Wow! Knapp 250.000 Menschen sind echt ziemlich viele. #unteilbar hat es geschafft, die auf die Straße zu bringen. Oder, wie die ZEIT titelt: die Sammlungsbewegung ist da. Keine Retortengeburt a la „aufstehen“ des nationalen Flügels der Linkspartei, sondern eine Bewegung, die sich aus verdammt vielen Quellen speist. #unteilbar, für Solidarität und gegen Ausgrenzung, gegen den Versuch, Geflüchtete gegen Arme, Migrant*innen gegen Queers auszuspielen.
Photo of the week: Dreisam hero V
Arg verspätet – ich war in Stuttgart und Berlin und Stuttgart und bin nicht dazu gekommen, etwas ins Blog zu stellen – hier noch mein Foto der Woche. Mit etwas Geduld lassen sich die Graureiher an der Dreisam nicht nur fotografieren, sondern sogar beim Fischfang (und ‑verzehr) beobachten.
Kurz: „Halbzeitbilanz“
Die SPD plakatiert in Freiburg (und wohl auch andernorts) derzeit für Veranstaltungen zur grün-schwarzen Halbzeitbilanz; vorgestern gab’s auch eine Pressekonferenz dazu.
Mal abgesehen davon, dass ich unsere Regierungsbilanz gar nicht so schlecht finde, und dass mir nicht klar ist, wie die SPD aus ihrem 12%-Tal herauskommen will, wenn sie weiter vor allem auf negative campaigning setzt, frage ich mich: Ist nicht allein schon die Übernahme des Begriffs „Halbzeitbilanz“ eher dumm? Denn wenn das jetzt die Bilanz der ersten Hälfte Grün-Schwarz ist, dann muss es auch eine zweite Halbzeit geben. Allein diese Begriffswahl legt also schon mal fest, dass die grün-schwarze Landesregierung bis 2021 stabil regieren wird. Wenn die SPD das so sieht – mir soll es recht sein!
(Und üblicherweise bilanziert die Eigentümerin – auch das ist hier etwas schräg. Aber das nur nebenbei.)
Photo of the week: Seenotrettung ist kein Verbrechen VIII
Nachdem ich im Juli schon einmal ein Foto von einer Demo der #seebrücke in Freiburg gepostet habe, folgt hier ein Bild von der heutigen Demonstration. Leider sind die Zeiten so.
Erneut waren es etwa 2000 Leuten, bunt gemischt, von der antikapitalistischen Antifa bis hin zu engagierten Bürger*innen. Auch der neue Oberbürgermeister Martin Horn war mit einem Grußwort dabei – empathisch, solidarisch, aber leider nicht wirklich sehr konkret, was die Handlungsmöglichkeiten der Stadt anbelangt. Da geht noch mehr. Seenotrettung ist kein Verbrechen, sondern nach wie vor ein Gebot der Humanität. Wer Umfragen glaubt: nicht nur in Freiburg ist das auch das, was die große Mehrzahl der Menschen hier im Land denkt.
Kurz: Fluss der Dinge
Es ist eine Nachricht, dass Twitter die chronologische Timeline wieder anbietet. Anders als bei Facebook war sie nie ganz weg, denn wer in den Tiefen der Einstellungen angegeben hat, nicht die „wichtigsten“ Nachrichten zuerst sehen zu wollen, hat eine mehr oder weniger chronologisch geordnete Timeline angezeigt bekommen. Abgesehen von Hinweisen, was eine oder einer vielleicht verpasst haben könnte, oder was andere gesehen haben, oder … ich habe hier recht konsequent auf „weniger davon anzeigen“ gedrückt und zuletzt dann einen fast ausschließlich chronologischen Nachrichtenstrom erhalten.
Das scheint mir neben den Unzulänglichkeiten der Auswahlalgorithmen auch der Hauptgrund für die Beliebtheit der Chronologie zu sein: Tweets sind hier ein endloser Strom von Nachrichten, der einen Moment im globalen kommunikativen Bewusstsein dokumentiert und dann wieder vergeht. Die Dinge sind im Fluss, und wichtig ist nicht, was gestern passiert ist, sondern das, worüber Menschen genau in diesem Moment reden. Ein bisschen lässt sich dieser Strom zurückverfolgen, aber was vergangen ist, entschwindet – wie in einem Gespräch, nicht wie in einer E‑Mail-Debatte. Nur was wiederholt wird, überspringt diesen Anschein von Vergänglichkeit. Und darin liegt für mich der Reiz der Chronologie.
P.S.: Und natürlich signalisiert eine chronologisch geordnete Timeline – paradoxerweise – zugleich Kontrolle, insofern zumindest theoretisch die Möglichkeit besteht, so lange zurückzublättern, bis eine oder einer alles gelesen hat.



