Vermutlich ist’s ein Molch, der da im elterlichen Garten herumstrolchte (bzw. sich im feucht-kühlen Dunkel unter einem Blumentopf verbarg).
Seitenansicht des Minidrachens.

Das Blog von Till Westermayer * 2002
Vermutlich ist’s ein Molch, der da im elterlichen Garten herumstrolchte (bzw. sich im feucht-kühlen Dunkel unter einem Blumentopf verbarg).
Seitenansicht des Minidrachens.
Hannah Beitzer hat einen schönen, nachdenklichen Text über Online-Aktivismus, die Piratenpartei und burn-out-artige Symptome geschrieben. Der Text hat mich zu folgender These gebracht:
Die Piratenpartei ist zwangsläufig identisch mit ihrer medialen Repräsentation – deswegen kein Weg aus eigener Kraft aus der Krise.
Und weil das jetzt vielleicht etwas erklärungsbedürftig ist, noch ein paar Sätze dazu, was ich damit meine. Vor dem Internet gab es zwei relativ klar getrennte Sphären: Eine Sphäre des innerparteilichen Diskurses (durchaus auch mit eigenen Medien) und eine Sphäre des öffentlichen Diskurses über eine Partei. Natürlich konnte auch vor dem Internet und vor Social Media schon eine parteiinterne Debatte z.B. in bundesweit gelesenen Tageszeitungen ausgetragen werden. Aber die Trennung der Sphären war vorhanden.
Die Piraten sind dagegen mit Social Media groß geworden. Das hat ihren Aufstieg befördert, sie jetzt aber auch in eine Ecke gedrängt, denn trotz eigener Medien (Mailinglisten, Pads, Mumble) findet ein großer Teil des pirateninternen Diskurses öffentlich statt. Zum Beispiel auf Twitter. Sonst würden mässig interessierte Beobachter wie ich ihn vermutlich gar nicht wahrnehmen. So fällt er zwangsläufig in die Timeline.
Das wiederum erschwert es für die Piraten ungemein, sich auf sich selbst zu besinnen. Parteiinterne Meinungsbildung und mediale Repräsentation fallen in eins, eine vom medialen Diskurs unabhängige Positionierung zu setzen, ist fast nicht möglich. Gerade in einer Selbstfindungsphase mit heftigen Flügelkämpfen ist das fatal. Insofern sagt meine Kristallkugel: Auch nach dem außerordentlichen Bundesparteitag wird die Piratenpartei nicht zur Ruhe kommen.
P.S.: Und ja, das hat auch etwas mit der Forderung nach umfassender Transparenz zu tun.
Alles Gute zu Mittsommer bzw. zur Sommersonnenwende! Traditionellerweise haben wir den gestrigen Abend gemeinsam mit ein paar hundert Menschen auf dem Freiburger Mundenhof verbracht, wo alljährlich ein (hippieskes) Sonnwendfeuer entzündet wird – mit Samba-Musik und diversen Gaukeleien. Mehr Fotos vom Feuer.
P.S.: Ein paar mehr Bilder (und zwei Videos, die die Stimmung gut einfangen) sind bei Ringelmiez zu finden.
Müslis und Ökos. Das gehörte lange zu den Klischees, wenn es um grüne WählerInnen und Mitglieder ging. Oder, etwas arrivierter, soziologischer und mit einem Hauch Sozialneid versehen: Angehörige des postmaterialistischen Bürgertums, die es sich leisten können, die Welt zu retten. Pointiert: AnhängerInnen eines „Lifestyle of Health and Sustainability“, kurz: Lohas, mit Glitzer, Yoga-Flugreisen und veganer Wellness.
