Schlagwort-Archive: technik

Neues zum Fall Andrej H.

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Weil’s im Blog ein bißchen untergeht: in diesem Beitrag habe ich – als PS mit inzwischen sechs Updates – ein bißchen was zur Verhaftung des Berliner Stadtsoziologen Andrej H. geschrieben. Wer sich dafür interessiert, sollte da nachlesen. Das wichtigste ist sicherlich der von vielen prominenten SozialwissenschaftlerInnen und über 600 weiteren unterstützte offene Brief, in dem die Generalbundesanwältin aufgefordert wird, ihre Praxis zu überdenken und Andrej Holm freizulassen. Inzwischen gibt’s auch eine internationale Version davon einer zweiten Initiative, nämlich hier.

Warum blogge ich das? Aufmerksamkeitsgenerierung.

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Blogsommerloch 111

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Das Sommerloch hat zweierlei Auswirkungen auf die »Blogosphäre«. Auswirkung 1: es tut sich nichts. Auswirkung 2: ganz im Gegenteil, vor allem Studis haben plötzlich relativ viel Zeit und schreiben und schreiben, dass es schwer fällt, mit dem Lesen nachzukommen. Ich habe eigentlich anderes zu tun (neben der ein paar Beiträge weiter vorne schon angerissenen Frage danach, wie sich Natur, Technik und Gesellschaft theoriearchitektonisch geschickt verknüpfen lassen ist es vor allem ein sehr konkreter Abwasch, der noch auf mich wartet), schließe mich dem Trend aber insofern an, als ich schon wieder was hierher schreibe, und zwar die relativ lapidare Zahl 111.

Wieso, weshalb, warum? Mein OpenBC/XING-Account hat inzwischen diese Zahl von bestätigten Kontakten erreicht. Finde ich spannend, wer da zu finden ist (und wer nicht). Und noch spannender fände ich hier ein Tool wie das neulichs angesprochene Visualisierungswerkzeug für Facebook. Denn in meinem XING-Account mischen sich (oder eben nicht) munter (ex-)grüne Kontakte, hochschulpolitische Kontakte, akademische Kontakte und Leute, die ich z.B. aus meinem Abijahrgang kenne. Und eine Metaarchitektur hätte ich auch immer noch gerne.

Warum blogge ich das? Genau das richtige fürs Blogsommerloch, oder?

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Das magische Dreieck, oder: Milchkaffee

Veröffentlicht unter Soziologisch gesehen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , ,  
I am a hard bloggin' scientist. Read the Manifesto.

Nachdem Tina Günther mein Blog netterweise zu den soziologischen zählt, und weil mir das Grafikdesign von »Hard Bloggin‹ Scientist« gut gefällt, und ich das überhaupt für eine gute Idee halte, möchte ich mein Blog hier doch verstärkt dazu nutzen, meinen soziologischen Schaffensprozess zu begleiten.

Derzeit schlage ich mich mit dem Problem herum, mir klar darüber werden zu wollen, wie sich das »magische Dreieck« aus Natur, Technik und Gesellschaft sozialtheoretisch fassen lässt. Das hat zum einen ziemlich viel damit zu tun, die – in großer Zahl vorliegenden Texte zu diesem Thema – zu überblicken und zu verdauen, zum anderen aber auch viel damit, darüber nachzudenken, was ich von den verschiedenen Argumenten eigentlich halte und welche theoretische Position mir sinnvoll erscheint. Vor Jahren schon hat mich Johannes Moes mal darauf hingewiesen, dass es Technik eigentlich gar nicht gibt. Inzwischen kann ich nachvollziehen, warum das eine einleuchtende Position sein kann. Nur: wie damit umgehen, dass »die Technik« genauso wie »die Natur« gesellschaftliche Konstrukte sind, einerseits, dass aber, andererseits, sowohl die Grenzziehung innerhalb des Materiellen (was ist noch Natur, was schon Technik?) als auch die zwischen dem Materiellen und der Gesellschaft verschwimmen (für letzteres argumentieren beispielsweise Bruno Latour, Donna Haraway oder auch Mike Michael) und eigentlich alles nur noch als Hybrid, Cyborg, Co-Agent, verteiltes Netzwerk denkbar erscheint? Vor allem dann, wenn man gerade dabei ist, eine techniksoziologische Arbeit über im Alltagssinn durchaus dem Gefilde des Technischen zuzurechnende Dinge zu schreiben?

