Nachdem der Winter jetzt doch nochmal ein paar eisige Schneeflocken vorbeigeschickt hat, zur Erinnerung dieses Landschaftsfoto aus dem November. So sah’s da bei uns aus. Aber muss jetzt nicht nochmal sein …

Das Blog von Till Westermayer * 2002
Das Regierungsmitglied S. kündigt an, demnächst ein Kind zu erwarten. Es wird gratuliert, vor allem aber eifrig darüber diskutiert. Die Untertöne in der Debatte reichen von der Frage, ob dieses Regierungsmitglied dann noch sein Amt ausüben kann, bis hin zu Spekulationen, ob es denn politisches Kalkül war, zur Elternschaft zu kommen. Die Annahme, dass ein wichtiges Führungsamt wie das von S. mit einem Kind zu vereinbaren ist, ist jedenfalls längst nicht selbstverständlich. Und selbst wenn, dann geht es vielleicht gerade in so einer exponierten und politischen Position mit hohem Gehalt, aber nicht, wenn S. einen ganz normalen Beruf ausüben würde.
Natürlich ist S. die Familienministerin Kristina Schröder. Dass so debattiert wird, und dass das vermutlich nicht der Fall wäre, wenn S. der Familienminister Kristian Schröder wäre, zeigt, wie selbstverständlich geschlechtsdifferent bestimmte Annahmen darüber, was passiert, wenn Menschen zu Eltern werden, in Deutschland immer noch sind. Dass das so ist, ist nichts neues – trotzdem halte ich es für sinnvoll, an einer Stelle wie dieser, wo es doch sehr deutlich wird, genau darauf hinzuweisen.
Heute nachmittag habe ich einen kleinen Twtpoll gestartet, mit der simplen Frage „Wieviel Prozent erhalten die Grünen bei der Landtagswahl am 27. März in Baden-Württemberg?“ und einer Auswahl von Antwortmöglichkeiten zwischen 10 und 35 Prozent. Inzwischen haben 85 Personen an dem dankenswerterweise u.a. von der grünen Landesgeschäftsstelle retweeten Poll teilgenommen. [Nachtrag: auch bei n=104, dem aktuellen Stand, gelten die Aussagen unten weiterhin]
Das Ergebnis (hier in Google Docs aufbereitet, um etwas übersichtlicher zu sein als die Twtpoll-Darstellung) finde ich ganz interessant:
Demnach werden – ziemlich stabil – im Durchschnitt etwa 23 Prozent für die Grünen erwartet (die letzten Wahlumfragen sehen uns bei 26–29 Prozent). Der Medianwert liegt bei 24 Prozent. Am häufigsten wurden bisher 27 Prozent als erwartetes Ergebnis der Grünen angegeben.
Allerdings streuen die Schätzungen weit und reichen von einigen Extremwerten (10 Prozent – vermutlich hätten einige gerne auch noch weniger als 10 angegeben – bis 35 Prozent) bis zu einem relativ häufig genannten Block zwischen – grob gesagt – 18 und 28 Prozent, mit einer Tendenz Richtung 28 Prozent.
Was sagt uns das jetzt? Kommt drauf an – entweder lässt sich das so interpretieren, dass die aktuellen Umfragewerte durchaus von vielen als realistisch angesehen werden, oder dass sie – im Mittel – als etwas zu hoch geschätzt betrachtet werden. Oder: es gibt PessimistInnen und OptimistInnen, die zu jeweils unterschiedlichen Schätzungen kommen.
Falls das ganze in etwas sinnvollerer Form als als unrepräsentative Befragung meiner Timeline wiederholt werden sollte, dann wäre es übrigens nicht schlecht, einen Filter nach der Wahlabsicht einzubauen. Mich würde jedenfalls interessieren, ob potenzielle Grün-WählerInnen das vermutete Wahlergebnis anders einschätzen als andere.
Warum blogge ich das? Um andere an dem kleinen Experiment teilhaben zu lassen. Und weil ich glaube, dass es gar nicht so einfach ist, sinnvoll abzuschätzen, ob die aktuellen grünen Umfragewerte eine „Blase“ sind oder eine realistische Basis haben.
Seit der Landesdelegiertenkonferenz Anfang Dezember erstrahlt die Website der baden-württembergischen Grünen in neuem Glanz (und prompt gibt es gute Kritiken im Handelsblatt zum Online-Wahlkampf). Sichtbar ist hier die „Linie“ für den diesjährigen Landtagswahlkampf, mit „ausgerissenen“ Textblöcken und einer collagenartigen Gestaltung. Und dem Claim „JETZT!“, der endlich groß und öffentlich über allem prangt und nicht mehr geheim gehalten werden muss. Demnächst wird es dann auch die Plakate geben. Einen Vorgeschmack, wie thematische Positonierung und Gestaltungslinie dort zusammenwirken, gibt das Großflächenplakat, für das jetzt schon SpenderInnen gesucht werden.
Auch wenn mir bei einer Betrachtung im Detail sicherlich Kritikpunkte einfallen würden, muss ich doch sagen, dass ich mit Claim und Gestaltungslinie insgesamt sehr zufrieden bin. „Politik wechseln“ ist mein Lieblingsmotiv aus der Plakatreihe, aber nach allem, was ich bisher davon kenne, werden auch die anderen Plakate richtig gut werden. Der Wahlkampf kann kommen!