Ringelblume, frisch vom Balkon. Und gar nicht tiefgefroren.
Kurz: Infrastrukturabhängigkeit
Ich finde es immer wieder erstaunlich, festzustellen, wie abhängig ich vom reibungslosen Funktionieren von Infrastrukturen (oder „Großen Technischen Systemen“) bin, Tendenz zunehmend. Sichtbar wird das immer dann, wenn ein System ausfällt. Das passierte in den letzten Tagen gleich zweimal.
Beispiel 1: Als ich von der Fraktionsklausur nach Hause kam, leuchteten am DSL-Router nur zwei statt fünf LEDs. Kein Internet, damit – IP-Telefonie – auch kein Telefon, und an Streaming von Unterhaltungsmedien war erst recht nicht zu denken. Rückzuglinie: das Handy. Am nächsten Morgen dann Anruf bei der Telekom; der erste Termin für einen Techniker, an dem ich auch konnte: eine Woche später. Gestern wurde der Defekt, ein Fehler im Schaltkasten, dann repariert. Eine Sache von wenigen Minuten. Seitdem läuft’s wieder, aber bis dahin ging vieles nicht.
Beispiel 2: Der Sturm Friederike brachte die Bahn dazu, den Fernverkehr abzuschalten. Ob das in jedem Fall gerechtfertigt war, weiß ich nicht – für mich konkret hieß es erstmal: sitze ich jetzt in Stuttgart fest? Dank der weiter fahrenden Regionalzüge, die dann entsprechend überfüllt waren, kam ich doch noch nach Freiburg. Dauerte allerdings vier Stunden statt zwei, was konkret bedeutete, dass meine Kinder abends nicht zu mir konnten, sondern länger als geplant von ihrer Mutter betreut werden mussten, die dankenswerterweise gelassen darauf reagierte. Auch wenn’s bei mir halbwegs klappte mit der Rückfalloption RE: ein paar mehr Redundanzen im Bahnverkehr wären nicht schlecht.
Photo of the week: Winter landscape IV
Kurz: Für eine Schule mit aussagekräftigeren Beurteilungen!
Eine der heißen bildungspolitischen Debatten in Baden-Württemberg ist der Konflikt um die „Schule ohne Noten“. Für die, die nicht so tief drinstecken: auch gegen den Protest des grünen Koalitionspartners hat die Kultusministerin in exekutiver Eigenverantwortung verfügt, den diesbezüglichen, an einer Handvoll Grundschulen im Land laufenden Schulversuch abzubrechen – egal, wie positiv die Rückmeldungen aus den Schulen dazu auch ausgefallen sind.
Das Ganze wird aus Sicht der konservativen Bildungspolitik als Teil eines „Leistung muss sich wieder lohnen“-Pakets verkauft. Leider setzt sich diese Rahmung recht erfolgreich durch. Den Tatsachen entspricht sie nicht. Gut gemacht, ist eine Schule ohne Noten nämlich eigentlich eine Schule mit sehr viel mehr und aussagekräftigeren Leistungsbeurteilungen, in der aber auch sehr viel genauer eine Rückmeldung darüber gegeben wird, wo und wie diese erbracht wird, und wo es nicht so gut läuft. Ich kenne das von der Schule meiner Tochter – die Staudinger-Gesamtschule ist eine der drei „Schulen besonderer Art“ in Baden-Württemberg, eine in den 1970er Jahren eingerichtete Gesamtschule, in der seit einigen Jahren bis Klasse acht alle Schüler*innen gemeinsam unterricht werden. Es gibt also bis einschließlich Klasse 8 keine niveaudifferenzierten Kurse, sondern eine Binnendifferenzierung im Unterricht.
Dass das mit klassischen Noten nicht funktioniert, ist klar. Deswegen werden andere Instrumente zur Leistungsrückmeldung eingesetzt. Neben regelmäßigen Eltern-Lehrer-Schüler-Gesprächen sind das vor allem recht ausführliche Lernberichte standardisierter Form, die es statt der Zeugnisse gibt. Im Ergebnis steht da dann nicht »Deutsch 2–3«, sondern zum einen wird markiert, welche Kompetenzen auf welchen Niveaus (grundständig, mittel, erweitert) erworben wurden (Beispiel: „Lesen/Textverständnis […] [E] „Du kannst durch die Anwendung von Lesestrategien selbstständig einen Text erschließen und die zentralen Aussagen herausarbeiten. Zu Textinhalten kannst du kritisch und begründet Stellung nehmen.“). Zum anderen werden für einzelne Teilbereiche eines Faches Noten bzw. Punkte vergeben und dargestellt (wiederum mit Angabe des Kompetenzniveaus); faktisch werden hier die Ergebnisse von Klassenarbeiten, Präsentationen, Vorträgen, Tests, Heftnoten etc. dokumentiert (Beispiel: »Gedichtvortrag [E] 2-«). Dazu kommen textliche Beurteilungen zum „individuellen Lernen“ in den Hauptfächern, dabei geht es vor allem um das „Wie“ des Lernens. Insgesamt ergibt das dann ein deutlich aussagekräftigeres Bild.
Ich weiß jetzt nicht, wie die „Schule ohne Noten“ an den Versuchsgrundschulen konkret umgesetzt wurde. Ich gehe aber stark davon aus, dass auch hier andere – wertschätzende, und die Kinder fördernde – Formen der Leistungsbeurteilung und Leistungsrückmeldung gesucht und gefunden wurden. Eine Schule, die genauer hinschaut, die auf die einzelnen Kinder eingeht, und die individuelle Rückmeldungen gibt, statt ein doch recht grobes Raster über alles zu stülpen. Das ist dann nicht laissez-faire. Aber das scheint in einige Köpfe nicht rein zu wollen …
Photo of the week: Heron
Die letzten paar Fotos der Woche waren schon Vögel, und jetzt fängt meine Foto-der-Woche-Serie für das Jahr 2018 auch noch mit einem an. Trotzdem wollte ich euch diesen (etwa unterkühlt) am Ufer der Dreisam stehenden Graureiher nicht vorenthalten. Und bevor sich jemand Sorgen macht: Er ist nicht beim heutigen braunschlammig reißenden Hochwasser aufgenommenen. Das Bild ist schon ein paar Tage alt. Genauer gesagt: es stammt sogar aus dem letzten Jahr.
Trotzdem nehme ich’s als Anlass, allen ein frohes Neues Jahr zu wünschen. Ich habe bei Facebook ja geschrieben, dass ich mir wünsche, dass 2018 solide und langweilig wird. Sieht bisher – fire and fury – nicht so aus, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ein bisschen weniger interesting times könnten wir jedenfalls alle mal brauchen.



