Wie ein Koalitionsvertrag entsteht

Foyer, Sparkassenakademie Stuttgart

Bis Frei­tag lie­fen die vier­zehn inhalt­li­chen Arbeits­grup­pen der baden-würt­tem­ber­gi­schen Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen; um 20 Uhr muss­ten die geein­ten Papier abge­ge­ben wer­den. Ich durf­te die­ses Jahr für die grü­ne Sei­te die Fach­grup­pen zu Land­wirt­schaft sowie zu Digi­ta­li­sie­rung beglei­ten. Zu den Inhal­ten darf ich natür­lich nichts sagen, aber ein paar Beob­ach­tun­gen am Ran­de möch­te ich doch aufschreiben. 

Alles kann hoch­sym­bo­lisch sein, etwa die Wahl des Ortes. Getagt wur­de in der Spar­kas­sen­aka­de­mie in Stutt­gart, ein von außen eher unschein­ba­res Gebäu­de am Pari­ser Platz in Stutt­gart zwi­schen Ban­ken­hoch­häu­sern. Innen: zweck­mä­ßig, begrün­ter Innen­hof, viel moder­ne Kunst an den Wän­den. Das Gebäu­de wird wohl nor­ma­ler­wei­se von den Spar­kas­sen für inter­ne Fort­bil­dun­gen genutzt. In den letz­ten zwölf Tagen ver­wan­del­te es sich – zumin­dest im fünf­ten Stock, im Rest des Hau­ses ging der nor­ma­le Betrieb wei­ter – in den Ort der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen. Wer mag, darf Bezü­ge her­stel­len zwi­schen der Bio­gra­fie von Manu­el Hagel, der ja mal Spar­kas­sen­fi­li­al­lei­ter war, und die­sem Ort, oder auch dazu, dass es eben weder das Haus der Archi­tek­ten (grün-rote Ver­hand­lun­gen) noch das Gebäu­de der LBBW (da wur­de 2021 mit star­kem grü­nen Über­ge­wicht im Ver­trag ver­han­delt) war, son­dern ein neu­er Ort. Auf­bruch? Spar­sam­keit? Oder doch: eher Zweckmäßigkeit?

Neben den eigent­li­chen Ver­hand­lungs­räu­men, in denen sich die fach­li­chen Teams bei­der Sei­ten begeg­ne­ten, gehört zur Infra­struk­tur der Ver­hand­lun­gen noch eini­ges an Drum­her­um: ein Cate­ring-Raum, in dem sich Grü­ne und Schwar­ze bei Mit­tag- und Abend­essen tra­fen, Räu­me der grü­nen bzw. der CDU-Sei­te, jeweils ein tech­ni­sches Büro für bei­spiels­wei­se Aus­dru­cke der Tex­te. In den Ver­hand­lungs­räu­men war das Stan­dard­set­up das von zwei sich gegen­über­ste­hen­den Tisch­rei­hen, an denen die zehn Per­so­nen (fünf Verhandler*innen, fünf Arbeits­ebe­ne) sich gegen­über saßen. Ein gro­ßer Bild­schirm konn­te dazu genutzt wer­den, Tex­te einzublenden. 

Das Stan­dard­set­up wur­de in man­chen Grup­pen auch vari­iert – etwa indem nur sechs Per­so­nen sich direkt gegen­über saßen, dahin­ter eine Bank für die Arbeits­ebe­ne und quer ein Tisch für das Pro­to­koll bzw. die Note­ta­ker. Allei­ne „mei­ne“ bei­den Grup­pen setz­ten schon auf sehr unter­schied­li­che Arbeits­wei­sen. Von Kolleg*innen hör­te ich wei­te­re Vari­an­ten, wie am Schluss ein gemein­sa­mer Text zustan­de gekom­men ist. Ohne in Details zu gehen: in man­chen Grup­pen wur­de alles vor allem zwi­schen den bei­den Leiter*innen aus­ge­han­delt, manch­mal auch im sehr klei­nen Kreis. In man­chen Grup­pen wur­de die Arbeits­ebe­ne in die Dis­kus­si­on ein­be­zo­gen, in ande­ren strikt abwech­selnd und nur von der poli­ti­schen Sei­te gespro­chen. Da wur­de inten­si­ve gemein­sa­me Text­ar­beit mit dem peni­blen Durch­gang von vor­her erstell­ten Text­vor­la­gen betrie­ben, dort eher the­ma­tisch gespro­chen und am Schluss ein Pro­to­koll erstellt. 

