Vergemeinschaftung statt Expertise, oder: Wo Sascha Lobo falsch liegt

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Playing pieces II

Vorneweg: Die Kolumne von Sascha Lobo bei Spiegel online finde ich insgesamt sehr gelungen und anregend. Über die letzte Ausgabe (Desinformation: Im Netz der Besserwisser) habe ich mich jedoch geärgert – und möchte versuchen, dem nachzugehen. Weil es erst einmal ja gar nicht so klar ist, was daran ärgerlich ist, dass da jemand versucht, für ein bisschen mehr Aufklärung zu plädieren.

Ich versuche mal, Lobos Argumentation zusammenzufassen: 1. Menschen im Internet sagen gerne ihre Meinung zu allem möglichen, auch wenn sie keine Ahnung haben. 2. Andere Menschen greifen das auf, und sie greifen vor allem – weil Suchmaschinen und Soziale Netze das befördern – das auf, was ihrer eigenen Meinung ähnelt. 3. Das ist blöd, weil sich dadurch unwahre Aussagen verbreiten.

Und jetzt komme ich, und versuche mich als Wissensexperte. Wo liegt Sascha Lobo falsch? Die Aussage, die bei mir am meisten Unwohlsein ausgelöst hat, war glaube ich diese hier:

Die hohe spezifische Expertendichte des Internets begleitet auch Fukushima, das die bisher kaum bemerkte Expertisekombination von Tsunami-Spezialisten und Strahlungsfachkräften endlich ans Monitorlicht brachte. Ähnlich viele Sachkundige analysieren derzeit die verschiedenen Dimensionen des Einsatzes gegen Bin Laden. Leistungskurs Völkerrecht und Islamismusforschung via Google und Wikipedia in dreißig Sekunden – wenn überhaupt vor der allgemein- und endgültigen Feststellung der Weltfakten nachrecherchiert wird. Viel lässt sich ja auch aus dem Gedächtnis und dem Gefühl heraus sagen.

Warum? Weil ich mich zunächst mal gut getroffen gefühlt habe. Ich bin ja auch einer davon, der bei Twitter oder hier im Blog schnell mal eine Meinung hat, und die dann auch von sich gibt. Zu Themen, bei denen ich mich gut auskenne, aber auch zu Themen, bei denen ich nicht mehr oder weniger weiss als andere. Damit könnte ich es jetzt bewenden lassen. Lobo hat recht, wir alle sollten viel öfter mal den Mund halten. Sonst ist die »großartige Wissensmaschine […] in Gefahr, zur Besserwissensmaschine der gefühlten Experten zu werden.« Wir könnten alle nur noch dazu etwas sagen, wo wir sicher wissen, dass es so ist. Auch wenn das den großen Informationsgenerationsmotor (Someone is wrong on the Internet) stark bremsen würde.

Den Leuten den Mund verbieten? Soweit will auch Lobo nicht gehen. Er schlägt vielmehr Metaaufklärung vor: Wissen darüber, wie Wissen entsteht und verbreitet wird, muss – naja, wohl nicht ganz ernst gemeint – zum Schulfach werden. Aus einer wissenssoziologischen Perspektive finde ich das erstmal gar nicht so unsympathisch. Nur ist Epistemologie natürlich ein bisschen mehr als die Unterscheidung in richtige und falsche Tatsachenbehauptungen. Das sich bestimmte »Laienexperten-Meinungen« im Netz schnell verbreiten, hat ja auch was damit zu tun, dass sie diskursiv gut anschlussfähig sind. Wer eh schon überzeugt davon ist, dass Obama nichts gutes zuzutrauen ist, gibt ohne großes Nachdenken Verschwörungstheorien zum Tode Osamas weiter. In einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Atomkraft allgemein als gefährlich angesehen wird, werden bestimmte Einschätzungen zu Fukushima zum Selbstläufer und andere gehen unter. Und wenn es ins Bild passt, dass die EU eine furchtbare Bürokratie ist, die alles, was nicht industriell genormt wird, verbieten will, nimmt selbst eine memetische Organisation wie Avaaz das Thema »Heilkräuter« auf, ohne weiter darüber nachzudenken.

