Im Blog kommentieren und andere Zumutungen

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Garden party II

Mein Artikel zur Zahl der bei Carta von Frauen und von Männern geschriebenen Beiträge hat ja eine heftige Debatte ausgelöst. Dazu folgt ein längerer Reflektionstext über Blogkommentare, Geschlechterverhältnisse und nicht zuletzt die Frage, welchen Sinn ich in Blogkommentaren sehe. Mit teilweise unschönen Beispielen.

Die Debatte zu dem Text über Beiträge von Frauen und Männern bei Carta drehte sich relativ schnell nicht mehr um die Frage der Beiträge bei Carta, sondern wurde zu einer allgemeineren Debatte über »Kommunizieren Frauen anders als Männer – und was hat das für das Internet zu bedeuten« oder so. Auch interessant, aber eigentlich nicht unbedingt Thema. Und am Schluss glitt sie dann in sowas wie »Eine interaktive Einführung in Gender Studies für Menschen, die diesen eher distanziert gegenüber stehen« ab.

Das geschah zum Teil in einem unwirschen, unsachlichen und persönlichen Tonfall. Hart an der Grenze zu Kommentaren, die ich löschen würde, aber – aus meiner (privilegierten?) Sicht – gerade noch diesseits dieser Grenze. Hier findet sich das Ankerbeispiel dafür. Das mir dann auch prompt den Vorwurf eingebracht hat, dass ich mich nicht deutlich genug von der Aussage eines/einer Kommentierenden distanziert habe, dass Frauen hysterisch seien, und wohl auch prinzipiell nicht klar genug Grenzen gesetzt habe.

Siehe dazu diesen Tweet von @hanhaiwen (Helga) und – als Reaktion auf meine Frage, wie andere das sehen, die Aussage von @thinkpunk:

wenn ich »solange frauen sich hysterisch verhalten« unwidersprochen/unkommentiert (vom op) lese, ist das tab zu.

Puh. Heute morgen konnte ich erstmal nicht weiter drauf reagieren, weil ich beim Arbeiten war. Aber ein bisschen geisterte das doch durch meinen Kopf, weil es natürlich auch eine Aussage darüber ist, wie weit Selbstbild und Fremdbild zusammen passen.

Warum habe ich auf den angesprochenen Kommentar nicht klarer mit Widerspruch reagiert? Zum einen, weil ich den Eindruck hatte, dass das in dem oben verlinkten Kommentarstrang zu Genüge passiert. Nebenbei, Textexegese: Helga beginnt ihren Kommentar – als Ausgangspunkt des Kommentarstrangs – mit folgendem Absatz:

Orrr, das Ton-Argument: »auf Blog xy ist der Ton so doof.« Das hat meines Erachtens kein bißchen was damit zu tun, wer bei Carta schreibt. Wenn wir es doch aufmachen wollen: Solange Talkshows im Öffentlich-Rechtlichen noch mit »sind Frauen hysterisch?« aufmachen, müssen wir uns über Verbitterung unter Frauen nicht wundern.

Sie setzt also durch den Bezug auf eine für heutige Talkshows typische Niveaulosigkeit (»Sind Frauen hysterisch?«) dieses Thema in die Debatte. Vorher in dem Kommentarstrang ging es in (aus meiner Sicht) eher sachlicher Tonlage darum, was Frauen davon abhält, Blogbeiträge zu schreiben bzw. zu kommentieren. Strittig war dabei die Frage der Tonalität – spielt diese eine Rolle oder nicht? Helga greift das hier mit einer klaren Ansage auf.

Erst darauf kommt Herr oder Frau »Ortmeier« – das ist nicht so ganz klar – ins Spiel und schreibt den Kommentar, in dem es unter anderem heißt:

solange frauen sich hystrisch verhalten, werden talkshows damit aufmachen.