Der Ziel­kor­ri­dor für das fina­le Pro­dukt lag bei sie­ben Sei­ten – das zu hal­ten, erwies sich als gar nicht so ein­fach. Anek­do­tisch: der ers­te halb­wegs geein­te Ent­wurf der Land­wirt­schafts­grup­pe lag bei 21 Sei­ten … (und ging an der einen oder ande­ren Stel­le in fach­li­che Ver­äs­te­lun­gen, die zwar zuvor mun­ter dis­ku­tiert wor­den waren, denen ich als fach­li­cher Laie aber nur bedingt fol­gen konn­te – sei­en es Details der Stall­bau­för­de­rung oder Aus­ein­an­der­set­zun­gen um die forst­li­che bes­te Praxis …). 

Eben­so wie das räum­li­che gin­gen auch die zeit­li­chen Set­tings aus­ein­an­der – von zwei Sit­zun­gen in der gro­ßen Run­de, dazwi­schen und danach im klei­ne­ren Kreis bis zu fast täg­li­chen Sit­zun­gen mit 20 Per­so­nen war alles dabei. Davor und dazwi­schen dann: inter­ne Bespre­chun­gen, um sich über die jewei­li­ge Linie zu ver­stän­di­gen, und – auf Arbeits­ebe­ne – Redak­ti­ons­ar­beit im Vier- oder Acht­au­gen­prin­zip, um Tex­te zu kür­zen und kon­sens­fä­hi­ge For­mu­lie­run­gen zu fin­den. Und zumin­dest für die grü­ne Sei­te, aber wohl auch bei der CDU: im Vor­gang, vor dem Beginn der Ver­hand­lun­gen, schon inten­si­ve Arbeit, um Posi­tio­nen aus den Wahl­pro­gram­men, die Vor­ga­ben der Son­die­rungs­grup­pe und die im Lauf der letz­ten fünf Jah­re gesam­mel­ten Ideen zusam­men zu bringen. 

Bei all dem, und bei allen har­ten inhalt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen (nach allem, was ich höre: ganz über­wie­gend kon­struk­tiv, im Übri­gen) gab es auch eine gewis­se grup­pen­dy­na­mi­sche Annä­he­rung, gemein­sa­me Hei­ter­keit und – so jeden­falls mein Gefühl – doch ein bes­se­res Ver­ständ­nis dafür, wie die jeweils ande­re Sei­te „tickt“.

Die in den Fach­grup­pen erar­bei­te­ten Tex­te bil­den nun die Grund­la­ge für die Ver­hand­lun­gen im Spit­zen­team, in dem es dar­um geht, letz­te Dis­sen­se zu klä­ren und auch noch ein­mal auf Wider­sprü­che zwi­schen den jeweils aus fach­li­cher Per­spek­ti­ve geschrie­be­nen Text­tei­len zu ach­ten. Wenn alles klappt, erblickt der Koali­ti­ons­ver­trag Anfang Mai das Licht der Öffent­lich­keit und liegt am 9. Mai den bei­den Par­tei­ta­gen zur Abstim­mung vor. 

