Kurz: Die Piratenpartei ist ihre mediale Repräsentation

Han­nah Beit­zer hat einen schö­nen, nach­denk­li­chen Text über Online-Akti­vis­mus, die Pira­ten­par­tei und burn-out-arti­ge Sym­pto­me geschrie­ben. Der Text hat mich zu fol­gen­der The­se gebracht:

Die Pira­ten­par­tei ist zwangs­läu­fig iden­tisch mit ihrer media­len Reprä­sen­ta­ti­on – des­we­gen kein Weg aus eige­ner Kraft aus der Krise.

Und weil das jetzt viel­leicht etwas erklä­rungs­be­dürf­tig ist, noch ein paar Sät­ze dazu, was ich damit mei­ne. Vor dem Inter­net gab es zwei rela­tiv klar getrenn­te Sphä­ren: Eine Sphä­re des inner­par­tei­li­chen Dis­kur­ses (durch­aus auch mit eige­nen Medi­en) und eine Sphä­re des öffent­li­chen Dis­kur­ses über eine Par­tei. Natür­lich konn­te auch vor dem Inter­net und vor Social Media schon eine par­tei­in­ter­ne Debat­te z.B. in bun­des­weit gele­se­nen Tages­zei­tun­gen aus­ge­tra­gen wer­den. Aber die Tren­nung der Sphä­ren war vorhanden.

Die Pira­ten sind dage­gen mit Social Media groß gewor­den. Das hat ihren Auf­stieg beför­dert, sie jetzt aber auch in eine Ecke gedrängt, denn trotz eige­ner Medi­en (Mai­ling­lis­ten, Pads, Mum­ble) fin­det ein gro­ßer Teil des pira­ten­in­ter­nen Dis­kur­ses öffent­lich statt. Zum Bei­spiel auf Twit­ter. Sonst wür­den mäs­sig inter­es­sier­te Beob­ach­ter wie ich ihn ver­mut­lich gar nicht wahr­neh­men. So fällt er zwangs­läu­fig in die Timeline. 

Das wie­der­um erschwert es für die Pira­ten unge­mein, sich auf sich selbst zu besin­nen. Par­tei­in­ter­ne Mei­nungs­bil­dung und media­le Reprä­sen­ta­ti­on fal­len in eins, eine vom media­len Dis­kurs unab­hän­gi­ge Posi­tio­nie­rung zu set­zen, ist fast nicht mög­lich. Gera­de in einer Selbst­fin­dungs­pha­se mit hef­ti­gen Flü­gel­kämp­fen ist das fatal. Inso­fern sagt mei­ne Kris­tall­ku­gel: Auch nach dem außer­or­dent­li­chen Bun­des­par­tei­tag wird die Pira­ten­par­tei nicht zur Ruhe kommen.

P.S.: Und ja, das hat auch etwas mit der For­de­rung nach umfas­sen­der Trans­pa­renz zu tun.

Photo of the week: The fire burns III

The fire burns III

 
Alles Gute zu Mitt­som­mer bzw. zur Som­mer­son­nen­wen­de! Tra­di­tio­nel­ler­wei­se haben wir den gest­ri­gen Abend gemein­sam mit ein paar hun­dert Men­schen auf dem Frei­bur­ger Mun­den­hof ver­bracht, wo all­jähr­lich ein (hip­pies­kes) Sonn­wend­feu­er ent­zün­det wird – mit Sam­ba-Musik und diver­sen Gau­ke­lei­en. Mehr Fotos vom Feu­er.

P.S.: Ein paar mehr Bil­der (und zwei Vide­os, die die Stim­mung gut ein­fan­gen) sind bei Rin­gel­miez zu finden.

Das grüne Distinktionsproblem

Green eggs I

Müs­lis und Ökos. Das gehör­te lan­ge zu den Kli­schees, wenn es um grü­ne Wäh­le­rIn­nen und Mit­glie­der ging. Oder, etwas arri­vier­ter, sozio­lo­gi­scher und mit einem Hauch Sozi­al­neid ver­se­hen: Ange­hö­ri­ge des post­ma­te­ria­lis­ti­schen Bür­ger­tums, die es sich leis­ten kön­nen, die Welt zu ret­ten. Poin­tiert: Anhän­ge­rIn­nen eines „Life­style of Health and Sus­taina­bi­li­ty“, kurz: Lohas, mit Glit­zer, Yoga-Flug­rei­sen und vega­ner Wellness. 