Ich habe darauf nicht reagiert. Weil ich es für offensichtlichen Unsinn halte – und bisher davon ausgegangen bin, dass auch andere Menschen erkennen, was offensichtlicher Unsinn ist und nicht ernst genommen werden muss. Andere haben im Kommentarstrang – etwa vier Stunden später – mit deutlichen Worten reagiert. Nämlich einmal Helga und einmal Dierk. Ich hatte danach nicht den Eindruck, dass eine weitere Reaktion meinerseits notwendig ist.

Das war möglicherweise ein Fehler. Oder vielleicht war es abhängig davon, wie ich den Kommentarbereich in meinem Blog gestalten möchte, ein Fehler. Und ob meine etwas distanziert-ironische Aussage weiter unten

Ich ignoriere mal bewusst die diversen Anfeindungen, und sage auch nichts dazu, dass ich zwischen »Frauen sind hysterisch« und »Frauen verhalten sich in der Regel hysterisch« keinen wirklich großen Unterschied sehe, sondern will einen von »Kollege« aufgeworfenen Aspekt aufgreifen, den ich interessant finde.

… richtig verstanden wurde, ist ja auch noch so eine Frage.

Jedenfalls ging es im Kommentarstrang zu dem Text dann darum, ob das Internet ein »boys club« ist, in dem Rüpeleien eben hinzunehmen sind, oder ob »im Internet« unterschiedliche Kommunikationskontexte so gestaltbar sind, dass unterschiedliche Menschen sich dort wohl fühlen und miteinander reden können. Auf einem Spielfeld, das die vorhandenen Positionsunterschiede im sozialen Raum zumindest teilweise ausgleicht. In dem oben verlinkten Kommentar schreibe ich dazu:

Meine persönliche Idealvorstellung wäre eher der Salon (also nicht der aus dem wilden Westen, sondern der aus dem 18. Jh./19. Jh.).

Eigentlich finde ich dieses Bild immer noch gut. Und da, wo es zu Kommentaren im meinem Blog kommt, finde ich oft, dass es sachliche, höfliche Debatten sind, in denen hart in der Sache gestritten wird, und die insgesamt positiv zu dem Blogtext beitragen. Bisher habe ich mich darüber in erster Linie gefreut. Das führt dann teilweise dazu, sich in länglicher Form mit einzelnen Kommentierenden auseinanderzusetzen, die – aus meiner Sicht – abstruse Positionen vertreten. Mit etwas Glück führt es dazu, dass diese ihre Position überdenken (und ich manchmal auch meine). Ansonsten gilt:

1. Ich halte recht viel von freier Meinungsäußerung und lasse deswegen auch konträre und seltsame Kommentare eher stehen. Jede/r ist selbst für das verantwortlich, was er oder sie schreibt – wer sich blamieren will, darf das gerne tun.

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass dieser Kommunikationszustand insoweit herstellbar ist, als ich mir das Recht nehme, Kommentare zu löschen bzw. ggf. auch direkt im Kommentar mit Anmerkungen zu versehen, wenn diese beleidigend werden. Zudem schlage ich vor, mit einem erkennbaren Namen/Pseudonym zu kommentieren.

Nach den Anwürfen jetzt bin ich verunsichert. Was ja prinzipiell erst mal nichts schlechtes ist (nicht umsonst ist mir Nina Degeles Thema ihrer Antrittsvorlesung im Gedächtnis geblieben – sie hat über Soziologie und Gender Studies als Verunsicherungswissenschaften gesprochen). Scheinbare Selbstverständlichkeiten und Sicherheiten in Frage zu stellen, kann hilfreich sein.

Als Ergebnis dieser Verunsicherung stelle ich fest, dass mein Idealbild des Blogkommentar-Salons auch Ausschlüsse produziert. Zum Teil sind dies gewollte Ausschlüsse – das Trollen macht weniger Spaß, wenn niemand an die Angel geht, weil Provokationen ignoriert werden. Zum Teil sind es aber auch nicht intendierte Ausschlüsse, insofern ich implizit davon ausgehe, dass jede und jeder gleichermaßen selbstbewusst in der Lage dazu ist, im Netz seine oder ihre Meinung aufzuschreiben. Das ist natürlich nicht so. Und natürlich trägt jeder Kommentar zum Eindruck bei, den eine oder einer gewinnt, und der wiederum eine Rolle dabei spielt, ob er oder sie sich selbst zu Wort meldet oder nicht. (Und ja, zum Teil finden die interessanteren Debatten zu Blogtexten auf Twitter, Facebook oder sogar per Mailzuschrift statt).

Ein Salon ist kein linksautonomes Plenum, kein Raum, in dem versucht wird, den Anspruchs herrschaftsfreier Kommunikation durchzusetzen. Und ein plüschiger Salon, in dem beim Kaffee zwischen geladenen Gästen angeregt philosophiert werden kann, mag, bei Lichte betrachtet, gar nicht so weit entfernt sein von Clubs, die zur Pflege von Old-Boys-Netzwerken dienen.

Insofern gibt es da ein paar Verunsicherungen und Zweifel. Gleichzeitig bin ich noch nicht so ganz einsichtig und willig, den Stil und die Regeln im Umgang mit Kommentaren in diesem kleinen Blog zu ändern.

Das hat etwas mit den Gedanken zu tun, die hinter dem bewussten Zulassen seltsamer und konträrer Kommentare stehen.

Und dazu muss ich nochmal etwas ausholen. Ich möchte, dass meine Kommentare ein Ort sind, in dem kontrovers diskutiert werden kann.

Eine Erkenntnis aus meinem Soziologiestudium ist der Konstruktionscharakter der Wirklichkeit, eng verbunden mit der wissenssoziologischen Grundannahme gruppenspezifischen Hintergrundwissens, auch als »Ideologie« bekannt. Menschen denken und argumentieren in jeweils unterschiedlichen Selbstverständlichkeiten und Logiken (und damit meine ich jetzt nicht die Gruppen »Frauen« und »Männer«, sondern beispielsweise bayrische Konservative und linksautonome HamburgerInnen). Was auf den ersten Blick wie die gleiche Sprache aussieht, verweist auf ganz unterschiedliche Erwartungen an das Gegenüber.

Darin steckt die Handwerkskunst qualitativer Sozialforschung: Aus dem Gesagten zu rekonstruieren, welche Sinnzusammenhänge und Deutungen damit eigentlich verknüpft sind. Das sozial eingebettete, individuelle Wissen eines Menschen zu rekonstruieren. Das macht sozialwissenschaftliche Interviews und Gruppendiskussionen spannend. Weil sich damit Türen zu ganz anderen Welten öffnen.

Das Stehenlassen »seltsamer« Kommentare lässt sich liberal und politisch mit dem hohen Wert der Meinungsfreiheit argumentieren. Aber es lässt sich auch vor dem Hintergrund soziologischer Neugierde argumentieren: Das Aufeinanderstoßen unterschiedlicher Weltinterpretationen ist interessanter als die andauernde Selbstbestätigung.

(Das klingt jetzt romantischer, als es ist, und es ist möglicherweise eine romantische Vorstellung: Faktisch kann eine unterschiedliche Weltinterpretation auch bedeuten, gegen »feministische Gleichmacherei« zu hetzen. Das ist dann ganz klar eine Zumutung.)

Den Wunsch, im Blogkommentarbereich einen geschützten Raum herzustellen, in dem kommunikative Regeln vor Verletzungen schützen, und in dem aktiv versucht wird, privilegierte Positionen zu nivellieren, kann ich zunächst einmal nachvollziehen. Aber dieser Wunsch kollidiert mit meiner Vorstellung, Zumutungen und Kontroversen sichtbar zu machen und zu zu lassen. Eine Synthese aus beidem lässt sich möglicherweise mit einer strikten Durchsetzung der Regel eines respektvollen Umgangs miteinander erreichen. Aber das würde dann eben auch bedeuten, respektvoll zu bleiben, wenn, sagen wir mal, ein Männerrechtler seine komplett irre Weltsicht ausbreitet. Der natürlich in der Sache heftig widersprochen werden müsste – aber eben in der Sache.