Das Problem sind nicht die fehlenden Ideen – das Problem ist der Weg zur Umsetzung

Am 29. und 30. Mai 2026 fin­det „IM/PULS“ statt. Das ist nicht der kul­tur­po­li­ti­sche Arbeits­kreis „Im-Puls“ Stau­fen­berg, auch nicht die säch­si­sche Nacht der Jugend­kul­tu­ren „im:puls“, und erst recht nicht das „Im.Puls“-Bewegungsteam oder die „Im·Puls“-Tagung Lebens­kraft. Nein, hin­ter die­sem Namen – auf das Satz­zei­chen kommt es an – ver­birgt sich was Bündnis/Grünes – genau­er gesagt: „Zwei Tage für Ideen, Debat­ten und Per­spek­ti­ven“. Ein grü­ner Kon­gress irgend­wo zwi­schen Bar­camp, Re:publica und Par­tei­tag. Gesucht wer­den sol­len „Ant­wor­ten auf eine Welt im Wan­del“. Klingt alles irgend­wie nice, trotz­dem: so rich­tig begeis­tert bin ich davon bis­her nicht. Und über­le­ge, ob ich mir das Wochen­en­de ein­pla­nen soll oder nicht.

War­um die­ses Zögern? Banal betrach­tet ver­mut­lich des­we­gen, weil ich schon zu lan­ge dabei bin, zu vie­le Zukunfts‑, Per­spek­tiv- und Pro­gramm­kon­gres­se erlebt habe, und auch schon zu lan­ge im „Poli­tik­ma­nage­ment“ tätig bin. Etwas weni­ger banal bin ich mir nicht sicher, ob ich die Prä­mis­se hin­ter „IM/PULS“ tei­le. Hin­ter der Pro­sa steckt der – legi­ti­me – Ver­such, pro­gram­ma­ti­sche Wei­ter­ent­wick­lung inner­halb der in den letz­ten Jah­ren stark gewach­se­nen Par­tei zu orga­ni­sie­ren. Und ja, die Welt heu­te ist eine ande­re als vor zehn oder fünf­zehn Jah­ren, und sie ist auch eine ande­re als 2018 (da wur­de das letz­te Grund­satz­pro­gramm beschlos­sen). Und ja, es gibt ein paar inner­par­tei­li­che Kon­flik­te, die eher über­tüncht als gelöst wor­den sind. Trotz­dem: im Gro­ßen und Gan­zen habe ich den Ein­druck, dass wir pro­gram­ma­tisch gut auf­ge­stellt sind. 

Wir haben eine aus mei­ner Sicht rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung der Welt­pro­blem­la­gen, wir haben viel­fach ganz gute Kon­zep­te, um zur Pro­blem­lö­sung bei­zu­tra­gen, und da, wo wir rat­los sind, hat das oft mehr damit zu tun, dass es kei­ne gute Lösung gibt (klei­nes Stich­wort: Nah­ost­kon­flikt), als damit, dass wir sie nicht kennen. 

Was wir aktu­ell nicht haben, ist eine Macht­per­spek­ti­ve. Da, wo es die­se gibt, fin­den wir einen erstaun­lich gro­ßen Zuspruch. Wobei mein Ein­druck am Info­stand in Baden-Würt­tem­berg war: den meis­ten Men­schen sind die Details unse­res Pro­gramms egal. Da zählt ins­ge­samt der Ein­druck, dass wir ganz ordent­lich arbei­ten, das Herz am rech­ten Fleck und die rich­ti­gen Wer­te haben, und dass es für Baden-Würt­tem­berg deut­lich bes­ser ist, wenn Cem Özd­emir Minis­ter­prä­si­dent wird, als wenn jemand ande­res die­ses Amt aus­füllt. Und die 30,2 Pro­zent haben auch etwas damit zu tun, dass eben kei­ne gro­ßen pro­gram­ma­ti­schen grü­nen Debat­ten statt­fan­den, son­dern sehr prag­ma­tisch „Bein­frei­heit“ zuge­stan­den wur­de. Was am Schluss dabei her­aus kommt, wis­sen wir dann, wenn es soweit ist. 

