Annäherungen an seltsame Welten, oder: Demokratie als Utopie

Side street

Weih­nach­ten ist ja ger­ne gese­hen als Zeit­punkt für Rück­bli­cke auf das ver­gan­ge­ne Jahr. Per­sön­lich kann ich nicht kla­gen, wenn ich auf 2017 zurück­bli­cke. Aber das gro­ße Gan­ze liegt mir schwer im Magen – nach Brexit und Trump gab es 2017 nicht nur neu auf­flam­men­de Krie­ge und Kon­flik­te, son­dern auch Wahl­er­geb­nis­se in Euro­pa, bei denen doch erschre­ckend vie­le Men­schen rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei­en und deren Kandidat*innen gewählt haben. Die AfD sitzt jetzt nicht nur in diver­sen Land­ta­gen, son­dern auch im Bun­des­tag. In Frank­reich und in Öster­reich wur­den Rechtsaußen-Präsident*innen nur knapp ver­hin­dert. Und in Öster­reich regiert nun die FPÖ mit und dreht das Rad des Fort­schritts zurück. 

Und wenn ich bei mei­nen häu­fi­gen Zug­fahr­ten – oder selbst im Bekann­ten­kreis – mit­krie­ge, über was Men­schen sich unter­hal­ten, was sie bewegt, was ihre Grund­an­nah­men sind: auch dann ist da erschre­ckend viel dabei, was gut zu die­sen rech­ten Ten­den­zen passt. Und ich fra­ge mich, was in die­sen Men­schen eigent­lich vor­geht. Wie sie die Welt sehen. 

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Photo of the week: Birds of Rieselfeld IV

Birds of Rieselfeld IV

 
Eigent­lich mag ich das nicht, wenn zwei Fotos der Woche direkt auf­ein­an­der fol­gen. Und Ideen für Tex­te hät­te ich auch, aber wegen Vor­weih­nachts­stress (im Job muss eini­ges vor dem 22.12. erle­digt sein, und zu Hau­se gibt es auch dies und das vor­zu­be­rei­ten) kom­me ich gera­de nicht dazu, die zu schrei­ben. Inso­fern müsst ihr euch mit einem – hm, wenn ich dem Vogel­pos­ter an der Wohn­zim­mer­tür glau­ben schen­ken darf – Gim­pel zufrie­den geben. Blog­text­wün­sche, Vogel­be­stim­mungs­kor­rek­tu­ren etc. ger­ne im Kommentarbereich.

Photo of the week: Cookies

Cookies

 
Ich bin ja halb­wegs stolz dar­auf, dass ich Ende Novem­ber zumin­dest mit jedem Kind ein­mal Plätz­chen geba­cken habe – wobei das eigent­lich zu wenig ist. Und ich selbst ger­ne noch mehr backen wür­de. Wenn da nicht die­se Par­tei­ta­ge und die genau dazwi­schen fal­len­de Sit­zung mei­ner BAG gewe­sen wären, die brav die Wochen­en­den belegt haben. Ich mei­ne, es ist nicht so, als wären die Kin­der nicht auch bei ihrer Mut­ter und bei R. die­ses Jahr sogar in der Schu­le am Plätz­chen­ba­cken. Trotz­dem ist es ja erst Halb­zeit bis Weih­nach­ten. Viel­leicht gibt’s doch noch ein oder zwei Gele­gen­hei­ten. Wobei dann noch zu ent­schei­den wäre, was für Plätz­chen – Aus­ste­cher­le sind zwar nett zu ver­zie­ren, aber eigent­lich mag ich ja lie­ber wel­che in Rich­tung Leb­ku­chen, Gewür­ze, Oran­geat ten­die­ren­de. Was die Kin­der wie­der­um nicht so toll fin­den. Schau­en wir mal.

Zur Erinnerung an Baldo Blinkert

Am 26. Novem­ber 2017 ist der Frei­bur­ger Sozio­lo­ge Bal­do Blin­kert gestor­ben. Da ich, wie Gene­ra­tio­nen Frei­bur­ger Sozio­lo­gie­stu­die­ren­der, viel von ihm gelernt habe, und ihn durch­aus als prä­gen­den Ein­fluss sehe, will ich doch ein paar Wor­te zur Erin­ne­rung in mein Blog setzen.

