Ein Nebeneffekt der Koalitionsverhandlungen (die in der Sparkassenakademie am Pariser Platz stattfanden): ich konnte den einen oder anderen Blick auf das „Europaviertel“ hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof werfen – sonst komme ich da nicht so oft vorbei. Viel moderne Architektur, viel verbaute Fläche, und beim Blick von der Sparkassenakademie auf das Genohaus mal wieder das Gefühl, dass Stuttgart aus diversen übereinander liegenden Schichten besteht, jedenfalls zweidimensional nicht zu verstehen ist.
Architektur im Kleinformat
Ich gebe zu: ich gehöre zu der Zielgruppe, auf die Lego mit „18+“-Modellen und „Lego Ideas“ zielt. Nachdem die Kiste fast ein Jahr bei mir rumstand, habe ich im Januar den Botanischen Garten (Modell 21353) dann tatsächlich mal aufgebaut. Mit immerhin 29 Papierbeuteln, 463 Bauschritten und einer knapp 400 Seiten umfassenden Anleitung nimmt der Aufbau doch einiges in Zeit in Anspruch, hat aber auch etwa sehr meditatives.
Ob das ein sinnvoller Zeitvertreib ist, darüber lässt sich sicherlich trefflich streiten. Man gibt recht viel Geld aus, und hat am Schluss ein Modell eines Gewächshauses im Regal stehen. Das aus meiner Sicht einigermaßen ansehnlich ist, sonst hätte ich es mir nicht gekauft. Und auch hier ist der Weg dahin natürlich ein großer Teil des Vergnügens. Königsklasse wäre natürlich der Bau ohne Vorlage bzw. nach Herumexperimentieren im digitalem Lego-Designer. Aber da bin ich (noch?) nicht, aktuell baue ich nach Anleitung.
Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen. Zum einen die Liebe zum Detail, die dieses Modell kennzeichnet. Dazu gehören die kreativen Lösungen, um eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzen darzustellen, wie es sich für ein ordentliches Gewächshaus in einem botantischen Garten gehört, und das halbwegs realistisch. Zahnräder bilden den Stamm einer Palme, Rollschuhe in pink eignen sich als Blüte, und so weiter. Zu dieser Liebe zum Detail gehören auch Dinge, die nur beim Aufbau zu sehen sind, oder gut versteckt sind. So enthält das Modell zwei Frösche (einer davon im Keller), ein Eichhörnchen, eine Reihe von Vögeln (einer davon auf einem Nest unter dem Dach des Hauses) und einen Hasen, der einen Rosenstock kahlgefressen hat. Im Cafe ist ein Kuchenbuffet aufgebaut, und hinterm Haus läuft Wasser aus einem Schlauch. Da entspinnen sich sofort Geschichten.
Zum anderen finde ich es faszinierend, wie weit Lego (und ähnliche Bausysteme) architektonisch gekommen ist. Damit meine ich, dass hier eben nicht einfach Klötze aufeinander gestapelt werden, sondern mit einer Reihe von technischen Kniffen Dinge nachgebaut werden wie Wendeltreppen oder große Glasfenster mit Säulen und Rundbögen, und das alles aus relativ herkömmlichen Elementen. Es gibt ein Fundament, der Boden ist gefließt, die Beete im Gewächshaus sind von geschwungenen Mauern umfasst, und über dem Eingang finden sich Zierelemente, die recht „echt“ wirken.
Als kleiner Ersatz für eine echte viktorianische Glashaus-Orangerie im Garten (würde ich auch gerne nehmen) macht sich der botanische Garten im Regal jedenfalls ganz gut, und passt auch halbwegs zu der Buchhandlung, die dort schon steht. Viel mehr Platz für große Modelle – Dinosaurierskelette, ein Mondlander und die ISS sind auch noch da – ist allerdings nicht mehr. Insofern ist Zurückhaltung angebracht.
Photo of the week: Copenhagen (part I)
Wie schon bei Florenz zu Ostern (und ja, wie eigentlich immer bei Reisen …) gibt es sehr viele Fotos, die ich aus Kopenhagen mitgebracht habe. Inzwischen habe ich sie sortiert und auf Flickr gestellt. Um meine Photo-of-the-Week-Rubrik nicht zu überfrachten, gibt es heute dann gleich mehrere Fotos – und ein bisschen Text dazu. Nächste Woche folgen dann noch Pride, Christiania und Museen.
