Archiv des Autors: Till

Gauck auf der Goldwaage

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Ich weiß, es nervt. Aber je länger die Debatte um Joachim Gauck anhält, desto weniger sehe ich, dass er auch nur gut darin wäre, gesellschaftlichen Debatten anzustoßen. Einer, an dem man sich reiben kann, sagen die, die ihn jetzt aus grüner Sicht verteidigen. Aber wer eine große Reibungsfläche bietet, wird leicht zum geistigen Brandstifter.

Konkret wird das an einem langen Zitat aus einem NZZ-Interview, das die publikative als Transkript veröffentlicht hat. Ein langer, langer Satz – eher ein Gedankenstrom – aus diesem Zitat lohnt der näheren Betrachtung, dazu als Kontext die beiden Sätze zuvor.

Das ganze eher als akademische Übung – mir ist bewusst, dass ich hier haarspalterisch (und doch methodisch eher freihändig) Gaucks Worte auf die Goldwaage lege. Ich finde es dennoch hilfreich, sich einmal ganz genau anzuschauen, was Gauck sagt, und zu überlegen, was er damit meinen könnte – auch, um sowas wie latente Deutungsmuster freizulegen. Mir ist klar, dass meine Deutungen hier nicht frei von Voreingenommenheit sind – ich bitte gegebenenfalls um begründeten Widerspruch.

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Kurz: Reden wir noch, oder schreiben Sie schon?

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Auch Lobo wirft sich jetzt auf die »Stille Post im Netz«. Hauptthese: Korrekt zitieren, ordentlich journalistisch arbeiten – das gehört zur Medienkompetenz einer guten deutschen Social-Media-NutzerIn dazu. (Nebenbei: Dass der Vorwurf der Verkürzung diejenigen, die eine kritische Meinung zu Joachim Gauck geäußert haben, nur so halb trifft, zeigt Anatol Stefanowitsch im Sprachlog). Ordentlich journalistisch arbeiten, im Netz, sonst wird das nichts mit der politischen Kommunikation dort.

Ich weiß jetzt, warum mich diese Aussage irritiert: Weil Sascha Lobo Twitter auf das Zitieren und Retweeten verkürzt, das soziale Netz als Netzwerk aus Zitaten darstellt. Ja. Das ist es auch. Aber gerade Twitter ist eben auch Konversation. Eine Form einer textuellen Kultur der Mündlichkeit. Mehr Gerede als Geschriebenes.

Natürlich: Die digitale Differenz der Speicherbarkeit, Durchsuchbarkeit und identischen Kopierbarkeit unterscheidet Twitter vom lebhaften Gespräch in der Kneipe. Eine Kommunikations- und Konversationsform sui generis, vielleicht. Eine, bei der noch immer nicht so ganz klar ist, was eigentlich die sozialen Nutzungsregeln sind (damit meine ich nicht die formalen, aufschreibbaren, sondern die Erwartungen an die damit verbundenen Praktiken).

Wenn ein Politiker eine andere Politikerin auf Twitter neckt, ist dass dann zitierbar? Journalistisch verwertbar? Oder hat’s eher den Status des zufällig in der Bundestagskantine belauschten Austauschs in der Essensschlange? Und wenn da einer sagt: »Gauck sei doch für Sarrazin« – ist das dann a. verwerfliche, uninformierte, dumme Kampagne, eine b. verkürzte mündliche Meinungsäußerung oder c. das notwendige Grundrauschen der Meinungsbildung des politischen Twitters, die eben nicht in Form geschliffener Essays stattfindet?

P.S.: Kultursendungen im Radio sind sozusagen das Gegenteil davon: verskriptete Mündlichkeit.

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Photo of the week: Ice in the sunshine XIX

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Ice in the sunshine XIX

 
Und auch diese Woche nochmal eines meiner Eisfotos, auch wenn inzwischen hier mit plus 5 Grad schon fast wieder frühlingshafte Temperaturen herrschen.

Noch eine kleine Beobachtung zur Debatte um Gauck: Ich komme mir gerade nicht so vor, als würde ich mich in einer »Filter-Bubble« befinden, sondern gleich in zwei, die sich überschneiden. Die eine ist der Meinung, dass Joachim Gauck nicht nur konservativ ist, sondern richtig weit rechts steht, und gräbt dafür Belege aus. Die andere ist der Meinung, dass Gauck ein toller Kandidat ist, und dass es jetzt – mit den Filter-Bubble-Artikeln und der einen oder anderen Sprachregelungen – auch eine gute Keule gibt, mit der auf jeden, der sich irgendwie kritisch äußert, drauf geschlagen werden kann. In der Schnittmenge dieser beiden Blasen* ist es ziemlich laut und hört sich ungefähr so an, wie wenn meine Kinder sich streiten (»Nein!« – »Doch!« – »Nein!« – »Du bist blöd!« – »Du bist blöd!«). Und ich fühle mich jedesmal mitgemeint, nur weil ich glaube, dass Gauck kein guter grüner Kandidat ist, und finde, dass diese Meinung durchaus auch geäußert werden kann, und dass es gute Argumente dafür gibt. Das ist das.

* Eigentlich sind’s weniger Blasen als Hoch- bzw. Tiefdruckgebiete, die aufeinander zu rauschen.

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Der Kandidat der nationalen Einheit

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1950s watering can

Freitag: Rücktritt von Christian Wulff, Sonntag abend: gemeinsame Nominierung von Joachim Gauck durch FDP, CDU, CSU, SPD und uns Grüne. Definitiv nicht das Ergebnis, das ich mir erhofft hätte.

Zwischen Freitag und Sonntag lag ein trotz Fasching politisch aufgeladenes Wochenende. Ich finde es sinnvoll, noch einmal auf das Verfahren und auf das Ergebnis einzugehen.

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Sollbruchstellen im grünen Mehrgenerationenprojekt

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Frank Schirrmachers Abgesang auf die »konservativ«-neoliberale Fraktion der Babyboomer-Generation ist ein schöner Anlass, um über politische Generationen im grünen, links-alternativen Spektrum nachzudenken. Denn auch wir haben unsere Babyboomer.

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