Anfang Juli habe ich die Dandelion Dynasty zu Ende gelesen; dazu habe ich hier einiges aufgeschrieben. Den Restmonat habe ich mit fünf (teilweise kurzen) Romanen und einem, hm, Sachbuch verbracht.
Das Sachbuch heißt How To Build A Dragon Or Die Trying: A Satirical Look At Cutting-Edge Science (2019) und wurde von einem Vater-Tochter-Duo geschrieben (2021 auch als Drachenzucht für Einsteiger auf deutsch erschienen). Paul Knoepfler ist ein Professor für Zellbiologie, seine Tochter Julie Knoepfler hat sich die Frage, ob es möglich wäre, mit Hilfe von Gentechnik etc. zu züchten, in einem Schulprojekt in der 8. Klasse gestellt. Das Ergebnis ist ein Buch, das mal sehr nach Teenager-Vorstellungen eines Drachenhaustiers klingt und mal nach Wissenschaft. Hier und auch in einigen anderen Punkten hätte dem Buch ein etwas strengeres Lektorat gut getan; so gibt es doch den Eindruck vieler unnötiger Wiederholungen und Zwischenzusammenfassungen. Und Satire, die das Buch auch sein will, ist halt keine Satire, wenn vor jedem übertreibenden oder sarkastischen Satz erst einmal darauf hingewiesen wird, dass es sich hier um Satire handelt. Ein bisschen schwing da die Angst mit, dass irgendwer das tatsächlich als Anleitung lesen könnte. Ich fand das Buch trotz dieser sprachlichen Schwächen interessant zu lesen – von den Überlegungen, was wohl eine gute Grundlage wäre, um einen Drachen zu züchten – Eidechsen, Vögel, Komodo-Warane – über Wirbeltierbaupläne, die Genetik von Federn und Schuppen bis hin zur Frage, wie Flugfähigkeit (wenig Gewicht), Intelligenz (großes Gehirn) und Feuerspucken (komplizierte Mechanismen) in ein Tier passen könnten. Bei Wiederkäuermägen zur Methanherstellung (Feuer) fühlte ich mich an Ken Lius Silkpunk-Drachen erinnert. Gut gefallen hat mir der Abschluss des Buchs, der auslotet, welche ethischen Fragen eigentlich damit verbunden wären, einen Drachen in die Welt zu bringen – vom Blick auf das Wohlbefinden des Tiers über die potenzielle Waffentauglichkeit bis zu ökologischen Fragen. Dabei kommen auch die problematischeren Seiten von Crispr/Cas und Klonen als Hype-Technologien der 2010er Jahre nicht zu kurz. Realistischerer Fantasy-Weltenbau wäre eher ein Nebeneffekt der Lektüre, insgesamt geht des den Knoepflers wohl eher um die Aufforderung, mit zellbiologischen Techniken verantwortungsvoll umzugehen.
Drachen, äh, Dinosaurier, tauchten dann auch in der ersten Folge der vierten Staffel von Star Trek: Strange New Worlds (Paramount+) auf. Insgesamt habe ich diese Folge als Hommage an A Princess of Mars und ähnliche Pulp-Geschichten gelesen. Bonus: ein gigantisches Zeitreiseparadox. Weniger gut gefallen hat mir die zweite Folge der vierten Staffel – hier wird zum Stilmittel „Body Horror“ gegriffen. Das wird zwar gut umgesetzt, und genutzt, um die Psychologie einiger Hauptcharaktere auszuloten, aber ist erstens nicht meines und führt zweitens für meinen Geschmack viel zu viel an Übersinnlichkeit in den Star-Trek-Kanon ein. Geister? Wirklich?
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