Die wichtigsten Wahlkampfthemen (Update: das Visuelle)

Dieser Beitrag wurde unter Gestaltungsfragen, Politik und Gesellschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die wichtigsten Wahlkampfthemen der MLPD sind hier zu finden. Wie sieht’s bei den größeren Parteien aus? Wortwolken der Programme sagen: es geht um Deutschland, Menschen, müssen und mehr. Und die Parteinamen. Auch nicht das, was ich eigentlich suchte (einen guten Überblick über die Parteiprogramme gibt’s bei der ZEIT, nebenbei).

Was ich eigentlich suche, wäre jedoch – und ich meinte, sowas gesehen zu haben – eine Umfrage, welche Themen als wahlentscheidend angesehen werden. Da ist es ja – Forsa-Umfrage zu den wahlentscheidenden Themen für Eltern. Bildungspolitik. Ach so, für Eltern. Und allgemein? Google findet Debatten darum, dass Netzpolitik wahlentscheidend sein könnte. Oder der Atomausstieg. Oder – so die Pharmalobby – die Gesundheitspolitik. Oder ganz anderes.

Nee, das ist auch nicht das, was ich eigentlich suche. Ah, doch noch gefunden, jetzt wirklich: Folie 13 im ARD-Wahlmonitor: »Wichtigste politische Aufgaben nach der Bundestagswahl«. Das ist zugegebenermaßen nicht ganz das gleiche wie die wahlentscheidenden Themen, war aber die Liste, die ich haben wollte:

Arbeitplätze – Wirtschaftswachstum – gerechtes Steuersystem – Familien mit Kindern unterstützen

Und dann gibt es noch die offene Frage nach den wichtigsten Themen (wir erinnern uns: Umweltschutz war (ein paar) Jahre lang ganz vorne). Im Juli sah das so aus:

Arbeitslosigkeit – Finanzkrise und Wirtschaftslage – Politikverdrossenheit – Bildung – Familien

Wozu das ganze? Tatsächlich geht’s mir um die Plakatkampagnen der großen (bzw. größeren) Parteien*. Ich habe nämlich das Gefühl, dass die sich stark an diesen Themen orientieren. Aber vergleichen wir doch einfach mal:

Thema CDU/CSU** SPD FDP Grüne DIE LINKE
Claim Wir haben die Kraft für … CDU Deshalb SPD / »Und deshalb wähle ich SPD« FDP … Deutschland kanns besser Aus der Krise hilft nur grün www.fuer-gerechtigkeit.de DIE LINKE
Arbeitsplätze ARBEIT SICHERN (Textplakat) »Die SPD kämpft für Arbeitsplätze. Für meinen und auch für Ihren« (+ Foto: Mann im Blaumann) Arbeit muss sich wieder lohnen (Textplakat) JOBS JOBS JOBS (mit Symbolen Sonne, Bauarbeiterhelm, Windrad) Hartz IV abwählen! (Textplakat)
Wirtschaft, Finanzkrise WIRTSCHAFT MIT VERNUNFT (Textplakat bzw. Foto Guttenberg) Weil Wirtschaft Maß und klare Regeln braucht (Textplakat) n/a ES GEHT UMS GANZE (Bild Erdkugel) Reichtum besteuern! (Textplakat)
Steuern n/a n/a Mehr Netto vom Brutto. (Textplakat) n/a Reichtum besteuern! (Textplakat)
Bildung GUTE BILDUNG (Foto Schavan) »Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen« (Foto Studentin im Hörsaal) Bildung ist ein Bürgerrecht. (Textplakat) WACHSTUM DURCH BILDUNG! (Symbol »Kind schaut gerade über unteren Plakatrand«) Mehr Geld für Bildung, nicht für Banken! (Textplakat)
Familien STARKE FAMILIEN (Foto van der Leyen) n/a n/a n/a n/a
Gesundheit n/a »Gesundheit darf kein Luxusprodukt werden« (Foto alt und jung) n/a n/a n/a
Energiepolitik, Umwelt n/a »Atomkraft war gestern. Saubere Energie ist die Zukunft« (Foto: junge Frau im Park)*** n/a SCHWARZ-GELB NEIN DANKE (Symbol Atommüllfässer) und diverse andere n/a
Netzpolitik bzw. Bürgerrechte SICHERHEIT UND FREIHEIT (Foto Schäuble) n/a Freiheit stärken, Bürgerrechte schützen DU BIST VERDÄCHTIG (Symbol Schäuble) n/a

Was sagt uns diese Auswahl jetzt? Erstens, dass es gar nicht unbedingt stimmt, dass alle Parteien die selben Top-5-Themen zur Wahl einsetzen. Zweitens, dass gerade Grüne und »DIE LINKE« Schwerpunkte jenseits der allgemein für wahlentscheidend erachteten Themen setzen (Grüne: Plakate zu Bio-Lebensmitteln und Elektro-Fahrzeugen, LINKE: Plakate zu Afghanistan und zum Thema Reichtum/Umverteilung). Drittens, dass die Plakatgestaltung und die Auswahl der Slogans sehr unterschiedlich einfallsreich ist. Viertens, dass nur wenige Plakate so richtig, richtig überzeugend rüberkommen. Fünftens, dass SPD und CDU die große Koalition sehr unterschiedlich einsetzen. Sechstens (hier nicht zu sehen), dass die Parteien mit Politikerbildern ganz unterschiedlich umgehen (CDU setzt bewusst auf Bilder der wichtigsten CDU/CSU-MinisterInnen; SPD hat nur Steinmeier im Angebot; bei der FDP gibt’s jedes Plakat nochmal mit »prominentem ›Liberalen‹« nebendran (von Westerwelle bis Rösler und Gerhardt; die Grünen Kopfplakate von Renate und Jürgen laufen parallel zu den Themenplakaten; die LINKE hat große Personenplakate mit entweder Lafontaine oder Gysi). Und siebtens, dass ich weniger den je glaube, dass Plakate wahlentscheidend sind – noch nicht mal die Skandalplakate aus dem Bezirk Kreuzberg etc. Und achtens: die Plakate der Parteien im Netz zu finden, ist je nach Partei ganz unterschiedlich schwer (FDP) oder einfach (CDU).

