Im Hintergrund: der Sonnenuntergang. Davor: Vogesen und Kaiserstuhl, dann die Silhouette der Gemeinde Gundelfingen mit dem Turm der katholischen Kirche, und im Vordergrund im Schatten der Litzfürst mit seinen Obstbäumen, der vor vielen Jahren in eine Schulsportanlage umgebaut werden sollte, was u.a. durch ein Bürgerbegehren verhindert wurde. Aufgenommen vom Rebberg zwischen Gundelfingen und Wildtal.
Kurz: Habemus Koalitionsvertrag
Am Mittwoch wurde der grün-schwarze Koalitionsvertrag 2026–2031 vorgestellt. Layoutet sind’s rund 160 Seiten, die hier nachgelesen werden können. Einer weitergehenden inhaltlichen Bewertung enthalte ich mich mal; in der Vorstellung durch Cem Özdemir und Manuel Hagel ist deutlich geworden, dass Wirtschaft, Bürokratieabbau (teils: drastischer Bürokratieabbau) und die Idee gesellschaftlichen Zusammenhalts im Vordergrund stehen. Nach erstem Durchlesen findet sich viel grün, viel CDU (Augenhöhe, leider …) und einiges an gemeinsamen Projekten. Ebenfalls mitzulesen: das, was im Wahlkampf von der einen oder von der anderen Seite gefordert wurde und jetzt nicht kommt – keine Landeswohnbaugesellschaft, aber auch keine KI-Uni, keine Abschaffung des Landesinformationsfreiheitsgesetzes und keine Rückkehr zum dreigliedrigen Schulsystem.
Über allem schwebt der Verweis auf die schwierige Finanzlage. Der Grundton findet sich in der dunkelgrün-schwarz changierenden Überschrift: „Aus Verantwortung fürs Land. Gemeinsam stark in stürmischen Zeiten“
Am Samstag kommen die Parteitage zusammen, am Montag danach soll – wenn es nicht noch Überraschungen gibt – der Vertrag unterzeichnet werden. Dann dürfte auch bekannt werden, wer Minister*in und wer Staatssekretär*in wird. Die Wahl zum Ministerpräsidenten steht schließlich für Mittwoch, den 13. Mai an. „MP“ meint dann nicht mehr Kretschmann – auch das etwas, an das ich mich erst gewöhnen muss.
Meinungen?
Photo of the week: Crow
Science Fiction und Fantasy im April 2026
Im April habe ich tatsächlich nur zwei Bücher gelesen (und auf dem Bildschirm nur ermattet das ZDF-Magazin Royale konsumiert) – gab einerseits anderes, und andererseits nach 10–12-Stunden-Tagen dann auch keine Muße, zu lesen. Beide Bücher kann ich dafür wärmstens empfehlen.
Zum einen war dies der Nachfolgeband zu Ken Lius The Grace of Kings, den ich vor neun Jahren gelesen habe. Damals befürchtete ich, dass der zweite Band, The Wall of Storms (2021) die Farce nur als Tragödie wiederholen könne. In gewisser Weise tut er das auch – wir sind im „happy ever after“ angekommen, die Dandelion Dynasty im Inselreich Dara ist etabliert, und die erste Hälfte des Buchs widmet sich vor allem den internen Machtkämpfen am Hof – Kuni Garu ist jetzt Kaiser Ragin, seine Gefährtin Risana und Kaiserin Jia kämpfen am Hof um Einfluss, es ist noch nicht klar, welcher der beiden Prinzen – Temu oder Phyro – Thronfolger wird. Politisch und auch sonst schlauer als beide zusammen ist Prinzessin Thera. Reformen gehen langsam und schwerfällig voran, neue Systeme wie der Versuch, höfische Vorrechte durch ein auf Leistung ausgerichtetes System der Beförderung zu ersetzen, haben ihre ganz eigenen Schwächen (und die brilliante Zomi Kidosu – aus einfacher Herkunft, Schülerin von Luan Zya – wird nur mit Tricks zur Prüfung überhaupt zugelassen). Und der eine oder andere abgesetzte Adelige plant schon die Revolte. So könnte es weitergehen – wenn nicht im das Inselreich Dara umgebenden „Wall of Storms“ alle paar Jahre ein Fenster aufgehen würde. Die zweite Hälfte des Buchs befasst sich mit der Invasion der Lyucu (wenn Dara für China steht, dann haben wir es hier mit Mongol*innen zu tun, nur dass diese statt Pferden die bisher glaubwürdigsten Drachen – die Garinafin – mitbringen, die man sich so ausdenken kann).