Könnte es anders sein? Hier macht Lobo meiner Meinung nach den Fehler, eine Trennlinie zwischen »Netz« und »Kohlenstoffwelt« einzuziehen. Nicht nur im Internet sagen Menschen gerne ihre Meinung zu allem möglichen, egal, ob sie darin Expertise haben oder nicht. Der Nachbar von gegenüber warnt davor, Trampolin zu springen, weil das gefährlich ist. Am Stammtisch wird wild über politische Motivationen spekuliert. JournalistInnen schreiben liebend gerne Artikel, die ihre eigenen Vorurteile bestätigen. Eine Meinung zu haben, ist menschlich. Nur gehen wir bisher von sauberen Trennlinien aus – zwischen wissenschaftlichem Wissen und Expertenwissen auf der einen Seite, und Laienwissen und Alltagswissen auf der anderen Seite. Die scheinen im Netz zu verschwinden.

Ach ja, das Netz. Wenn ich Lobos Argumentation richtig verstehe, dann ist es das Netz, dass die Tatsache, dass Menschen ihre unfundierte Meinung äußern, zu einem Problem macht. Erstens, weil alles viel schneller geht. Zweitens, weil es Suchmaschinen und soziale Netzwerke gibt, die es ermöglichen, sich in Windeseile Scheinwissen anzueignen. Und drittens eben, weil alles nebeneinander steht, ohne säuberlich getrennt zu sein. In einer Art Latourschen Ursuppe.

Dass die Prozesse, in denen sich Wissen (egal, ob falsch oder wahr) im Netz verbreitet, andere sind und teilweise schnelle sind als in der »Kohlenstoffwelt« – da ist sicherlich was dran. Der Ausspruch, dass nichts schneller als ein Gerücht sei, ist jedoch vermutlich älter als das Internet (und nein, ich habe da jetzt nicht recherchiert, ob es diesen Ausspruch überhaupt gibt, wo er herkommt, und was es damit auf sich hat).

Menschen äußern gerne ihre Meinung, auch wenn sie falsch ist. Andere Menschen nehmen diese auf, oder auch nicht. Wir haben als soziale Gattung Praktiken entwickelt, mit diesem Problem umzugehen. Diese Praktiken sind nicht wirklich effektiv, insofern sie nur bedingt dazu beitragen, das Wissen in »wahr« und »falsch« zu sortieren. Lobo steigt in seiner Kolumne mit Aristoteles ein:

Aristoteles, den man mit nur geringer Vermessenheit als Urvater der modernen Wissenschaften bezeichnen kann, schrieb um das Jahr 350 vor Christus: »Eintagsfliegen bewegen sich auf vier Beinen«. Bis ins späte Mittelalter hielt sich deshalb in vielen Schriften über die Biologie die Behauptung, Fliegen hätten vier Beine.

Genau: auch ganz ohne Twitter und gefühltes Expertentum haben die menschlichen Wissensvermittlungspraktiken es »bis ins späte Mittelalter« geschafft, über die unhinterfragte Reproduktion von autoritativem Expertenwissen eine empirisch falsche Behauptung zu reproduzieren. Das hat etwas damit zu tun, dass die einen Mönche von den anderen abgeschrieben haben, aber auch mit einem Vorverständis, bestimmte Wahrheiten nicht kritisch zu hinterfragen.

Soweit die Kolumne von Lobo dazu beiträgt, uns darauf hinzuweisen, dass es das selbe Problem in anderer Farbe heute noch immer gibt, ist sie zweckmäßig. Die Schwierigkeiten beginnen da, wo es um die unterschwellige Alternative geht. Und die hat etwas mit Trennlinien und Sortiermechanismen zu tun.