Was jetzt schon klar ist: wenn, wird es in Baden-Würt­tem­berg wie­der eine lager­über­grei­fen­de Koali­ti­on aus Grü­nen und CDU geben. Genau­so, wie es in Rhein­land-Pfalz eine lager­über­grei­fen­de Koali­ti­on aus CDU und SPD geben wird. Und auch im Bund war die „Gro­ße Koali­ti­on“ ja bekannt­lich das ein­zi­ge, was nach einem ober­fläch­lich ähn­lich per­so­nen­zen­trier­tem, fak­tisch aber doch anders gela­ger­tem Wahl­kampf übrig blieb. 

Wer sich die Umfra­gen der letz­ten Mona­te anschaut, und mal ein biss­chen rech­net, kommt immer auf etwa 35, 36 Pro­zent für ein holz­schnitt­ar­ti­ges „lin­kes Lager“ aus SPD, Grü­nen und Links­par­tei. Es gab Zei­ten, wo das anders war, aber aktu­ell ver­schie­ben sich Umfra­ge­wer­te inner­halb die­ses Lagers – und nur da. Auf der ande­ren Sei­te ste­hen rund 25 Pro­zent für CDU/CSU und noch ein­mal rund 25 Pro­zent für die AfD. Macht­op­tio­nen wären damit aktu­ell: eine CDU/C­SU-AfD-Koali­ti­on (die hof­fent­lich die Mehr­heit der Uni­on wei­ter­hin ablehnt) oder eine Koali­ti­on aus CDU/CSU und (SPD und/oder Grü­nen); je nach Zahl der ver­lo­re­nen Stim­men und der Fra­ge, wer inner­halb des „lin­ken Lagers“ gera­de vor­ne liegt, könn­te es knapp für eine Zwei­er­ko­ali­ti­on reichen. 

Auch wenn die Umfra­ge­wer­te in den letz­ten Mona­ten wenig Dyna­mik zei­gen, gibt es natür­lich die Mög­lich­keit, dass vor der nächs­ten Bun­des­tags­wahl doch noch etwas in Bewe­gung gerät, dass bei­spiels­wei­se der ver­blie­be­ne links­li­be­ra­le Rest der FDP-Wähler*innen ent­deckt, dass es Grü­ne gibt, oder dass Tei­le der CDU/C­SU-Wäh­ler­schaft sich für eine oder einen „mit­ti­gen“ grüne*n Kandidat*in begeis­tern. Solan­ge die oder der kei­ne Gen­der­stern­chen benutzt und sich auch sonst betont bür­ger­lich gibt. 

Aber selbst in die­sen Sze­na­ri­en ist eine eigen­stän­di­ge „lin­ke“ Mehr­heit weit weg. Eine eigen­stän­di­ge „rech­te“ Mehr­heit wird von der star­ken AfD ver­hin­dert, so lan­ge die­se nicht Teil davon ist.

Was ich sagen will: wenn es eine Macht­op­ti­on gibt, dann ist es eine lager­über­grei­fen­de. Und das heißt, um noch­mal auf Baden-Würt­tem­berg zurück zu kom­men, dass am Schluss neben eini­gen grü­nen Juwe­len ver­mut­lich sehr viel CDU/C­SU-Wei­ter­so in einem Pro­gramm zu fin­den sein wird. 

