Die zweite Maihälfte und der Anfang des Junis waren dieses Jahr seltsam. Fast jeder Tag verlief nach dem gleichen Muster: morgens noch kühl, dann wurde es sehr heiß, abends ein mehr oder weniger heftiges Gewitter und Regen. So sah das dann beispielsweise am 1. Juni aus.
Kurz: Historische Tage
Weil dieses Blog ja auch ein bisschen sowas wie ein öffentliches Tagebuch ist, und vielleicht irgendwann ein Rückblick spannend sein könnte: heute liegt die Große Koalition in den Umfragen unter 50 Prozent. SPD, AfD und Grüne rücken nahe aneinander. Aber auch die CDU hat nach den Kindergartenaktionen von Horst Seehofer (CSU) und einem insgesamt eher schwierigen Bild Umfrageeinbrüche zu vermelden.
Kann sein, dass das in zwei Monaten schon wieder ganz anders aussieht. Kann sein, dass übermorgen die Große Koalition platzt. Kann sein, dass es der CSU eigentlich nur um die Bayernwahl geht und als Nebeneffekt davon das politische System der Bundesrepublik seinen letzten Rest an Stabilität verliert. Bleiben Sie dran. Und falls es in der Rückschau historische Tage sind: auch hier wurde es notiert.
Photo of the week: Dancing Faun
Hervorragend eignen sich 3D-Drucker für die Gestaltung halbwegs kitschiger Balkonkastenornamente (bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass der Druck noch unter einer Reihe von Schwächen leidet, perfekt eingestellt war und ist mein 3D-Drucker leider nicht; die seltsame Struktur auf der rechten Seite sind die Überreste von Stützen, die mitgedruckt wurden, damit die Form des tanzenden Fauns überhaupt gedruckt werden konnte).
Die Druckdatei habe ich bei Thingiverse gefunden; es handelt sich um den 3D-Scan eines Gipsabdrucks („Statuette eines tanzenden Satyrn“ Basel) einer in den Ruinen von Pompeji gefundenen Bronzeskulptur, die 1830 entdeckt wurde und entweder ein griechisches Original oder eine römische Kopie ist; jedenfalls über 2000 Jahre alt. Und die Kopie der Kopie der Kopie erschreckt jetzt Ameisen und Amseln in meinem Blumenkasten.
Kurz: Wichtige Themen
Welche Themen die „öffentliche Meinung“ dominieren, und wie es dazu kommt, ist kompliziert (wer es näher wissen will: Medienwissenschaft und die soziologische Diskurstheorie geben Hinweise).
Zwei Dinge möchte ich aber festhalten. Erstens: nur weil etwas in der öffentlichen Meinungen dominant ist, heißt das noch lange nicht, dass es sich dabei um ein wichtiges Problem handelt, und umgekehrt gilt das gleiche: ein Thema kann wichtig sein, aber auch extrem uninteressant. Wir stecken mitten in einem gravierenden Klimawandel, und die Maßnahmen dagegen laufen schleppend an und greifen nicht. Es scheint ein statistisch nachweisbares Insektensterben zu geben. Die Digitalisierung wirft ziemlich viel um, darüber wie arbeits- und sozialpolitische Antworten aussehen könnten, wird kaum diskutiert. Weltpolitisch verschieben sich grade die Gewichte – welche Rolle soll und wird die EU dabei spielen? Auch darüber wird verhältnismäßig wenig geredet. Und wichtig sind diese Themen allesamt.
Zweitens: Journalist*innen und die klassischen Massenmedien tragen, auch wenn Auflagenzahlen zurückgehen, immer noch in starkem Maße dazu bei, was als öffentliche Meinung wahrgenommen wird. Hier liegt ein wichtiger Teil medialer Verantwortung. „Neue Medien“ tragen seit mindestens zehn Jahren dazu bei, Skandalisierbares zu skandalisieren. Und so richtig dominant für die öffentliche Meinung wird es, wenn klassische und neue Medien ineinander greifen und in einem gegenseitigen Resonanzprozess verstärken. Damit können Themen gesetzt werden. Hier lohnt der Blick auf die bereits 2017 durchgeführte Analyse des Monitors zu Talkshowthemen. Und hier liegt, ich wiederhole es noch einmal, eine massive Verantwortung der Medienschaffenden dafür, wie sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland weiter entwickelt.
Photo of the week: Hornet II
Nachdem ich beim letzten Foto der Woche eine (recht schlanke) Hummel für eine Biene gehalten habe, ist hier keine Wespe, sondern ziemlich sicher eine Hornisse – möglicherweise, wie sie gerade dabei ist, Stücke aus einem Pflaumenbaumblatt herauszuschneiden, um damit ein Nest zu bauen. Vielleicht macht sie da aber auch was anderes.



