Science Fiction und Fantasy im Januar 2026

Snow in the garden - I

Ich fan­ge mit dem Bild­schirm an, das ist ein­fa­cher, weil in den letz­ten Wochen recht redu­ziert – zum einen des­we­gen, weil mei­ne Kin­der mehr Lust auf Gesell­schafts­spie­le als auf das gemein­sa­me Film­gu­cken hat­ten, zum ande­ren, weil ich mei­ne freie Zeit neben Arbeit und Wahl­kampf dann lie­ber in Lego gesteckt habe, wie beschrie­ben.

Übrig geblie­ben ist dann Star Trek – zum einen habe ich mal eine der Bil­dungs­lü­cken geschlos­sen und mir Star Trek IV: The Voya­ge Home ange­schaut, ein Film aus den 1980ern, genau­er gesagt kam er 1986 in die Kinos, der vor allem in den 1980ern spielt. Und selbst die Sze­nen, die drei­hun­dert Jah­re in der Zukunft statt­fin­den, sehen, etwa beim Blick auf das Design der Com­pu­ter­gra­fi­ken, sehr nach den 1980ern aus. Ganz pas­send dazu hat der Film ein Öko­the­ma (Wale ret­ten, um die Mensch­heit der Zukunft zu ret­ten) und kommt – was ich erfreu­lich fand – weit­ge­hend ohne Schie­ße­rei­en, Tote und ähn­li­che Groß­ka­ta­stro­phen aus, und baut trotz­dem Span­nung auf. Start­rek­mä­ßig ist das alles das Ende der TOS-Ära, sprich ein älter gewor­de­ner James T. Kirk, ein älter gewor­de­ne­ner Spock usw. – qua­si der Gegen­pol zu der neu­en Stran­ge-New-Worlds-Serie, die in der – im direk­ten Ver­gleich doch sehr sicht­ba­ren – Ästhe­tik der 2020er Jah­re die Vor­ge­schich­te von Kirk, Spock usw. erzählt.

Das ande­re Star-Trek-Momen­tum waren die ers­ten fünf Fol­gen der neu­en Star Trek: Star­fleet Aca­de­my-Serie (2026, Para­mount+), die uns ganz ans ande­re Ende des Star-Trek-Kos­mos ent­führt, in die fer­ne Zukunft einer im Wie­der­auf­bau befind­li­chen Föde­ra­ti­on. Die­se Post-Burn-Welt haben wir in der Dis­co­very-Serie ken­nen­ge­lernt, und eini­ge weni­ge Figu­ren (Van­ce, Reno) ver­bin­den bei­de Seri­en (ande­re, wie etwa der Holo­gram-Dok­tor, gibt es im Kon­text der Geschich­te schon eini­ge hun­dert Jah­re). Der Fokus ist bei Star­fleet Aca­de­my aller­dings ein ganz ande­rer: im 32. Jahr­hun­dert wird in San Fran­cis­co die pres­ti­ge­träch­ti­ge Star­fleet Aca­de­my wie­der ins Leben geru­fen, nach­dem in den letz­ten Jahr­zehn­ten das „War Col­lege“ und der Fokus auf die Ver­tei­di­gung der zer­fal­len­den Föde­ra­ti­on den Cam­pus über­nom­men hat­te. Die Star­fleet Aca­de­my lan­det wort­wört­lich in einem Raum­schiff auf dem Cam­pus (der USS Athe­na) – und nun müs­sen bei­de Ein­rich­tun­gen irgend­wie kooperieren.

Im Mix ist Star­fleet Aca­de­my zu 70% eine High­school-Serie mit allem, was dazu gehört: Coming of age, Riva­li­tä­ten, Lieb­schaf­ten – das ist der Fak­tor, der mich ein biss­chen abschreckt, der aber ver­mut­lich ziel­grup­pen­ge­nau einer jün­ge­ren Gene­ra­ti­on, die mit Pro­di­gy und Lower Decks auf­ge­wach­sen ist, ein Ange­bot macht. Bis­her haben mich die übri­gen 30% über­zeugt, wei­ter­zu­schau­en: über die bio­gra­fi­schen Hin­ter­grün­de der ein­zel­nen Cha­rak­te­re ler­nen wir den Zustand der Föde­ra­ti­on ken­nen – etwa die klin­go­ni­sche Dia­spo­ra. Und an ganz vie­len Stel­len blinkt der Ethos von Star Trek durch, bei dem Viel­falt und die Suche nach diplo­ma­ti­schen Lösun­gen, mög­li­cher­wei­se auch nach trick­rei­chen Umge­hun­gen und Loopho­les, wich­ti­ger sind als pure Gewalt. Neben den jün­ge­ren Haupt­fi­gu­ren glänzt das Lehr­per­so­nal, allen vor­an die Direk­to­rin der Star­fleet Aca­de­my, Nahla Ake (gespielt von Hol­ly Hun­ter) – eine äußerst lang­le­bi­ge und äußerst unkon­ven­tio­nel­le Lan­tha­ni­tin mit Hip­pie-Charme, die schon mal bar­fuß auf dem Cap­ta­ins-Ses­sel lüm­melt – und sich trotz­dem sehr schnell Respekt auch des War Col­leges erhält.

