Kurz: Keine Blumen zum Frauentag

Heu­te ist der 101. Inter­na­tio­na­le Frau­en­tag. Als sym­bo­li­scher Anlass dafür, auf die wei­ter­hin feh­len­de Gleich­stel­lung von Frau­en und Män­nern hin­zu­wei­sen, ist das ein wich­ti­ges poli­ti­sches Datum. An dem dann alle poli­ti­schen Sei­ten für Gleich­stel­lung sind, authen­tisch aber nur die in Erschei­nung tre­ten, die sich auch an den übri­gen Tagen des Jah­res dafür ver­kämp­fen. In die­sem Sin­ne fin­de ich den Frau­en­tag rich­tig und wichtig.

Es gibt nun eine Ten­denz – wohl ein DDR-Import im Ver­ein mit dem Blu­men­han­del – den Tag auch als per­sön­li­chen Dan­kes­tags an »die Frau« oder »die Frau­en« zu gestal­ten. Da habe ich Bauch­weh bei. Und zwar, weil hin­ter dem ein­mal pro Jahr her­aus­ge­ho­be­nem Dank ein ver­steck­ter Undank steht, eine dis­kri­mi­nie­ren­de Nor­ma­li­täts­er­war­tung. Die wird sicht­bar, wenn gefragt wird, wofür »den Frau­en« den gedankt wird. Ihr So-sein als gesell­schaft­li­che Tat­sa­che kann es eigent­lich nicht sein. 

Denk­bar wäre dann, dass der sozia­lis­tisch inspi­rier­te Dank sich auf Leis­tun­gen in weib­lich kon­no­tier­ten Hand­lungs­fel­dern bezieht – Fami­li­en­ar­beit, Haus­ar­beit, Bezie­hungs­ar­beit. Dafür zu dan­ken, legi­ti­miert hier die Asym­me­trie – für eine eman­zi­pier­te Gesell­schaft hilf­rei­cher erscheint es mir, hier (als Mann) all­täg­lich selbst zu Putz­lap­pen und Win­deln zu grei­fen, statt ein­mal im Jahr »der Frau« dafür zu danken.

P.S.: Aus Grün­den der Zuspit­zung ver­zich­te ich auf einen Schlen­ker zur femi­nis­ti­schen Anerkennungsdebatte.

2 Antworten auf „Kurz: Keine Blumen zum Frauentag“

  1. Wor­auf Du ja gar nicht hin­ge­wie­sen hast, was aber an der Frau­en­tag-Blu­men-Geschich­te beson­ders absurd ist:

    Es geht ja nicht dar­um, Frau­en »irgend­et­was« zu schen­ken, son­dern Blu­men – weil, Rol­len­kli­schee, Frau­en haben Blu­men zu mögen. Damit wer­den Rol­len­kli­schees noch bedient statt sie zu hinterfragen.

  2. @Hanno: dann schenk IHR doch mal einen Strauss Schrau­ben­zie­her :p

    @Till: In der DDR über­nahm der Frau­en­tag mit die Funk­ti­on des Mut­ter­tags. Das war in der Pra­xis die Haupt­in­spi­ra­ti­on für Blu­men oder Geschen­ke. Über ideol­gi­sche Hin­ter­grün­de kann ich nichts genau­es sagen, außer dass der west­li­che Mut­ter­tag aus poli­ti­schen Grün­den nicht gewollt war. Den jün­ge­ren Genera­tio­nen in der DDR wer der west­li­che Mut­ter­tag kaum noch bekannt, daher die Über­tra­gung auf den Frauentag.

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