Das MeerKopenhagen liegt am Meer (ich weiß gar nicht genau, ob das an dieser Stelle noch/schon Ostsee ist, oder ob der Öresund da ausgenommen ist), und das merkt man der Stadt an. Inzwischen kann auch im Hafengebiet an vielen Stellen gebadet werden. Das wurde auch eifrig getan. Ich selbst habe mir ein Fahrrad geschnappt und bin ins mondäne Klampenborg etwas nördlich der Stadt geradelt. Dort gab es Sonnenschein, weiß gestrichene Häuser, einen wunderbaren Sandstrand, blaues Meer – nur zum Schwimmen war’s etwas kalt. |
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Die FahrräderZugegebenermaßen war ich vor einigen Jahren in Holland beeindruckter von der Fahrradinfrastruktur, aber auch die in Kopenhagen ist erlebenswert. Es gibt viele breite Radwege, parkende Autos sind vielerorts in Nebenstraßen und Parkhäuser verbannt, und eine ganze Reihe von Brücken sind speziell für Radfahrende und Fußgänger*innen gedacht. Die gute Infrastruktur wird entsprechend gut genutzt – so viele Fahrradstaus habe ich bisher sonst nirgendwo erlebt. Positiv, vielleicht auch dem flachen Land geschuldet: keine aufgemotzten E‑Bikes, sondern zumeist gute alte Hollandräder. Genau das richtige für den entspannten Stadtverkehr. Kopenhagen ist nicht perfekt: die Ausschilderung der Hauptradrouten fand ich nicht so schlüssig, und an Kreuzungen war es manchmal etwas unübersichtlich. Auf dem Bild zu sehen: der sehr breite Radweg von Islands Brygge nach Vesterbro bei Sonnenuntergang. Das weiße Gebäude rechts ist übrigens eine neu gebaute Schule – samt Dachgarten und Rutsche von einem Stockwerk ins andere. |
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Die Architektur IKopenhagen ist eine Architekturmetropole. Es gibt ein sehr gut gemachtes Architekturmuseum (mit einer Sonderausstellung zu Recycling und Nachhaltigkeit im Bau, die ich sehenswert fand) und es gibt fast überall in der Stadt nicht nur die typischen klassizistischen Straßenzüge (und einige sehr spitz aufragende Türme), sondern auch sehr sehr viele neuere spannende Bauten. Auf dem Bild hier sind die Kaktustürme zu sehen, die ich besonders eindrucksvoll fand. Ich bin mir allerdings nicht sicher, wie funktional eigentlich die weit ausragenden Betonelemente sind, wenn ein Balkon als Balkon genutzt wird. Die Türme sind mit dem Dach des IKEA-Neubaus verbunden, das öffentlich zugänglich ist. |
Die Architektur IIGut gelungen erscheint mir die Verbindung von Neuem und Alten in dem neuen Stadtteil „Carlsberg“ auf dem ehemaligen Brauereigelände (von dem noch das berühmte Elefantentor steht). Weniger beeindruckend als oft dargestellt dagegen Superkilen in Nørrebro – der Stadtpark wirkte bei meinem Besuch eher wenig angenommen und etwas heruntergekommen. |
Die Architektur IIIWeniger gut gefallen hat mir Ørestad – ein groß angelegter neuer Stadtteil auf der Insel Amager, zwischen Kopenhagen und dem Flughafen (und der Brücke Richtung Malmö). Hauptachse des Stadtteils ist die autonom fahrende Metro, die hier überirdisch auf Stelzen unterwegs ist. Links und rechts davon reihen sich Klötze an Klötze; erst ein wenig im „Hinterland“ finden sich Wohnsiedlungen. Hier gibt es ein Einkaufs- und ein Kongresszentrum, insgesamt wirkte das auf mich aber sehr nach dem Computerspiel „Cities Skylines“ und nicht nach einer menschengerechten Stadt – die Plätze wirkten verlassen und es gab spürbar mehr Autoverkehr. |
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Photo of the week: ASG with clouds
Vor der Haustür keine Wildnis mehr, dafür bietet sich der weite Blick über mehrere Varianten Schulzentrum (und am Tag dieses Fotos zudem wunderschöne Wolkenformationen). Das ASG („Albert-Schweitzer-Gymnasium“) wird saniert, deswegen sind die Klassen in Container ausgelagert, der ganz im Hintergrund zu erkennende Gymnasialturm im Orange der späten 1970er Jahre wird umgebaut. Im Mittelgrund die alte und die neue Sporthalle, auf der oben Klassenzimmer sind. Und in grün der irgendwann in den 2000er Jahren gebaute Mensa-Neubau. Wildnis fand ich schöner, aber eine gewisse Ästhetik ist auch diesem Ausblick nicht abzusprechen.














