre­chend ein­brin­gen. Für unse­re Zukunft auf die­sem Pla­ne­ten wäre es zu hof­fen, dass es bis dahin noch über­ra­schend Bewe­gung in Sachen Jamai­ka als Kli­ma­schutz­bünd­nis gibt.

Kurz: Nachhaltigkeit, ins Digitale übertragen

Der Zusam­men­hang von Digi­ta­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit beschäf­tigt mich immer mal wie­der. Inter­es­siert beob­ach­te ich bei­spiels­wei­se, was die For­schungs­grup­pe Digi­ta­li­sie­rung und sozi­al-öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on des IÖW treibt. 

Das The­ma lässt sich aber auch anders ange­hen. Mal­te Spitz, grü­ner Netz­po­li­ti­ker, hat nun ein Buch her­aus­ge­ge­ben, das den Titel Daten – das Öl des 21. Jahr­hun­derts? Nach­hal­tig­keit im digi­ta­len Zeit­al­ter trägt. Dabei geht es aller­dings nicht in ers­ter Linie um die Fra­ge, ob Digi­ta­li­sie­rung zu öko­lo­gi­scher und sozia­ler Nach­hal­tig­keit bei­tra­gen kann bzw. die­se gefähr­det. Viel­mehr nimmt Mal­te die belieb­te Meta­pher von den Daten als dem Öl des 21. Jahr­hun­derts als Aus­gangs­punkt, um der Fra­ge nach­zu­ge­hen, was sich struk­tu­rell von den Feh­lern und Erfol­gen der Poli­tik des 20. Jahr­hun­derts ler­nen lässt, um im 21. Jahr­hun­dert zu einem gene­ra­ti­ons­über­grei­fend sinn­vol­lem Umgang mit all­ge­gen­wär­ti­gen Daten und Digi­ta­li­sie­rung ins­ge­samt zu kommen.

Wer mehr dazu wis­sen will: Ich habe eine län­ge­re Rezen­si­on dazu geschrie­ben – die­se ist bei CARTA zu fin­den und kann dort gele­sen werden. 

Photo of the week: Red green bike

Red green bike

 
Ich mag mein Fahr­rad. Es hat ein paar Macken, und ist auch erst durch den Aus­tausch diver­ser Tei­le fahr­taug­lich gewor­den, aber: ich mag es. Die Drei­gang-Naben-Schal­tung (heu­te schon fast eine ver­ges­se­ne Kul­tur­tech­nik), also eher was für gemäch­li­che Fahr­ten, ist zum Bei­spiel eine neue, weil die alte – noch mit klas­si­schem Schalt­he­bel – irgend­wann mal nicht mehr tat. Die Peda­len wur­den mal aus­ge­tauscht. Dass das Fahr­rad nicht umkippt, liegt an einem Stän­der, der auch so nicht vor­ge­se­hen war. Auch die Män­tel sind eher so Ver­brauchs­tei­le. Und die Beleuch­tung ist nicht mehr die ori­gi­na­le. Der grü­ne Sat­tel­scho­ner kommt aus dem letz­ten Landtagswahlkampf.

Das Fahr­rad hat Geschich­te: gekauft hat­te ich es damals, vor ziem­lich genau zehn Jah­ren, mehr so als Akt der Soli­da­ri­tät. In Nord­hau­sen hat­ten Arbeiter*innen eine Fahr­rad­fa­brik besetzt, die geschlos­sen wer­den soll­te. Und pro­du­zier­ten dann in Eigen­re­gie Räder. „Strike Bike“ steht des­we­gen auch auf dem knal­lig roten Rah­men. Und ein Katzenkopf.

Die Kin­der­sitz­hal­te­rung könn­te ich all­mäh­lich mal abbau­en. Anders als den Anhän­ger, der sich noch als Trans­port­me­di­um für Sper­ri­ges eig­net, kommt der Kin­der­sitz näm­lich schon seit eini­ger Zeit nicht mehr zum Einsatz.

P.S.: Update