Architektur im Kleinformat

Lego Botanical garden - XV

Ich gebe zu: ich gehö­re zu der Ziel­grup­pe, auf die Lego mit „18+“-Modellen und „Lego Ide­as“ zielt. Nach­dem die Kis­te fast ein Jahr bei mir rum­stand, habe ich im Janu­ar den Bota­ni­schen Gar­ten (Modell 21353) dann tat­säch­lich mal auf­ge­baut. Mit immer­hin 29 Papier­beu­teln, 463 Bau­schrit­ten und einer knapp 400 Sei­ten umfas­sen­den Anlei­tung nimmt der Auf­bau doch eini­ges in Zeit in Anspruch, hat aber auch etwa sehr meditatives. 

Building - I
Building - II
Building - III
Building - IV
Building - V

Ob das ein sinn­vol­ler Zeit­ver­treib ist, dar­über lässt sich sicher­lich treff­lich strei­ten. Man gibt recht viel Geld aus, und hat am Schluss ein Modell eines Gewächs­hau­ses im Regal ste­hen. Das aus mei­ner Sicht eini­ger­ma­ßen ansehn­lich ist, sonst hät­te ich es mir nicht gekauft. Und auch hier ist der Weg dahin natür­lich ein gro­ßer Teil des Ver­gnü­gens. Königs­klas­se wäre natür­lich der Bau ohne Vor­la­ge bzw. nach Her­um­ex­pe­ri­men­tie­ren im digi­ta­lem Lego-Desi­gner. Aber da bin ich (noch?) nicht, aktu­ell baue ich nach Anleitung.

Dabei sind mir zwei Din­ge auf­ge­fal­len. Zum einen die Lie­be zum Detail, die die­ses Modell kenn­zeich­net. Dazu gehö­ren die krea­ti­ven Lösun­gen, um eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Pflan­zen dar­zu­stel­len, wie es sich für ein ordent­li­ches Gewächs­haus in einem botan­ti­schen Gar­ten gehört, und das halb­wegs rea­lis­tisch. Zahn­rä­der bil­den den Stamm einer Pal­me, Roll­schu­he in pink eig­nen sich als Blü­te, und so wei­ter. Zu die­ser Lie­be zum Detail gehö­ren auch Din­ge, die nur beim Auf­bau zu sehen sind, oder gut ver­steckt sind. So ent­hält das Modell zwei Frö­sche (einer davon im Kel­ler), ein Eich­hörn­chen, eine Rei­he von Vögeln (einer davon auf einem Nest unter dem Dach des Hau­ses) und einen Hasen, der einen Rosen­stock kahl­ge­fres­sen hat. Im Cafe ist ein Kuchen­buf­fet auf­ge­baut, und hin­term Haus läuft Was­ser aus einem Schlauch. Da ent­spin­nen sich sofort Geschichten.

Zum ande­ren fin­de ich es fas­zi­nie­rend, wie weit Lego (und ähn­li­che Bau­sys­te­me) archi­tek­to­nisch gekom­men ist. Damit mei­ne ich, dass hier eben nicht ein­fach Klöt­ze auf­ein­an­der gesta­pelt wer­den, son­dern mit einer Rei­he von tech­ni­schen Knif­fen Din­ge nach­ge­baut wer­den wie Wen­del­trep­pen oder gro­ße Glas­fens­ter mit Säu­len und Rund­bö­gen, und das alles aus rela­tiv her­kömm­li­chen Ele­men­ten. Es gibt ein Fun­da­ment, der Boden ist gefließt, die Bee­te im Gewächs­haus sind von geschwun­ge­nen Mau­ern umfasst, und über dem Ein­gang fin­den sich Zier­ele­men­te, die recht „echt“ wirken.

Als klei­ner Ersatz für eine ech­te vik­to­ria­ni­sche Glas­haus-Oran­ge­rie im Gar­ten (wür­de ich auch ger­ne neh­men) macht sich der bota­ni­sche Gar­ten im Regal jeden­falls ganz gut, und passt auch halb­wegs zu der Buch­hand­lung, die dort schon steht. Viel mehr Platz für gro­ße Model­le – Dino­sau­ri­er­ske­let­te, ein Mond­lan­der und die ISS sind auch noch da – ist aller­dings nicht mehr. Inso­fern ist Zurück­hal­tung angebracht. 

Photo of the week: Copenhagen (part I)

Wie schon bei Flo­renz zu Ostern (und ja, wie eigent­lich immer bei Rei­sen …) gibt es sehr vie­le Fotos, die ich aus Kopen­ha­gen mit­ge­bracht habe. Inzwi­schen habe ich sie sor­tiert und auf Flickr gestellt. Um mei­ne Pho­to-of-the-Week-Rubrik nicht zu über­frach­ten, gibt es heu­te dann gleich meh­re­re Fotos – und ein biss­chen Text dazu. Nächs­te Woche fol­gen dann noch Pri­de, Chris­tia­nia und Museen.

A day at the sea - IX

Das Meer

Kopen­ha­gen liegt am Meer (ich weiß gar nicht genau, ob das an die­ser Stel­le noch/schon Ost­see ist, oder ob der Öre­sund da aus­ge­nom­men ist), und das merkt man der Stadt an. Inzwi­schen kann auch im Hafen­ge­biet an vie­len Stel­len geba­det wer­den. Das wur­de auch eif­rig getan. Ich selbst habe mir ein Fahr­rad geschnappt und bin ins mon­dä­ne Klam­pen­borg etwas nörd­lich der Stadt gera­delt. Dort gab es Son­nen­schein, weiß gestri­che­ne Häu­ser, einen wun­der­ba­ren Sand­strand, blau­es Meer – nur zum Schwim­men war’s etwas kalt.

