Ich wollte diesen Beitrag eigentlich bebildern, komme aber mobil – anderes Thema – gerade nicht an meine noch bei Onedrive liegenden Dateien; ein nicht wegklickbares Popup für Copilot verhindert den Zugriff. Insofern ohne Bilder.
Aus den ersten Wahlkämpfen, bei denen ich als Kind meinen Eltern zugeschaut bzw. als Jugendlicher geholfen habe, kenne ich es noch so, dass Kleister verwendet wurde. (Das hierzu zu denkende Bild aus den 1980ern zeigt dutzende fertige Plakate, die zum Trocknen vor einer Garage aufgestellt sind.)
Konkret: es wurden dünne Holzfaserplatten aus dem Baumarkt besorgt. Oben und unten wurden Löcher hineingebohrt, um diese Holzpappen dann mit Blumendraht an Laternen zu befestigen. Format A1. Die Platten konnten mehrfach verwendet werden.
Zum Plakatieren wurden sie mit Tapetenkleister eingepinselt, dann das mehr oder weniger dünne Papierplakat darauf ausgebreitet und zum Schutz vor Regen nochmals eine Schicht Kleister aufgebracht.
Es dauerte also inklusive des Trocknens der Plakate eine ganze Weile, bis man überhaupt losziehen und Plakate aufhängen konnte.
Irgendwann in den 2000er Jahren wurden die Holzpappen dann durch Hohlkammerplakate aus Kunststoff ersetzt. Diese wurden (und werden) direkt mit dem Plakatmotiv bedruckt geliefert, idealerweise auch schon vorgelocht, so dass sie schnell mit Kabelbindern angebracht werden können.
Vorteile: viel leichter, wetterfest (wobei je nach Plakatmachart Knick- und Vandalismusgefahr besteht), und recht günstig auch in Kleinauflagen (etwa für einen Wahlkampf zu einem lokalen Bürgerbegehren) herstellbar.
Nachteil: am Schluss viel Plastikmüll – und die Frage, ob die Recyclingversprechen gehalten werden.
Bei den letzten Wahlkämpfen (so gestern beim Plakatieren) setzen wir nun auf ein neues Medium – fester Karton, wetterfest lackiert, und an den Kanten oben und unten umgefaltet, um mehr Stabilität zu gewähren („Vordermann“). In A1 als Doppelplakat zum Falten, in A0 müssen zwei Plakate zusammengebunden werden. All das geschieht mit Kabelbindern, ebenso die Befestigung an der Laterne.
Zu lange sollte der Wahlkampf nicht andauern, ganz so haltbar sind diese Plakate nicht – aber so gibt es immerhin eine Variante, die nachher ins Altpapier kann und nur durch die große Zahl an Kabelbindern Plastikmüll erzeugt. Auch diese Plakate sind relativ leicht und können gut zu zweit, zu Not auch alleine plakatiert werden.
Ein Nachteil aller neueren Varianten: die Kleisterplakate konnten auch auf Wände oder freistehende Holzständer plakatiert werden; die Holzplatten waren zudem stabil genug, um sie an Baumscheiben oder frei stehend am Infostand zu verwenden. Da haben die auf dünne Träger gedruckten Plakate Nachteile.
Diskutierbar wäre an dieser Stelle auch der Fortschritt der Drucktechnik (unabhängig vom Trägermaterial). Waren anfangs jenseits der farbigen Großserien schwarz-weiße Drucke auf farbigem Papier das Maximum für lokale Plakate, ist inzwischen der grafisch gestaltete Vierfarbdruck völlig unproblematisch möglich. Dafür gibt es andere Neuerungen – so ist auf den aktuellen Landtagswahlplakaten nicht nur ein ViSdP, sondern auch ein TTPA-Hinweis nach EU-Werberecht zu finden.
Was das politische Plakatieren in den letzten Jahren deutlich erleichtert hat, ist – zumindest im grünen Kontext – die Wahlkampf-App, in der jedes Plakat mit Standort auf einer Karte eingetragen wird. Beschädigungen etc. können über die App gemeldet werden, und auch beim Abhängen werden (hoffentlich) alle Plakate wieder gefunden.