Vielleicht hilft ein Beispiel, die verschwimmenden Grenzen sichtbar zu machen: gerade eben war ich einen Milchkaffee trinken (um über eben diese Frage nachzudenken), und bin danach durch den Regen wieder in mein Büro gelaufen. Eine ganze Reihe von »Akteuren« sind an dieser Szenarie beteiligt. Konstellationsanalytisch lässt sich beispielsweise nach Menschen, technischen Dingen, natürlichen Dingen und Zeichensystemen (also Diskursen, Regelwerken etc.) sowie Hybriden aus den vier Gruppen unterscheiden. Während klassisch-soziologisch genau zwei Akteure auftreten: ich und der Verkäufer des Milchkaffees, oder mit Luhmann all das beschriebene nur insofern wichtig ist, als es Teil gesellschaftlicher Kommunikation darüber ist (Finanztransaktionen, Kommunikationen innerhalb des Wissenschaftssystems, …) und Personen keine Rolle spielen, tauchen mit der von Latour u.a. inspirierten Konstellationsanalyse haufenweise Akteure auf (es sei jetzt mal dahingestellt, welche für eine Analyse der Situation wirklich relevant sind):

  • Menschen: Ego, Verkäufer
  • Zeichensysteme: Geld; evtl. die Speisekarte; Wissen über das richtige Verhalten in Cafes; die Vorstellung, dass Nachdenken im Cafe besser funktioniert; Distinktion (Milchkaffee aus dem Cafe und nicht Plörre aus dem Automaten)
  • technische Dinge: ein Tisch, ein Barhocker, die Kaffeetasse, die Straße, Kaffee, eine Espressomaschine
  • natürliche Dinge: Kaffeebohnen, Koffein, Wasser, Milch (damit auch Kühe), der Regen, ein durch Koffein anstachelbarer Körper
  • Hybride: das Cafe, die Stadt, der Milchkaffee
  • Dieses Netzwerk trägt die soziale Praktiken »einen Kaffee trinken gehen, um über nachzudenken« und »Spaziergang im Regen«

    Es ließe sich jetzt jedoch genauso gut fast alles in die Kategorie »Hybride« packen – und da wird dann mein Problem mit dem Dreieck deutlich. Mal abgesehen davon, dass Menschen natürlich ;-) eh hybrid sind (Körper, Bewusstsein, Brille, Kleidung, Geldbeutel, …), ist die Milchkaffeetasse zwar ein technisches Ding, aber auch kulturell aufgeladen. Dass in der Tasse Milchkaffee ist, funktioniert nur durch das Zusammenwirken von Wasser, Kaffeeplantagen und -händlern, den Stromwerken, dem Verkäufer hinter dem Bartresen, den zu diesen Zweck gezüchteten und manipulierten Kühen, … hinter dem einfachen Milchkaffee steckt also auch schon wieder ein hybrides Netzwerk. Und dass das mit Natur und Technik so einfach nicht ist, machen nicht nur die Kühe deutlich (klar, Natur – aber ziemlich technisierte Natur!), sondern auch der Regen: der fällt wegen Gravitation und Wetterverhältnissen, letztere haben – immerhin haben wir August! – diese Woche aber auch was mit dem anthropogenen Klimawandel zu tun.

    Wenn aber, und das ist mein letzter Schlenker für heute, eigentlich eh alles Hybride sind: wie dann hingehen, und die einzelnen Bestandteile, die da zusammenwirken, in ihren Wirkungen und Beeinflussbarkeiten voneinander trennen? Orthodoxe Latour-AnhängerInnen werden jetzt erklären, dass das halt der große Fehler der Moderne ist, der Versuch, dies zu trennen, und ich das halt lassen soll; um darüber zu reden – und um analytische Aussagen treffen zu können – muss ich hier aber trennen, Netzwerke auseinandernehmen und (nicht zuletzt der disziplinären Anschlussfähigkeit in Richtung a. Techniksoziologie und b. Umweltsoziologie zuliebe) Unterscheidungen treffen. Und da stehe ich jetzt.

    Warum blogge ich das? Um zum Nachdenken über diesen Umstand heute nicht noch eine dritte Tasse Kaffee trinken zu müssen.

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    Wikis politisch nutzen?

