Zu den Dingen, die Eltern, deren Kinder erst in die Schule gekommenen sind, lernen müssen, gehört das Ferienproblem: Herbstferien, Weihnachtsferien, Faschingsferien, Osterferien, Pfingstferien, Sommerferien, da capo. Das kannte ich aus der Kindergartenzeit nicht. Und aus meinem gelebten Terminkalender ebenfalls nicht so ganz. Selbst rein rechnerisch und bei tatsächlicher Urlaubsnutzung dürfte es schwierig sein, all diese Wochen Schulferien mit Elternurlaub zu kombinieren. Dass es deswegen gilt, sich frühzeitig darum zu kümmern, was das Schulkind dann so tun könnte, habe ich noch nicht verinnerlicht. Ich lerne das mit dem Elternsein bei einem Schulkind ja erst noch.
Photo of the week: A clear Stuttgart night I
Der Vorteil daran, dass die Tage im Winter kürzer sind, sind die hinreißend beleuchtenden Nächte rund um den Stuttgarter Landtag. Das fängt beim nächtlichen Blick aus dem Bürofenster im Haus der Abgeordneten an und endet nicht beim nächtlichen Eckensee-Panorama – tiefblauer Himmel mit dem gelb leuchtenden Neuen Schloss und dem angestrahlten goldenen Hirschen vom Kunstverein spiegeln sich im schwarzen Wasser. Wenn ich nicht in dem Moment meist schnell zum Zug müsste, wären das Motive, die ich häufiger (und vielleicht auch mal mit Stativ …) fotografieren würde.
In die Kuppel unter dem goldenen Hirsch wird der Landtag übrigens umziehen, während das Haus des Landtags (der Glaskubus aus den 1950ern) umgebaut wird. Da bin ich mal gespannt, wie sich das auswirkt, wenn die Wege zwischen Fraktion und Plenarsaal noch länger werden, als sie es jetzt schon sind.
Photo of the week: No roof today
So sieht das Dach des Stuttgarter Hauptbahnhofs über den Gleisen bei schönstem Herbstwetter aus. Ästhetisch durchaus reizvoll, wenn auch wenig funktional. Ich bin gespannt, wie das entglaste Dach – ohne die Seitenflügel klappt es mit der Statik nicht mehr so richtig – mit Schnee, Regen und Schneeregen klarkommt, und wann die ersten Gleise wegen Glatteis gesperrt werden müssen. Angeblich soll es ja vor dem Wintereinbruch noch provisorisch abgedichtet werden – so ganz glaube ich da allerdings nicht dran. Kurzum: der Hauptbahnhof Stuttgart ist derzeit alles andere als ein angenehmer Aufenthaltsort. Und über entgleiste Züge an einer wohl etwas zu schnittigen Weiche rede ich mal gar nicht.
Kurz zur OB-Wahl Stuttgart 2012
Stuttgart hat gewählt – und was für ein Ergebnis: Die Kandidaten der beiden großen Parteien vereinen über 70% der Stimmen auf sich, die der kleineren Parteien kommen auf etwa 15% und etwa 10%. Und die restlichen zehn 3,5 Prozentpunkte verteilen sich auf ebenso viele zehn weitere Bewerber.
Ich freue mich, dass Fritz Kuhn es mit 36,5% klar auf Platz 1 im ersten Wahlgang geschafft hat, und den CDU-FDP-FW-Turner samt Bretzel damit ebenso klar auf Platz 2 verwiesen hat. Gewonnen ist die Wahl allerdings noch nicht. Ein Unsicherheitsfaktor ist die Wahlbeteiligung, die mit unter 50% eher mau war. Turner setzt darauf, NichtwählerInnen zu mobilisieren, Fritz wird hoffentlich einen größeren Teil der Wilhelm- und Rockenbauch-Stimmen bekommen. Wäre doch schade, wenn es erneut nicht klappen würde, mit einer progressiven Mehrheit auch einen progressiven OB für Stuttgart zu bekommen. (Das darf gerne auch schon mal als Aufruf verstanden werden, am 21.10. bei der dann fälligen Neuwahl Kuhn zu wählen).
Apropos Neuwahl: Das baden-württembergische Kommunalwahlrecht sieht keine Stichwahl vor, theoretisch könnten jetzt also sogar noch ganz neue KandidatInnen dazu kommen. Andreas Renner zum Beispiel …
Ach ja, über 70% für die Kandidaten der beiden größten Parteien – aber eben auch, und das ist vielleicht die wichtigere Zahl, fast zwei Drittel der WählerInnen gegen den Kandidaten von CDU, FDP und Freien Wählern. Ich bin – auch jenseits der OB-Wahl in Stuttgart – gespannt, wie sich das mit dem baden-württembergischen Parteiensystem weiterentwickelt.
Update: Zahlen korrigiert (danke, Kay!) – wer alle sehen will, findet die hier.
Die digitale Revolution geht auf die Straße
Heute durfte ich auf der Stuttgarter Stopp-ACTA-Demo für Bündnis 90/Die Grünen eine kurze Rede halten. Da waren etwa 2500 Menschen, wie bei der letzten ACTA-Demo (bei der ich in Freiburg war) viele Jüngere. In Stuttgart massiv präsent waren die lokalen Piraten, die wohl auch die Demo organisiert haben.
Anbei nun mein Redezettel, den ich allerdings nicht 1:1 abgelesen habe. Wer lieber den Wortlaut der Rede sehen will, kann hier das Video davon auf Youtube ansehen (mit Dank an Alvar Freude fürs Filmen; Update 26.02.: Link korrigiert).
Liebe Leute,
ich hatte ja erst überlegt, ob ich es bei 140 Zeichen belassen soll, aber ein bisschen mehr habe ich schon zu sagen. Mein Name ist Till Westermayer, bei Twitter unter dem Handle _tillwe_ zu finden, und ich bin heute hier als Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg. Ich überbringe euch die Grüße und die Unterstützung der GRÜNEN in Baden-Württemberg, im Bund und in Europa!
Wir GRÜNE unterstützen die Proteste gegen ACTA. Zusammen haben wir schon einiges bewegt. In vielen europäischen Staaten wurde die Unterzeichnung des ACTA-Abkommens „zurückgestellt“ – was auch immer das heißen mag. Die Kommission hat den Entwurf nun dem Europäischen Gerichtshof zur Überprüfung vorgelegt. Das ist der Erfolg von uns allen, die wir gegen Abkommen und Gesetze wie ACTA protestieren, im Parlament und auf der Straße. Aber dieser Erfolg darf uns nicht täuschen: ACTA ist noch nicht tot!
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