Ob Grüne „grau und bürgerlich“ geworden sind, darüber lässt sich lange streiten. Zumindest bis vor einigen Jahren – das ist mein Stand der sozialwissenschaftlichen Literatur – gab es durchaus recht enge Überschneidungen zwischen einer (wie auch immer gearteten) Orientierung an im weitesten Sinne nachhaltigen Lebensstilen und Haltungen einerseits und Sympathien für Bündnis 90/Die Grünen andererseits. Vielleicht hat sich da was auseinandergelebt, in den letzten Jahren. Aber wenn wir nicht über tatsächliche Praktiken sprechen, sondern über vorherrschende Bilder – auch Selbstbilder? – dann ist das mit der diskursiven Dominanz des „Ökos“ gar nicht so weit weg, wenn über Grüne gesprochen wird.
Ach, manchmal ist der Sommer doch ganz nett. Also, mir eigentlich grundsätzlich zu heiß, aber es gibt ja auch schöne Seiten. Aprikosen! Oder Baggerseen. Oder Wanderungen durch halbwegs kühle Schwarzwaldschluchten. Das Bild oben ist bei einer Wanderung durch die Wutachschluch letztes Wochenende entstanden (danke nochmal an Andi für die Idee und das Drängen, das dann auch tatsächlich zu machen!).
Die Wutachschlucht „ist ein Engtal im Verlauf der oberen Wutach mit drei schluchtartigen Abschnitten“, sagt die Wikipedia. Das ist vermutlich zutreffend, beschreibt aber die landschaftliche Schönheit nur sehr begrenzt.
Wir sind den mittleren Abschnitt gegangen – von der Lothenbachklamm bis Boll. Dabei fand ich – fels- und wasserfallmäßig gesehen – die Lothenbachklamm fast noch eindrucksvoller als die eigentliche Wutachschlucht. Die aber andererseits auch interessante Kalksteinformationen und tropfende, wasserversprühende, moosbewachsene Überhänge hatte. Und verfallene Mauern. (Den diesmal nicht bewanderten Abschnitt von Gutach bis zur Lothenbachklamm bin ich übrigens schon einmal im Sommer 2005 gewandert).
Nicht ganz perfekt war der ÖPNV – auf der Hinfahrt (Höllentalbahn bis Neustadt, von da aus mit dem Bus bis zum Einstieg in die Lothenbachklamm) hat das alles noch ganz gut geklappt; der Bus wartete auf den Zug, der Busfahrer war gesprächig und zu Scherzen aufgelegt. (Und warnte uns vor dem Gedränge in der Schlucht, war dann aber gar nicht so schlimm).
Zurück ging’s dann von Boll aus zur Haltestelle Lothenbachklamm, und von da nach Neustadt. In Boll – einem winzigen Ortsteil von Bonndorf – hatte die tatsächlich Abfahrtszeit des Wandersbusses nichts mit dem Aushang zu tun, zudem war er nach wenigen Stationen völlig überfüllt. Da die Wutachschlucht weitgehend außerhalb des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald – und damit außerhalb des Verkehrsverbundes RVF – liegt, war auch nicht so ganz klar, wie viel eine Fahrt eigentlich kostet, ob mit der Regiokarte etwas anzufangen ist usw. Viele sind mit dem Bus wohl auch zum Ausgangsparkplatz ihrer Wanderungen gefahren, auf den Parkplätzen waren sehr viele PKW aus der ganzen Republik zu sehen. Also, Bus eins, überfüllt, Boll bis Lothenbachklamm. Da stellten wir dann fest, dass der Bus nach Neustadt nur alle zwei Stunden fährt, und wir noch fast eine Stunde warten durften. Der Anschluss Bus – Höllentalbahn klappte dann wieder ganz gut. Verbesserungspotenziale für einen Nicht-Auto-Tourismus in der Region sehe ich trotzdem.
Aber das nur am Rande – insgesamt war es ein sehr lohnenswerter Ausflug, insbesondere auch dank der sachkundigen Begleitung (Pflanzen, Fliegenlarven, Gesteinsformationen). Und trotz heißestem Tag war’s in der Klamm und in der Schlucht selbst meist angenehm, die Wasserfälle trugen das ihre dazu bei.