Ich fange mit dem Bildschirm an, das ist einfacher, weil in den letzten Wochen recht reduziert – zum einen deswegen, weil meine Kinder mehr Lust auf Gesellschaftsspiele als auf das gemeinsame Filmgucken hatten, zum anderen, weil ich meine freie Zeit neben Arbeit und Wahlkampf dann lieber in Lego gesteckt habe, wie beschrieben.
Übrig geblieben ist dann Star Trek – zum einen habe ich mal eine der Bildungslücken geschlossen und mir Star Trek IV: The Voyage Home angeschaut, ein Film aus den 1980ern, genauer gesagt kam er 1986 in die Kinos, der vor allem in den 1980ern spielt. Und selbst die Szenen, die dreihundert Jahre in der Zukunft stattfinden, sehen, etwa beim Blick auf das Design der Computergrafiken, sehr nach den 1980ern aus. Ganz passend dazu hat der Film ein Ökothema (Wale retten, um die Menschheit der Zukunft zu retten) und kommt – was ich erfreulich fand – weitgehend ohne Schießereien, Tote und ähnliche Großkatastrophen aus, und baut trotzdem Spannung auf. Startrekmäßig ist das alles das Ende der TOS-Ära, sprich ein älter gewordener James T. Kirk, ein älter gewordenener Spock usw. – quasi der Gegenpol zu der neuen Strange-New-Worlds-Serie, die in der – im direkten Vergleich doch sehr sichtbaren – Ästhetik der 2020er Jahre die Vorgeschichte von Kirk, Spock usw. erzählt.
Das andere Star-Trek-Momentum waren die ersten fünf Folgen der neuen Star Trek: Starfleet Academy-Serie (2026, Paramount+), die uns ganz ans andere Ende des Star-Trek-Kosmos entführt, in die ferne Zukunft einer im Wiederaufbau befindlichen Föderation. Diese Post-Burn-Welt haben wir in der Discovery-Serie kennengelernt, und einige wenige Figuren (Vance, Reno) verbinden beide Serien (andere, wie etwa der Hologram-Doktor, gibt es im Kontext der Geschichte schon einige hundert Jahre). Der Fokus ist bei Starfleet Academy allerdings ein ganz anderer: im 32. Jahrhundert wird in San Francisco die prestigeträchtige Starfleet Academy wieder ins Leben gerufen, nachdem in den letzten Jahrzehnten das „War College“ und der Fokus auf die Verteidigung der zerfallenden Föderation den Campus übernommen hatte. Die Starfleet Academy landet wortwörtlich in einem Raumschiff auf dem Campus (der USS Athena) – und nun müssen beide Einrichtungen irgendwie kooperieren.
Im Mix ist Starfleet Academy zu 70% eine Highschool-Serie mit allem, was dazu gehört: Coming of age, Rivalitäten, Liebschaften – das ist der Faktor, der mich ein bisschen abschreckt, der aber vermutlich zielgruppengenau einer jüngeren Generation, die mit Prodigy und Lower Decks aufgewachsen ist, ein Angebot macht. Bisher haben mich die übrigen 30% überzeugt, weiterzuschauen: über die biografischen Hintergründe der einzelnen Charaktere lernen wir den Zustand der Föderation kennen – etwa die klingonische Diaspora. Und an ganz vielen Stellen blinkt der Ethos von Star Trek durch, bei dem Vielfalt und die Suche nach diplomatischen Lösungen, möglicherweise auch nach trickreichen Umgehungen und Loopholes, wichtiger sind als pure Gewalt. Neben den jüngeren Hauptfiguren glänzt das Lehrpersonal, allen voran die Direktorin der Starfleet Academy, Nahla Ake (gespielt von Holly Hunter) – eine äußerst langlebige und äußerst unkonventionelle Lanthanitin mit Hippie-Charme, die schon mal barfuß auf dem Captains-Sessel lümmelt – und sich trotzdem sehr schnell Respekt auch des War Colleges erhält.
Erfreulich: trotz des aktuellen Zustands der USA (und trotz der verschiedenen Übernahmen usw.) bleibt die Serie der Star-Trek-Botschaft von Verständigung und interkultureller Zusammenarbeit treu. Und auch wenn mich das Setting (Post-Burn genauso wie Highschool) zunächst mal abgeschreckt hat, ist spätestens ab der 3. Folge klar, dass die Serie im besten Sinne Star Trek ist.
Zurück zu den 1980ern (und hin zu den Büchern). Irgendwo fand ich einen Hinweis auf C.J. Cherryhs Buch The Pride of Chanur(1981). Eine Space Opera, in der Menschen nur am Rande vorkommen, und die meisten Hauptpersonen katzenartige Aliens sind (rein weibliche Besatzungen der Handelsschiffe; Männer bleiben auf dem Heimatplaneten, fechten Fehden aus oder sitzen in der Sonne). Bereits hier angelegt: die enge Verknüpfung zwischen technologischer und soziologischer Science Fiction. Und damit gut gealtert.
Ganz so lässt sich das nicht über die 1968 zuerst erschienene Reihe New Celebrations: The Adventures of Anthony Villiers (in dieser Kompilation: 2019) von Alexei Panshin sagen. Im Prinzip ein Schelmenroman im Weltall – ein adeliger Sohn reist begleitet von einem als Fellkröte beschriebenen, dichtend-revolutionären Trog-Alien von Planet zu Planet im Nashuite Empire, es geht um Sitten und Gebräuche, Spielschulden, kriminelle Syndikate und all zu strenge Zensoren – sowie (hier wird das Alter der Romanreihe dann sichtbar) das trotz einiger Überraschungen eher als Objekt denn als Subjekt auftauchende weibliche Geschlecht. Abgesehen davon gut beobachtet und amüsant geschrieben.