    Veröffentlicht unter Digitales Leben, Politik & Gesellschaft, So grün, so grün, Soziologisch gesehen, Wissenschaft | Verschlagwortet mit , , , , ,  

    Eigentlich beschäftigen mich zur Zeit ja ganz andere Fragen: als wissenschaftlicher Mitarbeiter geht es mir um den Zusammenhang von Geschlecht und Organisation, in meinem leider immer noch nicht abgeschlossenen Dissertationsvorhaben um Technik und Alltagskultur. Als ich aber Anfang des Jahres auf einen Call for papers der kommunikation@gesellschaft (K@G) zum Thema Wikis gestoßen bin, konnte ich es dann doch nicht lassen, dort einen Beitrag anzumelden.

    Schon im Vorfeld hatte ich beobachtet, dass im Umfeld von Bündnis 90/Die Grünen vermehrt auf Wikis zurückgegriffen wurde. Eigentlich (schon wieder …) wollte ich nur eine kurze Notiz darüber verfassen, letztlich einfach auf diese Möglichkeiten hinweisen. Dann habe ich mir ein paar dieser politischen Nutzungsweisen – zwischen dem einmaligen »Text-Event« und der Verwendung als organisationsinterne »Groupware« – jedoch näher angeschaut, und letztlich auch ein bißchen geschaut, was es sonst schon zur politischen Nutzung von Wikis gibt (nicht viel), und aus den Beispielen Thesen dazu abgeleitet, was den Erfolg politischer Wiki-Nutzung ausmacht:

    Aus dieser Darstellung kann – thesenhaft formuliert – der Schluss gezogen werden, dass neben der quantitativen Beteiligung und der Aktivität für den Erfolg politischer Wikis insbesondere die letztgenannten drei Dimensionen relevant sind: eine nicht-anonyme Nutzergruppe, ein hohes Maß an organisatorischer Integration und vor allem ein hohes Maß an Involvement. Ist ein Wiki dagegen nicht in den politischen Prozess integriert und wird von einer Gruppe benutzt, die kaum mit den eigentlichen EntscheidungsträgerInnen in der Partei identisch ist, kann vermutlich vorhergesagt werden, dass die Ergebnisse der Debatte im Wiki für die Meinungsbildung in der Partei nur eine geringe Relevanz haben werden.

    Wer sich also für neue Formen politischer Partizipation mit Hilfe computergestützer Kommunikation interessiert, kann sich ja mal das Abstract oder den Artikel anschauen.

    Ich habe noch keine Zeit gehabt, genauer in die anderen Artikel der Wiki-Sonderausgabe der K@G hineinzugucken. Es gibt zwei inhaltliche Schwerpunkte: zum einen der wissenschaftliche Blick auf die Wikipedia (was auch sonst ;-), zum anderen die Nutzung von Wikis in Organisationen, in der Pädagogik und an Universitäten. Mehr dazu steht auch im K@G-Blog und in der Kulturwissenschaftlichen Technikforschung.

    Warum blogge ich das? Weil der Artikel jetzt endlich online ist (geschrieben habe ich ihn im März), und weil er mir insgesamt – für ein Nebenbeiprojekt – ganz gut gelungen erscheint und vielleicht hilfreich für weitere Partizipationsexperimente ist.

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    Was ist Wissenschaft? Eine empirische Erhebung

    Veröffentlicht unter Freiburg, Wissenschaft | Verschlagwortet mit , , , , , ,  

    Die letzten paar Tage gab’s Rummelplatz rund um die Uni. Genauer gesagt: die Wissenschaftsmeile, Höhepunkt der Festwoche (ich muss ja zugeben: je länger ich das Jubiläum jetzt tatsächlich mitkriege, desto skeptischer betrachte ich es). Jedenfalls hat die Wissenschaftsmeile einige Schattenseiten: die Rempartstraße und der Rotteckring sind gesperrt (gut so) – aber alles ist umzäunt, und die Umleitungsstrecke ist ziemlich halsbrecherisch. Und Festprogramm mit jeder Menge Musik und Getobe passt nicht so gut zu Klausuren, die gleichzeitig geschrieben werden.

    Aber nehmen wir die Wissenschaftsmeile doch einfach mal ernst und schauen, was die offizielle Universität unter Wissenschaft versteht. Dabei ist es natürlich am besten, streng empirisch und quantitativ vorzugehen. Grundlage für die Erhebung bildet also die vergebene Standfläche:

    Uebersichtsplan Wissenschaftsmeile
    Offizieller Plan der Meile (Anklicken zum Vergrößern)
    Weiterlesen

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