Hat das Duell-Format einen Mehrwert? Jedenfalls dann nicht, wenn daraus – wie beim SWR zur Landtagswahl 2026 – ohne Not ein Triell gemacht wird, und ein AfD-Politiker mit an den Tisch geholt wird, der weder zur Landtagswahl antritt noch auch nur den Hauch einer Chance hat, Ministerpräsident von Baden-Württemberg zu werden. Und der dann über weite Strecken die Debatte dominiert. Der „Faktencheck“ im Hintergrund biss sich an wenigen Themen fest, viele Behauptungen blieben einfach stehen. Eine Einordnung, dass dieser so verbindlich wirkende Typ der Kandidat einer Partei ist, die klar rechtsextremistisch ist, erfolgte nicht. Aus Sicht des SWR: wohl ganz normale Leute.
Die Botschaften der beiden ernsthaften Kandidaten, Cem Özdemir und Manuel Hagel, bestanden leider in weiten Teilen aus Versatzstücken, die schon einmal gehört hatte, wer die eine oder andere Wahlkampfrede verfolgt hat. Eine nicht genutzte Chance.
Immerhin wurde deutlich, dass Manuel Hagel eine Vorliebe für Triaden hat („dazu braucht es drei Dinge“) und mit leuchtenden Augen auswendig gelernte Phrasen über Jobs durch Sonderwirtschaftszonen aufsagen kann. Cem Özdemir setzte Punkte beim solaren Umbau der Wirtschaft und beim Mieterschutz – leider hakten die Moderator*innen hier nicht nach, als Hagel ebenfalls etwas zur Mietpreisbremse sagen sollte und dann nur über Grunderwerb sprach.
Am aufschlussreichsten erschien mir eine Sequenz am Ende. Zum Gameshowsetting mit Buzzern, Schnellfragerunden und mit Plingpling unterlegten Datenpräsentation gehörte auch „fragen Sie einen der anderen Kandidaten“.
Frage Cem, sinngemäß: „Ich richte meine Frage an Manuel Hagel. Unter Winfried Kretschmann haben wir zehn Jahre gut zusammen regiert, in guten wie in schlechten Zeiten. Gibt es etwas, das Sie an meiner Partei, an den Grünen, gut finden.“
Antwort Hagel, sinngemäß: „Ähm, tja … unser Land wurde gut regiert … ähm … daran haben wohl auch die Grünen einen Anteil.“
Hagel macht einen Wahlkampf, als wäre er nicht Fraktionsvorsitzender in dieser Koalition, als würde die CDU nicht seit zehn Jahren für Wirtschaft und für Innenpolitik Verantwortung tragen. Digitalisierung liegt in einem CDU-Ressort. Und alle Daten deuten darauf hin, dass die einzige mögliche Koalition im demokratischen Spektrum – je nachdem – Grün-Schwarz oder Schwarz-Grün sein wird. Aber ein positives Wort für die bisherige Regierung kommt ihm nicht über die Lippen.
Mich erinnert das an Merz, dessen vollmundigen Versprechen ja auch nur eine sehr begrenzte Halbwertszeit hatten. Verlässlichkeit sieht anders aus.
