Kurz: Klimaschutzkoalition

Iro­nie der Geschich­te: par­al­lel zu den Jamai­ka-Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen, äh, Son­die­run­gen fin­det in Bonn der Kli­ma­gip­fel statt und macht drei Din­ge überdeutlich:

1. Das Zeit­fens­ter, poli­tisch zu han­deln und noch etwas dage­gen zu unter­neh­men, dass der Kli­ma­wan­del kata­stro­pha­le Fol­gen zei­tigt, ist jetzt – und es schließt sich zuneh­mend. Auch wie gehan­delt wer­den müss­te, ist doch recht klar.

2. Es gibt eine gro­ße Koali­ti­on der Wil­li­gen – Staa­ten und Staa­ten­bünd­nis­se, Kom­mu­nen und Regio­nen, Wirt­schafts­ak­teu­re, die viel beschwo­re­ne Zivil­ge­sell­schaft, aber auch z.B. die Mehr­heit der Bürger*innen in Deutschland.

3. Die abge­wähl­te Regie­rung mit Koh­le­mi­nis­ter Gabri­el hat nur wenig bis nichts erreicht – und es sieht nicht so aus, als ob die Bun­des­kanz­le­rin hier vor­an­ge­hen möchte.

Für mich unter­streicht das, dass es eine ordent­li­che Kli­ma­po­li­tik auf Bun­des­ebe­ne – mit ent­spre­chen­der inter­na­tio­na­ler Strahl­kraft – nur mit star­ken Grü­nen an ent­schei­den­den Stel­len geben kann. Lei­der sieht es bis­her nicht danach aus, als ob Jamai­ka eine Koali­ti­on der inno­va­ti­ven Kli­ma­schutz-Maß­nah­men wer­den wür­de. Wenn das so bleibt, sehe ich wenig Sinn dar­in, die­ses lager­über­grei­fen­de Bünd­nis zu formen. 

Mor­gen Nacht soll das Son­die­rungs­er­geb­nis vor­lie­gen, am 25. Novem­ber ent­schei­det die grü­ne BDK, ob Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men wer­den sol­len. Nach der­zei­ti­gem Stand fän­de ich das schwie­rig – und wür­de mich als Ersatz­de­le­gier­ter auch ent­spre­chend ein­brin­gen. Für unse­re Zukunft auf die­sem Pla­ne­ten wäre es zu hof­fen, dass es bis dahin noch über­ra­schend Bewe­gung in Sachen Jamai­ka als Kli­ma­schutz­bünd­nis gibt.

Photo of the week: Lightfall II

Lightfall II

 
Nur noch mor­gen (Mon­tag, 13.11., 19–20 Uhr) ist die Instal­la­ti­on „Light­fall“ des Schwei­zers André Bless in der Johan­nes­kir­che in Frei­burg zu sehen. „Trost“, „Nebel“, „Wol­ken“, „Glo­cken­klang“ und mehr ist da zu lesen, in einer in eine 3D-Ver­si­on der Matrix ver­wan­del­ten Kir­che. Durch­aus beeindruckend.

Digitalisierung kann und muss gestaltet werden

Digi­ta­li­sie­rung ist einer die­ser Begrif­fe, die nicht ger­ne lan­ge ange­schaut wer­den. Wer es doch tut, merkt schnell, wie der Begriff davon­schwimmt und aus­fa­sert. Die­se Qual­le ist jedoch der letz­te Schrei, poli­tisch gese­hen. Was also ist neu? War­um ist Digi­ta­li­sie­rung – wört­lich eigent­lich ja nur die Umwand­lung ana­lo­ger in dis­kre­te, an den Fin­gern abzähl­ba­re Wer­te, letzt­lich Nul­len und Ein­sen – jetzt ein Thema?

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Herkünfte

Small/big windmill

Mei­ne Toch­ter geht jetzt in die 6. Klas­se. Als Ein­stieg in den Geschichts­un­ter­richt konn­ten die Kin­der ihrem Stamm­baum nach­spü­ren. Dazu fer­tig­te sie mit der Unter­stüt­zung ins­be­son­de­re diver­ser Groß­el­tern ein schö­nes Pos­ter an, auf dem vier Gene­ra­tio­nen zu sehen sind – mit Ver­län­ge­rungs­mög­lich­keit nach oben, denn auch ein wei­te­res Zurück­ge­hen in die Ver­gan­gen­heit wäre mach­bar gewesen. 

Und zwar des­halb, weil mir bei ihrer Recher­che wie­der ein­ge­fal­len war, dass ich vor 25 Jah­ren – nicht im Geschichts­un­ter­richt, son­dern aus Inter­es­se – mal einem ähn­li­chen Pro­jekt nach­ge­gan­gen war. Das dazu geschrie­be­ne Tur­bo-Pas­cal-Pro­gramm fand sich zwar noch in den archi­vier­ten Archiv­da­tei­en (geht das ande­ren Leu­ten auch so, dass sie einen Ord­ner „Alter Rech­ner“ in ihrem Datei­ver­zeich­nis haben, in dem sich dann wie­der ein Ord­ner „Noch älte­res Krams“ fin­det, etc.?), es woll­te aber unter Win­dows 7 nicht mehr lau­fen, auch nicht auf einer simu­lier­ten 386er-Dos­box, jeden­falls wären dazu wohl noch diver­se Anpas­sun­gen nötig gewe­sen, zu denen mir Zeit und Muße fehl­ten. Was es aber noch gab, waren die Daten, die ich damals gesam­melt hat­te, und zwar nicht nur als Roh­da­ten, son­dern auch als lan­ge Personenliste.