Erfreu­lich: trotz des aktu­el­len Zustands der USA (und trotz der ver­schie­de­nen Über­nah­men usw.) bleibt die Serie der Star-Trek-Bot­schaft von Ver­stän­di­gung und inter­kul­tu­rel­ler Zusam­men­ar­beit treu. Und auch wenn mich das Set­ting (Post-Burn genau­so wie High­school) zunächst mal abge­schreckt hat, ist spä­tes­tens ab der 3. Fol­ge klar, dass die Serie im bes­ten Sin­ne Star Trek ist.

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In diesem Sommer gelesen

Im Mai hat­te ich ja von der Nine-Realms-Serie („The Ceru­lean Queen“) berich­tet. Die ist immer noch emp­feh­lens­wert. Den Som­mer über habe ich dane­ben noch das eine oder ande­re wei­te­re Gen­re-Buch gele­sen (und neben­bei Seri­en wie She-Ra oder Kipo and The Age of Won­der­be­asts geschaut, aber dar­um soll es jetzt nicht gehen). Im Ein­zel­nen waren dies dann doch mehr Bücher als gedacht, nämlich:

  • John Scal­zi, The Last Emperox (2020) – Tur­bu­len­ter letz­ter Band der Emperox-Rei­he von Scal­zi, Space Ope­ra mit poli­ti­schen Ver­wick­lun­gen und Intrigen.
  • Jef­frey Lewis, The 2020 Com­mis­si­on Report on the North Kore­an Nuclear Attacks Against The United Sta­tes (2018) – Sehr selt­sa­mes Alt-Histo­ry-Buch: durch eine Rei­he von Miss­ver­ständ­nis­sen und vor allem das Fehl­ver­hal­ten des US-Prä­si­den­ten D.T. kommt es zu einem (begrenz­ten) Nukle­ar­krieg zwi­schen den USA und Nord­ko­rea. Das Buch behaup­tet, der Bericht der im Nach­hin­ein ein­ge­setz­ten Kom­mis­si­on zu sein, die rekon­stru­iert, wie es zum Nukle­ar­an­griff auf die US gekom­men ist. Soll vor den Gefah­ren der nuklea­ren Bewaff­nung warnen.
  • Alas­ta­ir Rey­nolds, Shadow Cap­tain (2019) / Bone Silence (2020) – Zwei Bücher in Alas­ta­ir Rey­nolds „Revenger“-Universum; die sich über bei­de erstre­cken­de Geschich­te lässt sich am bes­ten als Steam­punk im Welt­raum cha­rak­te­ri­sie­ren; geht um Pira­ten, Ver­rat, das Ver­hält­nis zwi­schen Men­schen und Außer­ir­di­schen und einen geheim­nis­vol­len Him­mels­kör­per, der den bewohn­ten Aste­ro­iden und Pla­ne­to­iden (das gan­ze spielt Mil­lio­nen Jah­re in der Zukunft, von heu­te aus gese­hen) nur alle paar zehn­tau­send Jah­re nahe kommt.
  • Hao Jing­fang, Vagabonds (2020) – Coming of age zwi­schen Erde und Mars, die in einem kal­ten Krieg mit­ein­an­der lie­gen. Mars scheint eine Uto­pie zu sein, die Erde dys­to­pisch gekenn­zeich­net, das gan­ze mit einer gehö­ri­gen Pri­se zeit­ge­nös­si­sche chi­ne­si­sche Per­spek­ti­ve. Eine inter­es­san­te Per­spek­ti­ve, auch die Spra­che ist … anders, als sonst von Sci­ence Fic­tion gewohnt.
  • David Wel­ling­ton, The Last Astro­naut (2019) – First Cont­act im Erd­or­bit, geht ziem­lich dane­ben. Weder das Mili­tär noch die kom­mer­zi­el­le Raum­fahrt krie­gen es gere­gelt. Geschrie­ben aus der Per­spek­ti­ve der letz­ten Astro­nau­tin, deren Flug zum Mars von vie­len Jah­ren schei­ter­te und die jetzt das unbe­kann­te Flug­ob­jekt erkun­den soll.
