Tourist in der eigenen Stadt

Ich hat­te die­se Woche Urlaub, eigent­lich eher aus fami­li­en­ar­beits­lo­gis­ti­schen Grün­den. Das hat zum einen dazu geführt, dass ich stän­dig mit dem Foto­ap­pa­rat rum­ge­lau­fen bin. Wer mir auf Flickr folgt, wird’s gemerkt haben. Zum ande­ren hat­te ich die Muße, heu­te mor­gen – spon­tan, ange­sichts eines extre­men Wet­ter­kon­trasts zwi­schen dem nebe­lig-fros­tig-wei­ßen Rie­sel­feld und Son­ne in der Innen­stadt – mal Tou­rist in Frei­burg zu spie­len. Natür­lich mit dem Foto­ap­pa­rat in der Hand.

Und habe dann gemacht, was Tou­ris­tIn­nen so machen: Über Fischer­au und Ger­ber­au auf den Schloß­berg hoch, über den Stadt­gar­ten durch die Alt­stadt bis zum Müns­ter­markt, und dann noch einen kur­zen Abste­cher auf den Weih­nachts­markt. Und dann bin ich aus der Stadt mit ihren Son­nen­fle­cken (was mich dran erin­nert, dass ich unbe­dingt noch was län­ge­res über die MERI­AN-Schlag­zei­le „Stadt im Glück“ schrei­ben muss, aber dazu soll­te ich das Heft mal lesen) wie­der zurück ins Rie­sel­feld gefah­ren. In die Nebel­wand hin­ein, in eine Puder­zu­cker-Welt. Kein Schnee, aber den gan­zen Tag über Rau­reif und Frost auf allen denk­ba­ren Ober­flä­chen. Ins­be­son­de­re die Stra­ßen­bäu­me sahen regel­recht ver­zau­bert aus.

Wer sich das selbst anse­hen will, kann das unter dem Tag „Tou­rist in der eige­nen Stadt“ (chro­no­lo­gisch rück­wärts) auf mei­nem Flickr-Account tun. Oder hier eini­ge typi­sche tou­ris­ti­sche High­lights bewundern:

Martinstor I
Das Mar­tins­tor
Schloßberg X
Kas­ta­ni­en­gar­ten
Schloßberg XI
Blick vom Schloß­berg Rich­tung Süden
Schloßberg XXI
Frost auf den Bäumen
Schloßberg XXV
Blick aufs Münster
Münstermarkt VI
Müns­ter­markt
X-mas decoration
Weih­nachts­markt vor dem Rathaus
New university library building II
Neu­bau UB
Clara-Grunwald-School with white trees
Nebel und Frost im Rieselfeld

War­um blog­ge ich das? Na, aus dem Urlaub muss ja gebloggt wer­den, oder?

Photo of the week: Sun power

Sun power

 
Edward Snow­den, der Whist­le­b­lower, der Doku­men­te über „PRISM“ – das groß ange­leg­te Über­wa­chungs­pro­gramm der NSA – ver­öf­fent­licht hat, ist jemand, der mutig gehan­delt hat, und der sich – den Inter­views und Berich­ten im Guar­di­an zufol­ge, sehr bewusst und mit kla­rem Blick auf die per­sön­li­chen Kon­se­quen­zen für sich und ande­re dafür ent­schie­den hat, PRISM öffent­lich zu machen. Die ver­mut­lich größ­te Ent­hül­lung der letz­ten Jah­re zeigt zudem mit dras­ti­scher Deut­lich­keit, wie wenig das Han­deln Barack Oba­mas mit sei­nen Ver­spre­chun­gen zu tun hat. Ich hof­fe, dass Snow­dens Mut auch poli­ti­sche Kon­se­quen­zen haben wird. Die Netz­so­zio­lo­gin danah boyd hat eini­ge gute Argu­men­te dazu auf­ge­führt, war­um zu erwar­ten ist, dass die meis­ten Ame­ri­ka­ne­rIn­nen schlicht mit den Schul­tern zucken wer­den, nach dem Mot­to „betrifft mich ja nicht“.

Snow­den hät­te auch eine Roman­fi­gur sein kön­nen – in einem der Nicht-SF-Roma­ne von Iain (M.) Banks, der heu­te mit 59 Jah­ren gestor­ben ist. 

Banks war einer der ers­ten Autoren der neu­en schot­ti­schen Sci­ence-Fic­tion-Wel­le, die ich gele­sen habe, und der mich zu „ernst­haf­te­rer“ Sci­ence Fic­tion (und der Lek­tü­re im eng­lisch­spra­chi­gen Ori­gi­nal) hin­ge­führt hat. Mit den Büchern sei­ner Cul­tu­re-Rei­he hat er ein Uto­pia auf­ge­macht, dass durch­aus in der Lage dazu ist, als Gan­zes ethisch frag­wür­dig han­delt. Gleich­zei­tig – das zieht sich, neben dem Spaß an der Kon­struk­ti­on grö­ße­rer und grö­ße­rer Raum­schif­fe und künst­li­cher Lebens­wel­ten durch alle sei­ne Bücher – hat er wohl am kon­se­quen­tes­ten eine Kul­tur beschrie­ben, in der intel­li­gen­te Droh­nen und die „Minds“ der kon­ti­nent­gro­ßen Raum„schiffe“ mit den Men­schen* der Cul­tu­re all­täg­lich inte­griert inter­agie­ren – min­des­tens auf Augen­hö­he, wenn nicht sogar im Ver­hält­nis der über­ra­gen­den Maschi­nen­in­tel­li­genz zum – des Amü­se­ments wegen – gedul­de­ten Men­schen. Nach und nach habe ich dann den Nicht-SF-Banks („Iain Banks“ statt „Iain M. Banks“) ent­deckt und schät­zen gelernt. The Busi­ness (1999) bei­spiels­wei­se ist eine der les­bars­ten lite­ra­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit den Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zi­pi­en des Kapi­ta­lis­mus, die mir bekannt ist. (Und wer in sei­ne – teil­wei­se grau­sa­me – Sci­ence-Fic­tion ein­stei­gen will, kann das chro­no­lo­gisch mit Con­sider Phle­bas (1987) tun, oder mit Exces­si­on (1996), dem viel­leicht zugäng­lichs­ten der Culture-Romane).

Banks ist nicht mehr. Und das ist defi­ni­tiv ein Verlust.

* Men­schen: Mir ist bewusst, dass die Men­schen der Cul­tu­re kei­ne Men­schen sind …