Als Lösung für das Problem unzuverlässiger Wissensvermittlungspraktiken entstanden, kurz gesagt, gesellschaftliche Grenzziehungen zwischen unterschiedlichen Wissensformen. Idealtypisch betrachtet gelten für die Genese und Verbreitung wissenschaftlichen Wissens andere Regeln als für die Genese und Verbreitung journalistischen, religiösen oder alltäglichen Wissens. Aber – und da kommt die Wissensoziologie und Wissenschaftssoziologie ins Spiel – diese Trennlinien sind imaginär und fluider, als wir das gerne wahrhaben wollen. Das scheinbar reine wissenschaftliche Wissen mit seinen Peer-Review-Mechanismen der Fehlerkorrektur ist anfällig für Sprachspiele und Reputationsbanking. Die einfache wahr/falsch-Unterscheidung entwickelt selbst im wissenschaftlichen Bereich Dynamiken, die beispielsweise dazu führen, dass es in der Wikipedia immer wieder Edit-Wars gibt – oder dass die diversen Versuche, eine nicht durch Laienmeinungen behinderte Wikipedia-Konkurrenz aufzubauen (»Knol«, anyone?) nicht so recht vom Fleck gekommen sind.

Journalistische Wissensverbreitung funktioniert nicht gut, wenn das zu verbreitetende Wissen zu komplex ist, oder zu inkonsistent. Oder wenn nicht klar ist, was daran neu, d.h. kontrovers, ist. Das System der Massenmedien hat seine eigene Selektionslogik entwickelt. Die dazu führt, dass bestimmte Wissensbestände es in bestimmten Formen in die Zeitungen und ins Fernsehen schaffen, und andere nicht. Und in einer immer noch stark massenmedial geprägten Gesellschaft sind das natürlich die Punkte, an denen dann auch der Diskurs der Stammtische, Straßenbahnen, Wohnzimmer und Gartenzäune ansetzt.

Alltagskommunikation hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Soziale Rollen (was der Chef sagt, wird schon richtig sein – zumindest widerspreche ich besser nicht), situative Bedingungen (ich habe jetzt keine Zeit, das richtigzustellen, also sage ich mal nichts zu dem Blödsinn) und eben wieder die Anschlussfähigkeit an vorhandenes Wissen (das war schon immer so, d‹r Lump bleibt a Lump) strukturieren das, was wir sagen können, wenn wir sozial akzeptiert sein wollen. Vorhandenes Wissen: das, was in der Zeitung steht, was die Experten und Expertinnen gesagt haben. Und das, was das Bildungssystem vermittelt hat (mit Filtern wie »Lehrer schlecht gelaunt« und »wofür brauch ich den Mathe«). Und das, was wir uns selbst ausgedacht haben. Meinungen halt.

Auch JournalistInnen und WissenschaftlerInnen (usw.) haben ein durch den gesellschaftlichen Diskurs geprägtes Vorwissen. Und sie können zwar versuchen, durch professionelle Handlungsformen diese vorhandenen Strukturierungen auszublenden und aus den jeweiligen Wissensproduktionspraktiken herauszuhalten – ganz gelingt das aber nicht.

Worauf ich hinaus will: Es gibt gesellschaftliche Teilbereiche, die ihre jeweils eigenen Logiken der Wissensgenerierung und -verbreitung haben. Diese Logiken lassen sich idealtypisch beschreiben. Luhmann hat das gemacht. Gleichzeitig lässt sich – im Sinne Latours – die Behauptung aufstellen, dass diese Trennlinien nur existieren, weil sie aktiv immer wieder – mit großen Mühen – neu errichtet werden. Es gibt Praktiken der »Reinhaltung« der verschiedenen gesellschaftlichen Wissensproduktionsbereiche. Wir haben sogar gelernt, damit umzugehen, dass wir als Personen in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Dinge wissen. Weswegen es seltsame Hybridformen wie tiefgläubige NaturwissenschaftlerInnen, meinungsmachende JournalistInnen gibt – oder auch PolitikerInnen, die Gesetze machen, die konträr zu ihrer eigenen Lebenssituation stehen.

Selbst ohne Internet leben wir also in einer Gesellschaft, in der es ganz unterschiedliche Arten von Wissen gibt, und in der die Filterfunktionen nur so teilweise funktionieren. Wir kommen damit einigermaßen zurecht.