Wenn wir das nicht wol­len, dann soll­te – uno­po­pu­lä­re Mei­nung – im Mit­tel­punkt einer „IM/PULS“-Tagung nicht die Fra­ge der pro­gram­ma­ti­schen Wei­ter­ent­wick­lung ste­hen, son­dern die Fra­ge, wel­che gesell­schaft­li­chen Bünd­nis­se (auch außer­halb der eige­nen Kom­fort­zo­ne) not­wen­dig sind. Oder die Fra­ge, wel­che Inhal­te wir nach vor­ne stel­len, um anschluss­fä­hig an die Fra­gen der Zeit zu blei­ben (und wel­che eher nicht). Oder die Fra­ge, wie es gelingt, grün zu blei­ben und sich trotz­dem geschlos­sen, über­zeugt und über­zeu­gend hin­ter einer Per­son zu ver­sam­meln, die eine reel­le Chan­ce hat, die Umfra­ge­er­geb­nis­se so zu ver­schie­ben, dass Optio­nen dafür greif­bar wer­den, die guten und muti­gen grü­nen Kon­zep­te, die es ja gibt, auch umzu­set­zen. Und dabei davon aus­zu­ge­hen, dass es von Tag eins an fie­se Gegen­kam­pa­gnen geben wird – die schon ein­kal­ku­liert wer­den müss­ten, ohne jedoch den Mut zu ver­lie­ren. Zu dis­ku­tie­ren, was dafür jetzt getan wer­den kann: das wäre für mich ein Impuls, der die Par­tei vor­an­tra­gen könnte.

Parteireform?!

Bee party I

Bünd­nis 90/Die Grü­nen sind in den letz­ten Jah­ren enorm gewach­sen – nicht ganz so stark wie eng­li­schen Grü­nen, die gefühlt gera­de explo­die­ren, aber immer­hin: Zum 31.12.2024 waren es in Deutsch­land rd. 155.000 Grü­ne (+23% im Ver­gleich zum Vor­jahr), zum 31.12.2025 waren es dann über 180.000 (erneut +18%). Im Ver­gleich zum Zustand Mit­te der 1990er Jah­ren, als ich in die Par­tei ein­ge­tre­ten bin, ist das fast unvor­stell­bar – da waren es knapp 50.000 Mit­glie­der, und die­se Grö­ßen­ord­nung galt bis zum Reform­kurs von Robert Habeck und Anna­le­na Baer­bock 2018 – ab da ging’s dann los mit dem Wachstum.

Das als Hin­ter­grund macht klar, war­um in letz­ter Zeit immer wie­der über eine struk­tu­rel­le Par­tei­re­form gespro­chen wird. Ja, es ist irgend­wie logisch, dass eine vier­mal so gro­ße – und auch in ande­rer Hin­sicht z.T. pro­fes­sio­na­li­sier­te – Par­tei ande­re Instru­men­te braucht. Gleich­zei­tig zucke ich bei dem Gedan­ken zurück, dass wir Grü­nen uns jetzt erst­mal über Mona­te mit Sat­zungs­fra­gen befas­sen. Das ist eine schö­ne Beschäf­ti­gung, wenn es gera­de nichts wich­ti­ge­res gibt. Und „nichts wich­ti­ge­res“ beschreibt die Lage aktu­ell, nun ja, nicht wirk­lich gut. Den­noch: ich sehe einen gewis­sen Sinn dar­in, das Fass der Par­tei­re­form jetzt auf­zu­ma­chen. Und auch den prag­ma­ti­schen Ansatz des Bun­des­vor­stands fin­de ich nach­voll­zieh­bar, jeden­falls deut­lich bes­ser als theo­re­ti­sche Über­bau­dis­kus­sio­nen über das Ende der Mit­glie­der­par­tei etc. etc. – all das gab es auch schon mal.

Auf der Web­site des grü­nen Bun­des­ver­bands wird die Par­tei­re­form wie folgt beschrieben:

„Doch auch eine gute Sat­zung braucht von Zeit zu Zeit Aktua­li­sie­rung und Klar­stel­lung. Jetzt ist ein sol­cher Moment: Wir wol­len an dem fest­hal­ten, was sich bewährt hat und moder­ni­sie­ren, was uns für die kom­men­den Jah­re hand­lungs­fä­hi­ger macht.“