Die Fahrräder

Dybbølsbro - I

Zuge­ge­be­ner­ma­ßen war ich vor eini­gen Jah­ren in Hol­land beein­druck­ter von der Fahr­rad­in­fra­struk­tur, aber auch die in Kopen­ha­gen ist erle­bens­wert. Es gibt vie­le brei­te Rad­we­ge, par­ken­de Autos sind vie­ler­orts in Neben­stra­ßen und Park­häu­ser ver­bannt, und eine gan­ze Rei­he von Brü­cken sind spe­zi­ell für Rad­fah­ren­de und Fußgänger*innen gedacht. Die gute Infra­struk­tur wird ent­spre­chend gut genutzt – so vie­le Fahr­rad­staus habe ich bis­her sonst nir­gend­wo erlebt. Posi­tiv, viel­leicht auch dem fla­chen Land geschul­det: kei­ne auf­ge­motz­ten E‑Bikes, son­dern zumeist gute alte Hol­land­rä­der. Genau das rich­ti­ge für den ent­spann­ten Stadt­ver­kehr. Kopen­ha­gen ist nicht per­fekt: die Aus­schil­de­rung der Haupt­rad­rou­ten fand ich nicht so schlüs­sig, und an Kreu­zun­gen war es manch­mal etwas unüber­sicht­lich. Auf dem Bild zu sehen: der sehr brei­te Rad­weg von Islands Bryg­ge nach Ves­ter­bro bei Son­nen­un­ter­gang. Das wei­ße Gebäu­de rechts ist übri­gens eine neu gebau­te Schu­le – samt Dach­gar­ten und Rut­sche von einem Stock­werk ins andere. 

Die Architektur I

Kaktustårnene (Cactus towers) - III

Kopen­ha­gen ist eine Archi­tek­tur­me­tro­po­le. Es gibt ein sehr gut gemach­tes Archi­tek­tur­mu­se­um (mit einer Son­der­aus­stel­lung zu Recy­cling und Nach­hal­tig­keit im Bau, die ich sehens­wert fand) und es gibt fast über­all in der Stadt nicht nur die typi­schen klas­si­zis­ti­schen Stra­ßen­zü­ge (und eini­ge sehr spitz auf­ra­gen­de Tür­me), son­dern auch sehr sehr vie­le neue­re span­nen­de Bau­ten. Auf dem Bild hier sind die Kak­tu­stür­me zu sehen, die ich beson­ders ein­drucks­voll fand. Ich bin mir aller­dings nicht sicher, wie funk­tio­nal eigent­lich die weit aus­ra­gen­den Beton­ele­men­te sind, wenn ein Bal­kon als Bal­kon genutzt wird. Die Tür­me sind mit dem Dach des IKEA-Neu­baus ver­bun­den, das öffent­lich zugäng­lich ist. 

Die Architektur II

Carlsberg district - XX

Gut gelun­gen erscheint mir die Ver­bin­dung von Neu­em und Alten in dem neu­en Stadt­teil „Carls­berg“ auf dem ehe­ma­li­gen Braue­rei­ge­län­de (von dem noch das berühm­te Ele­fan­ten­tor steht). 

Weni­ger beein­dru­ckend als oft dar­ge­stellt dage­gen Superki­len in Nør­re­b­ro – der Stadt­park wirk­te bei mei­nem Besuch eher wenig ange­nom­men und etwas heruntergekommen. 

Die Architektur III

Ørestad South - XII

Weni­ger gut gefal­len hat mir Ørestad – ein groß ange­leg­ter neu­er Stadt­teil auf der Insel Ama­ger, zwi­schen Kopen­ha­gen und dem Flug­ha­fen (und der Brü­cke Rich­tung Mal­mö). Haupt­ach­se des Stadt­teils ist die auto­nom fah­ren­de Metro, die hier über­ir­disch auf Stel­zen unter­wegs ist. Links und rechts davon rei­hen sich Klöt­ze an Klöt­ze; erst ein wenig im „Hin­ter­land“ fin­den sich Wohn­sied­lun­gen. Hier gibt es ein Ein­kaufs- und ein Kon­gress­zen­trum, ins­ge­samt wirk­te das auf mich aber sehr nach dem Com­pu­ter­spiel „Cities Sky­li­nes“ und nicht nach einer men­schen­ge­rech­ten Stadt – die Plät­ze wirk­ten ver­las­sen und es gab spür­bar mehr Autoverkehr.

Photo of the week: ASG with clouds

ASG with clouds, Gundelfingen

 
Vor der Haus­tür kei­ne Wild­nis mehr, dafür bie­tet sich der wei­te Blick über meh­re­re Vari­an­ten Schul­zen­trum (und am Tag die­ses Fotos zudem wun­der­schö­ne Wol­ken­for­ma­tio­nen). Das ASG („Albert-Schweit­zer-Gym­na­si­um“) wird saniert, des­we­gen sind die Klas­sen in Con­tai­ner aus­ge­la­gert, der ganz im Hin­ter­grund zu erken­nen­de Gym­na­si­al­turm im Oran­ge der spä­ten 1970er Jah­re wird umge­baut. Im Mit­tel­grund die alte und die neue Sport­hal­le, auf der oben Klas­sen­zim­mer sind. Und in grün der irgend­wann in den 2000er Jah­ren gebau­te Men­sa-Neu­bau. Wild­nis fand ich schö­ner, aber eine gewis­se Ästhe­tik ist auch die­sem Aus­blick nicht abzusprechen.