Einer meiner Lieblingsmomente im Jahresverlauf ist das Blühen der Obstbäume (und einer der Gründe, warum mir das Computerspiel Stardew Valley gut gefällt, auch wenn ich aktuell gar nicht dazu komme, es zu spielen, ist der dort sehr hübsche Wechsel der Jahreszeiten samt herumwehenden Blütenblättern). Hier im Bild: Blüten an abgeschnittenen Ästen eines Pflaumenbaumes.
Kurz: By design or by disaster
In der Umwelt- und Klimabewegung gibt es ja diese Debatte darum, dass die notwendige Veränderung, um zu einer klimafreundlichen Lebensweise zu kommen, entweder „by design“ – also bewusst gesteuert und politisch gestaltet – oder „by disaster“ – also durch die Folgen der Katastrophe und dann als ungeplanter, chaotischer Prozess kommen werden. Das betrifft beispielsweise den Ausstieg aus dem Verbrennermotor und aus der Nutzung fossiler Energien. Die letzten Wochen haben einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie die Desaster-Variante aussehen kann.
Ich musste jetzt aber nicht nur mit Blick auf den russischen Angriff auf die Ukraine und dessen Folgen an diesen Ausspruch denken. Auch die Corona-Politik der letzten Tage scheint mir ein Umschwenken von planmäßigem Handeln hin zur Steuerung durch die Katastrophe selbst zu sein. Das Virus bastelt sich seinen Lockdown und seine Schulschließungen einfach selbst, weil halt so viele Leute krank sind, dass der Betrieb zusammenbricht. Und ich befürchte, dass das mit dem Auslaufen der Maskenpflicht – danke, FDP – noch an Tempo zunehmen wird.
Ob Klima oder Corona: der gesellschaftsverträglichere Weg wäre eigentlich „by design“. Wenn ich etwas Restoptimismus zusammenkratze, dann bleibt, die Hoffnung, dass wir diesen Weg einschlagen, bevor es zu spät ist. Besser wär‘s.
Science Fiction/Fantasy im Vorfrühling 2022
Ist es in diesen Zeiten angebracht, Unterhaltungsliteratur zu konsumieren und Filme und Serien anzuschauen? Oder vielleicht sogar notwendig, als Auszeit von der mehrfachen Krise, die sich rund um uns herum entfaltet?
Wie dem auch sei: ich habe in den letzten Wochen einiges gelesen und angeschaut, das sich zur Ablenkung eignet.
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Photo of the week: Snowdrops with shadow
Kurz: Eigenverantwortung
Was ich zur Klimakrise geschrieben habe, gilt auch für die anderen beiden Krisen, in denen wir uns gerade befinden – weder Corona noch Putins Krieg gegen die Ukraine lassen sich durch den Verweis auf Eigenverantwortung lösen.
Bei der Corona-Krise geht die Argumentation etwa so, dass ja auf staatliche Vorschriften etwa zum Maskentragen verzichtet werden kann, weil ja jede und jeder selbst entscheiden kann, ob er bzw. sie sich und andere durch Impfung und das Tragen einer Maske schützen möchte oder in Kauf nimmt, Corona zu kriegen und an einem schweren Verlauf zu sterben. Das wäre richtig, wenn in der Situation „andere Person hat Corona und trägt keine Maske, ich selbst trage Maske“ nicht doch ein nicht ganz kleines Infektionsrisiko bestünde – und wenn hinter dem Zielen auf Eigenverantwortung nicht eine erhebliche Verantwortungslosigkeit gegenüber denjenigen stünde, die sich nicht impfen lassen können (z.B. aufgrund von bestimmten Immunerkrankungen oder weil sie Kinder unter 5 Jahren sind). Wer bei Corona auf Eigenverantwortung setzt, verzichtet darauf, diese Menschen zu schützen. Mal ganz abgesehen von der Frage des „sich leisten können“ – für die einen sind FFP2-Masken etwas, was aus der Portokasse bezahlt wird, und auch der eine oder andere PCR-Test zur Sicherheit (60–80 €) ist bezahlbar. Andere können das nicht bezahlen. Und auch da greift dann der Ruf nach Eigenverantwortung zu kurz.
Und bei Putins Krieg höre ich jetzt immer wieder Aufrufe, das eigene Verhalten anzupassen: die Temperatur in der Wohnung niedriger zu drehen, auf Autofahrten zu verzichten, sich freiwillig an ein Tempolimit zu halten. Symbolisch mag das helfen, vielleicht auch das Gefühl vermitteln, etwas zu tun (da sind Spenden m.E. aber sehr viel sinnvoller) – aber von den tatsächlichen Auswirkungen her gehen solche Aktionen im Rauschen unter, solange nicht alle sich daran halten. Und der Hebel, damit „alle“ etwas machen, ist eben nicht der Ruf nach Eigenverantwortung, sondern der Staat, der hier Regeln setzen kann (bspw. ein Tempolimit einführen oder Gasimporte aus Russland stoppen). Und erst recht nach hinten los geht die Eigenverantwortung, wenn daraus das Horten von Sonnenblumenöl (warum auch immer …) oder die ganz individuelle Unfreundlichkeit gegenüber russischstämmigen Menschen hier in Deutschland wird.
Insofern: in einem idealen Gemeinwesen, in dem alle die Ressourcen und die Haltung hätten, sich verantwortlich zu verhalten, wäre der Ruf nach Eigenverantwortung großartig. In unserer Realität überdeckt er fehlendes Handeln des Staates und macht statt dessen Individuen ein schlechtes Gewissen. Bürokratien, staatliche Organisationen, Regelwerke, Verwaltungen – all das wurde auch erfunden, um die Komplexität derartiger Entscheidungen für Einzelpersonen zu reduzieren. Ein bisschen mehr davon fände ich gut – statt offensichtlich unabgestimmter Symbolaktionen einzelner Ministerien.