Die fand dann nicht nur das Kind span­nend, son­dern auch ich. Unter ande­rem des­we­gen, weil an den Stamm­baum­da­ten sehr schön deut­lich wird, was für Mobi­li­täts­sprün­ge es in den letz­ten fünf­zig bis hun­dert Jah­ren gege­ben hat. Denn bis dahin ist das recht über­sicht­lich: auf der Sei­te mei­nes Vaters spielt sich alles im All­gäu und in der baye­risch-würt­tem­ber­gi­schen Grenz­re­gi­on – etwa in Nörd­lin­gen – ab; erst, wenn viel wei­ter zurück geschaut wird, geht es im 16. oder 17. Jahr­hun­dert dann bis Salz­burg und Zürich. Aber ganz über­wie­gend sind es Hand­wer­ker, Gene­ra­tio­nen von Leut­kir­cher Wir­ten und Brau­ern sowie Bau­ern und Bäue­rin­nen, die sich da fin­den las­sen. Alt­eing­es­sen, mit einer gerin­gen Mobi­li­tät, sowohl in räum­li­cher als auch in sozia­ler Hin­sicht. Erst mein Vater geht dann – in Tübin­gen – auf die Uni­ver­si­tät und stu­diert Chemie.

Auf der Sei­te mei­ner Mut­ter ist es eben­falls über­sicht­lich: hier spielt sich fast die gan­ze Her­kunf­s­ge­schich­te zwi­schen Nord- und Ost­see ab, teil­wei­se in Dör­fern, die heu­te kaum noch zu fin­den sind, die längst in grö­ße­ren Gemein­den auf­ge­gan­gen sind. Hier gibt es zunächst Klein­bau­ern, dann Leh­rer, Erzie­he­rin­nen, Inge­nieu­re und Kauf­leu­te in Bre­men und im Bre­mer Umland. Mei­ne Mut­ter lässt sich zur Che­mo­tech­ni­kern aus­bil­den und wagt den Schritt in den Süden.

Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jah­re tref­fen mei­ne Eltern in Tübin­gen auf­ein­an­der, hei­ra­ten, grün­den eine Par­tei, bekom­men Kin­der, gehen erst nach Frank­furt und schließ­lich nach Frei­burg. Da woh­ne ich heu­te noch, wäh­rend es mei­ne Schwes­tern nach Bonn und Saar­brü­cken gezo­gen hat.

Das Mus­ter rela­tiv lan­ger Orts­an­säs­sig­keit lässt sich auch auf der müt­ter­li­chen Sei­te mei­ner Toch­ter beob­ach­ten; da fin­det sich etwa das alte sozi­al­de­mo­ka­ti­sche Bür­ger­tum in Offenburg. 

Ich bin neu­gie­rig, wie das wei­ter­geht. Heu­te ist für vie­le längst Euro­pa, wenn nicht gar der Erd­ball der Hori­zont der sozia­len Mobi­li­tät. Bleibt es dabei und ver­stärkt sich das noch – oder setzt sich eine Gegen­be­we­gung durch, wie sie sich in Hei­mat­de­bat­ten und – im euro­päi­schen Kon­text – in Sepa­ra­ti­ons­be­we­gun­gen nie­der­schlägt? Bleibt es bei der Anzie­hungs­kraft der Städ­te, oder schlägt das Pen­del hin zum länd­li­chen Raum aus? 

War­um blog­ge ich das? Viel­leicht als per­sön­li­chen Bei­trag – wo kom­me ich eigent­lich her – dazu, war­um ich es durch­aus inter­es­sant fin­de, über Hei­mat zu reden, auch in einem grü­nen Diskurs.

P.S.: Nach­dem dann alles im rich­ti­gen Ver­zeich­nis war, lief das alte Pro­gramm dann auch …

Photo of the week: Pink reflection

Pink reflection

 
Als Insti­tu­ti­on ist Kir­che nicht so meins, archi­tek­to­nisch fin­de ich die Maria-Mag­da­le­na-Kir­che hier im Rie­sel­feld aber nach wie vor extrem span­nend. Beton kann auch ästhe­tisch sein, erst recht im Zusam­men­spiel mit der Umwelt eines Gebäu­des – wie hier einem rosa­far­be­nen Son­nen­un­ter­gang. Aber auch Spie­ge­lun­gen des Markt­ge­sche­hens, der durch die Kir­che durch­schei­nen­de blaue Him­mel oder Sand und Pfüt­zen auf dem Maria-von-Rud­l­off-Platz kön­nen mit der Beton­ar­chi­tek­tur spielen.