Ers­tens war Blin­kert der­je­ni­ge, der am immer eher klei­nen Frei­bur­ger Insti­tut für Sozio­lo­gie – und am FIFAS, sei­nem For­schungs­in­sti­tut – die sozi­al­wis­sen­schaft­li­che Metho­den­aus­bil­dung ver­kör­per­te, ins­be­son­de­re mit Blick auf fort­ge­schrit­te­ne­re Sta­tis­tik. Lei­se und beharr­lich erklär­te er uns Alpha- und Beta-Feh­ler, Regres­sio­nen und Varianztests. 

Zwei­tens war Blin­kert für mich die Ver­kör­pe­rung des aka­de­mi­schen Mit­tel­baus. Lan­ge, lan­ge Jah­re wirk­te er als „aka­de­mi­scher Ober­rat“, erst spät wur­de er zum außer­plan­mä­ßi­gen Pro­fes­sor. Ein­ge­bracht hat er sich, so jeden­falls die dama­li­ge stu­den­ti­sche Per­spek­ti­ve, nicht mehr oder weni­ger als die „ordent­li­chen“ Professor*innen. Auch dar­an lie­ße sich viel über das aka­de­mi­sche Berufs­feld erläutern.

Drit­tens und am wich­tigs­ten für das Bild von Blin­kert, wie es in mei­ner Erin­ne­rung bleibt: im Win­ter­se­mes­ter 1998 besuch­te ich bei ihm ein Semi­nar zur Stadt­so­zio­lo­gie, genau­er gesagt: zur Kri­se der Stadt­ent­wick­lung. Da ging es um Glo­ba­li­sie­rung, for­dis­ti­sche und post­for­dis­ti­sche Theo­rien der Stadt und ähn­li­ches mehr. Das war nicht nur inhalt­lich span­nend, son­dern auch des­we­gen inter­es­sant, weil zum Semi­nar Rad­tou­ren in ver­schie­de­ne Frei­bur­ger Stadt­tei­le gehör­ten – Sozio­lo­gie mit direk­ter Erkun­dung des Ver­suchs­ge­gen­stands wirk­li­che Welt, sozusagen.

Wäh­rend der Blin­kert der Metho­den­se­mi­nar tro­cken und manch­mal auch schwer ver­ständ­lich sein konn­te, lern­te ich hier einen enga­gier­ten Sozio­lo­gen ken­nen, bei dem deut­lich wur­de, dass sta­tis­ti­sche Metho­den kein Selbst­zweck sind, son­dern immer das Ziel haben, sich einem Gegen­stand zu nähe­ren und im bes­ten Fall die Per­spek­ti­ve der Betrof­fe­nen sicht­bar zu machen.

Auch über das sozio­lo­gi­sche Semi­nar hin­aus wirk­te Blin­kert in die Stadt hin­ein: mit der Kin­der­stu­die, die Frei- und Bewe­gungs­räu­me von Kin­dern ins Sicht­feld der Stadt gezo­gen hat, und direkt auf die Gestal­tung Frei­burgs Wir­kung zeig­te, mit der jah­re­lan­gen Erstel­lung des Miet­spie­gels, und immer wie­der als Stim­me in Dis­kus­sio­nen und Gesprächsrunden. 

Die­se Stim­me – lei­se und beharr­lich, enga­giert und zugleich beschei­den – ist jetzt ver­stummt. Aber etwas bleibt davon. Bei vie­len, die in Frei­burg stu­diert haben, und auch in der Stadt selbst.

Nach­ruf Ste­fan Kaufmann/Institut für Soziologie
Nach­ruf Tho­mas Goebel/Badische Zeitung

Photo of the week: Autumn morning IX

Autumn morning IX

 
Zwi­schen dem Moment des Foto­gra­fie­rens und dem Zeit­punkt, zu dem ich es schaf­fe, die Bil­der von der Spei­cher­kar­te zu kopie­ren, sie aus­zu­wäh­len und nach­zu­be­ar­bei­ten, ver­geht manch­mal Zeit. Drau­ßen schneit es inzwi­schen, aber das war an die­sem Mor­gen in der zwei­ten Novem­ber­wo­che noch nicht zu ahnen. Die auf­ge­hen­de Son­ne über dem Schwarz­wald setz­te die Wol­ken in Sze­ne, Tau­ben, Krä­hen und ein Fal­ke oder Sper­ber oder so woll­ten gese­hen wer­den, und – hier nicht im Bild – auch das letz­te bun­te Herbst­laub leuch­te­te noch in aller Farbenpracht.