Zu einem respektvollen Umgang gehört – und damit bin ich wieder beim Ausgangspunkt – dann natürlich auch, pauschale Zuschreibungen, die nicht respektvoll sind, zurückzuweisen (»Frauen verhalten sich hysterisch«). Ob eine solche Zurückweisung im Zweifelsfall reicht, um nicht doch andere Ausschlüsse zu produzieren, bleibt unsicher.

Warum blogge ich das? Um euch an meiner produktiven Verunsicherung teilhaben zu lassen.

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19 Antworten auf Im Blog kommentieren und andere Zumutungen

  1. C.K. sagt:

    Es verunsichert hoffentlich nicht noch mehr, aber die Aussage »solange Frauen sich hysterisch verhalten« ist NICHT »solange sich alle Frauen hysterisch verhalten«. Sie ist Äquivalent mit »solange es Frauen gibt, die sich hysterisch verhalten.«
    Nun kann man bestreiten, ob das Hysterischsein als psychische Verfassung eine Eigenschaft ist, die Frauen mehr betrifft als Männer. aber auch das behauptet der Autor nicht – er spiegelt nur die Aussage von Helga, die ebenso aus Talkshowtiteln Schlüsse zieht.
    Hier fehlt es einigen Diskutanten an analytischen Fähigkeiten.

    • Till sagt:

      Da ich an dieser Stelle gerne eine Diskussion darüber haben möchte, welche Bedeutung Blogkommentare haben und wie eine sinnvolle Balance zwischen der Zumutung der Kontroverse und dem Wunsch nach einem geschützten Raum gefunden werden kann, möchte ich darum bitten, davon abzusehen, hier darüber zu streiten, wie welche Aussage zu interpretieren ist und wer welche Interpretationsfähigkeiten mitbringt oder nicht.

  2. Joerg Rupp sagt:

    Ich halte das so: ich versuche nichts zu löschen. Ab und an greif ich mal ein und lösche Teile des Kommentars, aber erst nachdem ich gewarnt habe. Wen ich einmal lösche, den pack ich bei Wiederholung in den SPAM. Löschen tu ich nur bei dauerhaft beleidigendem Verhalten. Ich erkläre aber immer, was ich warum tue.
    Manche Dinge kann und will ich nicht in meinem Blog haben. Aber Blogkommentare haben für mich grundsätzlich erhebliche Bedeutung, da es mir ja auch um Austausch geht – und um Erkenntnisgewinn. Ich verstehe mein Blog schon immer wie mein Wohnzimmer oder ein Tisch in einer Kneipe, den ich bestellt habe und handle entsprechend meines Hausrechts.
    Ich bin allerding über viele Jahre in Scheidungs- und Männerforen an vieles gewohnt und lösche später, als das bei besagtem Thema jetzt erwartet worden wäre. Ich finde den hysterischen Satz auch nicht weiter tragisch und hätte da auch nicht eingegriffen.

  3. Björn sagt:

    Es ist natürlich so, dass das Argument »Meinungsfreiheit« im Prinzip überhaupt keine Rolle spielt – Du kannst auf Deiner Webseite natürlich löschen, was Du willst, und jedem, der sich dadurch eingeschränkt fühlt, steht es frei, sich in einem eigenen Blog nach Herzenslust auszutoben. Und das ist auch und vor allem ein zutiefst liberaler Standpunkt: Das hier ist Dein persönliches Stück Internet, und keiner sollte Dir dreinreden, was Du damit machst oder nicht machst. Wenn Leute in Deinem Vorgarten demonstrieren und Deinen Rasen zertreten, dann kannst Du sie schließlich auch rauswerfen, ohne dadurch gleich zum Gegner der Versammlungsfreiheit zu werden.

    Dass man trotzdem möglichst wenig löschen sollte, liegt aus meiner Sicht vor allem darin begründet, dass man sonst ständigem Rechtfertigungszwang ausgesetzt ist, denn wo will man die Grenze ziehen? Bei Nazis ist das noch einfach, aber was macht man mit Männerrechtlern, Klimaskeptikern, Atomkraftbefürwortern, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern und den vielen anderen seltsamen Gestalten, die das Internet bevölkern? Wenn Du überhaupt löschst, bist Du ganz schnell mit Forderungen konfrontiert, »solchen Leuten keine Plattform zu bieten«, und musst womöglich in jedem Einzelfall erklären, warum dies oder jenes stehenbleiben darf und anderes nicht. Da ist es viel gescheiter, gleich eine weitgehende laisser-faire-Politik zu betreiben, das spart viele unbefriedigende Meta-Debatten.

    Natürlich bedeutet das immer auch, dass es nicht ständig hundertprozentig kuschelig und politisch korrekt zugeht. Aber ehrlich gesagt würde es vielen Leuten gar nicht schaden, wenn sie sich einfach mal ein dickeres Fell zulegen würden. Und eine gute Diskussion wird durch ein paar kräftige Invektiven doch auch überhaupt erst interessant. :)

    • Till sagt:

      Das stimmt zwar, aber mir geht es schon auch um die im Text erwähnten Zumutungen. Sich immer nur in der eigenen Filterblase zu bewegen, mag zwar wohlig kuschelig sein, ist aber mindestens unsportlich.

      • Björn sagt:

        Zum konkreten Fall würde ich sagen: »Respektlos« ist genausowenig ein brauchbarer Begriff wie »hysterisch«, daher würde ich das stehenlassen. Überhaupt sind »pauschale Zuschreibungen« ja nicht prinzipiell verwerflich. Meistens handelt es sich um grob vereinfachte statistische Argumente, und als solche hätten sie eher eine Widerlegung als eine Löschung verdient.

  4. Till sagt:

    Apropos, weil jetzt auch bei Björn nochmal auf den Begriff »hysterisch« rekurriert wird: Problematisch darin ist ja die dahinter stehende Vorstellung bis ins 19. Jahrhundert, dass Frauen aus biologischen Gründen (herangezogen wurde dazu die Gebärmutter oder auch fehlender Geschlechtsverkehr!) zu Gefühlsüberschwang, mangelnder rationaler Analysefähigkeit und ähnlichem neigen würden. In der deutschen Wikipedia fehlt das weitgehend, aber http://en.wikipedia.org/wiki/Female_hysteria aus der englischen Wikipedia geht einigermaßen auf das Thema ein.

  5. Till sagt:

    (Und wo ich schon gerade dabei bin: Ich habe zwar Reaktionen von Frauen bei Facebook und per Mail auf diesen Beitrag bekommen, im Kommentarstrang haben sich aber bisher nur drei Männer zu Wort gemeldet. Ist jetzt eine kleine Fallzahl, aber mich würde doch interessieren, warum das so ist …)

  6. Arno sagt:

    Till, vielleicht hat das damit zu tun wie aggressiv und persönlich die Diskussion – auch dank deiner Moderation – hier geführt wird.

  7. georgi sagt:

    Lieber Till! Keine Sorge, Du hast im Prinzip alles richtig gemacht. Vergleiche doch bitte mal Deinen mit Helgas Blog oder dem der Mädchenmannschaft, der Helga einmal angehörte, und prüfe, ob deren Kommentarteil Deinen Ansprüchen genügt, und ob Du deren Kommentarregime bei Dir selbst haben willst! Kann man auf deren Plattformen kontrovers diskutieren? Sind sie offen für ungewöhnliche Sichtweisen? Hältst Du es für möglich, daß sich auf diesen Blogs Türen zu anderen Welten öffnen? Wenn nicht, dann mußt Du auch nicht Helgas Forderung nachgeben, Dein Kommentarregime nach dem ihren auszurichten.

    • Till sagt:

      Oh, mir geht es nicht um »Helga sagt« (oder wer auch immer). Ich finde es auch einfach so wichtig, sich zumindest mal der selbst produzierten Ausschlüsse bewusst zu sein. Und über mögliche Konsequenzen (inkl. Nebenfolgen) nachzudenken.

      • georgi sagt:

        Nun ja, ich muß in jedem Falle mit Ausschlüssen leben. Entweder Du gestattest Ortmeier und mir den Zutritt und Helga wird sich mit uns streiten oder wegbleiben, oder Helga zwingt Dir ihren Queerfeminismus auf, was erfahrungsgemäß nur so geht, daß all diejenigen, die wissen, wo die kleinen Kinder herkommen, ausgeschlossen werden. Ich kann es auch nicht vermeiden, daß sich christliche Fundamentalisten über mich ärgern, weil ich will, daß gleichgeschlechtige Lebensgemeinschaften Kinder adoptieren dürfen. Oder daß sich Konservative ärgern, weil ich dem Schutz von Ehe und Familie nicht denselben Stellenwert einräme wie sie, weil ich ja ganz genau weiß, daß alleinerziehende Eltern mit Kindern, schwule Lebenspartnerschaften, Regenbogenfamilien und alle möglichen anderen aus der durch Libertinage geschaffenen Not geborene Formen des Zusammenlebens von Menschen mit Kindern nach konservativer Ansicht nicht als Familien gelten.

        • Till sagt:

          Ich will ja durchaus, dass es diesen Streit gibt, deswegen schreibe ich oben von Zumutung. Allerdings muss ich doch noch mal ganz explizit drauf hinweisen, dass es nicht um Helgas Queerfeminismus geht, sondern dass ich ganz persönlich eine ganze Menge Sympathien für diese Denkrichtung habe (also oben bitte ersetzen durch »Tills Queerfeminismus«). Genau deswegen mache ich mir ja Gedanken – auch wenn ich zu anderen Schlussfolgerungen komme.

  8. Kollege sagt:

    Wenn Du ›Männerrechtlern‹ gestattest ihre Deiner Meinung nach irre Weltsicht auszubreiten läßt du gleichzeitig zu das diese Diskutabel wird.
    Das soll ja auf feministischen Blogs verhindert werden, denn wenn man bestimmt was Mitdiskutanten lesen dürfen an anderen Meinungen, bedeutet das natürlich auch das man bestimmen will was die Leute zu denken haben. (Warum auch immer)

    Man mißtraut ihnen also, die Wahrheit zu erkennen, sich selbst eine Meinung zu bilden und nachzudenken.
    Und warum sollte man das nicht Zensur nennen dürfen?

  9. Kollege sagt:

    @Till

    Nee, Till, nee. Siehe Wikipedia. Sogar die katholische Kirche hat zensiert.

    • Till sagt:

      Die katholische Kirche ist (und war erst recht) ja nun auch ein Staat.

      Ich glaube, Björn hat das ganz oben angesprochen: ein privates Internetangebot kann so restriktiv Kommentare zulassen, wie der oder die, dem es gehört, es möchte. Sich da aus bestimmten Gründen für eine restriktive Handhabung zu entscheiden, ist legitim – genauso wie es legitim ist, zu kontroversen Kommentaren zu ermuntern. Vor den Karren lass ich mich nicht spannen!

  10. Kollege sagt:

    @Tillwe

    Dann nimm eben Scientology als Beispiel. Siehe der Scientology Internetbrowser etc.

    Und natürlich ist das legitim. Ich hoffe nur das dann solche Leute nie Politik machen werden.

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