Photo of the week: Red green bike

Red green bike

 
Ich mag mein Fahr­rad. Es hat ein paar Macken, und ist auch erst durch den Aus­tausch diver­ser Tei­le fahr­taug­lich gewor­den, aber: ich mag es. Die Drei­gang-Naben-Schal­tung (heu­te schon fast eine ver­ges­se­ne Kul­tur­tech­nik), also eher was für gemäch­li­che Fahr­ten, ist zum Bei­spiel eine neue, weil die alte – noch mit klas­si­schem Schalt­he­bel – irgend­wann mal nicht mehr tat. Die Peda­len wur­den mal aus­ge­tauscht. Dass das Fahr­rad nicht umkippt, liegt an einem Stän­der, der auch so nicht vor­ge­se­hen war. Auch die Män­tel sind eher so Ver­brauchs­tei­le. Und die Beleuch­tung ist nicht mehr die ori­gi­na­le. Der grü­ne Sat­tel­scho­ner kommt aus dem letz­ten Landtagswahlkampf.

Das Fahr­rad hat Geschich­te: gekauft hat­te ich es damals, vor ziem­lich genau zehn Jah­ren, mehr so als Akt der Soli­da­ri­tät. In Nord­hau­sen hat­ten Arbeiter*innen eine Fahr­rad­fa­brik besetzt, die geschlos­sen wer­den soll­te. Und pro­du­zier­ten dann in Eigen­re­gie Räder. „Strike Bike“ steht des­we­gen auch auf dem knal­lig roten Rah­men. Und ein Katzenkopf.

Die Kin­der­sitz­hal­te­rung könn­te ich all­mäh­lich mal abbau­en. Anders als den Anhän­ger, der sich noch als Trans­port­me­di­um für Sper­ri­ges eig­net, kommt der Kin­der­sitz näm­lich schon seit eini­ger Zeit nicht mehr zum Einsatz.

P.S.: Update

Kurz: Together! – Vitra Design Museum

Frank Gehry architecture I Together! Exhibition - II Together! Exhibition - V Together! Exhibition - X 
Ich habe heu­te die Aus­stel­lung „Tog­e­ther! Die Neue Archi­tek­tur der Gemein­schaft“ im Vitra Design Muse­um in Weil besucht. Auch wenn der Wow!-Effekt fehl­te, ist’s eine gut gemach­te Aus­stel­lung zu gemein­schaft­li­chem Woh­nen und der dazu­ge­hö­ri­gen Architektur. 

Das Vitra Design Muse­um ist halb­wegs über­sicht­lich; die Aus­stel­lung ist auf vier Räu­me auf­ge­teilt: Uto­pie – Archi­tek­tur­mo­del­le – Innen­sicht – Pro­jek­te. Die Uto­pie fängt im 18./19. Jahr­hun­dert mit Arbei­ter­sied­lun­gen und der Phal­an­stère Fou­riers, aber auch mit US-ame­ri­ka­ni­schen Appart­ment-Hotels, an. Die auf­ge­bau­ten Archi­tek­tur­mo­del­le erläu­tern (unter Rück­griff auf Farb­codes von Le Cor­bu­si­er), wie sich Pri­vat­heit und (Halb-)Öffentlichkeit in ver­schie­de­nen Bau­pro­jek­ten und Ent­wür­fen begeg­nen. Das Zim­mer zur Innen­sicht simu­liert gemein­schaft­li­ches Woh­nen – so ein biss­chen wirkt es wie ein begeh­ba­rer Ikea-Kata­log. Nett sind hier die Details, etwa die Hartz-IV-Selbst­bau-Möbel im Gemein­schafts­raum, die Lite­ra­tur­aus­wahl im Bücher­re­gal oder das sorg­sam arran­gier­te Cha­os in Emils Kin­der­zim­mer. Im vier­ten Raum schließ­lich wer­den eini­ge Pro­jek­te an Schreib­ti­schen im Detail vor­ge­stellt – was waren die Ideen, wie wur­den sie rea­li­siert, wo gab’s Hür­den. Auch das ist nett gemacht.