Warum sollte es im Netz anders sein? Letztlich ist das, was Lobo in seiner SpOn-Kolumne macht, nichts anderes, als ein – in ein bisschen ironisierten Kulturpessismus verpackter – Ruf nach mehr Medienkompetenz. Dass das sinnvoll ist, wird niemand bestreiten wollen. Nur heißt das eben nicht: »Das Netz ist voll gefühlter Experten – und die brauchen dringend Nachhilfe.« Und es heißt eben auch nicht, dass die manchmal klar gezogenen, manchmal vagen Trennlinien zwischen unterschiedlichen Wissensformen, die es heute im Netz schon gibt, verstärkt werden müssten – eine funktionale Ghettosierung funktioniert mit sozialen Netzwerken im Netz nicht. Twitternde PolitikerInnen werden erst dann als erfolgreich in sozialen Medien angesehen, wenn sie dort ihre professionelle Rolle verlassen.

Etwas allgemeiner gesagt: die algorithmischen Filterfunktionen von sozialen Netzwerken, die Suche nach Ähnlichkeit – all das führt in der Tat dazu, dass die »Teilöffentlichkeiten« im Netz gemeinsame Bezüge haben, und sich Gerüchte, Neuigkeiten und Meinungen hier schnell verbreiten, weil sie auf einen dankbaren Boden fallen. Gleichzeitig – und das mag zuerst widersprüchlich erscheinen – gehört es zur Attraktivität des Netzes, dass es dort Bereiche gibt, in denen Erwartungen an die professionelle Rolle des Gegenüber unterlaufen werden. Gerade, weil Identitäten im Netz sich auf eingeschränkte Kanäle verlassen müssen, wollen wir mehr Mensch sehen. Beides zusammen führt zur Bildung von offenen und sich überlappenden Pseudogemeinschaften. (Ein »geselliger Abend« einer Lobbyorganisation hat übrigens eine ähnliche soziale Form.)

Und da liegt Sascha Lobo dann – meine ich – tatsächlich falsch: nur kleine Teile des Netzes haben enzyklopädischen oder journalistischen Charakter. Wenn es stimmt, dass Facebook inzwischen die am häufigsten aufgerufene Website überhaupt ist, dann ist der größte Teil des Netzes mehr oder weniger entlang der Prinzipien sozialer Vergemeinschaftung strukturiert – mit allen Vor- und Nachteilen alltäglicher Wissensproduktion und -verbreitung, katalysiert und beschleunigt durch einige technische Besonderheiten.

Vielleicht sind die Praktiken, Filterfunktionen und Selektionsmechanismen, mit denen wir Wissen aus dem Netz einsortieren, noch nicht ausgereift genug. Aber so, wie vor fünfzehn oder zwanzig Jahren auch niemand daran geglaubt hat, dass Hunde sich an Chats beteiligen, sind wir – im Großen und Ganzen – doch intelligent genug, um zu wissen, dass nicht alles, was am Stammtisch erzählt wird, der Wahrheit entspricht.

Warum blogge ich das? Ist zwar Vergeudung von Lebenszeit, wie einer bei Facebook auf meine Frage, ob ich was dazu schreiben soll, meinte – und was sicher stimmt. Aber irgendwie hatte ich das dieses Bedürfnis, und bin dem dann doch nachgegangen – auch, weil mir selbst gar nicht so ganz klar war, was mich eigentlich stört.

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4 Kommentare zu Vergemeinschaftung statt Expertise, oder: Wo Sascha Lobo falsch liegt

  1. > doch intelligent genug, um zu wissen, dass nicht alles, was am Stammtisch erzählt wird, der Wahrheit entspricht.

    Da spricht die Arroganz des Geisteswissenschaftlers. Das ist jetzt nicht böse gemeint, sondern eine Erfahrung die ich selbst desöfteren machte bzw. mache. So sehr man sich auch bemüht und sich in deinem Fall auch mit Studien, etc. pp. umgibt, so sehr wird man doch immer mit einem Bein im eigenen Mikrokosmos stehen, dem eigenen Kontext verhaftet sein. Der Stallgeruch kommt nie abhanden und trübt oft genug die eigenen Sinne.