Stichwort glaubwürdige Drachen: neben jeder Menge moralisch fragwürdiger Charaktere, die aus guten Gründen das falsche (oder aus falsche Gründen das richtige) tun, und einer naturalistischen Beschreibung politischer Intrigen und militärischer Taktiken legt Liu großen Wert auf die wissenschaftliche Fundierung seiner Geschichte. Vieles, was wie Magie wirkt, könnte auch einfach nur Natur und Technik sein. Von seidener Elektrostatik bis hin zu den genannten Drachenwesen, Pflanzenfressern, in deren Mägen brennbare Gase entstehen … auch das macht den Reiz dieses Buches aus.
Während ich nach dem ersten Band eher davor zurückgescheut habe, weiterzulesen, bin ich jetzt auf den dritten Band gespannt. Vorteil des langen Wartens: der liegt schon vor und kann dann in Kürze begonnen werden.
Auch das zweite Buch, das ich im April gelesen habe, lag schon eine Weile herum – in diesem Fall ganz wörtlich, da ich V.E. Schwabs The Fragile Threads of Power (2023) nicht als e‑Book gekauft hatte, sondern als gedrucktes Buch auf Papier, das mir beim Umräumen eines kippenden To-Read-Stapels in die Hände fiel. Threads of Power ist der vierte Band von Schwabs Darker-Shade-of-Magic-Reihe, die in mehreren magisch miteinander verbundenen Varianten von London spielt – unser „Grey London“, ein „Red London“, in dem Magie allgegenwärtig ist, das „White London“, das in den ersten drei Bänden zur großen Bedrohung wurde, und das „Black London“, wüste Quelle der Magie. Es gibt unterschiedliche Magiesysteme, je nachdem, welche Elemente dazu herangezogen werden, und einige wenige „Antari“, die Meistermagier*innen, die diese verschiedenen Systeme verbinden können.
Threads of Power setzt nun einige Jahre nach dem Ende der ersten Trilogie an. In der Welt des „Red London“ ist Delilah Bard Kapitänin eines Mehr-oder-weniger-Piratenschiffs, Kell Maresh ihr Gefährte, der weiter mit dem Verlust seiner magischen Fähigkeiten kämpft; sein Bruder Rhy Maresh sitzt als König auf dem Thron, verheiratet mit Nadiya – eine politische Heirat, um eine der Adelsfamilien einzubinden; seine Liebe gilt weiter Alucard Emery, einem der Helden der Trilogie. Während im roten London eine Bewegung der „Hand“ den König Rhy Maresh stürzen will – Lila und Kell sollen dem nachgehen -, erweckt im weißen London eine junge Königin Kosika die Magie zu neuem blutigen Leben – und lernt, zwischen Welten zu wechseln. Für mich die zentrale Person dieses Buchs ist aber Tes, die mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Magie zu sehen und zu reparieren. Sie flieht in einen Slum des roten Londons, um einer politischen Heirat zu entgehen, und kämpft sich dort mit einem kleinen Tinkershop durch. Bis eines Tages ein kaputtes Artefakt in ihre Hände fällt, das alles auf den Kopf stellt.
Anders als beim Wall of Storms ist hier der Folgeband leider noch nicht geschrieben, Schwab verfolgt aktuell andere Projekte. Sehr schade, weil sie es versteht, die Fäden der verschiedenen Charaktere – und der verschiedenen Londons – meisterhaft zusammenzubringen, und ich gerne wissen würde, wie es nach dem Ende dieses Bandes weitergeht, denn trotz des dichten Netzwerks, das sie knüpft, bleibt am Schluss einiges offen und ruft nach Fortsetzung.
Photo of the week: Mirror lake, Stuttgart
In two minds über den Eckensee, an dem ich immer vorbei komme, wenn ich in Stuttgart zur Arbeit gehe und mal nicht im Home-Office bin. Ich verstehe ästhetisch, was er da soll, und ich bin auch bei weitem nicht der Einzige, der da gerne stehen bleibt und Fotos macht. Aber ein „See“, der mehrmals im Jahr geleert und von Schlamm und Algen befreit werden muss – das stinkt dann jedesmal erbärmlich – hm. Immerhin: diverse Wasservögel freuen sich.