Das war’s dann auch schon. Für mei­nen Geschmack lag der Blick etwas zu sehr auf der Archi­tek­tur, und zu wenig auf der sozia­len Sei­te der Neu­en Archi­tek­tur der Gemein­schaft. Das Schei­tern der Uto­pien bei­spiels­wei­se fehl­te, soweit ich das wahr­ge­nom­men habe, eben­so wie eine ver­tief­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der mit sol­chen Wohn­pro­jek­ten immer ver­bun­de­nen Fra­ge nach öffentlich/privat, aber auch nach Inklu­si­on und Exklu­si­on (kommt am Rand bei den Pro­jekt­schreib­ti­schen vor, aber eben auch nur am Rand). Eine wei­te­re Leer­stel­le waren aus mei­ner Sicht „inten­tio­nal com­mu­ni­ties“. Eini­ge der dar­ge­stell­ten Uto­pien und Pro­jek­te gehen in die Rich­tung, aber rich­tig vor kamen weder Klös­ter noch Öko­dör­fer noch Land­kom­mu­nen. Und Nach­hal­tig­keit und Com­mons spiel­te auch nur am Rand eine Rol­le. Da wäre mehr mög­lich gewesen.

Die Aus­stel­lung läuft noch bis 10.9., Ein­tritt 11 €. Web­site.

Kurz: Fahrtzeitverlängerung

Nach mei­nem Urlaub bin ich wie­der im Dienst – und auch, wenn viel per Home Office geht, soll­te ich doch ab und zu in Stutt­gart sein. Also wie­der Pen­deln – mit einem zusätz­li­chen Pro­blem: ein Tun­nel­bau bei Ras­tatt hat dort die Glei­se zum Absen­ken gebracht, die Rhein­tal­stre­cke als eine der euro­päi­schen Haupt­ver­kehrs­adern ist auf unbe­stimm­te Zeit unterbrochen.

imageWäh­rend mir die DB-App am Wochen­en­de noch weiß machen woll­te, dass mei­ne Züge ganz nor­mal fah­ren, gab’s heu­te mor­gen eine rea­lis­ti­sche­re Ansa­ge: der Pend­ler-IC direkt nach Stutt­gart fällt aus, eben­so der Früh-ICE um 6.22 Uhr. Um 6.52 Uhr fährt – wie üblich – ein ICE nach Nor­den. Der endet aller­dings in Baden-Baden, dort Umstieg in Bus­se bis Ras­tatt, von da wei­ter mit dem RE nach Karls­ru­he, dann ein IC nach Stuttgart. 

Bis­her klappt das alles ganz gut. Die Züge sind pünkt­lich, es gibt Ansa­gen und Aus­kunfts­per­so­nen. Erstaun­li­cher­wei­se als unfle­xi­bel erwei­sen sich die digi­ta­len Anzei­gen in den Zügen – die zei­gen Unsinn oder schlicht gar nichts an. Man­ko 1: am Bahn­hof Baden-Baden ist der Weg vom Ankunfts­gleis (4) zu den Bus­sen (direkt vor Gleis 1) nicht aus­ge­schil­dert, zudem wird der Bahn­hof gera­de umge­baut, u.a. sind die Auf­zü­ge der­zeit außer Betrieb. Man­ko 2: in Ras­tatt und Karls­ru­he jeweils rund 20 Minu­ten War­te­zeit – zusam­men mit der Bus­fahrt und der im Ver­gleich zum übli­chen IC in Frei­burg spä­te­ren Abfahrt kom­men so gut eine Stun­de Ver­spä­tung (eine Rich­tung) zustan­de, im Ver­gleich zum 6.22-ICE sind’s sogar 1½ Stun­den. Das ist mir für Hin- und Rück­rei­se an einem Tag zu viel. Auf mei­ne Anfra­ge, ob die Bahn bereit ist, die zusätz­li­chen Über­nach­tungs­kos­ten zu über­neh­men, habe ich lei­der noch kei­ne Antwort …

Ins­ge­samt: zufrie­den­stel­len­des Kri­sen­ma­nage­ment – und die drin­gen­de Not­wen­dig­keit einer Bahn­in­fra­struk­tur­po­li­tik, die Aus­fäl­le mit ein­plant, statt Risi­ken zu ignorieren.

P.S.: Eben kommt die Mel­dung, dass die Stre­cke erst am 7. Okto­ber wie­der frei­ge­ge­ben wird. Das heißt, auch nach Ende der baden-würt­tem­ber­gi­schen Som­mer­fe­ri­en, wenn es für vie­le und vie­les so rich­tig los geht, bleibt es bei drei Stun­den pro Richtung …

Fairphones Ende

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Das mit dem nach­hal­ti­gen Mobil­te­le­fon ist gar nicht so ein­fach. 2014 habe ich mir das Fair­pho­ne 1U gekauft, und nut­ze es immer noch. Ich mag das Design und das Image (und ken­ne gera­de in grü­nen Krei­sen vie­le, denen es ähn­lich geht). 

Das Fair­pho­ne ist ein Android-Smart­phone, her­aus­nehm­ba­rer Akku, ten­den­zi­ell auch der Anspruch, repa­rier­bar zu sein, und so eine län­ge­re Nut­zungs­dau­er zu ermög­li­chen. Bei der Her­stel­lung wur­de ver­sucht, sozi­al-öko­lo­gi­sche Kri­te­ri­en zu berück­sich­ti­gen, etwa beim Bezug von Rohmaterialien.

Inzwi­schen gibt es das Fair­pho­ne 2, das grund­le­gend neu designt wur­de und eine gewis­se Berühmt­heit erlangt hat als das ers­te modu­lar gestal­te­te Smart­phone, das in grö­ße­rer Stück­zahl gefer­tigt wurde. 

Ich habe mich an die Macken des hand­li­chen klei­nen Fair­pho­ne 1U gewöhnt. Das GPS ist mise­ra­bel, die Kame­ra nicht beson­ders gut, manch­mal geht die Daten­ver­bin­dung ver­lo­ren. Es kann kein LTE, und auch der Spei­cher läuft schnell voll. Irgend­wann bläh­te sich der Akku auf und muss­te ersetzt wer­den. Um die USB-Schnitt­stel­le zu scho­nen, habe ich einen Magnet­ad­ap­ter gekauft. 

Lei­der sind die Tage mei­nes Han­dys gezählt. Inzwi­schen hat Fair­pho­ne auch offi­zi­ell mit­ge­teilt, dass Ersatz­tei­le nicht mehr lie­fer­bar sind, wohl auch kei­ne neu­en Akkus. Und auch das Betriebs­sys­tem, Stand Android 4.irgendwas, wird kein Update mehr erhalten.

Noch funk­tio­niert mein Fair­pho­ne – so halb­wegs. Teil­wei­se nur mit älte­ren Ver­sio­nen von Apps, teil­wei­se mit Work­arounds. Ich nut­ze es wei­ter­hin ger­ne. Aber irgend­wann in naher Zukunft wird es viel­leicht einen neu­en Akku brau­chen. Oder end­gül­tig von Face­book und Twit­ter über­for­dert sein. 

Scha­de – die Idee, ein län­ger zu nut­zen­des Smart­phone zu pro­du­zie­ren, war und ist gut. Aber das Expe­ri­ment Fair­pho­ne zeigt auch die Gren­zen die­ser Idee.

War­um blog­ge ich das? Aus anti­zi­pier­ter Melan­cho­lie heraus.

Update: Inzwi­schen gibt es ein State­ment von Fair­pho­ne, in dem ins­be­son­de­re auf die in der Sup­p­ly-Chain nicht mehr gege­be­ne Ver­füg­bar­keit von Ersatz­tei­len hin­ge­wie­sen wird. Das fin­de ich durch­aus span­nend, weil es noch ein­mal die glo­ba­len Abhän­gig­kei­ten zeigt. Und dann woll­te ich noch wei­ter­ge­ben, dass mich meh­re­re Leu­te auf das gro­ße Sicher­heits­pro­blem hin­ge­wie­sen haben, das dar­in besteht, dass Fair­pho­ne kei­ne Updates über Android 4.x hin­aus ange­bo­ten hat. Bild­hadft gesagt: ein Öko-PC, der aber heu­te noch nur mit Win­dows XP zu betrei­ben ist.