    Um beim Beispiel zu bleiben, dieser »Stammtisch«, »Flurfunk«, »Dorftratsch« oder wie sonst man auch immer dieser Praxis nennt, wirkt sehr häufig desaströs, weil bei vielen doch meinungsbildend. Das Netz selbst ist primär ein Multiplikator dieser Praxis auf vielerlei Ebenen, selbstregulierend ist da aus meiner Erfahrung nur recht wenig und wenn überhaupt dann nur innerhalb kleiner abgegrenzter Gruppen.

    Definitiv fehlt das Bewußtsein mit Quellen umzugehen, diese einschätzen zu können, usw. Bis Mitte der 90er kein wirkliches Problem, im Umfeld von BBS & Co besaßen wir unsere kleinen Gruppen, selbstregulierend. Mit Beginn des WWWs aber und dem damit einhergehenden Massenphänomen wurden die Probleme fehlender Kernkompetenzen auffälliger denn je. Und bei der heutigen Flut und der Geschwindigkeit mit der Informationen abgesetzt werden versagen »alte« Vorstellungen bezüglich diverser Modelle, etc. Macht sich heute beispielsweise ein Kommunikationswissenschaftler ein Bild bezüglich der Kommunikation im Netz, ist es mitunter recht schnell veraltet, mitunter gar obsolet innerhalb kürzester Zeit.

    Ansetzen kann man wenig mit Erklärungen, dazu ist das Netz zu dynamisch und schnell wachsend. Man muß auf der untersten Ebene ansetzen, dort die Kernkompetenzen stärken. Schule wie wir sie noch kannten bzw. kennen ist damit längst überfordert und bereitet heutzutage nicht einmal ansatzweise mehr auf irgendeine Art von Leben da draußen vor.

    Sicherlich ist das drastisch formuliert, aber die Probleme die entstehen sind hausgemacht, da der antiquierte Bildungsapparat noch allzu oft gemäß dem Prinzip des »Nürnberger Trichters« agiert.

  2. Till sagt:

    @Oliver: Hmm, ich knabbere jetzt geraume Zeit daran rum, ob das »arrogant« ist oder nicht. Natürlich stimmt das, was du darüber schreibst, dass vielen das Bewusstsein fehlt, mit Quellen umgehen zu können usw. usf. Aber ich glaube, mein Satz (»sind wir doch intelligent genug«) war genau andersherum gemeint: Als gerade als bewusster Verzicht auf die (aus meiner Sicht arrogante) Position des akademischen Besserwissers – es geht nicht darum, das Netz akademischen Standards anzupassen (bzw., Fallstudie Usenet, diese beizubehalten) – sondern darum, zunächst mal zu akzeptieren, dass es ganz generell Praktiken der Meinungsbildung gibt, die als solche eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an neue Kontexte (wie das Netz) haben. Und dass wir alle – auch die viel zitierten und ach so gerne als willenlos manipulierbar dargestellten BILD-LeserInnen etc. – eine gewisse Interpretationskompetenz mitbringen.

    Ist es arrogant, wenn ich – etwa im Sinne der cultural studies von Willis et al. – MedienrezipientInnen unterstelle, dass sie erstmal nicht manipulierbar sind, sondern dass (selbst bei DSDS, BILD oder Twitter) Medienrezeption ein aktiver Vorgang ist, bei dem es zu einer Auseinandersetzung mit und einer(kreativen, subversiven, identitären, jedenfalls aktiven) Aneignung des Materials kommt?

  3. Till sagt:

    (Oder noch mal andersherum: Was heißt es für Forderungen nach direkter Demokratie, »Bürgerregierung« und Gehörtwerden (und das dahinter stehende Menschenbild), wenn davon ausgegangen werden müsste, dass x% der Bevölkerung funktional nicht partizipationsfähig sind?)

  4. Georg sagt:

    Beim Stammtisch weiß ich, wer was sagt uns kann werten. Wer im Netz anonym unterwegs ist, wird von mir nicht ernst genommen.

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