Kurz: Wir sind (zu) viele

Das Pro­jekt „Deutsch­lands Blogger_innen“ (Update: Ver­si­on 2.0 mit Such­funk­ti­on), das in den letz­ten 24 Stun­den von Luca Ham­mer umge­setzt wur­de – eine inter­ak­ti­ve Visua­li­sie­rung der Face­book-Kon­tak­te von Blog­ge­rIn­nen – ist zunächst mal eine beein­dru­cken­de Spie­le­rei. Aber es führt auch noch ein­mal sehr ein­drück­lich vor Augen, wie vie­le Blog­ge­rIn­nen es in Deutsch­land gibt. Dar­ge­stellt ist ja nur der Teil, der sich in die dazu ange­leg­te Face­book-Grup­pe ein­ge­tra­gen hat (oder ein­ge­tra­gen wur­de), und der über­haupt bei Face­book aktiv ist. 

Mir ist auf­ge­fal­len, dass mir ein gro­ßer Teil der Blog­ge­rIn­nen über­haupt nichts sagt. Das betrifft auch eini­ge der „dicken Punk­te“, gut ver­netz­te Blog­ge­rIn­nen. (Mal abge­se­hen davon, ob Face­book-Ver­net­zun­gen viel über Inter­blog-Kom­mu­ni­ka­ti­on aus­sagt, bei mir zumin­dest läuft die eher über Twit­ter). Struk­tu­rell bie­tet sich das typi­sche Bild des power laws der Netz­werk­ge­sell­schaft: eini­ge weni­ge stark ver­netz­te, und dann schnell eine sehr gro­ße Zahl wenig ver­netz­ter Blogs. Wer möch­te, kann hier von A bis Z durchzählen.

Vie­le Blog­ge­rIn­nen – das ist erst ein­mal gut so. Ande­rer­seits heißt das auch, das nur weni­ge über klei­ne Bla­sen hin­aus wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen. Und die Auf­merk­sam­keits­span­ne, die Zahl der Blogs, die von vie­len gele­sen wer­den kön­nen, ist natur­ge­mäß begrenzt. Hier wäre ein Ver­gleich mit klei­ne­ren Sprach­ge­mein­schaf­ten oder Län­dern span­nend: Wenn 500.000 Men­schen die Grund­ge­samt­heit bil­den, in der sich Blogs ver­net­zen und wahr­ge­nom­men wer­den, sieht das anders aus als bei etwa 100 Mio. im deut­schen Sprach­raum. Noch­mal anders ist es, wenn der Sprach­raum so groß ist, dass die rich­tig gro­ßen Blogs gut davon leben kön­nen und selbst für Spe­zi­al­the­men im Long Tail noch eine kri­ti­sche Mas­se an Blog­ge­rIn­nen und akti­ven Lese­rIn­nen erreicht wird. Bei letz­te­rem erscheint mir die Situa­ti­on im deut­schen Sprach­raum grenz­wer­tig – dafür sind wir zu weni­ge. Und für „gene­ral inte­rest“ und Blogs als Mei­nungs­ko­lum­nen dann wie­der zu vie­le. Anders gesagt: Wir sind zu vie­le, und des­we­gen müs­sen wir mehr werden!

Datenbefreiung, oder: staatsmonopolistischer Netzkapitalismus

Goog­le räumt auf, und räumt dabei – zum Juli – auch den Goog­le Rea­der ab. Wer das nicht kennt: das ist ein Tool, um Blogs und ande­re Nach­rich­ten­quel­len, sofern sie RSS-Feeds haben, syn­chro­ni­siert zwi­schen meh­re­ren Gerä­ten zu lesen. Oder etwas weni­ger tech­nisch: ein Tool, mit dem ich auf einen Blick sehe, wel­che Arti­kel in mei­nen Lieb­lings­blogs und wel­che Nach­rich­ten von tagesschau.de ich noch nicht gele­sen habe, und zwar egal, ob ich auf dem PC, auf dem Smart­phone oder auf dem Tablet nach­schaue. Zudem sehe ich auf einen Blick, ob mei­ne Lieb­lings­blogs neue Ein­trä­ge haben, muss also nicht der Rei­he nach durch­blät­tern, was es wo gibt.