Über die Sat­zungs­än­de­run­gen soll in einer Urab­stim­mung, nicht auf einem Par­tei­tag ent­schie­den wer­den. Freund­lich inter­pre­tiert geht es dar­um, alle Mit­glie­der mit­zu­neh­men und mit­ent­schei­den zu las­sen – etwas weni­ger freund­lich inter­pre­tiert lese ich aus dem gewähl­ten Vor­ge­hen auch eine gewis­se Angst vor den Eigen­in­ter­es­sen der Par­tei­tags­de­le­gier­ten her­aus. (Und, Nach­trag: Ände­rungs­an­trä­ge oder Alter­na­tiv­an­trä­gen sind auf die­sem Weg natür­lich auch nicht mög­lich.) So oder so: es zeich­net eine basis­de­mo­kra­ti­sche Par­tei aus, dass die­se Orga­ni­sa­ti­ons­fra­gen von der Par­tei ins­ge­samt ent­schie­den werden. 

Und: die Urab­stim­mung ist mehr­stu­fig, aktu­ell läuft noch die Kom­men­tie­rungs­pha­se, bei der – bis 31. März 2026 – Stel­lung­nah­men von Mit­glie­dern und Orga­nen ein­ge­reicht wer­den kön­nen, die dann in einem Rea­der zusam­men­ge­fasst wer­den. Die eigent­li­che Abstim­mung star­tet mit dem Ver­sand der Wahl­be­nach­rich­ti­gun­gen Mit­te Mai, abge­stimmt wird dann im Juni.

Wor­um soll es nun ganz kon­kret gehen?

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Wahlanalyse zur Landtagswahl 2026

Knapp eine Woche nach der Wahl will ich dann doch ein paar Wor­te dazu in mein Blog packen. Wobei: aktu­ell wird lei­der jedes Wort auf die Gold­waa­ge gelegt, Stich­wort „Schmutz­kam­pa­gne“. Inso­fern blei­be ich mal weit­ge­hend bei dem, was sich halb­wegs fak­ten­ba­siert über das Wahl­er­geb­nis sagen lässt.

Ich hat­te fünf „Key Questions“:

1. Wer liegt vor­ne bei den Zweit­stim­men – Grü­ne mit Cem Özd­emir oder die CDU mit Manu­el Hagel?
2. Wie groß ist der Abstand zwi­schen Grü­nen und CDU? Und damit ver­bun­den: Ist bereits um 18 Uhr klar, in wel­che Rich­tung es geht, oder müs­sen wir bis spät in die Nacht warten?

In den ers­ten Pro­gno­sen um 18 Uhr sah das noch sehr deut­lich aus, zumin­dest bei der ARD, mit einem deut­li­chem Vor­sprung der Grü­nen vor der CDU. Das gab einer­seits rie­si­gen Jubel (die Staats­ga­le­rie, in der die grü­ne Wahl­par­ty statt­fand, wur­de da sehr laut), ande­rer­seits dann aber all­seits die besorg­te Fra­ge, ob die­ser Vor­sprung den hal­ten wür­de. Bis das tat­säch­li­che End­ergeb­nis fest­stand, dau­er­te es dann bis deut­lich nach Mit­ter­nacht, aber schon gegen 22 Uhr war klar: Grü­ne lie­gen bei den Zweit­stim­men unein­hol­bar vor­ne, und auch wenn es „nur“ rund 25.000 Stim­men sind (30,2 zu 29,7 Pro­zent), steht damit ein Ergeb­nis fest.

Für die Nach­welt hier noch­mals das vor­läu­fi­ge End­ergeb­nis: GRÜNE 30,2 (-2,4) Pro­zent, CDU 29,7 (+5,6) Pro­zent, SPD 5,5 (-5,5) Pro­zent, AfD 18,8 (+9,1) Pro­zent, Lin­ke und FDP jeweils mit 4,4 Pro­zent der Zweit­stim­men nicht im Land­tag. Wahl­be­tei­li­gung bei 69,6 Pro­zent, im Ver­gleich zur letz­ten Wahl deut­lich gestiegen

Die letz­te Umfra­ge vor der Wahl (ZDF-Polit­ba­ro­me­ter) sah Grü­ne und CDU jeweils bei 28 Pro­zent; hier gab es also auf bei­den Sei­ten noch ein­mal einen ordent­li­chen Mobi­li­sie­rungs­schub in den letz­ten Tagen und Stun­den. Das zeigt sich auch im Ver­gleich der Brief­wahl­stim­men zur Urnenwahl.

„Wahl­ana­ly­se zur Land­tags­wahl 2026“ weiterlesen

Landtagswahl Baden-Württemberg: Jetzt zählt es

Die Wahl­lo­ka­le in Baden-Würt­tem­berg sind geöff­net, der 18. Land­tag wird gewählt Dabei gilt zum ers­ten Mal das neue Wahl­recht mit zwei Stimmen.

Mei­ne fünf Key Ques­ti­ons für den Wahl­aus­gang sind:

  1. Wer liegt vor­ne bei den Zweit­stim­men – Grü­ne mit Cem Özd­emir oder die CDU mit Manu­el Hagel? Die letz­te Umfra­ge (Polit­ba­ro­me­ter vom Don­ners­tag) sieht bei­de bei 28 Pro­zent. Inso­fern kön­nen eini­ge weni­ge Stim­men dar­über ent­schei­den, wer Minis­ter­prä­si­dent wird – ande­re Kon­stel­la­tio­nen sind poli­tisch aus­ge­schlos­sen (mit AfD) oder rech­ne­risch sehr unwahr­schein­lich („Schwar­ze Ampel“).
  2. Wie groß ist der Abstand zwi­schen Grü­nen und CDU? Und damit ver­bun­den: Ist bereits um 18 Uhr klar, in wel­che Rich­tung es geht, oder müs­sen wir bis spät in die Nacht war­ten, weil to clo­se to call (dazu kommt: neu­es Wahl­sys­tem, das dürf­te Pro­gno­se-Unsi­cher­hei­ten eher vergrößern).
  3. Wie wird das neue Zwei­stim­men­sys­tem genutzt? Kommt es zu (tak­ti­schem) Stim­men­split­ting, oder wird ein­heit­lich gewählt? Kön­nen vie­le der bis­he­ri­gen grü­nen Direkt­man­da­te gehal­ten wer­den, oder setzt sich die bes­se­re loka­le Ver­net­zung der CDU in vie­len Wahl­krei­sen durch? Das hat dann auch Aus­wir­kun­gen auf die Land­tags­grö­ße – je stär­ker Direkt­man­da­te und Zweit­stim­me aus­ein­an­der gehen, des­to grö­ßer wird der Land­tag über die Min­dest­grö­ße von 120 (70 Direkt­man­da­te, 50 Lis­ten­man­da­te) hin­aus. (Bei der letz­ten Wahl gin­gen 58 der 70 Direkt­man­da­te an Grü­ne, der Rest an die CDU. Dies­mal hal­te ich eini­ge AfD-Direkt­man­da­te für mög­lich. Dies­mal hal­te ich einen deut­lich klei­ne­ren Land­tag als 2021 – 154 Sit­ze – für möglich.)
  4. Zur Wahl­rechts­re­form gehört auch das Wahl­recht ab 16 – wie inten­siv wird die­ses genutzt wer­den, und wo gehen die Stim­men der Erstwähler*innen hin?
  5. Und schließ­lich: wie sieht es an der Fünf-Pro­zent-Hür­de aus? Lin­ke und FDP sind in der letz­ten Umfra­ge bei 5,5 Pro­zent, die SPD bei acht. Kommt die Lin­ke das ers­te Mal ins Lan­des­par­la­men­te in Baden-Würt­tem­berg? Wie sieht es mit der FDP aus – die seit Lan­des­grün­dung unun­ter­bro­chen im Land­tag sitzt?