Irgendwie war ich ziemlich viel unterwegs in den letzten Wochen – umso mehr freut es mich, dass ich den kurzen goldenen Oktober hier im Rieselfeld in Freiburg doch ein bisschen genießen konnte. Könnte länger sein – genauso wie die komplementäre Phase im Frühling.
Kurz: Bildungszeiten
Ein Problem, dass der Bildungspolitik (und eingeschränkt auch der Hochschulpolitik) inhärent ist, ist die stark verzögerte Aktion – Wirkung, bei gleichzeitig unmittelbarer Alltagsbetroffenheit für viele Menschen. Inhaltliche Reformen des Lehramtstudiums wirken genauso wie quantitative Veränderungen bei der Zahl der Lehramtsstudienplätze erst fünf, sechs oder sieben Jahre nach den politischen wirksam. Ein Studium dauert eben.
Ähnlich sieht es aus, wenn zum Beispiel im Grundschulunterricht etwas geändert wird – egal was, egal in welche Richtung. Es gibt einen relativ langen Vorlauf – Änderung der Bildungspläne, Fortbildungen, neue Materialien – und möglicherweise werden Folgen erst beim Übergang in die weiterführende Schule oder gar erst im weiteren Schulverlauf sichtbar. Auch hier reden wir also von zeitlichen Verzögerungen zwischen Aktion und Wirkung von Jahren bis Jahrzehnten.
Politik findet in Legislaturperioden statt (vier oder fünf Jahre), tagesaktuell werden noch viel kürzere Zeithorizonte eingefordert – jetzt ist das Studienergebnis X da, jetzt muss sofort reagiert werden. Faktisch führt das zu einer permanenten Übersteuerung in der Schulpolitik, durch didaktische Modewellen und Angst vor aufgebrachten Eltern noch verstärkt. Kontraintuitiv wäre hier also zum einen langsameres und gelassenes – dafür breit auch über politische Lager hinweg konsentiertes – Handeln sinnvoll, zum anderen – sagt mir der Blick auf die Arbeitswissenschaft – eine Stärkung lokaler Kompetenzen, Entscheidungsspielräume, Ressourcen und „Puffer“, um Verwerfungen kurzfristig in den Schulen auffangen zu können, ohne am großen Rad der Bildungspolitik zu drehen.
Photo of the week: Moon with clouds
Kurz: Oktoberwahlen
So richtig glücklich macht mich ja weder die Wahl in Niedersachsen, noch die in Österreich, noch jetzt die in Tschechien. Österreich und noch mehr Tschechien (stärkste Partei: ein Berlusconi-Verschnitt, danach kommen Rechte, Piraten (!), noch mehr Rechte, und dann erst das übliche Parteienspektrum) zeigen mal wieder einen massiven Rechtspopulismusruck. In Österreich wird’s Schwarz-Blau oder Rot-Blau, beides eher eklig.
Und dass in Österreich (nach Abgang der jungen Grünen Richtung KPÖ aufgrund von personellen Streitigkeiten um Wahllisten für die Hochschulwahlen und Spaltung – ein nicht wieder aufgestellter bekannter Parlamentarier machte seine eigene populistische Liste auf) die Grünen klar an der dortigen 4%-Hürde scheiterten, gefällt mir nicht. Ich hoffe, da kommt es jetzt zu einer Neuaufstellung und nicht zur weiteren Zerlegung; bisher waren mir die österreichischen Grünen eigentlich vor allem als innovative und sympathische grüne Partei aufgefallen, die lange vor uns entdeckt hat, wie wichtig gute Kampagnen sind. Also nichts mit tu felix austria.
Und Niedersachsen? Die Neuwahlen wurden vorgezogen, weil Rot-Grün nach dem Wechsel von Elke Twesten zur CDU seine Mehrheit verlor. Schwarz-Gelb hätte also vor der Wahl eine Mehrheit gehabt. Nach der Wahl fehlen Rot-Grün zwei Stimmen zur Mehrheit (mit klaren internen Verschiebungen von Grün zu Rot), aber da die AfD trotz der in Niedersachsen besonders ausgeprägten Zerstrittenheit eingezogen ist, hat auch Schwarz-Gelb keine Mehrheit. Jamaika auf Landesebene haben die Grünen klar ausgeschlossen, eine Ampel will die FDP nicht mitmachen (genau wie 2016 in Baden-Württemberg) – wenn sich da niemand bewegt, kommt es zur großen Koalition unter Führung der weiterhin starken SPD. Und wenn die Linke reingekommen wäre, statt knapp an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern, sähe jetzt alles anders aus – ebenso, wenn die Wähler*innen der Kleinstparteien ihre Stimme den größeren gegeben hätten. (Sagte ich schon, dass ich ein Präferenzwahlsystem sinnvoll fände?)
Photo of the week: Wet net III
Eigentlich gäbe es gerade unheimlich viel zu posten – zu Hochschulpolitik ebenso wie zu den Wahlen in Niedersachsen und Österreich. Ich komme allerdings gerade schlicht nicht dazu – diverse grüne und jobbedingte Termine und ein umfangreich dem Kinderzimmerum- und ‑aufräumen hindern mich. Gerade mal für ein Foto der Woche reicht es …