Ob Grü­ne „grau und bür­ger­lich“ gewor­den sind, dar­über lässt sich lan­ge strei­ten. Zumin­dest bis vor eini­gen Jah­ren – das ist mein Stand der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur – gab es durch­aus recht enge Über­schnei­dun­gen zwi­schen einer (wie auch immer gear­te­ten) Ori­en­tie­rung an im wei­tes­ten Sin­ne nach­hal­ti­gen Lebens­sti­len und Hal­tun­gen einer­seits und Sym­pa­thien für Bünd­nis 90/Die Grü­nen ande­rer­seits. Viel­leicht hat sich da was aus­ein­an­der­ge­lebt, in den letz­ten Jah­ren. Aber wenn wir nicht über tat­säch­li­che Prak­ti­ken spre­chen, son­dern über vor­herr­schen­de Bil­der – auch Selbst­bil­der? – dann ist das mit der dis­kur­si­ven Domi­nanz des „Ökos“ gar nicht so weit weg, wenn über Grü­ne gespro­chen wird. 

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Photo of the week: Mossy well II

Mossy well II

 
Ach, manch­mal ist der Som­mer doch ganz nett. Also, mir eigent­lich grund­sätz­lich zu heiß, aber es gibt ja auch schö­ne Sei­ten. Apri­ko­sen! Oder Bag­ger­seen. Oder Wan­de­run­gen durch halb­wegs küh­le Schwarz­wald­schluch­ten. Das Bild oben ist bei einer Wan­de­rung durch die Wutach­schluch letz­tes Wochen­en­de ent­stan­den (dan­ke noch­mal an Andi für die Idee und das Drän­gen, das dann auch tat­säch­lich zu machen!).

Die Wutach­schlucht „ist ein Eng­tal im Ver­lauf der obe­ren Wut­ach mit drei schlucht­ar­ti­gen Abschnit­ten“, sagt die Wiki­pe­dia. Das ist ver­mut­lich zutref­fend, beschreibt aber die land­schaft­li­che Schön­heit nur sehr begrenzt. 

Wir sind den mitt­le­ren Abschnitt gegan­gen – von der Lothen­bach­klamm bis Boll. Dabei fand ich – fels- und was­ser­fall­mä­ßig gese­hen – die Lothen­bach­klamm fast noch ein­drucks­vol­ler als die eigent­li­che Wutach­schlucht. Die aber ande­rer­seits auch inter­es­san­te Kalk­stein­for­ma­tio­nen und trop­fen­de, was­ser­ver­sprü­hen­de, moos­be­wach­se­ne Über­hän­ge hat­te. Und ver­fal­le­ne Mau­ern. (Den dies­mal nicht bewan­der­ten Abschnitt von Gut­ach bis zur Lothen­bach­klamm bin ich übri­gens schon ein­mal im Som­mer 2005 gewandert).

Nicht ganz per­fekt war der ÖPNV – auf der Hin­fahrt (Höl­len­tal­bahn bis Neu­stadt, von da aus mit dem Bus bis zum Ein­stieg in die Lothen­bach­klamm) hat das alles noch ganz gut geklappt; der Bus war­te­te auf den Zug, der Bus­fah­rer war gesprä­chig und zu Scher­zen auf­ge­legt. (Und warn­te uns vor dem Gedrän­ge in der Schlucht, war dann aber gar nicht so schlimm). 

Zurück ging’s dann von Boll aus zur Hal­te­stel­le Lothen­bach­klamm, und von da nach Neu­stadt. In Boll – einem win­zi­gen Orts­teil von Bonn­dorf – hat­te die tat­säch­lich Abfahrts­zeit des Wan­ders­bus­ses nichts mit dem Aus­hang zu tun, zudem war er nach weni­gen Sta­tio­nen völ­lig über­füllt. Da die Wutach­schlucht weit­ge­hend außer­halb des Land­krei­ses Breis­gau-Hoch­schwarz­wald – und damit außer­halb des Ver­kehrs­ver­bun­des RVF – liegt, war auch nicht so ganz klar, wie viel eine Fahrt eigent­lich kos­tet, ob mit der Regio­kar­te etwas anzu­fan­gen ist usw. Vie­le sind mit dem Bus wohl auch zum Aus­gangs­park­platz ihrer Wan­de­run­gen gefah­ren, auf den Park­plät­zen waren sehr vie­le PKW aus der gan­zen Repu­blik zu sehen. Also, Bus eins, über­füllt, Boll bis Lothen­bach­klamm. Da stell­ten wir dann fest, dass der Bus nach Neu­stadt nur alle zwei Stun­den fährt, und wir noch fast eine Stun­de war­ten durf­ten. Der Anschluss Bus – Höl­len­tal­bahn klapp­te dann wie­der ganz gut. Ver­bes­se­rungs­po­ten­zia­le für einen Nicht-Auto-Tou­ris­mus in der Regi­on sehe ich trotzdem. 

Aber das nur am Ran­de – ins­ge­samt war es ein sehr loh­nens­wer­ter Aus­flug, ins­be­son­de­re auch dank der sach­kun­di­gen Beglei­tung (Pflan­zen, Flie­gen­lar­ven, Gesteins­for­ma­tio­nen). Und trotz hei­ßes­tem Tag war’s in der Klamm und in der Schlucht selbst meist ange­nehm, die Was­ser­fäl­le tru­gen das ihre dazu bei.