Äußerst unerfreuliche Aliens treffen wir dagegen in der neuen Reihe von Daniel Abraham und Ty Franck („James S. A. Corey“, The Expanse), die mit The Mercy of Gods (2024) beginnt. Der Roman beginnt auf einem von Menschen besiedelten Planeten (auf dem es wohl auch verborgen kristallines intelligentes Leben gibt). Die Kultur hat sich in der hier beschriebenen fernen Zukunft weiterentwickelt, aber akademische Rivalitäten und politische Intrigen gibt es nach wie vor. Dieses Setting bauen die Autoren aber im ersten Viertel des Buchs nur auf, um es dann zu zerstören – und um eine Handvoll der besten Wissenschaftler*innen und Künstler*innen von gottgleichen Aliens entführen zu lassen. Deren traumatisches Leiden wird recht detailliert beschrieben. Wenig später – na gut, Wochen und Monate später – findet diese Gruppe sich dann in einem planetenumspannenden Palast wieder. Um zu überleben, müssen sie Spitzenwissenschaft abliefern. Wie sich bald herausstellt: in Konkurrenz zu anderen Wesen, die von den als eine Art Riesenkrabben beschriebenen Aliens, den Carryx, ebenfalls entführt wurden. Wer nichts taugt, wird vernichtet, wer etwas kann, wird zum Werkzeug der Götter. Vor dieser Kulisse entspannt sich eine packend dargestellte Gruppendynamik, es geht um die Frage, ob Anpassung oder der Versuch, heldenhaft Widerstand zu leisten, die bessere Strategie ist. Und natürlich gibt es noch eine weitere Ebene, auf die ich aus Gründen jetzt nicht eingehe. Insgesamt: spannend, aber auch ziemlich düster. Der zweite Band dieser The-Captive’s‑War-Serie soll wohl in Kürze erscheinen, und über eine mögliche Verfilmung wird auch schon gesprochen.
Und noch mehr Space Opera: Megan O’Keefe entwirft mit The Two Lies of Faven Sythe (2025) ebenfalls das Bild einer fernen Zukunft, in der die Erde nur noch eine vage Erinnerung ist. Die eine Hauptperson, Faven Sythe, gehört zu den Navigatoren, der Elite, die durch die Symbiose mit den Cryst die Fähigkeit erlangt hat, Sternenpfade zu finden und Raumschiffe auf diesen zu führen. Die andere Hauptperson, Bitter Amandine, ist eine Weltraumpiratin. Sie braucht dringend einen neuen Auftrag – und verbirgt zugleich das eine oder andere Geheimnis, etwa im Hinblick auf die Herkunft ihres Schiffes. Was nach einer Entführung als Piratensaga im Weltraum (mit einem guten Schuss Romantik zwischen den beiden) beginnt, entwickelt sich zu etwas weit größerem. Es stellt sich heraus, dass nicht nur Bitter Amandine Geheimnisse hat – und dass die Zukunft der Menschheit eng mit dem Schicksal der beiden Hauptfiguren verflochten ist. Auch wenn die eine oder andere Entwicklung ein bisschen vorhersehbar ist, doch packend geschrieben und spannend zu lesen.
Auch Sunward (2025) von William Alexander spielt im Weltraum. Wir bleiben in diesem (kürzeren) Roman allerdings im Sonnensystem. Die Erde ist verwüstet, der Mond stellt den Siedlungsschwerpunkt dar, aber vom Merkur bis zum Jupiter finden sich menschliche Siedlungen – und halbwegs intelligente Roboter. Wir nehmen die Perspektive von Tova Lir ein, die als Kurier dritter Klasse arbeitet, und es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge Roboter zu sozialisieren. Doch dann holt sie ihre Vergangenheit ein – sie ist die Tochter der faktischen Herrscherin über den Mond – und eine wilde Reise durch das Sonnensystem beginnt. Das Buch wird als cozy SF beschrieben, das ist es (trotz diverser Katastrophen und Morde) wohl auch. Die Tonart spielt zwischen Ernst und Satire; streckenweise erinnerte mich das Buch an Kim Stanley Robinsons The Memory of Whiteness (1985); beiden gemeinsam ist das Motiv der großen literarischen Reise durch das Sonnensystem mit dem Blick auf die unterschiedlichen Kulturen, die sich zwischen Merkur und Uranus entwickelt haben.
Nach den ganzen Weltraumgeschichten abschließend noch All That We See or Seem (2025) von Ken Liu. Hier bleiben wir auf der Erde – es geht um die Hackerin Julia Z im Boston einer nicht allzu fernen Zukunft, in der es ganz- und halbintelligente LLMs, KIs und virtuellen Welten gibt, aber auch global agierende Kriminelle und ausgebeutete Geflüchtete. Zu diesem Zukunftsbild gehört der Beruf der Onierofex, der Traumweberin – mit Hilfe von AI und digitaler Synchronisation träumen Menschen gemeinsam luzide, geleitet von der improvisierenden Onierofex. Elli ist eine solche und hat es damit zu Ruhm gebracht. Sie verschwindet – und Julia Z wird beauftragt, sie zu finden. Damit gerät sie in eine Thriller, in dem sie zusammen mit Ellis Mann, Piers, durch die halbe USA reist und immer tiefer in eine digitale Unterwelt gerät. Ein zeitgemäßes Update des Cyberpunk-Genres – und eine gute Auseinandersetzung damit, was passiert, wenn Artifical Intelligence zum durchgängigen Bestandteil des Alltags wird.