  • Kathe­ri­ne Adddi­son, The Angel of the Crows (2020) – Muss­te kurz nach­den­ken, was das noch­mal war: genau, eine Art Sher­lock-Hol­mes-Roman in einem über­na­tür­lich getränk­ten vik­to­ria­ni­schen Eng­land – es gibt Wer­wöl­fe und gefal­le­ne Engel, golem­ar­ti­ge Robo­ter und Vam­pi­re – und all das hat natür­lich Aus­wir­kun­gen dar­auf, wie der (gefal­le­ne?) Engel Crow und assis­tie­rend Dr. Doyle mit
    meh­re­ren dunk­len Geheim­nis­sen ihre Fäl­le lösen. Über­ra­schen­der schö­ner Schluss.
  • Megan E. O’Keefe, Velo­ci­ty Wea­pon (2019) / Cha­os Vec­tor (2020) – Space Ope­ra in einem durch Wurm­lö­cher ver­bun­de­nen Ex-Erd-Impe­ri­um, eine Elon-Musk-arti­ge Erfin­de­rin und das künst­li­che Bewusst­sein eines Raum­schiffs – der titel­ge­ben­den velo­ci­ty wea­pon spie­len eine gro­ße Rol­le, es gibt aber auch cyber­punk-arti­ge Slum-Bewohner:innen.
  • Zack Jor­dan, The Last Human (2020) – Coming of Age eines von allen ande­ren Wesen mas­siv gefürch­te­ten gefähr­li­chen Men­schen­kinds; inter­es­sant gebau­te Welt mit Anleh­nun­gen an Dou­glas Adams und Kom­men­ta­ren zu frei­em Wil­len, ver­teil­ter sowie gott­glei­cher Intel­li­genz (Men­schen sind auf einem „bare­ly sen­ti­ent“-tier in der Intelligenzpyramide).
  • Dani­el Abra­ham, A Shadow in Sum­mer (2006) / An Autumn War (2007) / A Betra­y­al in Win­ter (2008) / The Pri­ce of Spring (2009) – Beein­dru­cken­de Saga in einer detail­liert aus­ge­dach­ten Fan­ta­sy-Welt; Magie kommt in Form ver­kör­per­ter und sehr mäch­ti­ger Ideen vor, die zu beherr­schen nicht ein­fach ist. Eine Lebens­ge­schich­te mit über­ra­schen­den Wen­dun­gen, Intri­gen und einem rea­lis­ti­schen Blick auf Macht und schwe­re Entscheidungen.
  • Dan Moren, The Bay­ern Agen­da (2019) – James Bond als Space Opera.
  • James Gur­ney, Dino­to­pia (1992) – Mir bis­her ent­gan­ge­ner Klas­si­ker (ver­sun­ke­ne Welt, in der Men­schen und Dino­sau­ri­er ver­eint leben), hübsch illus­triert, die Geschich­te ist weni­ger spannend.
  • Kame­ron Hur­ley, The Mir­ror Empire (2014) – Eher dran rum­ge­kaut, fand die unter­schied­li­chen Erzähl­strän­ge ver­wir­rend und bin bis heu­te nicht sicher, ob ich jede Figur der rich­ti­gen Welt zuord­ne (die hier par­al­lel zuein­an­der lie­gen und durch Magie in Ver­bin­dung gebracht wer­den kön­nen). Teil­wei­se sehr fremd­ar­ti­ge Kul­tu­ren, der Sub­text ganz unter­schied­li­cher Nor­ma­li­tä­ten – Mehr-Eltern-Fami­li­en, ver­än­der­te Geschlech­ter­rol­len, gefähr­li­che Pflan­zen usw. – sag­te mir stre­cken­wei­se mehr als die Geschich­te, die am Ende von Band 1 abrupt und unbe­frie­di­gend endet.
  • Ursu­la K. Le Guin, No Time to Spa­re: Thin­king About What Mat­ters (2017) – Kei­ne Fik­ti­on, son­dern die gesam­mel­ten Blog­ein­trä­ge der ver­stor­be­nen Autorin; neben Kat­zen­ge­schich­ten geht es um Poli­tik, Schrei­ben, Reli­gi­on, … nicht alles fand ich über­zeu­gend, aber doch lesens­wert und altersweise.

Bis­her nicht ange­fan­gen habe ich Sarah Pins­ker, A Song for a New Day (2019), obwohl das von vie­len Sei­ten emp­foh­len wur­de und seit eini­ger Zeit auf mei­nem E‑Book-Lese­ge­rät liegt – schlicht und ein­fach des­halb, weil mir ein Buch über eine Pan­de­mie in einer Pan­de­mie zu lesen zu nahe ist.