Kurz: Schrittzähler-Nudging

Seit ein paar Wochen wur­den unse­re Dienst­han­dys auf Gerä­te von Apple umge­stellt. Bis­her hat­te ich pri­vat vor allem Android-Gerä­te; an die eine oder ande­re iPho­ne-Eigen­heit habe ich mich bis heu­te nicht gewöhnt. Doch dar­um soll es hier eben­so wenig gehen wie um den Auf­wand Siri und ähn­li­che Spä­ße mehr zu deak­ti­vie­ren. Nein: Anlass für die­sen kur­zen Blog­ein­trag ist viel­mehr die vor­in­stal­lier­te Gesund­heits­app. Ohne zusätz­li­che Gerä­te oder Daten­quel­len kann die nicht viel.

Was sie aber kann, und mun­ter macht, ist das Zäh­len von Schrit­ten, zu Fuß zurück­ge­leg­ten Kilo­me­tern und Trep­pen­stu­fen. Das lässt sich dann Tag für Tag dar­stel­len, nach wöchent­li­chen und monat­li­chen Mit­tel­wer­ten ana­ly­sie­ren und vie­les mehr.

Dass es die­se App gibt, hat mich zunächst ein­mal über­rascht; eben­so, dass sie – wenn ich das rich­tig sehe – nicht wirk­lich deak­ti­vier­bar ist. Gleich­zei­tig hat sie mich neu­gie­rig gemacht. Die Daten mögen unge­nau sein, aber an Arbeits­ta­gen in Stutt­gart kom­men, auch dank S21-Bau­stel­le und Umwe­gen, doch ein paar Kilo­me­ter zusam­men. Im Home Office sieht es dage­gen mau aus. Und, Stich­wort Nud­ging, also Ver­hal­tens­be­ein­flus­sung durch Design und Gestal­tung, ich ertap­pe mich inzwi­schen dabei, zum Teil zu Fuß zu gehen, weil das iPho­ne ja mit­zählt und ein paar mehr Schrit­te sicher nicht schaden.

Photo of the week: Ramsbach XXVIII

Ramsbach XXVIII

 
Auch die­ses Schaf ist erheb­lich ver­spä­tet. Bei einer Wan­de­rung vor zwei Wochen im mitt­le­ren Schwarz­wald stand es plötz­lich (zusam­men mit einem Kol­le­gen) am Weg­rand. Ohne Zaun. Wir waren erheb­lich weni­ger sicher, was das soll­te, als das Schaf. Das war sich sicher, genau hier­her zu gehören.

Ja-Sagen, Nein-Sagen, oder: am 24. Februar über Visionen für Freiburgs Zukunft abstimmen

Dietenbach-Niederungen III

In knapp zwei Wochen wird abge­stimmt. Und die Selt­sam­keit die­ses Bür­ger­ent­scheids fängt ja schon damit an, dass die Fra­ge­stel­lung ver­korkst ist – wer für den Bau des neu­en Stadt­teils Die­ten­bach ist, muss mit „Nein“ stim­men, wer die Äcker nörd­lich des Rie­sel­felds unbe­baut las­sen will, muss mit „Ja“ stimmen. 

Vor ein paar Tagen hat die Badi­sche Zei­tung eine reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge ver­öf­fent­licht – dem­nach sind 58 Pro­zent der Freiburger*innen für den neu­en Stadt­teil, sagen also Nein. Wobei das ja fast schon wie­der an das „Nai häm­mer gsait“ der 1970er anschließt.

Ob die­ser reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge glau­ben geschenkt wer­den kann, ist umstrit­ten. Wie fast alles, was mit Die­ten­bach zu tun hat. Quer durch Freun­des­krei­se wie­der hef­tig dar­um gerun­gen, sozia­le Medi­en und Leser­brief­spal­ten sind voll, eben­so die Veranstaltungshallen.

Dass es die­ses Rin­gen gibt, zeigt aber auch, dass es rich­tig war, Bür­ger­ent­schei­de für die Bau­leit­pla­nung zuzu­las­sen. Reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie, klar – aber es ist defi­ni­tiv etwas, das alle in Frei­burg angeht: soll nach Vau­ban und Rie­sel­feld in den 1990ern und nach vie­len Nach­ver­dich­tun­gen und inner­städ­ti­schen Ent­wick­lungs­maß­nah­men ein wei­te­rer gro­ßer Stadt­teil – noch grö­ßer als das Rie­sel­feld – dazu kom­men? Soll Frei­burg im Süd­wes­ten wei­ter wachsen.

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Photo of the week: Stuttgart basin

Stuttgart basin

 
Von etwas wei­ter oben betrach­tet wird erst deut­lich, was für ein Stadt­brei sich da eigent­lich im Stutt­gar­ter Tal­kes­sel ver­sam­melt. Ich hof­fe, ich belei­di­ge nie­man­den damit, aber rich­tig schön sieht das – zumin­dest bei Tag – nicht aus. 

Kurz: Politische und andere Algorithmen

Ich habe mal ein biss­chen Infor­ma­tik stu­diert. Neben­fach. Eine Grund­la­ge der Infor­ma­tik ist das Kon­zept des Algo­rith­mus: es gibt eine Ein­ga­be, es gibt Regeln, nach denen die­se Ein­ga­be ver­ar­bei­tet wird, und es gibt eine Aus­ga­be. So wie bei einem Koch­re­zept: Eier und Mehl, Zucker und Salz, … rein, Kuchen raus, und dazwi­schen Regeln und Ver­fah­rens­schrit­te, die in einer bestimm­ten Rei­hen­fol­ge abge­ar­bei­tet wer­den. Wer jetzt mit der Maus auf den nächs­ten Tab im Brow­ser klickt und eine URL ein­gibt, weil das lang­weilt – setzt Algo­rith­men in Gang. 

Jetzt muss­te ich heu­te in einer Pres­se­mit­tei­lung einer mir gut bekann­ten Bun­des­tags­frak­ti­on lesen: 

„In fast jeder Online-Anwen­dung kom­men heu­te Algo­rith­men zum Ein­satz. Fast die Hälf­te der Befrag­ten in der EU gibt aller­dings an, kei­ne Kennt­nis über Algo­rith­men zu besit­zen. Es müs­sen jetzt nicht alle Com­pu­ter­ex­per­tin­nen und ‑exper­ten wer­den, aber jeder hat das Recht dar­auf, zu erfah­ren, ob in Pro­gram­men oder Pro­zes­sen Algo­rith­men im Spiel sind und Ent­schei­dun­gen beein­flus­sen. Ein Trans­pa­renz­kenn­zei­chen für Künst­li­che Intel­li­genz und Algo­rith­men kann des­we­gen ein sinn­vol­ler Ansatz sein.“ 

Das ist dann doch ein biss­chen pein­lich. Und ich ver­ste­he, war­um sich Biolog*innen über „gen­frei“ auf­re­gen. Mein Schluss: Es gibt so etwas wie einen tech­ni­schen Algo­rith­mus-Begriff (Ein­ga­be – Rechen­schrit­te – Aus­ga­be) und einen poli­ti­schen Algo­rith­mus-Begriff, der eigent­lich „Ein­satz von maschi­nel­lem Ler­nen auf gro­ßen Daten­men­gen zur Sor­tie­rung von Nutzer*innen“ oder sowas in der Art bedeu­tet. Das mit einem Kenn­zei­chen zu ver­se­hen, kann ja sogar sinn­voll sein. „Ach­tung, Algo­rith­mus!“ zeugt aller­dings davon, dass hier jemand nur wenig Kennt­nis besitzt. Schade.