Der Goog­le Rea­der war mal mehr (das habe ich aber nie genutzt), und er ist nicht uner­setz­bar. Tat­säch­lich set­ze ich ihn erst aktiv ein, seit ich ein Smart­phone benut­ze. Auf dem PC war das fire­fox-inte­re Hand­ling durch­aus aus­rei­chend für mich, um die­se gera­de beschrie­be­ne Funk­tio­na­li­tät zu erfüllen.

Trotz­dem ärgert mich das Aus für den Goog­le Rea­der, und da bin ich nicht allei­ne, auch wenn man­che dem auch Gutes in Sachen Mono­pol­ver­mei­dung abge­win­nen können. 

Was ich kon­kret mache, mit wel­chem Tool ich mei­ne Lieb­lings­blog-Feeds in Zukunft lesen wer­de, das weiß ich noch nicht. Irgend­et­was wird sich finden. 

Aber ich muss­te doch wie­der an die Eisen­bahn denken. 

„Daten­be­frei­ung, oder: staats­mo­no­po­lis­ti­scher Netz­ka­pi­ta­lis­mus“ wei­ter­le­sen

Geschenkter Gaul, oder: von Pferdefleisch und Mindestlohn

White horse

Als Vege­ta­ri­er betrifft mich der Pfer­de­fleisch­skan­dal nicht so wirk­lich. Könn­te eine oder einer jeden­falls den­ken. Aber eigent­lich ist der Pfer­de­fleisch­skan­dal, wie die x Lebens­mit­tel­skan­da­le davor, eher ein Sym­ptom dafür, dass ins­ge­samt irgend­et­was nicht stimmt mit unse­rer hoch­in­dus­tria­li­sier­ten Lebens­mit­tel­in­dus­trie – und, das muss mit­ge­dacht wer­den, mit den Einkommensverhältnissen.

Ich habe mal nach­ge­schaut. Im Jahr 2012 habe ich monat­lich etwa 260 Euro für „Haus­halt“ aus­ge­ge­ben. Das sind in mei­ner eige­nen Sta­tis­tik* vor allem Lebens­mit­tel, aber auch Ver­brauchs­ar­ti­kel wie Toi­let­ten­pa­pier, Geschirr­spül­mit­tel oder Sham­poo. Dazu kom­men Bar­geld­aus­ga­ben – vor allem für Kan­ti­nen­es­sen beim Arbei­ten und Ver­pfle­gung beim Pen­deln. Das dürf­ten noch­mal um die 200 Euro pro Monat sein. Grob geschätzt gebe ich also monat­lich 420 Euro für Lebens­mit­tel aus. Für mich und zwei hal­be** Kin­der. Im Bio­la­den, und unter­wegs eben – lei­der meist nicht sehr öko­lo­gisch – an Bahn­hö­fen und in Kan­ti­nen. Ich trin­ke kei­nen Alko­hol, rau­che nicht und esse kein Fleisch – all das wür­de ver­mut­lich zu deut­lich höhe­ren Aus­ga­ben füh­ren, ins­be­son­de­re dann, wenn ich an Bio­qua­li­tät festhalte.

„Geschenk­ter Gaul, oder: von Pfer­de­fleisch und Min­dest­lohn“ wei­ter­le­sen

Kurz: Parteigewordene Bürokratie

Wel­che Par­tei hat einen Beam­ten als Vorsitzenden?

Wel­che Par­tei legt bekann­ter­ma­ßen mehr Wert auf Ver­fah­ren als auf Inhalte?

Wel­che Par­tei hat für in einem For­mu­lar fest­ge­hal­te­ne Vor­stands­be­schlüs­se „Umset­zungs­ver­ant­wort­li­che“?

Vie­les spricht dafür: die Pira­ten sind die ers­te par­tei­ge­wor­de­ne digi­ta­le Büro­kra­tie. Was mich, aber das wäre eine ande­re Geschich­te, an die Wiki­pe­dia erin­nert. Oder: der deut­sche Nerd und die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung von Verwaltungsvorschriften …