Warum blogge ich das? Aus Interesse daran, wie politische Werbung wirkt und was in den Köpfen von WahlkampfkampagnenleiterInnen so vorgeht.

* Nein, die PIRATEN sind keine größere Partei.
** Links auf die Plakate der Parteien, unten dann z.T. von mir getroffene Auswahl, falls mehrere Plakate zum Thema angeboten werden
*** Ich habe es mir ja verkniffen, inhaltlich was zu dieser Aufstellung zu sagen – aber ich find’s doch ein bißchen frech, wie die SPD das Umweltthema aufgreift – »Ausstieg aus der Atomkraft«, dabei noch ’ne junge Frau, also grüne Hauptzielgruppe – (ebenso im Deutschlandplan) und mit keinem Wort dazu sagt, dass sie weiterhin die Kohlepartei Nr. 1 bleibt.

P.S.: Ziemlich daneben finde ich übrigens die Reaktion der CDU Thüringen auf die NPD-Drohungen gegenüber Zeca Schall. Das nur nebenbei. (P.P.S.: Scheint wohl eher ein unglücklicher Zufall – schon länger geplante »Welle« in der Plakatierung – als ein intentionales Überplakatieren zu sein. Auch wenn die NPD das so darstellt, erscheint mir die Darstellung der CDU hier doch deutlich glaubwürdiger. Insofern relativiert sich auch das P.S.).

Update: (14.08.2009) Passend zur eher inhaltlichen Auseinandersetzung hier findet sich bei »Homo Politicus« eine visuelle Analyse der Wahlplakate (da sind auch alle im Bild zu sehen) – durch den Autor von designtagebuch.de, Achim Schaffrina (anders gesagt: die Creme de la Creme der Weboptik-Rezension). Unbedingt anklicken!

2 Personen gefällt dieser Eintrag.
pixelstats trackingpixel

7 Antworten auf Die wichtigsten Wahlkampfthemen (Update: das Visuelle)

  1. Tim sagt:

    Die Zuordnung von »ES GEHT UMS GANZE« überrascht mich etwas. für mich das klassische Globalisierungs/Dritte Welt usw. Plakat, aber kein Plakat, dass sich mit Wirtschaft/Finanzkrise befasst. Hingegen: Das E-Auto-plakat ist m.E. vor allem auch ein Wirtschaftsplakat (weil die unökologische Abwrackprämie ja das Kernstück der krisenbewältigung ist).

  2. Till sagt:

    Finde ich lustig, weil »ES GEHT UMS GANZE« auf der grünen Website so beschrieben wird:

    Es geht ums Ganze
    Drei große Krisen bedrohen die Menschheit: Die Wirtschaftskrise, die Klimakrise und die Armutskrise. Diese können nur gelöst werden, wenn wir sie gleichzeitig anpacken. Mit unserem Programm zur Bundestagswahl zeigen wir, wie es geht. Wir kämpfen für einen Green New Deal, der unsere Ziele zusammenfasst: Klimaschutz, Gerechtigkeit, Freiheit.

    Aber die grünen Plakate sind allesamt multithematisch – nicht nur die E-WAGEN, die auch was mit Wirtschaft zu tun haben. BIO, BABY spielt z.B. ja auch auf Gesundheit und irgendwie sogar Familien an, es gibt auch noch ein zweites JOBS+KLIMA-Plakat usw. Insgesamt: komplexere Botschaften in einer diesmal ziemlich gelungenen Grafik.

  3. Andreas Lex sagt:

    Hi Till, werde mich jetztundhier politisch nicht äußern, habe nur 1 Licht gesehen. Gruß vom Nachbarn AndiLex

  4. Till sagt:

    ;-) die soziale Kontrolle funktioniert

  5. Matthias Schröter sagt:

    Interessant auch, dass es nur eine Partei gibt, die mit Klimaschutz wirbt: im Dezember wird in Kopenhagen hoffentlich ein weltweites Klimaschutzabkommen geschlossen, dennoch messen allein die Grünen dem Klimaschutz im Superwahljahr Bedeutung bei (zumindest auf den Plakaten). Von der sog. Klimakanzlerin bleibt ist nicht viel übrig geblieben, und das »Saubere-Energie-ist-die-Zukunft« der SPD erscheint wenig glaubwürdig angesichts ihrer Kohlepolitik.

  6. Pingback: Grünzeug am Mittwoch 029: Hartz IV – aus Fehlern lernen

  7. Pingback: Semionauten » Blog Archive » Die Zeichen der Wahlplakate

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *