Freitag, der 13. Aber dafür ist das Bild ein waschechtes Montagsfoto.
Kurz: Redezeitdemokratie
Da hat sich ein Parlament konstituiert, die Fraktionen haben sich gebildet, und dann geht es um die Redezeiten. Ich war ziemlich irritiert davon, dass der Bundestag hier strikt proportional vorgeht: 10 Prozent der Mandate = 10 Prozent der Redezeit. Bei einer Stunde also sechs Minuten. Das führt bei einer 80%-GroKo zu eher langweiligen Debatten: RednerInnen der Regierung wiederholen und wiederholen sich, für die Opposition bleiben ein paar Gedankenhappen. Und selbst, wenn es ein oder zwei Minuten dazugibt – eine solche Verteilung von Redezeiten mag zwar streng mathematisch korrekt, erscheint mir aber eher unparlamentarisch, wenn denn im Parlament das Prinzip von Rede und Gegenrede herrschen soll.
Muss das so sein? Muss es nicht – jedenfalls habe ich im baden-württembergischen Landtag ein ganz anderes System kennengelernt. Üblicherweise hat hier jede Fraktion die gleiche Redezeit – egal, ob es um die winzige FDP oder die größte Fraktion, CDU, geht. Das ist nicht proportional, aber es führt dazu, dass tatsächlich Argumente ausgetauscht werden. Faktisch haben Regierungsfraktionen und Opposition jeweils die gleiche Redezeit, dazu kommt die Regierung selbst, die mehr oder weniger unbegrenzt reden darf*. Abweichungen gibt es bei einigen zentralen Anträgen – da gilt dann „gestaffelte Redezeit“, d.h. auf z.B. fünf Minunten Basisredezeit kriegt die CDU noch zwei oder drei Minuten dazu, Grüne und SPD noch eine, und die FDP bleibt bei fünf Minuten.
Rhetorisch sind die Debatten im baden-württembergischen Landtag nicht unbedingt und in jedem Fall Glanzlichter. Lebhaft sind sie jedoch meist. Und dazu trägt, glaube ich, auch die hier etablierte Redezeitordnung zu, die statt auf mathematische Korrektheit auf Repräsentation der verschiedenen in den Landtag gewählten Interessen setzt.
* Wenn die VertreterInnen der Regierung allerdings zu lange reden, lösen sie eine Geschäftsordnungsregelung aus, die eine neue Debattenrunde im Parlament öffnet – mit den Fraktionschefs der Opposition als ersten Rednern. Wer’s nachlesen will, kann in die Landtags-GO schauen.
Photo of the week: Pink winter evening II
Zu den netten Dingen an den unschönen Seiten des Winters gehört dieses Bild. Beim regelmäßigen Pendeln zwischen Freiburg und Stuttgart merke ich gerade sehr deutlich, wie die Tage kürzer werden. Im Dunkeln aus dem Haus raus, und irgendwo zwischen Offenburg und Karlsruhe fängt dann die Morgendämmerung an. In Stuttgart gerade noch im Hellen aus dem Landtag raus, und irgendwo bei Vaihingen wird es richtig dunkel.
In dieser Woche war es so, dass ich pünktlich zu großartigen Sonnenuntergängen meinen Arbeitsplatz verlassen habe. Sowohl am Dienstag als auch am Donnerstag bot sich eine ganz besondere Abendstimmung mit pink und lavendel, orange und blau über der Skyline des Stuttgarter Landtagsareals. Ein Beispiel dafür zeigt dieses Handyfoto. Aber auch aus meinem Bürofenster betrachtet war die Abendstimmung – Großstadt vor Sonnenuntergang – grandios. Das sind die schönen Seiten am dunklen Winter.
Kurz: Countdown zum dunkelsten Tag des Jahres
Antje Schrupp wunderte sich auf Facebook über adventskalenderbastelnde AtheistInnen. Ich bekenne: Ich gehöre auch dazu. Adventskalender, Weihnachtssterne, Plätzchenbacken, Adventskaffeetrinken, Weihnachtsfeier – und das alles ohne jeden religiösen Hintergrund.
Wenn ich’s rationalisieren wollte, dann vielleicht mit Hinweis darauf, dass die Wintersonnenwende sich eben für Feiern aller Art anbietet. Advent ist eben auch der Countdown zum dunkelsten Tag des Jahres. Auf der anderen Seite ist’s schlicht Sozialisation – klar habe ich mich als Kind über einen (oder gar mehrere) Adventskalender gefreut, klar gab es Kaffeetrinken an den Adventssonntagen mit selbstgebackenen Plätzchen. Als herabgesunkenes Dezember-Ritual ohne religiöse Aufladung. Kultur halt. Und weil Plätzchen schmecken, und Geschenke nett sind, wird das halt fortgeführt ;-)
Photo of the week: Neues Schloß at night III
Was ich ja sehr gerne mag, sind tiefblaue, relativ klare Herbst- und Winternächte. Wobei, als Sommernächte mag ich die eigentlich sogar noch mehr – denn dann ist es noch dazu warm. An den Regierungs- und Parlamentsgebäuden in Stuttgart komme ich aber nur im Herbst und Winter bei blauer Dunkelheit vorbei; ganz so lange gehen meine Arbeitstage in Stuttgart auch nicht, dass sich dieses Bild auch im Sommer bieten würde. Deswegen assoziiere ich mit dem hell erleuchteten Schloß und dem golden glänzenden Hirsch auf dem Kunstgebäude den Herbst – jetzt schon zum dritten Mal.







